Hallo,
hmja, richtig, Schily hat sich zu einem Hardliner entwickelt,
der seinem Amtsvorgänger oder auch seinem Kollegen Beckstein
in nichts hinterhersteht. Um so verwunderlicher, dass die
beiden nicht zu einer Konsenslösung kommen (wollen)…
Ob und wieweit Schily in seiner Rechtsanwaltszeit Politiker
angegriffen haben mag, kann ich nicht nachvollziehen, damals
war ich schlicht zu jung. Erkennbar für mich ist aber doch ein
gewaltiger Unterschied zwischen dem „damaligen“ Terrorismus
und dem, was wir heute erleben müssen.
Nein, ich will und werde die RAF in keiner Weise verteidigen.
Ich konnte ihre Motivation niemals verstehen. Und ja, sie
haben gemordet. Aber: Niemals ist die RAF gezielt gegen
die Zivilbevölkerung in Deutschland vorgegangen.
Also, lieber Feanor, dies ist nun falsch. Das Problem ist doch dasselbe. Die RAF wollte den Staat über die Wirtschaft schwächen und so das System verändern und in den USA war dies doch gleich, im Ausmass nur noch brutaler. Und die, die sich noch erinnern, sie wissen, dass man(n) an allen Teilen angefasst wurde, ging man(n) durch eine Flughalle zum Jet und frau wurde ebenso an allen Stellen untersucht, ob sie nicht was versteckt haben kann . es wurde dann verboten, dass Grenzbeamte weiterhin Fraueen abgetastet haben und Beamtinnen wurden eingesetzt.
Alle direkt
durch die RAF ausgeführten Kommandos richteten sich gegen
staatliche Einrichtungen bzw. Politiker und Wirtschaftsführer.
Natürlich sind dabei (im begrenzten Umfang) auch Nebenstehende
getroffen worden. Meist Polizisten oder Bodyguards. Krass
gesagt: Berufsrisiko. I.d.R. gab es, zumindest bei den
Bombenattentaten, Warnungen. Immer gab es Bekennerschreiben,
die, wenn auch fürchterlich verquer, irgendeinen Sinn hinter
den Taten erkennen ließen. Das einzige Mal (meines Wissens),
dass gezielt gegen „Zivilisten“ vorgegangen wurde, war die
Entführung der Landshut. Und die betrifft die RAF ja nur
sekundär, immerhin waren es PLO-Kämpfer, die die Maschine
entführt hatten.
Richtig, es war die Zusammenarbeit von PLO und RAF um in Stuttgart-Stammheim einsitzende RAFler freizupressen. Die PLO war dies scheinbar schuldig, nachdem die RAF im Jemen nach heutigen Erkenntnissen ausgebildet worden sind.
Niemals habe ich mich als Bürger direkt von
der RAF bedroht gefühlt. Dieser Kampf galt einem System, nicht
einem Volk. Nochmal, keinerlei Rechtfertigung meinerseits
dafür.
Ich verstehe Deinen Einwand auch nicht als Zustimmung zur RAF. Es war tatsächlich das Volk bedroht, nur, im Gegensatz zu Frankreich mit Con Bendit, hatte die RAF im Volk keine Hilfe, anchdem Sprengstoffattentate und Überfälle auf Unschuldige verübt wurden.
Der Terror, der uns heute trifft, ist dagegen von völlig
anderer Qualität. Er trifft uns völlig unvorbereitet aus
heiterem Himmel.
War bei der RAF nicht anders. Es wurde einfach, um einieg namen zu nennen, Herrhausen, Schleyer, Ponto umgebracht, dabei war es immer egal, wer zusätzlich getötet wurde.
Oft ist er planlos und spontan.
Rechtsradikale, die im Suff (oder auch nicht) spontan
beschliessen, wahllos Menschen anzugreifen und Häuser
anzuzünden. Bomben mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu
töten und zu verletzen. Ansammlungen von Skinheads, die sich
einen Spass daraus machen, bedrohlich zu wirken und ganze
Landstriche in Angst und Schrecken versetzen. Jetzt auch noch
scheinbar religiös motivierte Attentäter, die den Terror noch
einmal potenzieren. Keine Warnungen. Keine Forderungen. Nur
Tote, Verletzte, Ruinen. Auf einmal ist jeder ein potenzielles
Opfer. Alte. Behinderte. Ausländer. „Linke“. Christen. Juden.
Muslime. Jeder, der zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort
ist. Jeder.
Unglücklicherweise sind gerade die „islamistischen“ Attentate
Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen und Anlass und
Entschuldigung genug, mit ihrem eigenen Terror fortzufahren.
Passende Beispiele kursieren seit letztem Dienstag zur Genüge
durchs Internet.
Mehr Staat ist wahrschenlich nicht die richtige Antwort -
sowenig wie der „Radikalenerlass“ eine vernünftige Reaktion
auf 1967 war.
Irgendwo habe ich doch noch die leise Hoffnung, dass Schily
vielleicht doch ein genialer Taktiker ist, der mit
Law-and-Order-Auftritten verhindert, dass Einwanderung und
innere Sicherheit zum Wahlkampfthema 2002 werden. Das wäre
wirklich fatal.
Es scheint, dasas es dazu nicht kommt.
Grüsse Günter