Schily- weniger Staat - mehr Staat -

Hallo,
an alle die sich mit der politischen Szene der Sechziger und Siebziger befasst haben oder gar diese Zeit aktiv erlebt haben.
Schily, der Mann in Berlin, hart, juristisch korrekt, ein Mann, ein Bundesinnenminister, der mehr Staat, mehr Kontrolle fordert. Wer kann sich noch erinnern, dsss genau Schily in der Zeit von Baader-Meinhoff den Staat nur angegriffen hat, dem Staat stets brutalste Mittel der Strafverfolgung politiswcher Töter vorgehalten hat, vom Staat weniger Kontrolle verlangt hat, ob wohl auch dort schon Tote zu beklagen waren.

Wie weit ist eigentlich der Weg vom linken Lager auf die rechte oder gar rechstradikale Spur ? Wir erleben einen kaum noch erkennbaren Fischer, wir erleben einen Schily, den man so gerne bei der Terrorangriffen in den früheren jahren gehört hätte, dass er vom Staat durchgreifen verlangt und wir sehen u.a. Horst Mahler, der heute die NPD vertritt. Fast alle Größen der Revolten der früheren Jahren sind - mit Ausnahme des nunmehr sehr demokratisch wirkenden Fischer, beinahe alle, soweit sie politisch tätig sind, in der massiven und teils übertriebene Verteidigung des Staates angekommen. Einst waren sie bei den Gegener des Staates. Muss man nicht entsetzt sein, wie Schily sich gebärdet, angesichts der Revolten bei uns ? Was meint ihr, jene, die gegen Personen wie Schily in jener Zeit standen, die Schily und seine radikalen Kräfte seinerzeit bekämpft haben. Wurden wir nicht von Schily und Co beleidigt, beschimpft und als Feinde der Freiheit angegriffen, weil wir gegen Mord, Brandstiftung und Prügesszenen der Baader_meinhoff gewesen sind ? Ist Schily der Marsch durch die Institutionen gelungen ? Oder versucht Schily seine Vergangenheit mit Massnahmen gegen das Volk umzusetzen ? Hinweise, wer gegen die Maßnahmen sei, würde den Terrorismus fördern oder diesen begrüssen stehen nicht zur Diskussion. Die Frage ist, ist ein Politiker mit dsieser Vergangenheit glaubwürdig ? Ich meine, nein. Was meint ihr ?

Grüsse Günter

Es gibt zwei Antworten darauf…
hallo Günter,

  1. im alter werden die Huren Betschwestern
  2. Geld stinkt nicht!
    wobei ich mir zumindest das letzte Argument bei Horst Mahler nicht vorstellen kann.
    Übrigens Mahler: eine schmutzige Methode: weil man Angst vor seinem Können hat (kann man ihm ja wohl nicht abstreiten), versucht man jetzt ihm die Anwaltszulassung zu entziehen! Damit könnte er die NPD nicht mehr verteidigen.
    Echt schmutzig!
    Grüße
    Raimund

Nur ein Versuch einer Antwort
Moin.

Wie schon im Titel geschrieben, ist dies der Versuch einer Antwort.

Früher waren die Herren Gegener/Feinde des Staates der anderen; jetzt sind sie Verteidiger (mit allen Mitteln) ihres eigenen Staates.

Fällt wohl in den Bereich Soziobiologie:Affenverhalten…

Grüße

Leo

PS: Starker Staat auf Kosten der Freiheit des Einzelnen ist kein Monopol der extremen Rechten.

Dies entspricht auch meiner Meinung, dass die Anwaltskammern nach Gutdünken handeln, erklärt für mich trotzden nicht, weshalb die linke Elite von einst, die jedes Verfassungsorgan als Übel an sich schon dargestellt haben, heute entweder völlig rechts gelandet sind oder plötzlich den Sheriff spielen wollen. Aber bei Schily überrascht mich nichts mehr, er hilft ja auch Kohl, damit die Stasi-Akten nicht bekannt werden und damit natürlich würde automatisch kein Einblick in seine Akten möglich sein, denn jeder der politisch tätig war in der Vergangenheit weiss, dass Schily Kontakte in die DDR unterhalten und wohl auch Akten bestehen.

Grüsse Günter

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

hmja, richtig, Schily hat sich zu einem Hardliner entwickelt, der seinem Amtsvorgänger oder auch seinem Kollegen Beckstein in nichts hinterhersteht. Um so verwunderlicher, dass die beiden nicht zu einer Konsenslösung kommen (wollen)…

Ob und wieweit Schily in seiner Rechtsanwaltszeit Politiker angegriffen haben mag, kann ich nicht nachvollziehen, damals war ich schlicht zu jung. Erkennbar für mich ist aber doch ein gewaltiger Unterschied zwischen dem „damaligen“ Terrorismus und dem, was wir heute erleben müssen.

Nein, ich will und werde die RAF in keiner Weise verteidigen. Ich konnte ihre Motivation niemals verstehen. Und ja, sie haben gemordet. Aber: Niemals ist die RAF gezielt gegen die Zivilbevölkerung in Deutschland vorgegangen. Alle direkt durch die RAF ausgeführten Kommandos richteten sich gegen staatliche Einrichtungen bzw. Politiker und Wirtschaftsführer. Natürlich sind dabei (im begrenzten Umfang) auch Nebenstehende getroffen worden. Meist Polizisten oder Bodyguards. Krass gesagt: Berufsrisiko. I.d.R. gab es, zumindest bei den Bombenattentaten, Warnungen. Immer gab es Bekennerschreiben, die, wenn auch fürchterlich verquer, irgendeinen Sinn hinter den Taten erkennen ließen. Das einzige Mal (meines Wissens), dass gezielt gegen „Zivilisten“ vorgegangen wurde, war die Entführung der Landshut. Und die betrifft die RAF ja nur sekundär, immerhin waren es PLO-Kämpfer, die die Maschine entführt hatten. Niemals habe ich mich als Bürger direkt von der RAF bedroht gefühlt. Dieser Kampf galt einem System, nicht einem Volk. Nochmal, keinerlei Rechtfertigung meinerseits dafür.

Der Terror, der uns heute trifft, ist dagegen von völlig anderer Qualität. Er trifft uns völlig unvorbereitet aus heiterem Himmel. Oft ist er planlos und spontan. Rechtsradikale, die im Suff (oder auch nicht) spontan beschliessen, wahllos Menschen anzugreifen und Häuser anzuzünden. Bomben mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen. Ansammlungen von Skinheads, die sich einen Spass daraus machen, bedrohlich zu wirken und ganze Landstriche in Angst und Schrecken versetzen. Jetzt auch noch scheinbar religiös motivierte Attentäter, die den Terror noch einmal potenzieren. Keine Warnungen. Keine Forderungen. Nur Tote, Verletzte, Ruinen. Auf einmal ist jeder ein potenzielles Opfer. Alte. Behinderte. Ausländer. „Linke“. Christen. Juden. Muslime. Jeder, der zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Jeder.

Unglücklicherweise sind gerade die „islamistischen“ Attentate Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen und Anlass und Entschuldigung genug, mit ihrem eigenen Terror fortzufahren. Passende Beispiele kursieren seit letztem Dienstag zur Genüge durchs Internet.

Mehr Staat ist wahrschenlich nicht die richtige Antwort - sowenig wie der „Radikalenerlass“ eine vernünftige Reaktion auf 1967 war.

Irgendwo habe ich doch noch die leise Hoffnung, dass Schily vielleicht doch ein genialer Taktiker ist, der mit Law-and-Order-Auftritten verhindert, dass Einwanderung und innere Sicherheit zum Wahlkampfthema 2002 werden. Das wäre wirklich fatal.

Gruss
Feanor

Hallo,

hmja, richtig, Schily hat sich zu einem Hardliner entwickelt,
der seinem Amtsvorgänger oder auch seinem Kollegen Beckstein
in nichts hinterhersteht. Um so verwunderlicher, dass die
beiden nicht zu einer Konsenslösung kommen (wollen)…

Ob und wieweit Schily in seiner Rechtsanwaltszeit Politiker
angegriffen haben mag, kann ich nicht nachvollziehen, damals
war ich schlicht zu jung. Erkennbar für mich ist aber doch ein
gewaltiger Unterschied zwischen dem „damaligen“ Terrorismus
und dem, was wir heute erleben müssen.

Nein, ich will und werde die RAF in keiner Weise verteidigen.
Ich konnte ihre Motivation niemals verstehen. Und ja, sie
haben gemordet. Aber: Niemals ist die RAF gezielt gegen
die Zivilbevölkerung in Deutschland vorgegangen.

Also, lieber Feanor, dies ist nun falsch. Das Problem ist doch dasselbe. Die RAF wollte den Staat über die Wirtschaft schwächen und so das System verändern und in den USA war dies doch gleich, im Ausmass nur noch brutaler. Und die, die sich noch erinnern, sie wissen, dass man(n) an allen Teilen angefasst wurde, ging man(n) durch eine Flughalle zum Jet und frau wurde ebenso an allen Stellen untersucht, ob sie nicht was versteckt haben kann . es wurde dann verboten, dass Grenzbeamte weiterhin Fraueen abgetastet haben und Beamtinnen wurden eingesetzt.

Alle direkt

durch die RAF ausgeführten Kommandos richteten sich gegen
staatliche Einrichtungen bzw. Politiker und Wirtschaftsführer.
Natürlich sind dabei (im begrenzten Umfang) auch Nebenstehende
getroffen worden. Meist Polizisten oder Bodyguards. Krass
gesagt: Berufsrisiko. I.d.R. gab es, zumindest bei den
Bombenattentaten, Warnungen. Immer gab es Bekennerschreiben,
die, wenn auch fürchterlich verquer, irgendeinen Sinn hinter
den Taten erkennen ließen. Das einzige Mal (meines Wissens),
dass gezielt gegen „Zivilisten“ vorgegangen wurde, war die
Entführung der Landshut. Und die betrifft die RAF ja nur
sekundär, immerhin waren es PLO-Kämpfer, die die Maschine
entführt hatten.

Richtig, es war die Zusammenarbeit von PLO und RAF um in Stuttgart-Stammheim einsitzende RAFler freizupressen. Die PLO war dies scheinbar schuldig, nachdem die RAF im Jemen nach heutigen Erkenntnissen ausgebildet worden sind.

Niemals habe ich mich als Bürger direkt von

der RAF bedroht gefühlt. Dieser Kampf galt einem System, nicht
einem Volk. Nochmal, keinerlei Rechtfertigung meinerseits
dafür.

Ich verstehe Deinen Einwand auch nicht als Zustimmung zur RAF. Es war tatsächlich das Volk bedroht, nur, im Gegensatz zu Frankreich mit Con Bendit, hatte die RAF im Volk keine Hilfe, anchdem Sprengstoffattentate und Überfälle auf Unschuldige verübt wurden.

Der Terror, der uns heute trifft, ist dagegen von völlig
anderer Qualität. Er trifft uns völlig unvorbereitet aus
heiterem Himmel.

War bei der RAF nicht anders. Es wurde einfach, um einieg namen zu nennen, Herrhausen, Schleyer, Ponto umgebracht, dabei war es immer egal, wer zusätzlich getötet wurde.

Oft ist er planlos und spontan.

Rechtsradikale, die im Suff (oder auch nicht) spontan
beschliessen, wahllos Menschen anzugreifen und Häuser
anzuzünden. Bomben mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu
töten und zu verletzen. Ansammlungen von Skinheads, die sich
einen Spass daraus machen, bedrohlich zu wirken und ganze
Landstriche in Angst und Schrecken versetzen. Jetzt auch noch
scheinbar religiös motivierte Attentäter, die den Terror noch
einmal potenzieren. Keine Warnungen. Keine Forderungen. Nur
Tote, Verletzte, Ruinen. Auf einmal ist jeder ein potenzielles
Opfer. Alte. Behinderte. Ausländer. „Linke“. Christen. Juden.
Muslime. Jeder, der zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort
ist. Jeder.

Unglücklicherweise sind gerade die „islamistischen“ Attentate
Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen und Anlass und
Entschuldigung genug, mit ihrem eigenen Terror fortzufahren.
Passende Beispiele kursieren seit letztem Dienstag zur Genüge
durchs Internet.

Mehr Staat ist wahrschenlich nicht die richtige Antwort -
sowenig wie der „Radikalenerlass“ eine vernünftige Reaktion
auf 1967 war.

Irgendwo habe ich doch noch die leise Hoffnung, dass Schily
vielleicht doch ein genialer Taktiker ist, der mit
Law-and-Order-Auftritten verhindert, dass Einwanderung und
innere Sicherheit zum Wahlkampfthema 2002 werden. Das wäre
wirklich fatal.

Es scheint, dasas es dazu nicht kommt.

Grüsse Günter