ich habe inzwischen einige Schlachtfelder gesehen (Hastings, Austerlitz, Höchstätt, Wateloo) und war jedesmal über deren Weitläufigkeit überrascht (klar, wo Hundertausende aufmarschieren und aufeinander eindreschen, da braucht es Platz). In Austerlitz ist auch der Lagerplatz Napoleons zu sehen, von wo aus er seine Truppen befehligt hat. Auf anderen Schlachtfeldern muß es ebensolche Feldherrenhügel gegeben haben. Mich wundert bloß, wie die Schlachtenlenker von diesen Hügeln aus die Übersicht behalten konnten. Die Weitläufigkeit und die Topographie der Gelände bot doch nur einen begrenzten Einblick, z.B. konnte der Feldherr die Unterlegenheit eines Truppenteils visuell nur dann erkennen, wenn er bereits in Auflösung und auf der Flucht war, ein Einschreiten war dann aber meistens zu spät.
Also: wie hat sich bzw. wie wurde der Feldherr über den Schlachtenvelauf informiert und wie wurden den verschiedenen Truppenteilen seine Befehle übermittelt? Hornsignale schieden wohl in dem Getöse aus, aber Meldreiter waren doch sicherlich auch Stunden unterwegs in dem Schlachtengetümmel (wenn sie nicht vorher niedergemacht wurden).
Ich nehme an, die Offiziere vor Ort hatten weitreichende Verantwortung für den Einsatz ihrer Leute, so dass vom Feldherrn nur eine übergeordnete Strategie verfolgt werden mußte. So ist wohl zu erklären, dass Napoleon sich während der Schlacht von Waterloo ein kleines Nickerchen gönnte (währenddem die Schlacht verlorenging).
Heute wie damals ist eine militärische Einheit hierarchisch gegliedert. Entsprechend wurde die Schlacht vorher besprochen. Napoleon setzte sich also mit einem Dutzend seiner hohen Generäle zusammen, die jeweils verschiedene Flügel, Reserven, die höhergradige Artillerie und so weiter kommandierten und sprach mit ihnen die Taktik durch. Die Herren trafen sich mit ihren nachgeordneten Generälen und Stabsoffizieren und das immer weiter nach unten bis zu den einfachen Offizieren, mit weiter abnehmendem Entscheidungsspielraum.
Wenn sich an der Taktik was änderte, wurden in der tat vor allem Botenreiter eingesetzt, für einfache Befehle wohl auch Flaggensignale. Zumindest bis auf Brigade- oder Regimentsebene waren die Meldereiter auch nicht übermäßig an Leib und Leben bedroht, da die hohen Offiziere ihre Truppen von hinten, also außerhalb des unmittelbaren Gefechtsbereichs, kommandierten.
Akustische Signale sind durch den Lärm etwas eingeschränkt (und Falggen durch den Pulverdampf), aber sie wurden natürlich auch verwendet. Bestes Beispiel: die heute noch im Fußballstadion beliebte Attacke-Trompete.
Flaggensignale und akustische Signale waren fast nicht möglich. Im Grunde hatte jeder Truppenteil seine Befehle und agierte nach denen. Wenn es notwendig wurde, etwas zu ändern, dann wurden Meldereiter eingesetzt Und richtig, die waren z.T. stundenlang unterwegs. Der Hauptwert des Feldherrnhügels bestand ja auch nicht darin, dass der Feldherr alles sehen konnte. Das konnte er wegen der Weitläufigkeit der Schlachtfelder nicht. Der Hauptwert lag daran, dass der Hügel und damit der Feldherr von den Meldereitern gut findbar war.
Dementsprechend hat es da natürlich auch Situationen gergeben, die heute, im Zeitalter des Funks, gar nicht mehr erklärbar sind. Ein Weillington, der erst nach zwei Stunden erfuhr, dass seine Flanke bei Waterloo bedroht war, aber auch ein Napoleon, der ein Nickerchen hielt, weil er nicht wusste, dass es trotz der Übermacht, die er angesetzt hatte, nicht gelungen war Hougomont zu nehmen weil seinen Reiterei in die britischen Karrees gerannt war. Er wusste, er hätte die Nachricht, gleich ob Erfolg oder Mißerfolg, nicht vor Ablauf von Stunden bekommen können.
Gruß
Peter B.
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ich glaube die Problematik der damaligen Schlachtführung, lässt sich am besten in einem Zitat ausdrücken, das ich einmal las(kann sein das es der viel zitierte Napoleon war):
" Der beste Plan, hält bis zum ersten Schuss."
Bis zu diesem Zeitpunkt, der ersten Gefechtsberührung der Gegner,
lief es noch einigermaßen nach der festgelegten Strategie des Feldherrn. Danach entschieden die Korps-bzw Divisionskommandeure, wie sie ihre Regimenter einsetzten, diese befahlen wiederum ihren Bataillonen usw.
Ein Kluger Feldherr lässt dies auch in gewissen Rahmen zu, solange seine Strategie verfolgt wird. Läuft dann die Schlacht, ist es die Aufgabe des Feldherrn noch letztlich die Reserven,( bei Napoleon, die Garde) im entscheidenden Moment an die richtige Stelle zu beordern.
ZITAT:frowning:Napoleon) „…die falschen Truppen, zur falschen Zeit, am falschen Ort…“