wie ist das? gibt es Tests um zu bestimmen ob man eventuell anfällig ist? Merkt man es selbst, wenn man es ist? wie äussert sich das?
mfg
Matze
wie ist das? gibt es Tests um zu bestimmen ob man eventuell anfällig ist? Merkt man es selbst, wenn man es ist? wie äussert sich das?
mfg
Matze
Hallo Matze!
Einen Test der eine Anfälligkeit für Schizophrenie anzeigt ist mir
nicht bekannt; wird es auch vermutlich nicht geben.
Woran du merkst das du Schizophren bist? Nach DSM IV-r (das ist
ein Diagnoseverfahren) gibt es acht Symptome von denen mindestens
zwei zutreffen müssen.
Die zwei, die man am häuftigsten und einfachsten im Alltag beobachten
kann sind:
-kein Affekt (bzw.flacher Affekt)
-falscher Affekt
Klartext: Wenn ein Mensch z.B. lacht statt zu weinen und wenn
er gefühlsmässig gar keine Regung zeigt (z.B. bei einem Todesfall)
spricht man schon von einer Schizophrenie.
Gruss
Oliver-Michael
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Hallo,
vermutest Du, daß sich bei Dir eine Schizophrenie entwickelt? Ich komme auf diese Frage aufgrund dessen, was Du in dem Thread, den Du vor 2 Tagen begonnen hast, geschrieben hast. Vielleicht nützt Dir das, was ich im folgenden über Schizophrenie geschrieben habe, um abzuschätzen, was mit Dir los ist - bzw. nicht los ist bzw. ob man sagen kann / Du sagen kannst, daß sich bei jemanden / Dir eine Schizophrenie entwickelt. Vor diesem Hintergrund schreibe ich Dir das folgende jedenfalls.
Schizophrenie scheint in der Tat eine erhebliche genetische Basis zu haben. Ein Hinweis dafür ergibt sich dadurch, daß die Wahrscheinlichkeit, daß ein eineiiger Zwilling schizophren wird, ca. 50% beträgt, wenn der andere Zwilling bereits schizophren ist. Bei zweieiigen Zwillingen beträgt diese Wahrscheinlichkeit ca. 15%, bei Geschwistern ca. 9% und in der Allgemeinbevölkerung nur ca. 1%. Allerdings erkennt man an den Zahlen, daß Vererbung allein nicht die Ursache der schizophrener Erkrankungen sein kann, denn sonst müßte die Wahrscheinlichkeit, daß ein eineiiger Zwilling an Schizophrenie erkrankt, wenn der andere Zwilling es bereits ist, nahezu 100% sein. Umweltfaktoren (wie z.B. Streß durch „traumatische“ Erlebnisse) spielen also ebenfalls eine wichtige Rolle.
Heutzutage gibt es trotz der biologischen Hintergründe der Schizophrenie noch keine medizinischen Tests, mit denen man die Störung frühzeitig erkennen kann. Es gibt zwar Tests, mit denen man bereits frühzeitig Auffälligkeiten entdecken kann, d.h. Merkmale, in denen sich Menschen, bei denen ein hohes Risiko für Schizophrenie besteht, von Menschen, bei denen ein niedriges Risiko besteht, unterscheiden, doch eine sichere Vorhersage kann aufgrund dieser Tests nicht getroffen werden. Bei psychologischen Tests sieht es ähnlich aus.
Schizophrene Erkrankungen (unter dem Begriff „Schizophrenie“ verbergen sich höchstwahrscheinlich verschiedene Störungen) beginnen sehr oft schleichend und mit Symptomen, von denen zwar einige typisch für Schizophrenie sind, die aber auch bei anderen Störungen vorkommen und / oder nicht schwer genug sind, um eine psychische Störung zu diagnostizieren. So kommt es häufig vor, daß der Krankheitsverlauf eine Vorphase (die sogenannte Prodromalphase) von mehreren Jahren aufweist, in denen sich die Symptome, aufgrund derer man die Störung einwandfrei erkennen kann, nicht zeigen. Erst wenn sich diese Symptome zeigen, zu denen u.a. Wahn und akustische Halluzinationen gehören, dann kann man von einer Schizophrenie sprechen.
Die Betroffenen merken zwar oft, daß sie sich verändern. Wenn es aber, wie es häufig vorkommt, schleichend geschieht, dann fällt die Veränderung nur selten deutlich auf - auch dem nächsten Umfeld und der Familie nicht, als wenn die Krankheit plötzlich ausbricht, wie es auch passieren kann. Die Veränderungen sind sehr oft - wie gesagt - nicht ausreichend, um eine Schizophrenie zu diagnostizieren, so daß, wenn ein Arzt aufgesucht wird, andere Diagnosen als die der Schizophrenie gestellt werden. Dies ist natürlich richtig so, weil man nicht weiß, wie sich die Person weiterentwickeln wird, und eine Schizophreniediagnose ernsthafte Konsequenzen für den Betroffenen und seine Angehörigen hätte.
Daß jemand an Schizophrenie erkrankt, merkt das Umfeld bzw. der Arzt daran, daß die charakteristischen Symptome der Schizophrenie auftreten. Weil dies u.a. Wahn und Halluzinationen sind, also psychische Vorgänge, die für den Betroffenen absolut realistisch und überzeugend sind, hält der Betroffene sich selbst in den allermeisten Fällen nicht für schizophren, wenn die Krankheit manifest wird (sich die charakteristischen Symptome zeigen). „Verrückte halten sich nicht für verrückt“ - sagt man im Alltag. Da Schizophrenie oft in Schüben verläuft, kommt es zwischen den sogenannten floriden Phasen, in denen sich die charakteristischen Symptome zeigen, zu Phasen, in denen die Betroffenen erkennen, daß in der Zwischenzeit mit ihnen etwas nicht stimmte und daß sie seltsame Erlebnisse hatten. Bei vielen Schizophrenen ist die Erinnerung an diese Erlebnisse aber verschwommen und unwirklich, so daß es ihnen auch in den „klaren“ Zeiten nicht wirklich bewußt ist, was geschehen ist.
Ich hoffe, daß Dir die Informationen, die ich Dir hier zusammengetragen habe, helfen, das, was mit Dir los ist bzw. nicht los ist, besser einschätzen zu können. Noch sinnvoller, als sich solche Informationen zu verschaffen und sie zu berücksichtigen, ist jedoch, jemanden Fachkundigen aufzusuchen und mit ihm über das, was einen beschäftigt, zu sprechen. Derjenige kann besser einschätzen, ob der Verdacht zutrifft oder nicht, als ein Psychologe vor dem Monitor. Wenn meine Vermutung falsch ist, daß Du aufgrund eines Verdachts, selbst eine Schizophrenie zu entwickeln, Deine Fragen gestellt hast, dann möchte ich mich entschuldigen.
Gruß,
Oliver Walter
Hallo Matze,
Ich bin`s wieder. Vorhin hast du eine Antwort vom offensichtlichen Fachmann bekommen. Ich möchte voraus schicken, dass ich kein Fachmann bin. Aber ich habe viel über Schisophrenie gelesen, aus dem Grund, dass es in unserer Familie solche Fälle gegeben hat.
Folgendes:
).Ih Hoffnung geholfen zu haben,
Jarolep
Woran du merkst das du Schizophren bist? Nach DSM IV-r (das
ist
ein Diagnoseverfahren) gibt es acht Symptome von denen
mindestens
zwei zutreffen müssen.Die zwei, die man am häuftigsten und einfachsten im Alltag
beobachten
kann sind:-kein Affekt (bzw.flacher Affekt)
das ist meines wissens ein hauptkriterium für depression, bei der diagnose von schizophrenie aber sekundär.
charakteristisch für schizophrenie sind grundlegende störungen von denken und handeln. siehe dazu auch die ICD-kriterien unter http://www.dimdi.de/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlgm…
-falscher Affekt
das trift eigentlich nur auf die hebephrene schizophrenie zu: diese tritt vor allem bei jugendlichen aus und ist charakterisiert durch anhaltende albernheit, lachen und grinsen unabhängig von der situation.
es gibt aber weitere typen zb. die katatone schizophrenie, die sich durch eine starrheit der glieder auszeichnet. die betroffene person verharrt in einer, oft kraftraubenden, position. gleichzeitig ist die person von einer wächsener biegsamkeit, daß heißt, man kann die person wie eine schaufensterpuppe zu einer haltung „biegen“, die sie dann aufrecht erhält.
in vorlesungen zu psychopathologie und diagnostik, die ich gehört habe, wurde stets, so wie unten stehend, die wahnhafte(n) komponente/ symptome der schizophrenie als charakteristisch bezeichnet -->
Die wichtigsten Symptome einer Schizophrenie lassen sich nach Kurt Schneider
(1959) wie folgt zusammenfassen (quelle: http://www.apis-lifescience.de/Schizophrenie%20arial…):
meines wissens sind ursachen von schizophrenie unklar bzw. wird angenommen, daß momentan unter den begriff schizophrenie eine anzahl krankheiten gefaßt werden, die momentan noch nicht von einander unterschieden werden können (weil die krankheit so viele verschiedene gesichter hat, weil es therapieversager gibt).
allerdings gibt es einen zusammenhang
von schizophrenie und familie: wenn die eltern erkrankt sind, steigt das risiko für eine erkrankung bei den kindern. allerdings kann daran vererbung oder auch die erziehung schuld sein (habe nichts zu trennungsstudien gefunden, wo erkrankte eltern von ihren kindern zu einem frühen zeitpunkt getrennt wurden).
von schizophrenie und geburtszeitpunkt: schizophrene sind eher im frühling geboren, so daß eventuell eine herbstgrippe der werdenden mutter als ursache in frage kommt.
es wurden auch fälle geschildert, in denen erziehung eine rolle gespielt haben soll (meines wissens nach war dabei widersprüchliches verhalten von bedeutung).
das sind die punkte, an die ich mich erinnern kann. sicher kann man auch weitere ursachen diskutieren.
Ergänzung
Den Film „A beautifull Mind“ mit Russel Crowe in der Hauptrolle, mit dem Oskar als bester Film des Jahres 2002 augezeichnet,möchte ich Dir ans Herz legen. Ein sehr starker Film, der zeigt, was ein Mensch mit und trotz dieser Krankheit vollbringen kann.
- Ich würde nicht vermuten (auch unter Berücksichtigung
deines anderen Beitrags von gestern), dass du betroffen bist.
Also aus dem Kontext raus meintest du glaub ‚nicht‘??
Hoff ich doch…
Und beziehend auf meinen ersten Text, das *ist* halt der Konflikt der auch für meine innerliche Zerrissenheit sorgt.
Den Film wollt ich mir eh schon anschauen; ich hatte aber Angst mich wiederzuerkennen.
Affekt
was versteht man denn unter Affektlos? Soll das heissen das man sich, zum Beispiel, wenn man sich erschrickt nicht zusammenzuckt oder so?
Hallo erstmal…
Ich glaube nicht das ich Ansätze einer Schizophrenie habe; ich habe ‚nur‘ Angst. Es ist so: Ein Elternteil von mir ist schizophren.
Deswegen komme ich erst darauf. Der andere Elternteil ist depressiv.
In Behandlungg war ich schon wegen Depressionen.
Zitat:
http://www.dimdi.de/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlgm…
„Die Diagnose Schizophrenie soll bei ausgeprägten depressiven oder manischen Symptomen nicht gestellt werden, es sei denn, schizophrene Symptome wären der affektiven Störung vorausgegangen.“
Ich hatte noch nie schizophrene Symptome
(auf jeden Fall keine Stimmen; Hallu weiss ich nicht, ich habe lange gekifft und am Ende auch mal eine komische fixe Idee gehabt - deswegen ist mit dem Kapitel kiffen definitiv Schluss)
Ich kanns nur wiederholen, ich habe Angst. Mein Verstand ist das einzigste was ich glaub ein bischen zu haben. Ich will ihn nicht verlieren!
Du (oder ein anderer) hat gesagt der Arzt kann keine 100% Aussage machen? wie kann ich in diesem Thema Sicherheit haben??!
mfg
hab zur sicherheit die definition von „affekt“ eben noch bei http://www.wissen.de nachgesehen:
affekt = intensive gemütsbewegung von kurzer dauer(…) hass, liebe, wut, zorn
meiner ansicht nach fehlt noch trauer.
erschrecken ist nach meinem verstehen eine orientierungsreaktion - würde diese reaktion fehlen, wäre die person nicht bei vollem bewußtsein zb. in trance. es können aber auch nerven geschädigt sein zb. wenn eine gelähmte person aufgrund eines nadelstichs nicht erschrickt.
dagegen kann affekt nur fehlen, wenn die person bei bewußtsein ist: damit man von etwas gefühlsmäßig berührt wird (dh. ein affekt möglich wird), muß man ein ereignis erfassen können. und man kann nur erfassen, daß der affekt fehlt, wenn man weiß, daß eigentlich ein affekt da sein müßte.
kompliziert?
beispiel: depressive, bei denen der affekt fehlt, beschreiben ihr gefühlsleben als tot, als die abwesenheit von gefühlen. oder personen, die jemanden verloren haben, beschreiben sich als wie versteinert, weil sie nicht trauern und weinen können. dies ist sehr belastend für die betroffenen.
Hallo,
Ich glaube nicht das ich Ansätze einer Schizophrenie habe; ich
habe ‚nur‘ Angst.
Deine Angst ist verständlich und berechtigt. Gut, daß Du so offen dieses Wort benutzt. Wenige Menschen können das, weil viele Menschen Angst als Schwäche bewerten. Wie dumm von denen, denke ich oft.
Ein Elternteil von mir ist schizophren.
Dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich bei Dir auch eine Schizophrenie entwickelt, leider deutlich erhöht. Sie liegt bei ca. 14% im Vergleich zu 1% in der Gesamtbevölkerung.
Der andere Elternteil ist depressiv.
Daß Deine beiden Eltern psychische Störungen aufweisen, ist ein erhebliches Risiko, daß Du auch eine entwickelst. Leider muß ich Dir das so ehrlich und offen sagen - es nützt ja nichts, es zu beschönigen.
In Behandlungg war ich schon wegen Depressionen.
Ja, das war vorherzusehen. Leider. Es bleibt die Hoffnung, daß Du keine Schizophrenie entwickelst. Es muß bei Dir nicht dazu kommen. Vielleicht gibt es Möglichkeiten, daß Du und Deine Familie an irgendwelchen Aktivitäten teilnehmt, um besser mit Eurer Situation umzugehen. Vielleicht an einer Familientherapie. Das wäre sicherlich wünschenswert und würde das Risiko, daß sich bei Dir eine Schizophrenie entwickelt, verringern.
„Die Diagnose Schizophrenie soll bei ausgeprägten depressiven
oder manischen Symptomen nicht gestellt werden, es sei denn,
schizophrene Symptome wären der affektiven Störung
vorausgegangen.“
Ja, das stimmt. Bei dieser Regel geht es darum, daß Menschen, die eine gewisse Zeit eine Depression hatten und in dieser Zeit für einen Zeitraum psychotische Symptome zeigen, nicht als schizophren diagnostiziert werden, weil die psychotischen Symptome als mit der Depression zusammenhängend angesehen werden. Es ist ein Spezialfall. Leider muß ich Dir sagen, daß sich bei Dir trotz dieser Regel eine Schizophrenie entwickeln kann und auch diagnostiziert werden wird, wenn bei Dir psychotische Symptome auftreten sollten, welche die depressiven Symptome in den Hintergrund drängen. Die Diagnoseregeln sind in diesem Fall kompliziert, aber darauf kommt es Dir ja nicht an. Wichtig für Dich ist, daß diese Diagnosevorschrift keine Garantie für Dich bedeutet, so leid es mir auch tut.
Ich hatte noch nie schizophrene Symptome
(auf jeden Fall keine Stimmen; Hallu weiss ich nicht, ich habe
lange gekifft und am Ende auch mal eine komische fixe Idee
gehabt - deswegen ist mit dem Kapitel kiffen definitiv
Schluss)
Es ist richtig, daß Du aufgehört hast. Ich empfehle Dir dringend, keine Drogen zu nehmen und auch nicht übermäßig Alkohol zu trinken. Es ist in Deinem Interesse. Alle diese Dinge könnten bei Dir eine „schlummernde“ Schizophrenie wecken. Wenn Du Drogen und Alkohol zu Dir nimmst, vergrößerst Du das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.
Ich kanns nur wiederholen, ich habe Angst. Mein Verstand ist
das einzigste was ich glaub ein bischen zu haben. Ich will ihn
nicht verlieren!
Deine Angst kann ich verstehen. Ich hätte sie auch. Falls sich bei Dir Schizophrenie entwickeln sollte, dann gibt es gute Medikamente, die sie unterdrücken können. Sie wird nicht verschwinden, so wie das Risiko, daß sich eine Schizophrenie entwickeln könnte, nicht verschwinden wird. Aber Du könntest die Schizophrenie in den Griff bekommen, falls sie auftreten würde. Du hast geschrieben, daß ein Elternteil von Dir schizophren ist: Hat er/sie seine/ihre Schizophrenie in den Griff bekommen?
Du (oder ein anderer) hat gesagt der Arzt kann keine 100%
Aussage machen? wie kann ich in diesem Thema Sicherheit
haben??!
Leider: Gar nicht. Das Risiko wird es immer geben. Du mußt lernen, damit zu leben. Du kannst damit leben. Es ist „nur“ ein Risiko - kein Schicksal. Du bist nicht verdammt dazu, schizophren zu werden.
Ich an Deiner Stelle würde die Ärzte und Psychologen, die Dich und / oder Deine Familie betreuen, fragen, was Du machen kannst, damit das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, bei Dir klein bleibt. Hast Du sie schon einmal gefragt? Was haben sie gesagt?
Alles Gute!
Oliver Walter
was versteht man denn unter Affektlos? Soll das heissen das
man sich, zum Beispiel, wenn man sich erschrickt nicht
zusammenzuckt oder so?
ja, wenn du beim mobbing ausgebrannt bist und nur noch müde abwehrst.
spirale angst-spannung-schmerz
Hallo,
Ich glaube nicht das ich Ansätze einer Schizophrenie habe; ich
habe ‚nur‘ Angst.
das ist das gleiche: schizophrenie ist ein umständliches synonym für chronische angst mit all ihren sozialen und ihren stoffwechselfolgen. beim chronischen schmerz ist sie einer der haupttrigger. ohne angst kommt es nicht zur chronifizierung.
gruß.
verallgemeinert
Wo ist dann der Unterschied zu irgendwelchen Phobien oder Paranoia (ist doch auch chronische Angst?) ???
*dummfrag*
Wo ist dann der Unterschied zu irgendwelchen Phobien oder
Paranoia (ist doch auch chronische Angst?) ???
Phobien können in Paranoia münden. Je nach Serotonin-Status. Angst ist Luxus, genau wie der Wunsch nach extremer Sicherheit.
Knuddel.
Es wird spannend (langer text)
Also wirklich, Matze,
Wäre ich an deiner Stelle gewesen und hätte ich so viele Antworten bekommen, hätte ich jetzt mächtig mit Panik zu tun gekriegt.
Hör zu:
Es ist generell gut, dass du dich mit diesem Thema auseinandersetzt. Nur sollte es nicht zum Sinn des Lebens werden.
Schizophrenie in der Familie ist ein Fluch, und mit diesem Fluch muss du leben (übrigens nicht du alleine). Du wirst nie das Dasein eines Otto Normalverbrauchers führen, gewöhn dich an diesen Gedanken.
Denn du hattest einfach eine andere Ausgangsposition: keine glückliche Familie.
Nicht destotrotz: einfach da zu hocken, in sich hinein reinzuhorchen, um, Gott bewahre, bloß nicht den einschleichenden Wahnsinn zu verpassen, die lange Wartezeiten auf Schizophrenie mit Kiffen zu verkürzen, ist auch keine Lösung.
Wenn der Wahnsinn kommt, falls es kommt, ist er da. So ist es nun mal bei Schizophrenie. Bis dahin hast du aber Zeit für andere Dinge.
Anders bei der Depression. Da kann der Mensch selber was dagegen unternehmen. Eine Therapie zu machen, um die Depression abzuschütteln, hat nur dann Sinn, wenn du selbst, manchmal unter enormer Anstrengung, den Versuch machst, dich aus diesem Sumpf herauszuziehen. Einfach beim Therapeuten zu sitzen, ihm zuzuhören, seine Ratschläge zur Kenntnis zu nehmen und womöglich Antidepressiva zu schlucken, bringt nichts. Weiß ich aus Erfahrung.
Geh unter die Menschen. Ich weiß, was du jetzt sagst - „Ich habe keine Freunde“. Meinen wirst du dabei - „Sie verstehen mich sowieso nicht“ oder gar „Ich bin zu gut für sie“. Es tut mir leid, dass ich es so hart sagen muss. Es ist aber egal, ob sie dich verstehen oder nicht. Freunde. Klar, es gibt wenige. Aber es werden sich immer welche finden, die dich so akzeptieren, wie du bist. Bestimmt werden es nicht 10 oder 20 sein, aber 2 oder 3, die zu dir stehen werden. Gerade schizophren veranlagte und schizoide Menschen tun sich damit unheimlich schwer, unter den Menschen zu sein. Aber gerade das ist ihre Rettung. Egal, ob du nichts zu sagen hast oder umgekehrt gleich mit komplizierten Lebensweisheiten ausrückst. Geh hin: Vereine, Selbsthilfegruppen, Weihnachstfeier, Einkaufsbummel…
Du schreibst „es ist das Einzige, was mich am Leben hält“. Davon leite ich ab, dass du, wie ein Fachmann sagen würde, suizid gefährdert bist. Nun, ich habe auch lange Zeit mit dem Gedanken kokkettiert: „Soll ich mich jetzt umbringen oder nicht“. Und bin zum Schluß gelangt, dass das der einzige Wunsch ist, den mir das Leben freiwillig erfüllen wird. Alles andere muss ich mir erkämpfen. Denn irgendwann sterben wir alle, man braucht ja gar nicht, etwas in dieser Richtung zu unternehmen, es kommt schon von selbst, und immer zu früh, und nie zu spät.
Was die fixen Ideen betrifft: An und für sich sind die fixen Ideen gar nicht so schlecht, wenn man sie mit Vorsicht geniesst. Die Relativitätstheorie von Einstein war auch mal ´ne fixe Idee, genau wie die Bilder von Van Gogh. Columbus hat, getrieben von einer fixen Idee, Amerika entdeckt.
Wenn dich deine Gedanken belasten, schreibe sie auf oder male sie (du brauchst sie niemandem zu zeigen) - dadurch gewinnst du Abstand zu denen.
Und du solltest dir deine Gefühle erlauben. Du schreibst „ich bin unverletztbar“ - gerade das Gegenteil ist der Fall, und das weisst du. Wenn du beleidigt, wütend, verzweifelt oder umgekehrt euphorisch bist, sprich doch darüber, sag es laut, auch wenn du meinst, niemand hört dir zu. Einmal ausgesprochen, stauen sich die Gefühle nicht, und du fühlst dich dann freier und selbstbewusster.
Und das Letzte: einen Spruch habe ich immer vor mir -
Gott, gib mir die GELASSENHEIT, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann;
Gib mir den MUT, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Und gib mir die WEISHEIT, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Mehr kann ich für dich nicht tun, und keiner kann es. Du musst schon selbst den ersten Schritt aus der Ecke wagen, wo du dich selbst hineingetrieben hast.
Ich bin kein Arzt, kein Psychologe und habe nur meine eigenen Erfahrungen geschildert.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie Ihren Arzt oder Apotheker.
und…
und man bedenke, wie hoch das verhältnis der gesunden zu den erkrankten, selbst bei erhöhtem erkrankungsrisiko aufgrund erkrankung in der familie ist!
matze: dein erhöhtes risiko bedeutet, daß du dich in einer gruppe von 100 menschen befindest, von denen 10 eine schizophrenie entwickeln, aber 90 personen gesund bleiben! (quelle: http://www.psychiatriegespraech.de/sb/schizophrenie/…)
ich kann verstehen, daß man angst hat, wenn man eine krankheit in der eigenen familie erlebt hat. aber warum denkst du, du mußt gerade bei den 10 sein, die krank werden, wenn die chance doch viel größer ist, einer von den 90 gesunden zu sein!
ich stimme jarolep vollkommen zu, wenn er sagt, du sollst dich von deiner angst nicht kaputt machen lassen!
im leben gibt es eine menge bedrohungen, durch krankheit, durch unfall, durch gewalt… du kannst vor allem oder einem speziellen angst haben, aber es wird dir nichts nützen. im gegenteil: es wird dir schaden, weil du dich verkriechen und keinen spaß am leben haben wirst.
versuche, aktiv zu werden, freunde zu finden und dinge zu tun, die dir spaß machen. das fördert/ erhält bei jedem psychische gesundheit.
deine depression sehe ich nicht als schritt in richtung schizophrenie (wie es du vermutlich tust). depression ist eine volkskrankheit, dh. weit verbreitet. eine depressive episode trifft eigentlich jeden einmal im leben. daß es dich trifft, ist nicht mal so überraschend: sicher war euer familienleben nicht einfach, da beide elternteile ihre probleme hatten und daher für dich nicht da sein konnten.
auch deine halluzinationen beim kiffen kündigen die schizophrenie nicht an: drogen verursachen nun mal halluzinationen. vielleicht tröstet es dich, zu lesen, daß bei mir der staubsauger halluzinationen erzeugt: sobald ich den anwerfe, „höre“ ich das telefon klingeln. besonders dann, wenn ich einen wichtigen anruf nicht verpassen will.
ich weiß nicht, ob ich ihn dir damit geben konnte, aber ich wünsche dir mehr seelenfrieden!
Eine kleine Randbemerkung
Die Lekture medizinischer Literatur trägt oft seltsame Fruchte. Nehmen wir mal Pschyrembel Klinisches Wörterbuch:
Ich habe
das Ziehen in der Wade - ist bestimmt ein Sarkom!
Die linke Schulter schmerzt - das Herzinfarkt steht unmittelbar bevor!
mir ist schwindelig - ein Schlaganfall!
ich fühle mich müde und habe Fieber - klar, Leukemie!
Mit ein bißchen Übung kann man bei sich sogar Schlafkrankheit und Gelbes Fieber entdecken. Und alles gleichzeitig.
Noch interessanter wird es, wenn man psychiatrische Bücher studiert:
Ich stand an der Kasse und alle glotzten mich an - Paranoja!
Diese Frau lief die ganze Zeit hinter mir - Verfolgungswahn!
Habe ich nun den Wasserhahn abgedreht oder nicht - Neurose!
Dieser Baum sieht wie ein Monster aus - bestimmt Schizophrenie!
Ich bin heute mies gelaunt, wo ich doch gestern noch so glücklich war - manisch-depressiv!
Und so weiter und so weiter.
Nicht die Eigenschaft selbst ist krankhaft, sondern ihre Ausprägung kann krankhaft sein. Doch wo liegt diese Grenze?
Hallo Schoko et al,
beispiel: depressive, bei denen der affekt fehlt, beschreiben
ihr gefühlsleben als tot, als die abwesenheit von gefühlen.
oder personen, die jemanden verloren haben, beschreiben sich
als wie versteinert, weil sie nicht trauern und weinen können.
dies ist sehr belastend für die betroffenen.
Verständlich erklärt, danke.
Aber: Ich habe ein kleines Problem mit dem kausalen Zusammenhang von fehlendem Affekt und psychischer Erkrankung. Liegt diese Art von fehlendem Affekt nicht auch bei psychisch völlig gesunden Menschen bisweilen vor?
Wer von uns schon mal plötzlich einen geliebten Menschen verloren hat, kennt das von Dir beschriebene Gefühl der Lähmung doch. Im ersten Moment ist man wie versteinert und kann es nicht fassen, es dauert, bis die Trauer wirklich eindringt und sich Bahn schafft.
Oder habe ich Dich falsch verstanden und dieser fehlende Affelkt zählt als Diagnosehilfe nur dann, wenn er dauerhaft auftritt, wenn also jemand dauerhaft und ohne ersichtlichen Grund „gefühlstaub“ ist?
Liebe Grüße,
Nike
fehlender affekt an sich ist nichts unnormales. ich persönlich kann es sehr gut nachvollziehen, daß man auf hochgeradig belastende ereignisse zunächst mit einer art versteinerung reagiert. man muß ja zunächst einmal verstehen, daß diese schreckliche, unglaubliche sache tatsächlich passiert ist.
trauer und depression, auch angst oder aggression usw. sind eigentlich normale dinge.
auch andere, etwas krass anmutende symptome psychischer erkrankung kommen im normalen leben vor zb. halluzinationen, die man auch bei übermüdung bekommen kann.
ein symptom wird aber pathologisch, wenn es über eine gewisse zeit bestehen bleibt und/ oder wenn es einen leidensdruck erzeugt und/ oder der betroffene nicht mehr für sich sorgen kann. auch situationsangemessenheit/ verhältnismässigkeit ist ein kriterium.