Hallo Juliane,
ich kann dir diese Situation sehr gut nachempfinden. Bei meinem ersten Kind habe ich auch genau diesen Fehler gemacht und irgendwann auch völlig entnervt gesagt : Schluß jetzt, ich bin auch nur ein Mensch und brauche auch Zeit für mich…
Es war harte Arbeit, dem Kind das wieder abzugewöhnen, aber es hat sich gelohnt. Komischerwiese schlief er dann auch sehr viel schneller ein und wachte Nachts nicht mehr auf. Das ist, als noch generell jemand mit ihm ins Bett ging, regelmäßig passiert, denn er ist mit dem Gewissen eingeschlafen und wurde natürlich wach, wenn keiner mehr bei ihm war…dann ging das Spiel von vorne los…zum Schluß war es fast so, dass ich die ganze Nacht bei ihm schlafen mußte, und das wollte ich nicht unbedingt…schließlich habe ich ja auch Bedürfnisse, die kamen zu kurz, dadurch war ich öfter schlecht gelaunt, dies spürte mein Sohn und hatte selbst entsprechende Laune.
Ich habe einfach irgendwann konsequent gesagt, dass ich ihm Abends noch eine Geschichte vorlese und dann aus dem Zimmer gehe…das habe ich ihm ganz ruhig erklärt und deutlich rüber gebracht, wie ernst es mir es…wie du deinem Kind das erklärst, kann ich dir natürlich auch nicht sagen, dass hängt ja ganz von eurer allgemeinen Sitation ab. Ich habe damals zu Deniz gesagt, dass ich viele Stunden am Tag in der Firma arbeite, ihn dann vom Kindergarten abhole, mit ihm einkaufen gehe etc., dass wir zusammen viel unternehmen und mir das großen Spaß macht, dass ich aber Abends gerne ein paar Stunden für mich haben möchte…
Anfangs war er skeptisch und hat auch viel Theater gemacht, wenn ich aus seinem Zimmer gegangen bin. Ich habe ihn dieses Theater machen lassen, ich habe mit Engelszungen auf ihn eingeredet, ich habe ihn auch mal zurechtgewiesen…ich glaube, ich hätte mir sonstwas einfallen lassen können, es hätte nichts geändert…nach einigen Tagen hat er sich daran gewöhnt und kam nur Nachts manchmal zu mir…das habe ich ihm NIE verwehrt…ich bin dann mit ihm in sein Bett gegangen und habe gewartet, bis er wieder schlief. Aber Abends bin ich konsequent geblieben, nur wenn er weinte bin ich zu ihm gegangen, und nach 3-4 Wochen war der Spuk vorbei.
Während dieser Zeit hätte ich heulen können, mir tat mein Kid unendlich Leid…auf der anderen Seite wußte ich ganz genau, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Ich denke, wenn man sonst ein gutes Verhältnis zu seinem Kind hat, kann man auch ruhig mal eine gewisse Härte an den Tag legen…denn Kinder wollen letztendlich ihre Grenzen gesteckt bekommen.
Ich denke, wichtig ist, dass du mit deinem Kind im Gespräch bleibst, ob das nun immer im netten Ton wage ich zu bezweifeln, es ist aber völlig normal, dass wir als Eltern auch mal am Rand unserer Geduld sind und deshalb sehr bestimmt mitteilen, was jetzt passieren wird. Nur ignorieren, das finde ich nicht so schön, gerade vor dem Zubettgehen muß das nicht sein.
Wie gesagt, stell dich auf Kämpfe und Geschrei ein…aber wenn du es durchhälst, wird deine Tochter sicher auch nach ein paar Wochen mit diesem Theater aufhören.
Nur wenn du noch lange wartest, könnte es schwierig werden. Denn eure Stimmung wird dadurch ja nicht gerade besser und sicher spürt deine Tochter das. Wenn du zu ungeduldig wirst, spürt sie es und dann blockt sie aus Trotz völlig ab.
Wie gesagt, ich kann dir nicht raten, wie du es machen solltest, ich kann dir nur Mut machen, dass es das Richtige ist, was du vorhast.
Du wirst immer genervter, und das kann auf Dauer nicht gut sein für euch.
Ich wünsche euch jedenfalls ganz Glück dabei und hoffe, dass es euch gelingt…
Eure Tochter wird das sicher gut überleben…
Ich kann verstehen, dass du vielleicht verunsichert bist, weil man dir seinerzeit geraten hat, auf deine Tochter einzugehen…aber du siehst heute, wohin das führt. Man kann nicht immer alles so machen, wie es die Kleinen gerne hätten, und : Es ist euer Kind, ihr werdet ihr mit Sicherheit nicht schaden, denn ihr habt ja viel Zeit und Möglichkeiten, ihr die Liebe zu geben, die sie braucht, das macht sich nicht dadurch aus, das einer von euch stundenlang an ihrem Bett verharrt.
Euch ein schönes Osterfest und alles Gute,
liebe Grüße,
Vanessa