Hallo Diana,
Bearbeite momentan das Thema „Schizophrenie“.
Kann man unterm Strich sagen, dass Schizophrenie zum großen
Teil auf genetische Übertragung basiert?
Es gibt gute Hinweise auf eine genetische Disposition, aber hierbei darf man natürlich nicht von genetischer Determination ausgehen, weil etwa das Ko-Erkrankungsrisiko eineiiger Zwillinge eben nicht, wie man auf Grund der Tatsache, dass diese dasselbe Erbgut besitzen, annehmen könnte, bei 100% liegt, sondern „nur“ bei etwa 50-60%.
Die berühmte „finnische Adoptionsstudie von Tienari et al.“, hat gezeigt, wie erst eine Kombination von Erbanlage und familiärem Klima die Erkrankung bedingen kann, nicht aber die Erbanlage alleine.
Genauso gilt als recht gesichert, dass die Rückfallrate sehr stark mit dem sogenannten EE-Wert (ein Wert, der -grob gesagt- das familiäre Klima ausdrückt) korreliert, also bei niedrigem EE-Wert das Rückfallrisiko deutlich gemindert ist.
Dazu kommen die Befunde der interkulturellen Psychiatrie, die zeigen, dass auch die allgemeinen kulturellen Hintergründe einen Einflußfaktor darstellen.
Bislang konnte doch „nur“ die Dopaminhypothese und
Adoptionsstudien reliable Aussagen machen, oder?
Ich verstehe schon, was Du meinst, glaube aber eher, Du meinst „valide“ Aussagen.
Die Dopaminhypothese zeigt wohl, dass eine experimentell durch Dopaminausschüttung induzierte Modellpsychose der „tatsächlichen“ Schizophrenie gleicht, dass damit also Schizophrenie auf Transmitter-Störungen beruht;
aber die Frage ist dabei natürlich, inwieweit dieser Befund etwas zur „Genetik“ sagen kann, denn Dopaminausschüttung lässt sich wohl schwer rein an Erbgut-Faktoren festmachen.
Und Adoptionsstudien können natürlich Aussagen in beide Richtungen treffen; sicher zeigen sie, dass die Schizophrenie auch mit der Erbanlage zu tun hat, jenseits dieses Minimalkonsenses zeigen Adoptionsstudien aber sowohl genetische wie auch soziale und insbesondere familiäre Risikofaktoren, darunter solche Dinge wie den „Double-bind“.
Viele Grüße
franz