Schlamperei beim Amt auf meine Kosten?

Hallo Wissende!

Vor einigen Wochen rief mich eine Mitarbeiterin der Führerscheinstelle meines Kreises an, mit der Bitte, ich möge ihr eine Kopie meiner Fahrerlaubnis zusenden, da dort einige Unterlagen nicht mehr auffindbar seien.

Nett, wie ich nun mal bin, versprach ich, eine Kopie ans örtliche Straßenverkehrsamt zu senden.
Das tat ich dann auch (nach zwei Wochen - ok, hätte schneller gehen können).

Nun rief mich die gute Frau letzte Woche noch einmal ziemlich unfreundlich an und teilte mir mit, dass ich zahlungspflichtig zur Mitarbeit aufgefordert werden kann.
Ich war leider nicht anwesend - sie sprach es auf den AB.

In meiner grenzenlosen Güte (ich kenne unser Straßenverkehrsamt sehr gut und weiß, dass da schon mal häufiger etwas abhanden kommt) habe ich mich also denn nochmal an meinen Rechner gesetzt und eine Kopie angefertigt (ist ja nicht gerade die kostengünstige Art) und diese vorgestern persönlich bei unserer Landrätin (!!!) in der 35 km entfernten Kreisstadt (hatte dort zu tun) abgegeben und mir den Empfang bestätigen lassen.

Heute bekam ich dann ein offizielles Schreiben vom Kreis:

Sollten Sie meiner Aufforderung bis zum 10.7. nicht nachkommen, leite ich Maßnahmen zur Überprüfung Ihrer Fahrerlaubnisdaten ein, die letztendlich mit erheblichen, von Ihnen zu tragenden Kosten verbünden sind

Nach einem Anruf klärte sich das - es hatte sich überschnitten…

Jetzt aber meine frage: Kann es sein, dass der unbescholtene Bürger diese Kosten wirklich zu tragen hat? Ich meine: Nicht ich bin es gewesen, der die Unterlagen dort „entsorgt“ hat. Eigentlich würde ich sagen: Wenn die meinen Lappen sehen wollen, sollen sie einen Termin machen und vorbei kommen…

Liebe Grüße
guido

Hallo Guido,

Ein wirklich Wissender bin ich in diesem Fall nicht, aber bei mir hat sich vor einigen Jahren etwas ähnliches zugetragen…und zwar gings um die KFZ Steuer. Mein KFZ war auf meine Mutter eingetragen als Zweitwagen. Irgendwann wäre dann mal die Steuer fällig gewesen…und ich (Junger Teenie mit Papierkrams nix am Hut) habe mich darauf verlassen, daß ich ne Zahlkarte geschickt bekomme, weil ich eine Einzugsermächtigung abgelehnt hatte.
Tja, die kam aber net…auch keine (wie damals üblich) 1. Mahnung ohne kosten, zweite Mahnung mit Kosten, Androhung des Gerichtsvollziehers…nichts.
Irgendwann tauchte bei meiner Mutter tatsächlich der Gerichtsvollzieher auf und wollte Kuckucke kleben! He Moment mal!
Nach einem Telefonat in dem meine Mutter beteuerte, weder einen Brief Mahnung oder sonstwas erhalten zu haben, habe ich (Als Nutzer des PKW) lediglich die Steuer des KFZ bezahlt, exclusive Mahngebühren und Gerichtsvollzieher.
Damit war die Beere geschält.
Und wenn die Leuts da zu dusselig sind ihre sieben Sachen beieinander zu halten, und anscheinend die Kommunikation der einzelnen Positionen nicht gegeben ist…würde ich sie dann doch mal fragen wollen, was mit den Unterlagen passiert ist, die sie von Dir einmal gehabt haben…

Grüße
Maja

Hi!

Das hätte ich locker gesehen, muss ich sagen.
Warum nicht solche Briefe sofort mit „unbekannt verzogen“ zurücksenden und sich somit Führerschein-Entzugsprolematiken für Jahre entziehen…

…das natürlich nur so als Gedankenspiel mit dem Hinweis auf die Illegalität solcher Aktionen.
Generell wirst Du wohl zur Kooperation verpflichtet sein, allerdings ist es wohl kaum zumutbar, seitens des Amtes mehr als das Zusenden einer Fotokopie zu erwarten.

Grüße,

Mathias

Hallo,

mit einiger Sicherheit wird es im Verwaltungsverfahrensgesetz oder in der Straßenverkehrszulassungsordnung oder weiß der Henker wo (hab gerade keine Lust, zu suchen) eine Vorschrift geben, daß der Bürger zur Bereinigung der Aktenlage alle Unterlagen beizubringen hat, wenn die Mitarbeiter mal versehentlich bei Gewitter alle Fenster im Archiv offengelassen oder im Suff bei der Karnevalsparty schlicht alle Akten in den Hecksler geworfen haben.

Der Bürger ist derartigem Blödsinn meistens chancenlos ausgesetzt. Auch ich bin immer wieder mal so leichtsinnig und gehe davon aus, daß ein normaler Brief ausreicht. Die Erfahrung sollte mich eigentlich eines besseren belehrt haben. Ich fürchte, Dein Schritt war das einzig richtige: Empfang vor Ort bestätigen lassen.

Allerdings habe ich schon oft genug festgestellt, daß man schon dazu zumindest am Empfang nicht bereit war.

Auf die Gefahr hin, einigen Menschen Unrecht zu tun: Um bei einer Behörde Dienst zu tun, muß man eines gewissen Geistes Kind sein. Flexibilität, Sorgfalt und Servicedenken sind nicht zwangsläufig die Voraussetzungen zur Tätigkeit in der Führerscheinstelle. Vielmehr ist man leider vielfach der Ansicht, daß allein die Tatsache, am längeren Hebel zu sitzen, schon als Rechtfertigung für viele seltsame Verhaltensmuster ausreicht, für die man in der freien Wirtschaft gehörig einen über den Deckel bekommen würde.

Gruß
Christian

Hi,

Auf die Gefahr hin, einigen Menschen Unrecht zu tun: Um bei
einer Behörde Dienst zu tun, muß man eines gewissen Geistes
Kind sein.

Auhauerha! Haben wir’s nicht noch etwas pauschaler?

Flexibilität, Sorgfalt und Servicedenken sind nicht
zwangsläufig die Voraussetzungen zur Tätigkeit in der
Führerscheinstelle. Vielmehr ist man leider vielfach der
Ansicht, daß allein die Tatsache, am längeren Hebel zu sitzen,
schon als Rechtfertigung für viele seltsame Verhaltensmuster
ausreicht, für die man in der freien Wirtschaft gehörig einen
über den Deckel bekommen würde.

Auf deutsch: Blödsinn! Etwas höflicher: Dieser von Dir geäusserten Meinung kann ich mich nicht anschließen.

Wieso ist eigentlich jeder felsenfest davon überzeugt, jeder Mitarbeiter einer beliebigen Behörde wäre völlig frei in seinen Entscheidungen und möglichst darauf aus, dem Bürger das Leben so schwierig wie möglich zu machen?

Der normale Sachbearbeiter hat einen Entscheidungsfreiraum, der in Millimetern gemessen werden kann. So gut wie jeder Handgriff ist in einer Hierarchie von Gesetzen, Verordnungen, Verwaltungsanordnungen und Dienstanweisungen festgehalten.

Jetzt kommt natürlich unisono der entrüstete Aufschrei der deutschen Stammtisch-Vereinigung „Ja eben! Das Beamtentum, dass sich selber verwaltet. Könnte man alles abschaffen!“.

Ja, könnte man zum Teil sicherlich. Hat man auch schon oft genug versucht. Nennt sich Verwaltungsreform. Das geht so lange gut, bis irgend ein Schlauberger von Bürger oder Rechtsanwalt in den jetzt vereinfachten Regeln die erste Lücke findet und ausnutzt. Hurra - eine neue VA ist geboren! Sie wird kein Einzelkind bleiben…

Nebenbei: das gibt’s auch in der Technik. Stichwort VDE-Normen. Immer wenn wieder jemand eine kreative Möglichkeit finden, mit Strom Schaden anzurichten, wird diese erweitert.

Und der Vergleich mit der „freien Wirtschaft“ kann ja wohl nur ein Scherz sein, oder? Ich bin in den letzten 6 Jahren zweimal zwischen dem ÖD und der freien Wirtschaft hin-und hergewechselt (immer am selben Schreibtisch…) und kann aus Erfahrung sagen: gegen das Korsett, das in bestimmten Konzernen den Mitarbeitern umgelegt wird, ist der ÖD ein Waisenknäblein! Ob das nun „Dienstanweisung“ oder „Prozessbeschreibung“ heisst, spielt nicht wirklich eine Rolle.

Und das die angeblich so freie Wirtschaft so viel besser ist… gehe mal in die Kommunikationsbretter und erwähne die Wörter „T-Online“ oder „Arcor“ und „Service“ in einem Satz!

Gruß
Stefan

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Der öffentliche Dienst - Ausarbeitung eines Kunden
Hallo,

Auf die Gefahr hin, einigen Menschen Unrecht zu tun: Um bei
einer Behörde Dienst zu tun, muß man eines gewissen Geistes
Kind sein.

Auhauerha! Haben wir’s nicht noch etwas pauschaler?

hm, Du willst damit sagen, daß die Tätigkeit bei einer Behörde gerade flexible, einsatzbereite, risikobereite Unternehmertypen anzieht?

Natürlich war das eine Pauschalierung und es wird auch jedem klar sein, daß das nicht auf jeden Menschen im öffentlichen Dienst zutreffen kann. Aber jede Tätigkeit „lockt“ Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen eher an, als Menschen die nicht darüber verfügen. So wird ein eher ängstlicher Mensch vermutlich nicht Nachtwächter, ein Zappelphilipp nicht Ornithologe und ein Mensch, mit einer ausgeprägten sozialen Ader nicht Kreditmensch bei einer Bank bzw. all diese werden diese Tätigkeit nicht lange und/oder besonders gut ausüben.

Flexibilität, Sorgfalt und Servicedenken sind nicht
zwangsläufig die Voraussetzungen zur Tätigkeit in der
Führerscheinstelle. Vielmehr ist man leider vielfach der
Ansicht, daß allein die Tatsache, am längeren Hebel zu sitzen,
schon als Rechtfertigung für viele seltsame Verhaltensmuster
ausreicht, für die man in der freien Wirtschaft gehörig einen
über den Deckel bekommen würde.

Auf deutsch: Blödsinn! Etwas höflicher: Dieser von Dir
geäusserten Meinung kann ich mich nicht anschließen.

Wieso ist eigentlich jeder felsenfest davon überzeugt, jeder
Mitarbeiter einer beliebigen Behörde wäre völlig frei in
seinen Entscheidungen und möglichst darauf aus, dem Bürger das
Leben so schwierig wie möglich zu machen?
Der normale Sachbearbeiter hat einen Entscheidungsfreiraum,
der in Millimetern gemessen werden kann. So gut wie jeder
Handgriff ist in einer Hierarchie von Gesetzen, Verordnungen,
Verwaltungsanordnungen und Dienstanweisungen festgehalten.

Das ist alles unbestritten. Praktisch jede Tätigkeit wird durch Regularien, Vorschriften usw. beschränkt, reguliert und standardisiert. Nur habe ich den Eindruck, daß nirgendwo sonst sich so gerne hinter den Vorschriften versteckt wird, wie im öffentlichen Dienst. Die Realität hat sich eher zu verändern, als daß Vorschriften großzügig ausgelegt werden. Selbst Tatsachen haben sich oftmals in Luft aufzulösen, nur weil die Vorschriften dies verlangen.

Ich will gar groß nicht anfangen, Beispiele aufzuführen, weil diese dann wieder als Einzelfälle abgetan werden, eines kann ich mir aber nicht ersparen: Vor einiger Zeit zog ich um und wollte mich entsprechend beim EWMA ummelden. Mit altem Mietvertrag, dessen Kündigung nebst Kündigungsbestätigung, Personalausweis und neuem Mietvertrag bin ich zum Amt getigert und habe brav vor der Tür gewartet. Als dann nach 15 Minuten kein Kunde (das Wort habe ich in einer Behörde übrigens auch noch nie gehört, außer von den Kunden selber) das Zimmer verlassen hatte und auch kein Summer ertönte, bin ich in das Zimmer getappt und fand 4 Damen vor, davon drei ins Gespräch vertieft und eine in irgendeine Zeitschrift.

Ich brachte mein Anliegen in der Mitte des Raumes vor und wurde dann zu einem Schreibtisch gebeten, wo ich mein Anliegen nochmals vorbrachte. Ich wurde erwartungsgemäß um die Bestätigung des Vermieters gebeten, die bestätigen sollte, daß ich in die neue Wohnung eingezogen war. Dumm nur, daß der Vermieter zu diesem Zeitpunkt bereits einen Monat an einem mir unbekannten Ort in Urlaub war und dortselbst noch zwei weitere Monate zu verbleiben gedachte. Das Beibringen der Bescheinigung war also vor der Rückreise nicht möglich.

Das interessierte aber niemanden in diesem Raum. Ich werde die Szene nie vergessen: Ich erklärte den Sachverhalt und hörte immer wieder diese Worte reihum von den vier Damen und von mir:
Die Erklärung muß innerhalb von 14 Tagen vorgelegt werden.
Das geht nicht.
Muß aber.
Geht nicht.
Muß aber.
Geht nicht.

Kurzum: Die Realität wollte sich einfach nicht fügen. Wir würden wahrscheinlich immer noch dort sitzen, wenn ich nicht irgendwann mein Geraffel genommen hätte und einfach gegangen wäre, den Hinweis nicht vergessend, mich freundlicherweise rechtzeitig über etwaige Zwangsmaßnahmen zu informieren.

Wohlgemerkt: Ich hatte ja nur gehofft , daß der alte Mietvertrag, dessen Kündigung nebst Kündigungsbestätigung und der neue Mietvertrag vielleicht reichen könnten, um mich umzumelden. Ich hatte es niemals ernsthaft erwartet. Das war mein Versuch, den gesetzlichen Bestimmungen Folge zu leisten. Die Damen hätten mein vollstes Verständnis gehabt, wenn sie einfach gesagt hätten: „Tut uns leid, das reicht nicht, wir brauchen den Wisch, kommen Sie wieder, wenn Sie den Wisch haben und zwar möglichst bald, sonst gibt es Probleme.“ Überhaupt kein Thema. Aber die vier Frauen wollten nicht einsehen, daß bestimmte Dinge nicht gehen. Einfach so. Die Realität widersetzt sich der natürlichen Ordnung. Anarchie!

Und das die angeblich so freie Wirtschaft so viel besser
ist… gehe mal in die Kommunikationsbretter und erwähne die
Wörter „T-Online“ oder „Arcor“ und „Service“ in einem Satz!

Darauf hatte ich nur gewartet. Ich bin selber ein Arcoropfer. Natürlich und zugegebenermaßen existieren Parallelen. Ein entscheidender Unterschied ist aber, daß man immer jemanden findet, der bereit ist, in der Sache Verantwortung zu übernehmen und sich letztendlich für einen entstandenen Schlamassel entschuldigt.

Eine Behörde als ganzes oder ein Mitarbeiter einer Behörde hat das noch nie getan. Durch meinen Namen bin ich in der glücklichen Lage, relativ häufig in die Maschinerie zu geraten. Ordnungsgelder, Bußgelder, Vorladungen, Zwangsvorführungen, was hat man mir schon alles angedroht, nur weil ich nicht bereit war, für einen anderen C. irgendwelche Strafen zu bezahlen oder Aussagen zu machen.

Entschuldigt hat sich in all den Jahren niemand, weder schriftlich noch mündlich. Die Entschuldigungsschreiben aus der „freien“ Wirtschaft füllen hier hingegen ganze Ordner.

Interessant finde ich übrigens auch die Loyalität der öD-ler untereinander. Die verteidigen sich bis aufs Blut.

Das gibt es in keiner anderen Branche. Ich zum Beispiel habe kein Problem damit, die Aussage zu beeiden, daß ich der Ansicht bin, daß die Mehrzahl der Mitarbeter in Kreditinstitute von ihrer Arbeit keine oder nur wenig Ahnung hat, daß die ihre Kunden abzocken und wissentlich und unwissentlich falsch beraten, bei der geringsten Unsicherheit Kredite kündigen und einen Insolvenzantrag stellen, egal was das für Folgen hat und auch, wenn der Kunde die beglaubigte Bestätigung von William Henry Gates III. vorlegt, daß das Konto morgen ausgeglichen wird.

Ich bezweifle mal spaßeshalber, daß ich irgendeinen mir unbekannten öD-ler zu der Aussage bringen kann, daß auf irgendeinem Amt irgendwo in Deutschland irgendein Mitarbeiter irgendwann mal irgendeinen Fehler gemacht hat oder einem Kunden absichtlich bzw. aus Faulheit, Desinteresse oder Nachlässigkeit das Leben unnötig schwer gemacht hat.

Übrigens sind meine „Erkenntnisse“ über den öD nicht allein auf meinem Mist gewachsen. Die tollsten Geschichten haben mir öD-ler selbst erzählt, während sie dabei über das Verhalten ihrer Kollegen den Kopf schütteln.

Ich will dem öD eigentlich gar nichts Böses. Ich glaube sofort, daß die Arbeit zwischen Paragraphen, menschlichem Elend, menschlichem Abschaum und blöden Idioten nicht immer einfach ist. Aber dennoch vermisse ich regelmäßig so manche Eigenschaften und ein bestimmtes Problembewußtsein, die bzw. das in der „freien“ Wirtschaft in deutlich größerem Umfang und deutlich häufiger vorhanden ist/sind.

Gruß,
Christian

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Hi,

hm, Du willst damit sagen, daß die Tätigkeit bei einer Behörde
gerade flexible, einsatzbereite, risikobereite
Unternehmertypen anzieht?

Wieviele „flexible, einsatzbereite, risikobereite Unternehmertypen“ kennst Du in subalternen Tätigkeiten?

Erwartest Du diese Eigenschaften bei Deinem Automechaniker?

Das ist alles unbestritten. Praktisch jede Tätigkeit wird
durch Regularien, Vorschriften usw. beschränkt, reguliert und
standardisiert. Nur habe ich den Eindruck, daß nirgendwo sonst
sich so gerne hinter den Vorschriften versteckt wird, wie im
öffentlichen Dienst.

Das ist so. Unbestritten. Wobei ich statt des Terminus „hinter den Vorschriften versteckt“ lieber „die Vorschriften eingehalten“ sagen würde. Das Problem ist, dass diese Vorschriften im ÖD eben etwas mehr sind als Büroanweisungen in einer Firma. Zudem darf man nicht vergessen, dass der ÖD ca. 82.540.000 Kunden (ja, bei uns wird dieser Wort benutzt) und ungefähr genauso viele Kritiker hat. Kritiker, die auf absoluter Gleichbehandlung bestehen wenn es ihnen nützt - allerdings sofort eine Ausnahmebehandlung wollen, wenn es ihnen ansonsten schaden würde.

Kurzum: Die Realität wollte sich einfach nicht fügen. Wir
würden wahrscheinlich immer noch dort sitzen, wenn ich nicht
irgendwann mein Geraffel genommen hätte und einfach gegangen
wäre, den Hinweis nicht vergessend, mich freundlicherweise
rechtzeitig über etwaige Zwangsmaßnahmen zu informieren.

Sagt Dir der Begriff „BAT VII“ etwas? Du hättest das machen sollen, was ich mache, wenn mir der Sachbearbeiter in der Bank dumm kommt: den Vorgesetzten holen lassen…

Darauf hatte ich nur gewartet. Ich bin selber ein Arcoropfer.
Natürlich und zugegebenermaßen existieren Parallelen. Ein
entscheidender Unterschied ist aber, daß man immer jemanden
findet, der bereit ist, in der Sache Verantwortung zu
übernehmen und sich letztendlich für einen entstandenen
Schlamassel entschuldigt.

Das glaubst Du ernsthaft? Das jemand Verantwortung übernimmt? Also wenn Du die automatisierten Entschuldigungsschreiben „natürlichwerdenwirunsumihresachekümmernunddafürsorgenblablablubb“ als Indiz dafür nimmst…

Interessant finde ich übrigens auch die Loyalität der öD-ler
untereinander. Die verteidigen sich bis aufs Blut.

Tja, viel Feind viel Ehr :wink:
Da man heutzutage lieber sagt, dass man Striptänzer in einer Schwulenbar sei, als seine Zugehörigkeit zum ÖD zuzugeben…

Ich bezweifle mal spaßeshalber, daß ich irgendeinen mir
unbekannten öD-ler zu der Aussage bringen kann, daß auf
irgendeinem Amt irgendwo in Deutschland irgendein Mitarbeiter
irgendwann mal irgendeinen Fehler gemacht hat oder einem
Kunden absichtlich bzw. aus Faulheit, Desinteresse oder
Nachlässigkeit das Leben unnötig schwer gemacht hat.

Bestätige ich hiermit nachdrücklich und an Eides Statt! Ganz natürlich kommt das vor. Ob der Prozentsatz allerdings jetzt so viel höher ist als in der freien Wirtschaft? Vor allem, da sich der ÖD noch mit einer Altlast abschleppt. Man darf nicht vergessen, dass sich in Zeiten der Hochkonjunktur kaum jemand beim ÖD bewarb. Da nahm man, was kam. Womit ich natürlich niemand diskriminiern will. Aber das ist auch ein Grund für diese Überfülle an Regularien: wenn man sich immer schön dran hält kann nichts schiefgehen. ISO 9001? Die würde der ÖD mit links, einbeinig und mit verbundenen Augen bestehen…

Übrigens sind meine „Erkenntnisse“ über den öD nicht allein
auf meinem Mist gewachsen. Die tollsten Geschichten haben mir
öD-ler selbst erzählt, während sie dabei über das Verhalten
ihrer Kollegen den Kopf schütteln.

Yup. Da könnte ich auch nächtelang…
Großes Aber: Genausolange könnte ich aus meinen Erfahrungen von der anderen Seite berichten - und zum Teil erheblich derber. Wo der Kunde nach Strich und Faden abgezockt und betrogen wurde. Zum Beispiel gebrauchte Ware als neu verhöjert. Irgendwo habe ich auf meiner HD auch noch ein riesiges Word-Template mit Formulierungen der damaligen Rechtsabteilung, wie man sich aus Haftung und/oder Leistungsverpflichtung mogeln kann ohne das der Kunde das merkt.

Ich will dem öD eigentlich gar nichts Böses. Ich glaube
sofort, daß die Arbeit zwischen Paragraphen, menschlichem
Elend, menschlichem Abschaum und blöden Idioten nicht immer
einfach ist. Aber dennoch vermisse ich regelmäßig so manche
Eigenschaften und ein bestimmtes Problembewußtsein, die bzw.
das in der „freien“ Wirtschaft in deutlich größerem Umfang und
deutlich häufiger vorhanden ist/sind.

Ich behaupte einfach mal, dass dieses Problembewusstsein proportional zur Größe der Firma ist, bei der die Leute beschäftigt sind. Und die Firma der ÖD’ler hat die oben erwähnten 82.540.000 Mitarbeiter. „Wir“ sind das, was in privaten Firmen die interne Verwaltung ist. Und jeder Konzernmitarbeiter wird mir bestätigen, dass man über diese Abteilungen auch so einiges erzählen kann.

Jetzt sollten wir aber aufhören, da wir uns von der Ausgangsfrage und dem Brettthema schon ziemlich entfernt haben. Sonst werden wir noch entfernt… :wink:

Gruß
Stefan

HALLO!
Hi!

Es ist ja recht amüsant, wie Ihr hier anfangt, Euch zu zerfleischen, aber…

Mich interessiert immer noch, ob da wirklich eine kostenpflichtige Möglichkeit gegen mich besteht!

Mir persönlich ist es egal, wo jemand arbeitet (in meinem direkten Verwandschaftskreis gibt es drei Beamte und zwei ÖDler - bis auf zwei der drei Beamten machen die ihren Job alle mit sehr viel Einsatz!).

Ich persönlich habe in den letzten 10 Jahre ausschließlich gute Erfahrungen mit dem Finanzamt gemacht, auf den meisten Ämtern wurde ich zuvorkommend und nett behandelt - da habe ich mich schon häufiger über stinkiges Verkaufspersonal der freien Witschaft geärgert! Aber die drohen in der Regel auch nicht mit kostenpflichtigen Maßnahmen…

Kannst Du mir meine Frage beantworten?

Liebe Grüße
Guido