Schlafprobleme

Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir Eltern euch hier in diesem Brett gefragt, was wir mit unserer kleinen Tochter (jetzt 3,5) anfangen sollten, die darauf bestand, dass jemand in ihrem Zimmer bleibt, bis sie eingeschlafen ist. Euer Rat war, dem nachzugeben, da die Alternativen (ein regelrechter Kampf mit Geschrei und „sanftem“ Einsperren) euch zu grausam erschienen. Wir haben uns an diesen Rat gehalten, aber zumindest ich (die Mutter) bin mittlerweile echt genervt von den Schlafgewohnheiten des Kindes. Manchmal gehts, da schläft sie innerhalb von 5 Minuten. Aber oft dauerts auch und kostet mich oder meinen Mann ganze Abende. Das ganze hat sich auch dahingehend verschlimmert, dass sie mittlerweile darauf besteht, dass derjenige neben ihr liegt und sie bei Bedarf umarmt - was bedeutet, dass ich nicht mehr durch Lesen die ganzen Prozedur wenigstens einigermaßen vergnüglich/nützlich gestalten kann (ich lese sehr gerne und tue dies auch beruflich, konnte also die Zeit doch noch sinnvoll nutzen). Also ehrlich, ich habe keine Lust mehr, diese Tyrannis mitzumachen und bereue es, jemals damit angefangen zu haben!
Ich werde etwas dagegen unternehmen! Vielleicht habt ihr dafür Ideen und Erfahrungsberichte…falls ich euch nochmals vertraue…

Juliane

Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir Eltern euch hier in
diesem Brett…
Juliane

Tach,
eigentlich ist es doch ganz einfach;es ist Euer Kind,es ist Eure Erziehung.Hört Euch die Ratschläge und Erfahrungen der Anderen wohlwollend an,aber macht das was IHR für richtig haltet.Was bei dem einen Kind sinnvoll ist,wird bei dem zweiten das Gegenteil bewirken.Es gibt kein Patentrezept! (Auch wenn das manche Leute behaupten)
Geht Euren Weg,und Ihr werdet schon einen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen des Kindes und Euren eigenen finden.

Werner

Hallo Juliane,

ich kann dir diese Situation sehr gut nachempfinden. Bei meinem ersten Kind habe ich auch genau diesen Fehler gemacht und irgendwann auch völlig entnervt gesagt : Schluß jetzt, ich bin auch nur ein Mensch und brauche auch Zeit für mich…
Es war harte Arbeit, dem Kind das wieder abzugewöhnen, aber es hat sich gelohnt. Komischerwiese schlief er dann auch sehr viel schneller ein und wachte Nachts nicht mehr auf. Das ist, als noch generell jemand mit ihm ins Bett ging, regelmäßig passiert, denn er ist mit dem Gewissen eingeschlafen und wurde natürlich wach, wenn keiner mehr bei ihm war…dann ging das Spiel von vorne los…zum Schluß war es fast so, dass ich die ganze Nacht bei ihm schlafen mußte, und das wollte ich nicht unbedingt…schließlich habe ich ja auch Bedürfnisse, die kamen zu kurz, dadurch war ich öfter schlecht gelaunt, dies spürte mein Sohn und hatte selbst entsprechende Laune.
Ich habe einfach irgendwann konsequent gesagt, dass ich ihm Abends noch eine Geschichte vorlese und dann aus dem Zimmer gehe…das habe ich ihm ganz ruhig erklärt und deutlich rüber gebracht, wie ernst es mir es…wie du deinem Kind das erklärst, kann ich dir natürlich auch nicht sagen, dass hängt ja ganz von eurer allgemeinen Sitation ab. Ich habe damals zu Deniz gesagt, dass ich viele Stunden am Tag in der Firma arbeite, ihn dann vom Kindergarten abhole, mit ihm einkaufen gehe etc., dass wir zusammen viel unternehmen und mir das großen Spaß macht, dass ich aber Abends gerne ein paar Stunden für mich haben möchte…
Anfangs war er skeptisch und hat auch viel Theater gemacht, wenn ich aus seinem Zimmer gegangen bin. Ich habe ihn dieses Theater machen lassen, ich habe mit Engelszungen auf ihn eingeredet, ich habe ihn auch mal zurechtgewiesen…ich glaube, ich hätte mir sonstwas einfallen lassen können, es hätte nichts geändert…nach einigen Tagen hat er sich daran gewöhnt und kam nur Nachts manchmal zu mir…das habe ich ihm NIE verwehrt…ich bin dann mit ihm in sein Bett gegangen und habe gewartet, bis er wieder schlief. Aber Abends bin ich konsequent geblieben, nur wenn er weinte bin ich zu ihm gegangen, und nach 3-4 Wochen war der Spuk vorbei.
Während dieser Zeit hätte ich heulen können, mir tat mein Kid unendlich Leid…auf der anderen Seite wußte ich ganz genau, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Ich denke, wenn man sonst ein gutes Verhältnis zu seinem Kind hat, kann man auch ruhig mal eine gewisse Härte an den Tag legen…denn Kinder wollen letztendlich ihre Grenzen gesteckt bekommen.
Ich denke, wichtig ist, dass du mit deinem Kind im Gespräch bleibst, ob das nun immer im netten Ton wage ich zu bezweifeln, es ist aber völlig normal, dass wir als Eltern auch mal am Rand unserer Geduld sind und deshalb sehr bestimmt mitteilen, was jetzt passieren wird. Nur ignorieren, das finde ich nicht so schön, gerade vor dem Zubettgehen muß das nicht sein.
Wie gesagt, stell dich auf Kämpfe und Geschrei ein…aber wenn du es durchhälst, wird deine Tochter sicher auch nach ein paar Wochen mit diesem Theater aufhören.
Nur wenn du noch lange wartest, könnte es schwierig werden. Denn eure Stimmung wird dadurch ja nicht gerade besser und sicher spürt deine Tochter das. Wenn du zu ungeduldig wirst, spürt sie es und dann blockt sie aus Trotz völlig ab.

Wie gesagt, ich kann dir nicht raten, wie du es machen solltest, ich kann dir nur Mut machen, dass es das Richtige ist, was du vorhast.
Du wirst immer genervter, und das kann auf Dauer nicht gut sein für euch.
Ich wünsche euch jedenfalls ganz Glück dabei und hoffe, dass es euch gelingt…
Eure Tochter wird das sicher gut überleben…
Ich kann verstehen, dass du vielleicht verunsichert bist, weil man dir seinerzeit geraten hat, auf deine Tochter einzugehen…aber du siehst heute, wohin das führt. Man kann nicht immer alles so machen, wie es die Kleinen gerne hätten, und : Es ist euer Kind, ihr werdet ihr mit Sicherheit nicht schaden, denn ihr habt ja viel Zeit und Möglichkeiten, ihr die Liebe zu geben, die sie braucht, das macht sich nicht dadurch aus, das einer von euch stundenlang an ihrem Bett verharrt.

Euch ein schönes Osterfest und alles Gute,
liebe Grüße,
Vanessa

Hallo Juliane,
hätte ich dein Posting gelesen, hätte ich Dir einen anderen Rat gegeben :smile:)
Andererseits solltest Du nicht Andere für Deine Situation verantwortlich machen. Ratschläge sind doch kein Nonplusultra!! Jedenfalls hast Du Dir schon längst selbst eine Antwort gegeben. Schon bemerkt? Wenn Du nicht mehr gewillt bist, dass eine Situation so bleibt, dann ändere sie!! Ist doch ganz einfach. Kinder müssen Schlafen LERNEN. Das hat man nicht in den Genen. Im Mutterleib gibt es keine Tag-Nacht-Rhythmus. Und unsere innere Uhr tickt sowieso völlig anders als der Wecker in unserem Schlafzimmer.
Alles Gute,
Jana
P.S. Ein Tipp: Schau auf Deine Uhr, wenn Dein Kind schreit. Zwei Minuten herzzerreißendes Geweine können wie zwei Stunden sein… Sind sie aber nicht!

Hallo Juliane,

ich moechte meiner Vorrednerin zustimmen: wenn Du den Rat anderer annimmst, gibst Du nicht gleichzeitig die Verantwortung fuer Dein Tun ab. Es ist trotzdem Deine Entscheidung. Insofern ist es unfair, anderen Menschen aus ihrer Hilfsbereitschaft einen Strick zu drehen, indem Du sagst: Ihr habt mir was falsches gesagt. Wenn wir alle darauf so reagieren wuerden wie Du (siehe letzter Satz in Deinem Posting), dann koenntest Du Dir von anderen bald keine Unterstuetzung mehr erwarten. Davon abgesehen: gerade in einem Forum wie diesem bist Du mit Deiner etwas unfreundlichen Mail wahrscheinlich einigen Leuten auf die FueBe getreten, die gar nichts fuer Dein Problem koennen, weil sie vor einem Jahr noch nicht dabei waren.

Nun zu Eurem Problem. Ich fand Vabes Posting gut, auch aus meiner eigenen Erfahrung und der meiner Mutter (Erzieherin in einer Kinderkrippe) stimme ich vielem zu, was sie sagt. Sei konsequent und laB Dich von Deinem Kind nicht beherrschen. Mache Deiner Tochter klar, daB das Schlafengehen von jetzt ab anders ablaeuft, und dann nimm ihr die Kontrolle ueber die Situation ab. Bastelt Euch ein Schlafengehritual: essen, waschen, ein biBchen kuscheln, ab ins Bett, Gute-Nacht-Geschichte, Gute-Nacht-KuB, Licht aus, schlafen. Natuerlich koennt Ihr das auch anders machen, zum Beispiel zum Einschlafen nochmal die Spieluhr laufen lassen, oder statt der Geschichte was anderes machen… Wichtig ist, daB dieses Ritual weitgehend immer nach dem gleichen Schema ablaeuft, so daB Deine Tochter weiB, was sie zu erwarten hat. Wenn Du manchmal eine Ausnahme machst, weil Besuch da ist oder Du gerade Lust hast, noch was mit Deiner Tochter zu machen, oder… oder…, dann wird sie schnell lernen, daB sie nur eine Ausnahme „zu finden“ braucht: mein Bauch tut weh, ich kann nicht einschlafen, es ist zu dunkel… etc. Und: nach dem Gute-Nacht-KuB (oder was auch immer das Ganze abschlieBt) gibt es kein „Aber ich will doch noch“ mehr. Tuer zu und Ruhe. Wenn Du Dich erweichen laeBt, nimmt das Theater nie ein Ende. Das hat nichts mit Hartherzigkeit zu tun, sondern mit Eindeutigkeit. Deine Tochter muB verstehen lernen, wo in diesem Fall die Grenzen sind.

Gib Deiner Tochter vor allem auch die Moeglichkeit, vor dem Schlafengehen ihren Tag abzuschlieBen. Erzaehlungen ueber den vergangenen Tag oder aufregende Spiele gehoeren nicht in die Zeit vor dem Schlafengehen. Das Einschlafritual, von dem ich gesprochen habe, hat unter anderem die Aufgabe, das Schlafengehen zu einer friedlichen Angelegenheit zu machen, das frei von Aufregung, Aerger o.ae. ist. Wer seine Anspannung mit ins Bett nimmt, schlaeft schlecht, das gilt auch fuer Kinder.

Ach und nochwas: Schlafengehen ist etwas voellig normales, auch das solltet Ihr beachten. Also wenn Deine Tochter sich „schlecht benimmt“, solltest Du ihr nicht mit „Ich schaff Dich gleich ins Bett, wenn Du nicht Ruhe gibst“ drohen. Ich weiB natuerlich nicht, ob Ihr das macht, aber wenn ja, dann solltet Ihr damit aufhoeren. AuBerdem soll sie auch nicht fuer schnelles Einschlafen oder Ruhigbleiben belohnt werden, weil es fuer Belohnung gar keine Ursache gibt: wir gehen alle schlafen, und es ist nichts Schlimmes dabei.

Viel Erfolg und Nervenstaerke fuer die erste Zeit wuenscht Euch
Sylvia

P.S. Es wuerde wahrscheinlich auch nichts schaden, vielleicht mal beim Kinderarzt vorbeizuschauen, ob es nicht vielleicht organische Ursachen fuer das Problem gibt. Aber vielleicht habt Ihr das ja schon gemacht.

Also ich hab mir das Posting von Juliane jetzt nochmal angeguckt: hat hier denn niemand Sinn fuer ein bissl (Selbst-)Ironie? Sie beschreibt doch nur die Situation, sie will doch niemand auf die Fuesse treten - und ich war vor 6 Monaten noch nicht hier am lesen und hab verstanden, was sie meint.
Zum Problem selbst: Patentrezept habe ich nicht. Meine Zwei schlafen zwar inzwischen allein ein, aber kommen in schoener Regelmaessigkeit, mal frueher mal spaeter ins grosse Bett gekrabbelt. Weil ich selbst so gut schlafe :wink:, merke ich das meist erst morgens.
Irgendwer hat gesagt, dass sei bei jedem Kind anders. Und Eltern sind auch anders, manche stoert das eine, manche das andere. Deshalb koennen diese Ratschlaege hier ja auch nur Anregungen sein.
Jedenfalls halte ich die Daumen, Juliane, und wie’s auch kommt: versuch den Humor zu behalten. Elke


Danke für Eure Ermutigung!

Ich gebe zu: damals hatten wir Eltern das Forum so ein bisschen als Schiedsrichter missbraucht… ich glaube, wir müssen die Sache sowieso noch ein bisschen anders aufziehen und das Problem erstmal für uns in der Partnerschaft abklären. Wird schon werden.