schläge,psychoterror seitens meiner Eltern

hallo, ich hoffe jemand kann mir weiter helfen.

Ich bin mitlerweile 20 Jahre alt und habe immoment das Problem das ich fast meine ganze Kindheit und Jugend vergessen habe , mir fehlt fast alles was im zusammenhang mit meinen Eltern steht. Andere Sachen die ich mit Freunden und in der Schule erlebt habe sind noch fast „vollständig“ vorhanden.
Es hat alles angefangen als ich ca.6Jahre alt war.Meine Mutter wollte mit mir und meiner Schwester in ein Kindertheater. Als sie mich dazu bringen wollte eine Jacke anzuziehen in der ich mich überhaupt nicht wohl fühlte und mich weigerte, ließ sie mich zuhause und ging alleine mit meiner Schwester los(sie ist2jahre jünger)Als ich dies bemerkte lief ich zur Tür nur sie war abgeschlossen . Ich hing mich an die Türklinke und schrie. In dem Moment kam mein Vater angestürmt,packte mich,schleppte mich ins Zimmer und schlug auf mich ein. In den Jahren bis zu meinem 12Lebensjahr kann ich mich an 2 positive Sachen erinnern.Mein Vater war mit mir und meiner Schwester schwimmen(was er sehr oft tat um mit uns was zu unternehmen,nur ich weiß es nicht mehr))und er kaufte trotz Geldmangel ein Clavinova als ich 8 war weil meine Lehrer meinen Eltern sagten das ich Hochbegabt im Musikalischem bereich bin.Mit 13 wechselte ich gegen meinen Willen vom Gymnasium auf die Realschule ich denke in dieser Zeit kam ich auch in die pupertät.Gegen meinen Willen heißt das ich nichts mit Leuten von der Realschule/Hauptschule zu tun haben wollte und ich wusste das ich das Pensum auf dem Gymnasium eigentlich schaffen konnte. Später stellte sich heraus das ich ADS (Aufmerksamkeits defizitstörung/Konzentrationsschwäche) habe und dazu kamen dann noch die Probleme zuhause .Dies erklärte das ich es nicht schaffte.
Auf dem Gymnasium hatte ich nie richtigen anschluss gehabt und hatte jetzt aber in der neuen Schule endlich ein paar Freunde mir Angst machte,ob ich es war. Ich antwortete nicht weil ich Angst hatte. Ein paar sekunden später gab gefunden, eine davon war alles andere als ein guter Einfluss und ich rutschte von den Noten 1-2 fast auf´s Hauptschulniveau was ich aber innerhalb eines halb Jahres wieder aufholte.Diese Zeit war bestimmt auch nicht einfach für meine Eltern,aber ist dies eine Entschuldigung zu schlagen, auch wenn man verzweifelt ist und nicht weiter weiß ?

Ich nutzte es aus so viel wie möglich von meinen ELtern weg zu sein, aber ich kann nicht sagen was bei mir zuhause genau los war.Schläge von meinem Vater ,eine Sache fällt mir ein, der Beuler für warm Wasser war zu hoch gestellt weil ich einfach nicht so „kalt“ Duschen konnte wie mein Vater. Er kam in mein Zimmer fragte mich ,mit seinem Gesichtsausdruck der er mir ein Backpfeife das ich für einen Moment dachte mein Kopf befindet sich nicht mehr da wo er hin gehört. Er hat auch oft geschlagen und gemeint wenn ich nicht aufhöre zu schreien und zu weinen hört er nicht auf mich zu schlagen.
Mir fällt gerade noch eine kleine Sache ein, ich weiß nicht mehr genau wie alt ich war aber ich denke ca.8. Ich bin abends mit meiner Schwester ins Wohnzimmer gegangen,meine Mutter war nicht da. Ich setzte mich auf die gemachte schlafcouch und es knackte,die Brille von meinem Vater. Ich stand vor schreck auf,er griff sich die Brille und ich saß wieder. Sein Gesicht kann man so beschreiben als währe er kurz vorm weinen gewesen aber es hätte jeden
Moment in Agressivität umschlagen können.Ich hatte einfach nur wahnsinnige Angst und schrie nach Hilfe. Ich denke,aber ich weiß es nicht, wenn ich durch so eine Situation solche Angst bekommen habe müssen diese schläge in dieser Zeit von 5-12 Jahren auch vorgekommen sein oder?Dann gab es noch eine Sache wo ich nicht weiß wie alt ich war, sie sperrten mich ins Wohnzimmer ein warum weiß ich nicht mehr. Ich war wahnsinnig am weinen, mein Vater und meine Mutter filmten mich mit einer Videokamera und meinten „Jetzt sehen alle wie du bist“ ich bin auf den Balkon geflüchtet weil ich raus wollte und Panik bekam. Irgendwie bekamen sie mich wieder rein und machten weiter.Später verkroch ich mich hinter eine Musikbox Ich weiß nicht mehr wie lange dies noch ging.Meine Mutter hat bei mir ziemlich oft nach der Arbeit ihren Frust an mir ausgelassen.Und wenn sie auf mich sauer war hat sie die Räume der Wohnung verschlossen außer die Toilette. Das hieß aber auch dass wir ,meine Schwester und ich, nichts zu essen hatten.(Mein Bruder war immer der liebling er ist 6jahre jünger)
Ich hatte so oft versucht mit dem Jugendamt zu reden das sie mich da rausholen aber sie meinten sie können nichts machen ich müßte sonst meine Eltern verklagen. Das konnte ich nicht weil meine Eltern mir oft genug gesagt haben was für schulden sie haben und wie würden sonst alles verlieren was sie haben. Wie sollte ich das Verantworten.Und auf der anderen Seite waren meine Eltern vor allem meine Mutter auch immer für mich da hat immer geholfen und mich immer unterstützt mit meiner Musik egal was für scheiße ich gebaut habe.Aber das andere überwog leider.
Die letzte Eskallation mit meiner Mutter ist auch die letzte an die ich mich erinnere vor dem Auszug bei meinen Eltern (mit 18 jahren),ging um meine Aufgabe das Bad zu reinigen. Ich hatte einfach keine Zeit es an dem abgemachten Tag zu erledigen weil ich arbeiten mußte. Bin dann aber extra am nächsten Tag um 21:00zuhause gewesen und habe mich sofort ums das Bad gekümmert.In dem Moment wo ich so gut wie fertig war kam meine Mutter aus dem Wohnzimmer und drehte durch mal wieder wie eine Furie was mir einfällt so spät damit anzufangen, ich würde die Nachbarn und vorallem sie nerfen sie brauchtihren Feierabend. Aber sie hatte nichts davon die ganze ZEit mit bekommen.Das war zuviel, zu dem Zeitpunkt hatte ich meinen Freund kennen gelernt. Ich packte meine Sachen und holte ihn von der Arbeit ab.Ich zog bei ihm und seiner Mutter ein.
Ich hatte Monate lang keinen Kontakt, bis ich mich wieder meldete.Sie hatte wieder Kontakt zu mir und versuchte mich zu kontrollieren.Wenn ihr was nicht passt in meinem Leben und ich höre dann nicht auf sie, versucht sie mich damit zu erpressen das sie mir die Musikschule kündigt u. z.b. mir kein Geld für Medikamente gibt.Sie verbot mir dann auch bei ihr Klavier zu üben,auf die Frage ob sie mir das Klavier vielleicht geben könnte bis zur Prüfung sagte sie nur nein ich habe Angst das du es vertickst(es gibt keinen Grund dafür,es ist niemals etwas in der Hinsicht passiert. Als ich das erste mal fragte meinte sie das mein Bruder auch noch Klavier lernen möchte dies hat er bis heute nicht getan.
Vorallem meint sie sie können mir nicht vertrauen wegen damals wo ich sie oft angelogen habe. Aber erstens bin ich 20 und keine 14 mehr und anlügen tue ich sie nur weil es nicht anders geht. Sie weiß dass ich in gewisser weise auf sie angewiesen bin.
Auf der anderen Seite wenn wir mit einander reden sieht sie so kaputt aus und meint auch immer das sie nicht mehr kann und sie sich sorgen macht …Aber immer nur sie ist die arme kaputte, sie sieht nicht wie kaputt ich bin o.meine Schwester.
Ich weiß das sie es mein ganzes Leben immer wieder schafft das ich ein schlechtes Gewissen bekomme und bei dem letzten Gespräch hat sie sogar noch nicht einmal gesehen das mein Selbstmordversuch mit 13 ein hilfschrei war- Sie meint es hängt damit zusammen das ich ADS(Aufmerksamkeits defizitstörung/Konzentrationsschwäche)habe.
Aber ich kann mir auch in dem Moment und auch sonst nicht vorstellen das meine Mutter so falsch ist, weil sie so mit so viel überzeugung redet das ich egal was passiert ist immer denke das sie wirklich recht hat. Nur ich sehe es an meiner Schwester sie hat keine Möglichkeit auszuziehen und meine Mutter stellt sie bei mir so dar das sie eine sensomotorische Wahrnehmungsstörung hat und alle Auseinandersetzungen falsch aufnimmt,d.h sie ist immer an allem Schuld. Aber das kann nicht sein weil sie nirgendwo anders Probleme hat. Und auch wenn ich nicht mehr weiß was alles bei mir passiert ist weiß ich das sie es jetzt durch stehen muss.Das schlimmste ist wenn sie mal wieder nicht mit ihr zurecht kommt schmeißt sie sie raus. Und wenn ich sie dann darauf anspreche meint sie sie kann gerne da wohnen wenn sie sich benimmt. Davor meinte sie immer nach 3Tagen kann sie zurück kommen denn hätte sie sie ganz raus geworfen müsste sie für sie zahlen und das kann sie nicht. Meine schwester ist ganz bestimmt kein Engel aber darf man so etwas machen? . Meine Frage ist nur was soll ich von meiner Mutter halten was ist sie für eine Person?Macht sie es mit absicht oder sieht sie dies alles nicht und fühlt sich wirklich im recht? Ich möchte endlich mit allem abschließen oder es verstehen.Denn so bin ich nach jedem Eltern besuch wieder ein kleines stückchen elend und mein Freund muss mich wieder aufbauen.
Und weswegen habe ich fast mein ganzes Leben mit meinen Eltern vergessen und kann mich nur noch an gravierende Sachen erinnern ?Denn Sachen die ich mit Freunden oder inder Schule erlebt habe sind noch vorhanden.
Meinem Vater kann ich keine Vorwürfe machen aber ihm auch nicht verzeihen.Auf der einen Seite weiß ich glaube ich das es ihm leid tut,weil ich sein Gesicht ab und zu sehe und ich weiß das er nicht über Gefühle reden kann. aber auf der anderen Seite meinte er er währe noch viel härter gewesen wenn er die Erziehung alleine in der Hand gehabt hätte.
Ich glaube dazu kann mir niemand so richitg rad geben aber wenn ja denkt mein Vater immer noch es war richtig? Und währe es richtig meiner Schwester zu raten meine Eltern zu verklagen um da raus zu kommen?Denn meine Eltern meinen wenn es so weit kommt müssten sie zahlen denn private Schulden werden nicht anerkannt.
Ich weiß es hört sich eigentlich an als würde ich alles noch wissen aber ich weiß das noch soviel mehr passiert ist und auch sehr viel schöne erlebnisse sind einfach nicht mehr da, egal wie oft und lange ich versuche zu überlegen.

Hallo Doerns,

Verdrängung hilft der Seele bis sie soweit ist, wieder ein Stückchen mehr zu verkraften.

Lieben mich meine Eltern ? Und wenn sie mich lieben, warum tun sie mir das an?

Schreibe dir auf, was dir einfällt, lass es Stück für Stück raus.
Rede darüber und lasse dir helfen, wenn du Hilfe brauchst.
Es gibt Bücher, die dich weiterbringen zu verstehen und dir mit dem Umgang mit deinen Eltern helfen.

„Die Abhängigkeit des kleinen Kindes von seinen Eltern, sein Vertrauen zu ihnen, seine Sehnsucht danach, geliebt zu werden und lieben zu dürfen, kennen keine Grenzen. Diese Abhängigkeit auszubeuten, das Vertrauen zu missbrauchen, die Sehnsüchte zu betrügen und zu verwirren und dieses Verhalten als Erziehung „zum Besten des Kindes“ auszugeben, bezeichnet Alice Miller als gefährliches Tun, das täglich aus Ignoranz und der Weigerung, diese aufzugeben, begangen wird.“

http://www.alice-miller.com/sujet/framdt.htm

Hier ist der Link zu einem Forum, schau es dir an und überlege wie weit du dort lesen und
schreiben magst.

http://www.ourchildhood.de/

Lasse dir Zeit, aber halte nicht still…

hallo, ich hoffe jemand kann mir weiter helfen.

…du musst dir selber helfen.

Herzliche Grüße
Kerbi

Hallo Doerns,

zwei Dinge haben mich bei deinem Beitrag stutzig werden lassen. Du schreibst, du hättest zahlreiche Versuche beim Jugendamt unternommen, um aus dieser Familie rauszukommen. Später hast du den Kontakt zu deiner Mutter abgebrochen, bist dann aber trotzdem wieder zu ihr gegangen.

Du erkennst, dass es dir nicht gut tut, dort zu sein, fühlst dich aber andererseits gebunden und abhängig und gehst immer wieder zurück, obwohl es dich „ankotzt“.

Ich würde versuchen, mich herauszulösen aus diesem Geflecht und meinen eigenen Weg zu gehen. Was genau früher passiert ist, interessiert jetzt nicht mehr. Es reicht, dass du weisst, dass es dir nicht gutgetan hat und auch jetzt noch nicht guttut.

Alles Gute
BM

Hallo Doerns,

zwei Dinge haben mich bei deinem Beitrag stutzig werden
lassen. Du schreibst, du hättest zahlreiche Versuche beim
Jugendamt unternommen, um aus dieser Familie rauszukommen.
Später hast du den Kontakt zu deiner Mutter abgebrochen, bist
dann aber trotzdem wieder zu ihr gegangen.

Du erkennst, dass es dir nicht gut tut, dort zu sein, fühlst
dich aber andererseits gebunden und abhängig und gehst immer
wieder zurück, obwohl es dich „ankotzt“.

Du hast schon recht, aber ich habe deswegen den Kontakt wieder aufgenommen weil es meine Eltern sind und ich gehofft habe das sie endlich mal einsicht zeigen und sich ändern.Ich konnte und wollte nicht verstehen das es nicht passiert. Vorallem weil mir Familie wahnsinnig wichtig ist.

Ich würde versuchen, mich herauszulösen aus diesem Geflecht
und meinen eigenen Weg zu gehen. Was genau früher passiert
ist, interessiert jetzt nicht mehr. Es reicht, dass du weisst,
dass es dir nicht gutgetan hat und auch jetzt noch nicht
guttut.

Das wird wohl das beste sein, nur momentan geht es nicht ganz erstens braucht mich meine ´Schwester um da raus zu kommen d.h. ich bin immer wieder mit meinen Eltern konfrontiert u. ich bin noch eine weile wegen der Musikschule von ihnen abhängig. Wenn das alles vorbei ist und sich keine Einsicht zeigt seitens meiner Eltern, muss ich wohl oder übel den Kontakt ganz abbrechen.
danke für deine Antwort
LG
nadine

Alles Gute
BM

Auch vielen dank auch für deine Antwort,sie hat mir schon ein stück weiter geholfen.
Aber was würdest du tun,wenn du genau wüßtest deine Eltern sind finanziell am Ende wenn man sie verklagt und es gibt da noch einen 14Jährigen Bruder .Aber es gibt keine andere Möglichkeit dem ganzen ein Ende zu setzten?Ich frage wegen meiner Schester.
Viélen dank nochmal
LG
nadine

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Nadine,

daß Du Dich an vieles nicht erinnern kannst, ist völlig ok. Du hast nur das Gefühl, daß es wichtig ist, sich im Detail zu erinnern, weil das Jugendamt dies hören will. Doch Du lebst weder für das Jugendamt noch für Deine Eltern, sondern für Dich.

Ein paar Sachen mußt Du selbst entscheiden.

  1. Lohnt es sich, das Jugendamt einzuschalten? Es gibt viele unabhängige Beratungsstellen, wenn Du mir mailst, in welchem Ort Du wohnst, kann ich gerne mal recherchieren, ob es dort eine Beratungsstelle gibt. In den Beratungsstellen sitzen auch Psychologen, bei denen Du Dich in Therapie begeben kannst - völlig kostenlos. Natürlich entscheidet der Pschologe, nicht Du. Aber Du kannst dich entscheiden, ob Du Dir wünscht das in vielen Sitzungen mit einem Experten zu besprechen. Du hast einige traumatische Erlebnisse gehabt und könntest Dich jemandem anvertrauen, der dafür ausgebildet ist, mit Deinem Leid umzugehen und Dich zu beraten, welchen Weg Du Dir zutraust.

  2. Dein Hausarzt kann Dich zu einem Psychologen überweisen, so daß Du eine von der Krankenkasse bezahlte Therapie machen kannst.

  3. Du kannst Deiner Schwester in meinen Augen nur helfen, wenn Du selber nicht mehr mitten drin steckst. Wenn ich das beim überfliegen richtig verstanden habe lebst Du derzeit wieder bei Deinen Eltern, die Dir nicht gut tun und Du willst Deine Schwester beschützen. Das ist sehr wichtig für Deine Schwester, doch sie weiß, daß es auch Dir nicht gut tut. Also hilfst Du erstmal Deiner Schwester, wenn Du ausziehst, weil sie nicht mehr für Dich leiden muß und ihren eigenen Weg gehen kann, sich gegen ihre Eltern zu wehren. Dann kannst Du Kraft tanken, den Kontakt zu Deiner Schwester halten und immer für sie da sein.

Wie gehen denn Deine Eltern miteinander um, wenn einer zuschlägt? Jeder hat ja die Möglichkeit, Gewalt zu bändigen. Doch es gibt auch Übergriffe, die sich nicht in physischer Gewalt ausdrücken, z.B. das filmen mit der Videokamera unter gleichzeitiger Androhung „Jetzt sehen alle wie Du bist“. Ich halte Deinen Vater für äußerst brutal, wenn er sagt er hört nicht auf zu schlagen bis Du ruhig bist, wogegen Deine Mutter einschreiten könnte. Doch auch sie neigt zu Übergriffen, schließt Räume ab so daß ihr nicht spielen und essen könnt. Das ist nicht richtig.

Diese Form der Freiheitsberaubung geht auf jeden Fall zu weit, doch das Jugendamt will Dir hier nicht weiter helfen. Sie können ohne Beschluß handeln wenn sie wollen, doch diese Erkenntnis bringt Dich nicht weiter. Du mußt akzeptieren, daß das Jugendamt in Deinem Fall nicht bereit ist zu helfen. Sie könnten Deine Geschwister ohnehin nur in ein Heim stecken. Eine Selbsthilfegruppe, Elterninitiative oder Aktionsgemeinschaft kann da möglicherweise mehr bewegen.

Darüber hinaus ist es auch nicht Deine Verantwortung, Deine Eltern vor den Konsequenzen ihres Tuns zu bewahren. Wenn sie einen Strafantrag fürchten wegen hoher Schulden ist dies ein Grund mehr, daß sie sich zusammenreißen und eine Eheberatung aufsuchen, um sich ernsthaft mit ihren Erziehungsmethoden auseinanderzusetzen. Wenn sie das nicht tun, du zeigst sie an und sie sind ruiniert, sind sie selber schuld.

Um so mehr sollte es für sie ein Anreiz sein, daß Du sie liebst und nicht verlieren möchtest, doch du willst das nicht weiter ertragen und möchtest auch die Gelegenheit bekommen, dich positiver zu entwickeln, was dann, wenn Deine Eltern nicht bereit sind, an sich zu arbeiten, nur ohne sie geht. Dann werden sie Dich also verlieren.

Diese Konsequenz kannst Du ihnen ruhig so sachlich schildern, vielleicht in einem Breif, um ihnen eine Motivation zu geben. Natürlich werden sie Dir vorwerfen, Du wolltest sie erpressen. Aber da kannst Du gegenhalten daß es dir nur darum geht, ihnen eine faire Chance zu geben. Du hättest dich entschieden und möchtest langfristig ein friedvolleres Dasein führen und möchtest sie einladen, daran teilzuhaben und aneinander zu wachsen.

Natürlich mußt Du auch bereit sein, im Falle des Scheiterns zumindest vorübergehend finanzielle Vorteile oder anderes, z.B. das Klavierüben, aufzugeben. Aber das ist es nach meiner Meinung wert.

Wenn Du einfach so gehst ohne Bedingungen zu stellen, hast Du jedenfalls weniger Chancen, etwas positives zu bewirken.

Du könntest auf auf jeden Fall den Spieß des Kontrollierens herumdrehen. Ich würde das Video in Gewahrsam nehmen (an einen anderen Ort) und auch mit einem Strafantrag drohen. Wenn sie anruft und Dich kontrolliert kannst Du sofort zurückschießen „Wann hast Du zuletzt überreagiert?“ Nur nicht aufregen, sondern sachlich kontern und dann das Thema wechseln. „Ich möchte mit Dir jetzt nicht telefonieren.“ Deine Mutter liegt in vielen Dingen falsch und das auszuhalten ist enorm ermüdend.

Du hast viel Arbeit vor Dir, das kannst Du alles zusammen mit einem Psychologen besprechen und lernen. Gedanken sind frei und niemand wird Dir in einer Therapie diesbezüglich Vorschriften machen, deshalb rede offen und ehrlich und denke auch mal über unangenehme Lösungen nach, und sei es nur, um Dir vor Augen zu führen, welche Konsequenzen dies hätte und daß Du nicht bereit bist, diese Konsequenzen zu tragen.

Das unklügste ist es, genauso affektgesteuert zu handeln wie der Rest Deiner Familie. Deswegen kann ich um so mehr empfehlen, eine Psychotherapie zu machen. Deine Schwester ist noch zu jung um Deine Eltern zu verklagen, das mußt Du schon machen.

Aber sie kann bald auch ausziehen oder ihr verschwindet einfach, zu einer lieben Tante oder den Eltern eines Klassenkameraden, die euch verstehen. Aber bitte nicht in eine Familie flüchten, in der auch Gewalt herrscht, dann kommt ihr vom Regen in die Traufe. Denn was ihr jetzt braucht ist Vertrauen und moralische Unterstützung, und die kriegt ihr auch kaum in einem Heim, in das das Jugendamt euch stecken würde wenn es denn „helfen“ wollte. Für sowas ist vielleicht der Pfarrer ein Ansprechpartner. Es gibt so viele Kirchen, einer wird schon dabei sein der mit Dir spricht.

Ich bin kein Fachmann und könnte völlig verkehrt liegen, aber ich könnte mir gut vorstellen daß Du es so schaffst, ein eigenes Leben aufzubauen, ohne Deine Lieben verlieren zu müssen. Mit 20 hast Du das richtige Alter dafür.

Gruß, AndyM