Schitzophrenie oder religiöser Fanatismus?

Hallo Wissende,

ich will mal hier einen Artikel zu einem Thema zur Diskussion geben, welches mir schon sehr lange auf der Seele brennt. Es wird sicherlich ein Marathontext, aber es muss mal raus.

Es geht um meine Mutter. Sie lebt seit nun mehr schon 11 Jahren stark zurückgezogen. Nach der Scheidung von Ihrem 3. Mann (!!!) fand sie viel Trost im katholischen Glauben (vorher lebte sie nicht wirklich religiös). Man konnte zusehen, wie es ihr von Tag zu Tag besser ging.
Und dann kam die Zeit, wo sie sich zurückzog. Sie arbeitete an irgendetwas, was sie nie preisgab - bis heute nicht. Ich fand immer die Bibel mit Ausarbeitungen bei Ihr. Alle Verwandten (auch mein Bruder und ich) bekamen dann Briefe, sie mögen sie nicht mehr besuchen und auch vom Briefkontakt absehen. Sie warf ihr Telefon, Fernsehen und Radio weg - kurz sie schnitt sich von der Außenwelt ab. Nachbarn berichteten, dass sie kaum noch draußen zu sehen sei. Ich habe sie, trotz ihrer Bitte weiterhin besucht, was sie dann auch akzeptierte - ja geradezu genoss. Ihr Kommentar - Gott wollte, dass ich sie besuche. In Ihr Privatleben gab sie mir nie einen kongreten Einblick - im Gegenteil, vorsichtige Fragen endeten in schrecklichen Streitereien. Auf alle Fälle war Religion das einzige Thema, was sie interessierte und worüber sie sprach.

Bis dahin wußte ich nicht, ob es sich um reinen Fanatismus oder Sektenzugehörigkeit handelt. Ich weiß auch nicht, ob es noch andere Menschen gibt, zu denen sie Kontakt hat. Sekte hab ich an und für sich ausgeschlossen, weil sie auf „Standardtfragen“ keine vorgefertigte Meinung besaß, was wohl, wie ich glaube bei Sekten immer gleich gelehrt wird.

Eines Tages besuchte ich sie wieder und sie berichtete mir, dass sie gestürzt war und nun starke Schmerzen in den Rippen bei Bewegung und Atmung hatte. Ein Drängen von mir, einen Arzt aufzusuchen, lehnte sie strikt ab. Gott wird ihr helfen. Einen Monat später sagte sie, es ginge ihr gut, sie hat kaum noch Schmerzen beim Atmen!!! Ich wusste keine Möglichkeit, ihr zu helfen - hab aber jetzt wirklich Angst um sie - wer weiss, was noch alles passieren kann.

Soweit klingt ja alles nach Fanatismus. Warum ich nun auf die Alternative zu Schitzophrenie komme? Sie unterschreibt Ihre Briefe seit einiger Zeit mit dem Beinamen „Maria Christi“. Ich habe mal einen Beitrag gelesen, dass Schitzophrenie durch schlimme Ereignisse eintreten kann (Scheidung), in denen die Person selbst einen Schuldanteil trägt (durchaus), das aber nicht eingestehen kann und sich selbst in einen völlig reinen, unschuldigen Status erhebt (Maria Christi), um sich von der Schuld reinzusprechen. Sie nimmt ihre Umgebung nicht wirklich war. Realität wird völlig verwaschen.

Was denkt ihr, womit wir es hier zu tun haben? Schitzophrenie oder religiöser Fanatismus?
Wie kann ich mich verhalten? Hab ich irgendeine Chance, sie aus der Kiste wieder rauszuholen?

Über Hilfe würde ich mich wirklich sehr freuen.

EmKa

Hi Manuela,

sofern ich das beurteilen kann, halte es ich für sehr unwahrscheinlich, dass es sich um Schizophrenie handelt. Schizophrene haben ganz erhebliche Probleme im Kontakt mit anderen Menschen. Sie reden wirres und zusammenhangloses Zeug, aber erleben sich nicht als andere Personen. In sich ist ihr Verhalten ja schlüssig, auch wenn es nicht unbedingt der Realität entspricht und es den Anschein hat, als könne sie keine vernünftigen Entscheidungen fällen.
Für mich ist der Sachveralt aber problematisch, da ich über Sekten nicht ausreichend informiert bin. Solche Rückzüge wie bei deiner Mutter kommen mir aber in dem Kontext nicht absonderlich vor. Davon habe ich schon gehört.

Womöglich könnte eine Beratungsstelle über Sekten dir besser weiterhelfen, ehe du in Betracht ziehst eine psychische Erkrankung hinter ihrem Verhalten zu vermuten. Wenn solches Verhalten typisch ist, dann wissen die das bestimmt.

Viel Glück!

Hilmar

Hallo EmKa

Was denkt ihr, womit wir es hier zu tun haben? Schitzophrenie
oder religiöser Fanatismus?

Eher letzteres.
Schizophrenie scheidet so gut wie aus, weil dieselbe meistens so um die 20 schon ausgebrochen ist.
Was wir hingegen häufig bei älteren Menschen finden, ist die Entwicklung eines Wahnsystems. Ein religiöser Wahn ist garnicht so selten, insbesondere, wenn er auf einer früh „erlernten“ Religiosität aufbauen kann.
Die Unterschrift deiner Mutter in Kombination mit „Maria“ passt da ganz gut.
Vielleicht kannst du die Gute einmal zu einem Besuch bei einem gütigen erfahrenen Psychiater begleiten.
Gruß,
Branden

Hallo, Manuela,

leider kann man aus dem von Dir Geschilderten nicht genau darauf schließen, was mit Deiner Mutter los ist. Allerdings ist es sehr auffällig, wie stark Deine Mutter von religiösen Themen eingenommen ist. Trotzdem sieht das von Dir Genannte auf den ersten Blick nicht unbedingt nach religiösem Wahn im Zusammenhang mit einer psychischen Störung aus (Schizophrenie scheidet allerdings nicht unbedingt wegen des Alters aus, da Frauen besonders häufig nicht nur vor dem 30. Lebensjahr, sondern auch nach der Menopause erstmals erkranken). Aufgrund des von Dir Geschilderten scheint das Verhalten Deiner Mutter statt auf einer psychischen Störung eher auf einer starken religiösen Überzeugung zu beruhen. Dies mag für viele wohl befremdlich sein, ist aber für sehr gläubige Menschen nicht ungewöhnlich. Dennoch sind die Informationen zu wenige und die Möglichkeiten des Internets zu eingeschränkt, um Deine Frage abschließend zu beantworten. Es wäre besser, einen Experten vor Ort nach seiner Meinung zu fragen, der sich Deine Mutter einmal ansieht.

Beste Grüße,

Oliver Walter

Hallo,
ich denke ebenfalls, dass es sich bei Deiner Mutter nicht um eine
Persönlichkeitsstörung wie Schizophrenie handelt, sondern eher, wie
Du es formulierst als „fanatscher Glaube“. Der Glaube an sich ist ja
nichts schlechtes und hat viele Menschen in scheinbar auswegslosen
Situationen geholfen Trost und Hoffnung zu finden. Bei Deiner Mutter
scheint aber der Realitätsbezug abhanden gekommen zu sein. Da sie
keine Auskunft über ihre „Tätigeit“ gibt, kann es sich um alles
Mögliche handeln. Sie kann aus Eigeninitiative angefangen haben die
Bibel (falsch) zu interpretieren oder, wie Du schon vermutet hast,
sich irgendeiner Sekte angeschlossen haben. Was darauf hindeutet ist,
dass sie ausdrücklich den Kontakt zu ihren Nächsten abgebrochen hat.
Das wird von vielen Sekten gefordert.
Ich würde an Deiner Stelle einen Pastor Deines Vertrauens aufsuchen
und mit ihm das Problem besprechen und dann Deine Mutter
miteinbeziehen. Der etwas „weltlichere“ Weg ist ein Besuch bei einer
Familienberatung (wird vom Senat aber auch von der Kirche angeboten
und kostet nichts). Ich finde Du solltest aber auf jeden Fall etwas
unternehmen, da anscheinend auch ihre Gesundheit auf dem Spiel
steht.
PS. Sollte wieder ein Unfall o.ä. vorfallen, dann gib nicht nach bis
sie einen Arzt oder Krankenhaus aufsucht. Es gibt ja auch sehr viele
konfessionelle Krankenhäuser und vielleicht kannst du sie dort
„reinlocken“ und bei der Gelegenheit kann ein Psychologe mal mit ihr
reden.
Viel Glück und Kraft!

Hallo Chili

ich denke ebenfalls, dass es sich bei Deiner Mutter nicht um
eine
Persönlichkeitsstörung wie Schizophrenie handelt

Um Schizophrenie wahrscheinlich nicht, aber mit einer Persönlichkeitsstörung müssen wir rechnen.
Gruß,
Branden

Was denkt ihr, womit wir es hier zu tun haben? Schitzophrenie
oder religiöser Fanatismus?
Wie kann ich mich verhalten? Hab ich irgendeine Chance, sie
aus der Kiste wieder rauszuholen?

Wenn das Verhalten deiner Mutter seit 11 Jahren, sich lediglich durch Zurückgezogenheit kennzeichnet, sehe ich den Grund für deine Besorgnis nicht.

Es hat immer Menschen gegeben, die vielleicht durch äußere Umstände sich nach innen wandten und sich intensiv zur Religiösität gezogen fühlten. In früheren Zeit ging man ins Kloster.

Die Reaktion deiner Mutter weist darauf hin, daß ein äußerer oder weltlicher Kontakt abgelehnt wird. Hierin nun ein krankhaftes Verhalten zu sehen, geschähe aus einer totalen Unkenntnis der Lage. Das innere Leben hat hierbei Vorrang.

Am besten du überläßt deiner Mutter die Entscheidung für ihr privates Leben. Familiäre Bindungen können hierin nicht entscheidend sein.

gruß
rolf

bitte nicht. (ot)

sehe ich den
Grund für deine Besorgnis nicht.

Das innere Leben hat hierbei Vorrang.

Am besten du überläßt deiner Mutter die Entscheidung für ihr
privates Leben.

weia.

deine romantischen vorstellungen religiöser zurückgezogenheit mögen
an anderer stelle sinn machen, hier mit sicherheit nicht.

ich persönlich habe ähnliche geschichten erlebt, und sie sind nicht
gut ausgegangen, weil niemand helfend eingeschritten ist.

hier wird um einen menschen sorge getragen, und das ist gut so.
wer sich vollständig in sich selbst verrennt, braucht hilfe von
aussen.

also verbreite dein übliches gemurmel bitte im dafür zuständigen
bereich, bevor hier ratsuchende verunsichert werden.

e.c.

5 „Gefällt mir“

Hi Rolf,

klingt eher nach LSD, als nach einer Diagnose.

Entschuldige bitte, aber echt…

Viele Grüße,

Hilmar

1 „Gefällt mir“

Hallo Rolf,

Es hat immer Menschen gegeben, die vielleicht durch äußere
Umstände sich nach innen wandten und sich intensiv zur
Religiösität gezogen fühlten. In früheren Zeit ging man ins
Kloster.

Ja, das dachte ich auch - ich lass sie ihr Leben leben, wenn sie so glücklich ist. Wenn sie sich und andere nicht gefährdet, ist das in Ordnung. Seit sie sich die Rippen gebrochen hat, denke ich anders darüber. Sie lehnt ärztliche Hilfe ab - das kann ich nicht zulassen!

EmKa

Hallo Chili,

Ich würde an Deiner Stelle einen Pastor Deines Vertrauens
aufsuchen
und mit ihm das Problem besprechen und dann Deine Mutter
miteinbeziehen. Der etwas „weltlichere“ Weg ist ein Besuch bei
einer
Familienberatung (wird vom Senat aber auch von der Kirche
angeboten
und kostet nichts).

da ich selbst (Asche auf mein Haupt) nicht religiös bin, habe ich auch keinen Pastor meines Vertrauens. Ich habe mich hier in meinem Ort mal an einen Pfarrer gewandt, der konnte mir allerdings auch nicht weiterhelfen.
Und Familienberatung, oder Psychologe, wie an anderer Stelle vorgeschlagen war, funktioniert nicht, weil ich sie nicht mitnehmen kann. Sie verschließt sich. Ich kann ihr nicht sagen, wir gehen zum Psychologen, oder wir machen eine Therapie. Sie selbst sieht sich als völlig normal. Sie weiss nicht, dass sie sich anders verhält als der Rest. Für sie sind alle anderen komisch!

Ich bin ja schon mal beruhigt, wenn Schizophrenie ausgeschlossen werden kann. Vielleicht habe ich ja einen Angriffspunkt, wenn ich herausgefunden habe, ob eine Sekte oder eigene Fehlinterpretation dahinter stecken.

PS. Sollte wieder ein Unfall o.ä. vorfallen, dann gib nicht
nach bis
sie einen Arzt oder Krankenhaus aufsucht.

Ihr werdet es nicht glauben, aber als sie damals gestürzt war, bin ich zu einem Arzt im Ort und habe ihm die Situation geschildert und ihn gebeten, zu ihr hinzufahren. Vielleicht lässt sie ihn rein und sich untersuchen. Der Arzt hat ABGELEHNT, weil er die Kosten nicht erstattet bekommt, wenn sie ihn nicht reinlässt!

Das nur mal so am Rande.

Danke für Eure Tipps
EmKa

Hi,

Der Arzt hat
ABGELEHNT, weil er die Kosten nicht erstattet bekommt, wenn
sie ihn nicht reinlässt!

von wem? Von der Krankenkasse? Er kann dir doch eine Privatrechnung stellen, wenn du eine Kostenübernahme mit ihm vereinbarst.

Grüße,
J~

Ja, das dachte ich auch - ich lass sie ihr Leben leben, wenn
sie so glücklich ist. Wenn sie sich und andere nicht
gefährdet, ist das in Ordnung. Seit sie sich die Rippen
gebrochen hat, denke ich anders darüber. Sie lehnt ärztliche
Hilfe ab - das kann ich nicht zulassen!

Das ist natürlich eine schwierige Angelegenheit, mehr für dich als für deine Mutter. Dazu kann man aus der Ferne kaum etwas sagen.

Ich werde versuchen dir die Situation im Religionsbrett näher zu erläutern.

gruß
rolf

Hi,

Der Arzt hat
ABGELEHNT, weil er die Kosten nicht erstattet bekommt, wenn
sie ihn nicht reinlässt!

von wem? Von der Krankenkasse? Er kann dir doch eine
Privatrechnung stellen, wenn du eine Kostenübernahme mit ihm
vereinbarst.

Nicht mal das hat er angesprochen - einfch abgelehnt!

EmKa

Hallo,
hak es einfach ab als „falscher Arzt, war bestimmt fachlich genauso
unfähig“ und such einen Anderen. Es kann immer passieren, dass man an
den Falschen gerät, aber gib deswegen nicht auf!

Viele Grüße

Hallo Experten,

mein Anliegen wurde am Religionsbrett mittlerweile diskutiert, wobei ich weitere Informationen gegeben habe, die wahrscheinlich für Euch ebenfalls interessant sein könnten.

Ich möchte diesen Artikel hier nochmals bringen und Euch bitten, Euch unter den neuen Gesichtspunkten ein Bild von meiner Mutter zu machen.

Es ist also immer noch nicht raus, wo das Problem liegt, und wie zu handeln ist, bzw. ob ich alles laufen lassen soll, wie es ist.

Ich danke Euch schonmal für Eure Geduld

EmKa

Und hier der Artikel:

Hallo Geris,

ich danke Dir vielmals für den Artikel. Ich denke, jetzt weiss ich, welche Informationen für Euch wichtig sind und werde doch mal näher ins Detail gehen. Da ich hier einen ereignisreichen und ungewöhnlichen Zeitraum von 11 Jahren zusammenfassen muss, kann es durchaus vorkommen, dass ich das ein oder andere vergesse - das kommt dann wahrscheinlich bruckstückweise.

Ich fasse mal zusammen. Seit elf Jahren ist deine Mutter
religiös geworden und lebt sehr zurückgezogen. Sie hatte
vorher keine gute Zeit mit ihren Beziehungen. Sie arbeitet mit
der Bibel. Sie äußerte den Wunsch, die Familie möge sie in
Ruhe lassen, genoß aber deine Besuche. Kein Telefon und TV,
keine äußeren Störungen.

so weit richtig

Sie wollte keine Auskünfte über ihr Privatleben geben. Bei
Fragen nach ihren Gedanken ringt sie um Antworten,

Nun sie ringt nicht nach Antworten, sie weicht aus. Sie sagt, das geht Dich nichts an, oder das erfährst Du, wenn die Zeit reif ist. (Die Zeit war bisher nicht reif)

Eine Verletzung (vermutlich
höchstens eine angebrochene Rippe) ist nach vier Wochen von
allein geheilt.

Die Rippe wahr ziemlich wahrscheinlich gebrochen. Ich durfte Ihr einen Druckverband anlegen, weil sie selbst nicht die nötige Kraft aufbrachte. Da hab ich die Schwellung gesehen. Sie sprach von stechenedem Schmerz beim Atmen. Der Arzt, den ich später konsultierte (Siehe Ausführungen im Psychologiebrett), meinte per Ferndiagnose, es wäre gebrochen.
Die Sache mit der Heilung hast Du allerdings nicht ganz richtig verstanden. Sie hat gesagt, sie habe nur noch wenig Schmerzen und hustet kaum noch. Es war nicht geheilt, sonder nur besser. Danach habe ich sie dann nicht nochmals darauf angesprochen.

In diesem Zusammenhang fällt mir ihre Argumentation wieder ein. Sie erzählte mir, sie wollte eine defekte Glühbirne wechseln und sei vom Stuhl gestürzt. Sie sagte, sie hätte einen Dämon in der Stromleitung, der sie verletzen wollte. Er habe schon versucht, den Fernseher kaputt zu machen. (Hier war eine Sicherung durchgebrannt). Damals hatte sie noch den Fernseher. Stimmt, daraufhin hat sie ihn abgeschafft.
Einige Zeit später hat der Dämon wohl wieder versucht, sie zum Stürzen zu bringen (dieses Mal war es die Tepichkante).

Eure Gespräche mündeten oft in Streitereien. Ihre Briefe (also
doch Kontakte nach außen) unterschreibt sie mit Maria Christi.

Diese Briefe gehen nur an mich und meine Familie. In einem Gespräch hat sie uns eines Tages ihren „wahren“ Namen anvertraut und unterschreibt unsere Briefe seitdem mit diesem Namen. Sie sagte in diesem Zusammenhang, 2000 Jahre nach Christi wäre sie seine Reinkarnation.

Das ist an Fakten wirklich nicht viel und scheint mir so weit
nicht gefährlich zu sein. Was könnte real darauf schließen
lassen, dass sie manipuliert wird? Wenn sie kaum raus geht,
wird sie auch nicht an ominösen Treffen teilnehmen. Wenn sie
keine Besuche bekommt, dito.

Ich selbst wohne nicht im selben Ort und besuche sie auch nicht mehr so häufig (weil ich Schwierigkeiten habe, damit umzugehen und es mich viel Nerven kostet, sie so zu nehmen, wie sie ist, solange wir dort sind). Wir sehen uns derzeit ca. alle 2 Monate. Ich weiss also nicht wirklich alles. Sie selbst sagt, sie hätte gleichdenkende Freunde, die ihr schreiben. Diese Freunde wollen ihr helfen, nach Jerusalem auszuwandern. Ich wollte Euch eigentlich nicht mit dieser Tatsache konfrontieren, denke aber, wenn ich kongret werde, kann ich auch das erzählen. Sie sagt, sie sitzt auf gepackten Koffern (seit ca. 2 Jahren) und will nach Jerusalem auswandern. Sie hätte dort Freunde, die sie herzlich aufnehmen würden. Mehr zu diesen Freunden, oder wie alles ablaufen soll, sagt sie uns nicht. Sie hat mir zumindest versprochen, mir einen Brief zu schreiben, wenn sie abgereist ist. Vorher will sie nichts sagen.
Geschenke lehnt sie komplett ab, zur Zeit eben auch mit der Begründung, dass sie es sowieso nicht mitnehmen kann.

Sehr wichtig ist die finanzielle
Lage. Sekten schauen immer auch auf die Kasse.
Fließt ihr Geld in dunkle Kanäle?

Heikles Thema. Sie klagt über Schulden. Läßt aber keinen Einblick in ihre Finazen zu. Ihr finanzielles Einkommen ist aus meiner Sicht ausreichend.

Persönlichkeitsstörungen sind sichtbar an vielen negativen
Veränderungen: Ernährt sie sich normal?

Nein, in ihrem Kühlschrank finde ich ein wenig Käse, Toastbrot, Äpfel - sonst nichts.
Wenn ich mit meiner Familie hinfahre, nehmen wir immer Kaffe, Saft, Kuchen oder ähnliches mit. Sie lehnt ab. Es wird immer weniger, was wir ihr mitbringen können. Früher hab ich sie mit selbstgemachter Marmelade erfreut oder anderem Obst. Jetzt nimmt sie es nicht mehr an.

Hat sie die Figur
dramatisch verändert?

Nein, sie war schon immer schlank.

Sind Zeichen von Verwahrlosung in der
Wohnung zu erkennen?

Nein, ordentlich und sauber (da könnte ich mir eine Scheibe abschneiden :smile: )

Hat sich
ihr Gesichtsausdruck auffallend verändert? Ihre Sprechweise?

Ja, sehr. Wenn es um religiöse Themen geht, wirkt sie verbissen und verkniffen. Ich bekomme of Angst vor ihr. Sie spricht langsam und kontrolliert im Ausdruck. Sie spricht oft vordernd. Ihre Handschrift sieht aus wie gemalt (hat sich stark verändert).

Anzeichen von Alkohol? Raucht sie?

Nein, im Gegenteil, sie lehnt es strikt ab, war aber vor der Verwandlung starke Raucherin und hat auch einiges getrunken. Sie hat mich letzens mal wieder darauf angesprochen, dass ich sie vorm Alkoholismus bewahrt habe, weil ich sie damals direkt darauf angeprochen habe. Dadurch fing sie wahrscheinlich an drüber nachzudenken.

Was steht in ihrem Bücherschrank?

Bücher über Selbstheilung, Geographisches und natürlich Bücher über Jesus. Die Bibel liegt immer auf einer Art Altar, den sie sich geschaffen hat.

Liegen Informationen herum
(Schriften), die auf eine Gruppe deuten?

Nein. Wenn ich unangekündigt komme, muss ich immer eine Weile warten, bis sie mich in die Wohnung lässt. Ich vermute, sie räumt irgendetwas weg. In eines der Zimmer (mein früheres Kinderzimmer) darf ich nicht rein.

Wie steht sie inzwischen zur (katholischen) Kirche? Geht sie
hin, hat sie Kontakt?

Sie ist nie in die Kirche gegangen. Es kann aber auch die Entfernung sein. Sie ist ja nicht mobil.

Was löst die Streitereien zwischen euch aus?

Oftmals ist es so, dass ich mich nicht ganz zurückhalten kann. zum Beispiel, damals der Beginn des Irakkrieges. Diskussion, dass man doch den Glauben Anderer akzeptieren und respektieren sollte. Ihre Antwort: „Ja, immer diese Glaubenskriege. Jeder denkt, sein Gott ist der bessere. Wenn alle Jesus Christus als ihren Gott anerkennen würden, gäbe es die Kriege nicht“. Naja klar, das ging in einem Streit zu ende. Ich betrachte die Dinge von der weltlichen Seite, versuche aber auch, mich in ihre Lage zu versetzen. Es kommen dann aber oft verbohrte und engstirnige Ansichten, von denen sie nicht abweichen kann, dass ich eben dann doch nicht an mir halten kann. Mein Mann kann mich da aber glücklicherweise oft zurückhalten. Teilweise widerspricht sie sich selbst bzw. realisiert gar nicht, was wir eigentlich sagen. Gibt uns recht und widerspricht dem im gleichen Satz. Merkt es aber nicht. Auch wenn wir sie dann direkt darauf ansprechen, registriet sie es nicht. Sie kann mit 2 kontroversen Wahrheiten leben.

Wie äußert sich die Mutter selbst zu diesen Fragen, oder
bekommt sie regelmäßig das Gefühl, von dir unter Druck gesetzt
zu werden? Fühlt sie sich vielleicht verletzt und
kontrolliert?

Das glaube ich nicht, weil ich ja nicht oft da bin. Sie spricht ja auch von selbst über diese Themen mit mir. Ich bin eher diejenige, die diese Themen meidet. Wenn ich sie direkt frage, was sie vorhat oder ähnliches, sagt sie, sie darf es mir nicht sagen (Gott verbietet es ihr), ich würde es erfahren, wenn sie Zeit reif ist.
Ich denke, ihre Welt ist völlig normal für sie. Und sie läßt sich auch nicht erschüttern. Ich habe allerdings den Eindruck, es gibt dann doch mal „lichte Momente“ in ihrer Wahrnehmung. Eines Tages sagte sie, sie hätte doch gern wieder eine Telefon. Wir haben ihr eins besorgt. Handy mit Prepayedkarte, wo eben keine Kosten auf sie zukommen. Eine Woche später waren wir dort und mussten das Handy wieder mitnehmen. Sie will kein Telefon.
Einige Zeit später kommen wir hin, hat sie sich doch tatsächlich wieder einen Fernseher und Videorekorder gekauft. Keine Ahnung, wo dieser plötzliche Wandel herkommt. Und auch nicht, wie sie es finanziert hat - sie sprach bis dahin immer von Schulden.

Möglicherweise handelt es sich um eine
Persönlichkeitsveränderung, aber um keine Störung. Vielleicht
hat sie ja für sich einen Weg gefunden, der euch fremd ist.
Aber nicht alles Fremde ist gefährlich.

Das versuche ich herauszufinden. Wenn es ungefährlich ist, gönne ich es ihr, wenn sie damit glücklich ist. Wenn sich aber nur jemand bereichern will, hab ich was dagegen. Und wenn ich ihre Gesundheit gefährdet sehe, unternehme ich was…

So das waren jetzt ziemlich ausführliche Zeilen. Vielleicht bekommt Ihr nun ein besseres Bild.
Es gibt bestimmt noch die eine oder andere Begebenheit, die zu erwähnen es wert wäre, aber wie gesagt, ich hab so viel Suspektes mit ihr erlebt in den letzten Jahren, dass ich es selbst kaum geordnet bekomme in meinem Kopf. Ich wollte Euch eigentlich eine detaillierte Zusammenfassung des zeitlichen Ablaufes usw. geben, merke aber, dass ich es gar nicht mehr kann. Wenn Euch noch etwas auffällt, fragt mich bitte.

Ich danke Euch auf alle Fälle, dass Ihr Euch so lieb mit meinem Problem beschäftigt. Ich hatte bisher wenig Gelegenheiten, über dieses für mich so wichtige Thema zu sprechen.

Eure EmKa