'Schlachttaktik' im Unabhängigkeitskrieg

Hi,

gestern mal wieder ferngesehen und natürlich den „Patrioten“ verfolgt. Dabei habe ich während der „Entscheidungsschlacht“ folgendes bemerkt:

Die „Rebellen“ sind dabei über die Bergkuppe zu stürmen, da kommen ihnen die Engländer entgegen, stellen sich auf und legen an. Anstelle nun die letzten Meter mit lautem „Hurray“ zu überwinden und die Engländer im Nahkampf anzugreifen, gibt der Offizier den Befehl eine Linie zu bilden und sich abschießen zu lassen! Was soll das? Ein militärischer „Vorteil“ für die Rebellen kann ich nicht finden, bleibt nur das „Gentleman agreement“. w-w-w?

Grüße
WOlfgang

Hallo !

Das war nicht nur in den USA so. Dort ging man später auf den verdeckten Kampf über. Viel früher, als in Europa.
Die großen Schlachten Friedrich des Großen, Napoleons usw liefen alle so ab.
Hätte sich damals ein Soldat versteckt, also Deckung gesucht, hätte man ihn wegen Feigheit vor dem Feind erschossen.

gruß max

…mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass der Film auf Authenzität einen Scheiß gibt.
Weil damalige Vorderlader keine Präzisionswaffen waren, stellte man sich in enger Formation auf und gab Salven auf den feindlichen Haufen, denn wenn man schon nicht den traf, den man treffen wollte, dann immerhin noch den nebendran.
Jedoch gilt das nicht für die Flinten von Mel Gibson, die waren immerhin so präzise einen galoppierenden Reiter aus einer ordentlichen Entfernung gezielt zu treffen. Die auflösung der Kampfformation wurde erst weit später in den Kriegstaktiken verwendet, als verbesserte Waffen, den einzelnden Soldaten gefährlicher oder effektiver machten.

habe mal irgendwo gelesen das diese Taktik vor allem deswegen angewandt wurde, weil die Soldaten meistens nicht freiwillig „dabei“ waren und man so das ausbüchsen verhindern konnte. Denn so hatte man die Formation und der Offizier den Überblick über die Truppe. Soweit ich weiss wurden Soldaten dann erschossen wenn sie aus der Formation austraten.

Robby

Das ist eine Legende, die aber so gebräuchlich ist, dass sie mir schon in der Schule beigebracht wurde. Man muss bedenken, dass die Linienformation die Kolonne der Landsknechtsheere abgelöst hat und später wiederum von der Kolonne der Revolutionsheere abgelöst wurde.
Die dichtgeschlossene Kolonne wäre aber eigentlich die viel geeignetere Formation um Desertationen zu verhindern als eine mehrere hundert Meter lange Linie.
Tatsächlich war es so, dass die Linienformation angewandt wurde, um möglichst viele Waffen gleichzeitig in eine Richtung abzufeuern. Sie wurde in den Revolutionsheeren als Defensivformation auch weiter beibehalten.
Das Schießpulver, dass damals verwendet wurde verrußte die Gewehrläufe so stark, dass die Kugeln kleiner waren als der Laufdurchmesser. Die Kugel schlingerte also durch den Lauf, so dass ein vernünftiges Zielen nicht möglich war. Jäger verwandten hingegen präzisere Gewehre und Kugeln, die man dementsprechend öfter reinigen musste. Mit diesen Gewehren konnte man auch genauer schießen. Sie wurden aber nicht bei der Linieninfanterie eingesetzt.
Desertationen kamen bei den Revolutionsheeren übrigens viel öfter vor, als zuvor bei den Söldnerheeren. Die Revolutionssoldaten meldeten sich zwar voller Begeisterung freiwillig, diese Begeisterung verflog aber auch ziemlich schnell, sobald die ersten Kugeln flogen.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Lineartaktik
Das war niun mal die übliche Methode, mit den noch recht ungenauen Waffen die größtmögliche Menge Geschosse in kürzester Zeit in den Feind zu schicken. Nehmen wir die Situation als real an, so wird dem Offizier einfacxh sein Reglement in den Knochen gesteckt haben. ECHTE Rebellen, die ungedrillt gekämpft hätten, wären sicher so gestürmt, wie von Dir beschrieben.
Hinweis: Die Lineartaktik reichte bis weit in den Sezessionskrieg hinein, bevor men feststellte, daß eine Withworth-Rifle in der Lage war, dem US-General Sedgewick unangenehme letzte Worte zu belassen: „Auf die Entfernung (ca. 7-800m) treffen die nicht mal einen Elephan…“ Richtig! Elephanten sind bekanntlich grau und die Rebellen schossen weitaus lieber auf blaues.
Blaue Elephanten waren damals aber weitgehend unbekannt :wink:))
whk

Nicht ganz

habe mal irgendwo gelesen das diese Taktik vor allem deswegen
angewandt wurde, weil die Soldaten meistens nicht freiwillig
„dabei“ waren und man so das ausbüchsen verhindern konnte.

War eher ein Nebeneffekt (s.o.P.)

Denn so hatte man die Formation und der Offizier den Überblick
über die Truppe. Soweit ich weiss wurden Soldaten dann
erschossen wenn sie aus der Formation austraten.

Nein, so gut wie nie beim ersten Mal, aber sie wurden hart bestraft!
whk

Hi,

Hinweis: Die Lineartaktik reichte bis weit in den
Sezessionskrieg hinein,

und noch ein gutes Stück weiter. Russische, britische und auch deutsche Offiziere liessen noch im 1. WK ihre Soldaten tlw. so angreifen, was u.a. bei der britischen Armee zum höchsten Tagesverlust aller Zeiten führte:

Am 01.07.1916 verloren die Briten an der Somme unglaubliche 50.000 Mann, darunter 20.000 Gefallene…

Gruß
Feanor

Hy,
im Anhang an der DVD sind ein paar mehr oder weniger gute Dokus mit dabei. Sehr interessant und auch im Film entsprechend „dargestellt“ bzw. für die Handlung benutzt, war der damals extrem hohe Ruf der britischen Infanterie.
Laut wesentlich früheren Diskussionen hier war ein direkter Bajonett-Kampf auch sehr selten.
Was ich damit sagen will: möglicherweise war es die Furcht, im Sturm „allein“ auf eine intakte Linie zu rennen. Im direkten Zweikampf hängt auch viel von der Moral und dem Mut ab. Und da schreckten wohl gerade „Rebellen“ (quasi Zivilisten) vor berüchtigten rotröckigen Kriegern zurück.
Möglicherweise eine Erklärung… vielleicht auch nicht…
Viele Grüsse,
Michael