Schlaganfall bei Vater

Hallo!

Meinem Vater geht es ganz schlecht, er hatte vor einigen Tagen einen Schlaganfall und die rechte Körperseite ist gelähmt. Mittlerweile kann er wieder halbwegs gut sprechen, aber er ist voll pflegebedürftig, muss gefüttert werden und kann natürlich auch nicht gehen.
Jetzt kann er aber das rechte Bein schon wieder bewegen. Allerdings zeigt er keinen Lebenswillen mehr, will nicht essen und hat das Interesse an allem verloren.
Er ist zuhause, wir pflegen ihn, da er das Krankenhaus hasst. Meine Frage: abgesehen von einer professionellen Therapeutin, die wir holen werden, wie können wir ihm dabei helfen, seine Beweglichkeit so halbwegs wieder herzustellen? Er ist 84 Jahre alt, war immer aktiv und hadert sehr mit seinem Schicksal. Leider wurde er aufgrund der Verzögerung durch den Arzt erst relativ spät ins Krankenhaus eingeliefert.
Würde mich über alle hilfreichen Vorschläge freuen und bedanke mich jetzt schon.

Hallo,
wenn dein Vater nach ein paar Tagen schon wieder das Bein bewegen kann, ist das schon ein großer Fortschritt. Wir haben auf der Stroke unit, wo meine Schwester lag, gelernt, dass sofort mit der Therapie angefangen werden sollte. Neben der professionellen Therapie kann man als Angehöriger durch Berührung, leichte Massagen, aufstehen üben (bestimmte Technik), Vorlesen, regelmäßig kurz aufs Trainingsfahrrad etc, eine ganze Menge machen, je nachdem, was für Interessen der Betroffene auch hat.
Ganz wichtig ist es, den Betroffenen zu motivieren. Nicht fragen möchtest du dies oder das, sondern sagen, wir machen jetzt dies und das. Die Aufmerksamkeit und Konzentration muß geübt werden. Die Einheiten von Aktivität können immer nur kurz sein, damit der Patient sich danach wieder ausruhen kann. Man sollte sich am Bett z. B. immer an die betroffene Seite setzen. Vielleicht spielt dein Vater Schach? Oder Mühle? Hört gerne Hörspiele?
Am besten wechselt man sich ab mit Besuchen und Pflege. Dann kann sich jeder zwischendurch auch selbst erholen. Man braucht in einer solchen Zeit viel Kraft. Einmal für sich selbst, weil man diesen Schock verarbeiten muß und gleichzeitig für den anderen, dem man ja helfen will.
Ich wünsche euch alles Gute
Anne

Hallo shewolf,
es ist wie es Anne schon schrieb: so schnell wie möglich mit der Behandlung beginnen und diese so gut durchhalten (regelmäßig) wie irgend möglich.
Behandlung: Krankengymnastik nach Bobarth. Es gibt ausgebildete Bobarth-Therapeuten, diese dürfen sich nur dann so nennen, wenn sie nicht nur die Grundausbildung in der Bobarth-Therapie gemacht haben, sondern auch regelmäßig Auffrischungsinstruktionskurse absolvieren. Es gibt Bobarth-Therapeuten für Kinder und für Erwachsene.
Es gibt Untersuchungen, von dene wenige wssen, eine solche erschien vor Jahren mal in der Zeitschrift „Rehabilitation“. Danach machen diejenigen Patienten die deutlich rascheren Fortschritte, die nicht nur täglich (!! also wenn möglich, Übungen von Krankengymnastin zeigen lassen!) 2 x die notwendigen Übungen machen, sondern sie außerdem noch mehrfach täglich rein gedanklich vollziehen ( sich die Bewegungsabläufe vorstellen). Was Anne mit „immer auf die kranke Seite setzen“ meinte - den Kranken dazu veranlassen, die geschädigte Seite einzusetzen. Gibt es Störungen der Sprache? Dann Logopäde. Sehr sinnvoll: Sensibilitätstraining, zeigt Euch wahrscheinlich Krankengymnastin.
Zu bedenken ist, daß die Gehirnschädigung auch zu Unmut, Ungeduld und Depression be Deinem Vater führen kann. Dementsprechend ist zu überlegen, ob man ihn auch antidepressiv behandeln müßte (Medikamente) - das kann der Hausarzt beurteilen, notfalls der Nervenarzt. Allein schon, damit er selbst zur Therapie motiviert bleibt und seine lieben Angehörigen nicht verschlissen und entmutigt werden.
Wenn der Schlaganfall ca. 8 Wochen vorüber ist, kann Diskussion um evtl. OP beginnen - ob man die hirnversorgenden Arterien am Hals untersucht und nachsieht, ob die Engstellen haben, die operiert werden müßten, und ob man das möchte.
Gute Besserung ihm, viel Kraft Euch, I.

Hallo Euch beiden,

vielen Dank für Eure Mühe und Eure lieben Antworten! Wir massieren meinen Vater regelmässig, versuchen auch, ihn zu bewegen, allerdings ermüdet er sehr schnell. Ab Jänner bekommt er eine professionelle Therapeutin, über die Weihnachtszeit ist einfach niemand aufzutreiben.

Danke nochmals,
Shewolf