Schlanke Beine auf rotem Metall

Hallo,

gestern unterhielt ich mich mit ein paar Kolleginnen über das Phänomen Autos und Frauen. Warum wirkt gerade diese Verbindung in der Werbung so attraktiv auf Männer? Ein paar Mutmaßungen gingen zwischen uns hin und her, weshalb ich gerne hier ein paar Einschätzungen zusätzlich lesen möchte. Erotik und Maschine, das paßt doch nicht zusammen, oder? Oder geht es um´s Beherrschen (umpf, hoffentlich nicht :wink:))?
Danke vorab für die Antworten

viele grüße
grilla

das würde mich auch mal interessieren. vielleicht antwortet ja jemand aus der männerwelt. es fällt mir manchmal ziemlich schwer, mich in ein männerhirn hineinzudenken…

vielleicht macht der gegensatz den reiz aus: die warme zerbrechliche frau neben einem kalten stück stahl. keine ahnung.

warum lieben männer fußball? ich werd’s nie veerstehen.

liebe grüße
susi

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Hallo, Claudia und Susanne,
es ist im Grunde ganz einfach. Viele Männer haben zu einem schönen Auto die gleiche (erotische) Beziehung wie zu einer schönen Frau. Es spielt wohl auch der Gedanke mit „Boah, mit der Schüssel kannst Du Weiber haben“!
Sicher geht es dabei auch um Besitzen und Beherrschen.
Gruß
Eckard (der nur seinen Polo beherrscht :smile:

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Ästhetik
Hi Grilla,

es geht wohl vielmehr um eine generelle Auffassung von Ästhetik. Die Kombination schöner Dinge spricht uns alle an, so auch in diesem Fall.

Bei Frau/Auto ist es natürlich eher auf Männer zugeschnitten, weil die spezifischen Zutaten Männer mehr interessieren. Das gleiche Prinzip gilt jedoch auch für knackiger Kerl/Cola-Light und spricht dann eher uns Frauen an. :wink:

Eine weitere spezielle Note ist wohl wirklich die Kombination Technik/Mensch, die phaszinierend wirkt. Ich habe mal die Vernissage eines Photographen besucht, der seine Modelle nackt in Fabrikruinen photographierte, heraus kamen sehr eigentümliche, fesselnde Kunstwerke. Das Zusammenspiel von Mensch und Technik ist einfach ein Blickfang. Bei den langen Beinen auf der Kühlerhaube wird dadurch das kalte Metall personalisiert, mit einem lebenden, atmenden Wesen assoziiert, und wenn dann später beim Autohändler der potentielle Käufer den Wagen ohne hübsche Frau sieht, wird er dennoch unterbewußt an sie denken - und das Auto vielleicht eher kaufen.

Sex sells. :wink:

Liebe Grüße,
Nike

Hmmm, Nike,
jetzt lese ich schon zum zweiten Mal „warmes menschliches Wesen auf kaltem Metall“. Das scheint mir eine rein weibliche Sicht der Dinge zu sein. Den meisten Männern kommt Technik - und ein Auto schon gar nicht - „kalt“ vor!
Da scheint es sich wohl wirklich um geschlechtsspezifische Unterschiede zu handeln.
Grüße
Eckard.

Ecki, ein Auto ist - im Gegensatz zu einer Frau - ein totes Ding aus Blech. Reine Technik, sonst nichts. Und wenn man es gegen den Brückenpfeiler setzt, kauft man sich halt ein neues.

Soviel zur Bezeichnung „kaltes Metall“. Das ist eine Metapher.

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Ecki, ein Auto ist - im Gegensatz zu einer Frau - ein totes
Ding aus Blech. Reine Technik, sonst nichts. Und wenn man es
gegen den Brückenpfeiler setzt, kauft man sich halt ein neues.

Jaa, Susanne,
für Dich ist das so und auch ich sehe es so; im Gegensatz zu dem (männlichen) Autofan, der mit diesem Stück Metall und Plastik Wünsche, Sehnsüchte, Gefühle verbindet, den zu diesem Ding eine fast libidinöse Sehnsucht hinzieht.
Genau so wenig wie Du das nachvollziehen kannst, kann ich den Gefühlssturm einer Frau nachvollziehen, die sich z.B. ein Modellkleid kauft.
Gruß Eckard (soviel Zeit muß sein!)

Technik & Erotik

Hi Susanne

Ecki, ein Auto ist - im Gegensatz zu einer Frau - ein totes
Ding aus Blech. Reine Technik, sonst nichts. Und wenn man es
gegen den Brückenpfeiler setzt, kauft man sich halt ein neues.

Soviel zur Bezeichnung „kaltes Metall“. Das ist eine Metapher.

Das ist kognitiv betrachtet richtig. Allerdings nur kognitiv.
Verschiedene andere Aspekte kommen dazu:

Nehmen wir mal eine bei Männern größere Technik-Affinität als Voraussetzung undiskutiert an:

  1. Die wenigsten Männer, die auf maschinelle Attraktionen ansprechen (bleiben wir mal bei Autos), verstehen davon mehr als die reinen Datenangaben, mit denen sie schlicht einen Potenz-Konkurrenzkampf bestreiten. Vorzüglich „Geschwindigkeit“ und „Kraft“ sind dabei als sexuelle Metaphern gut geeignet. Daß der Besitz eines solchen Potenz-Apparates mit der eigenen Potenz identifiziert wird, ist aber ein Überbleibsel magischer Denkweisen (C.G. Jung hat dies mit dem Begriff „identification magique“ seh gut gefaßt).

Wenn solche Feinheiten wie technische Raffinesse oder Genialität eine Identifizierungsrolle spielen würden, wäre die Pin-Up-Assoziation in der Werbung ganz ungeeignet. Wenn eine geniale Fahrwerkkonstruktion das attraktive Moment liefern würde, gäbe es heute nur die ausgestorbenen Typen Citroen ID („idee“) und DS („deesse“).

  1. Das Design ist bei Autos mitentscheidend, und dieses ist das, was die erotische Komponente ausmacht. Erotisch impotente Designs, wie z.B. die Japaner, können da eindeutig mit genialen italienischen Schulen wie Pinninfarina und Bertone genausowenig mithalten, wie Schiesser-Feinripp gegen den slip brasilienne.

Das sind aber gar keine technischen Qualitäten, sondern vielmehr künstlerische. Daß eine erotisch designte Maschine dann natürlich auch etwas „unter der Haube“ haben muß (was das ist und wie das funktionert, spielt dabei weniger eine Rolle) ist dann genauso selbstverständlich, wie ein Tanga oder 12cm-Heels im Bett nicht bügelbrettartig sein sollte. Die Assoziation der erotischen Verlockung an erotische Valenz darf nicht irritiert werden, sonst funktioniert das Werbeverhalten nicht.

  1. Technisch affizierbare Männer erleben die Maschine nicht, bloß weil sie meist aus Metall ist, als „kalt“ oder „leblos“. Vielmehr werden diese Dinge animistisch erlebt: Sie sind lebendige Wesen. Sie haben - wie alles im weiteren Sinne Erotische - dämonische Eigenarten, indem sie durch ihr „Erscheinen“ die körperliche Identifizierung imaginieren. Dem entsprechend werden „erotische“ Autos konstruiert: Der Sound eines Motors ebenso wie das durch die Vibration des beschleunigenden Motors erzeugte Körpergefühl. Sogar der Sound der zuschlagenden Türschlösser wird geziehlt konstruiert.

Insofern tut die Werbung durch die Beigabe einer nach gängigem Geschmack hübschen weiblichen Architektur (die meist dümmlich aussehenden Models und ihre langweiligen Posen sind ja in Wirklichkeit gar nicht erotisierend) nichts anderes, als die Versprechung auf die libidinösen Körpergefühle beim Fahren einer solchen Maschine auf elementarste Weise zu verstärken (mal abgesehen von der zweiten Komponente der nach außen gerichteten Potenzprotz-Signatur).

Ein Bikini-Model auf einen reinen Gebrauchswagen zu setzen (ausgezeichnet durch Familienausflug- oder Ikea-Einkaufs-Vorzüge) wäre dagegen ein reines „Zitat“ der echten Werbestrategie, das also nur vom Witz bzw. der Ironie lebt.

Gruß

Metapher

Ok, Eckard. Das ist was ganz anderes! Ein schönes Kleid ist wesentlich interessanter als ein Auto. Besonders am Körper einer Frau. Da wird mir wohl kein Mann widersprechen, oder?

Genau so wenig wie Du das nachvollziehen kannst, kann ich den
Gefühlssturm einer Frau nachvollziehen, die sich z.B. ein
Modellkleid kauft.
Gruß Eckard (soviel Zeit muß sein!)

Einspruch…
Hi,

ich könnte ohne weiteres mit 2 Sätzen identischer Kleidung zum Wechseln leben :wink:, vielen Stress tut mann sich nur wegen der Frauen an, die so was für wichtig ansehen.

Modekleid? Die Geschmäcker sind auch da verschieden. Was Sie toll findet, kann Er durchaus für potthässlich halten. Oder Ihm tränen die augen mit Blick aufs gemeinsame Budget oder auf das mit der ausgabe von eingen 100 € wieder ein paar Wochen in die Ferne gerückte neue Auto. Oder er fragt sich überhaupt, „wozu diese unnötige Verpackung?“ :wink:

Was Du für „logisch“ betrachtest muss für einen Mann lange nicht logisch sein und umgekehrt :wink:

Nichts für ungut
A.

Ok, Eckard. Das ist was ganz anderes! Ein schönes Kleid ist
wesentlich interessanter als ein Auto. Besonders am Körper
einer Frau. Da wird mir wohl kein Mann widersprechen, oder?

Süß :smile: Was ist schon ein Kleid? Tote Hülle. Ein Versprechen, das fast nie gehalten wird.

Hallo Grilla,

wenn eine Beule im Auto ist, dann sagen manche Zeitgenossen: „Der hat mich angefahren“, so, als sei das Fahrzeug ein Teil von mir bzw. ich selbst (das Auto sozusagen als Ich-Erweiterung).
Eventuell spekulieren einige Werbeleute mit der Idee in Männerköpfen, auch eine Frau könne so eine Ich-Erweiterung sein bzw. werden. Außerdem finden manche Leute die Formen von Autos schön und da liegt es scheinbar nahe, etwas anderes Schönes dazu abzubilden.
In der fotografischen Kunst gibt es die Verbindung von Maschine und Erotik schon länger, z.B. bei Mapplethorpe, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

Viele Grüße: Zerni

Einspruch einer Frau
Hi Susanne,

Ok, Eckard. Das ist was ganz anderes! Ein schönes Kleid ist
wesentlich interessanter als ein Auto. Besonders am Körper
einer Frau. Da wird mir wohl kein Mann widersprechen, oder?

Darf ich als Frau wiedersprechen? Ich finde ein schönes Auto ebenso interessant wie ein schönes Kleid.
Lieber allerdings ist mir immer noch ein Buch - alles Geschmacksache. :smile:

Liebe Grüße,
Nike

Aus Dir scheint der Frust zu sprechen. Das richtige Kleid an der richtigen Frau ist Erotik, Fantasie, Reiz. Aber wir schweifen vom eigentlichen Thema ab…

Süß :smile: Was ist schon ein Kleid? Tote Hülle. Ein Versprechen,
das fast nie gehalten wird.

richtig

Da wird mir wohl kein Mann widersprechen, oder?

es sei denn aus taktischen Gründen :smile:))

M.

Süß :smile: Was ist schon ein Kleid? Tote Hülle. Ein Versprechen,
das fast nie gehalten wird.

Aus Dir scheint der Frust zu sprechen.

Welch gewagte Vermutung - keineswegs ist’s Frust.

Das richtige Kleid an der richtigen Frau ist Erotik, Fantasie, Reiz.

Genausowenig, wie dies imho Erotik ist.
Erotik spielt sich im Kopf ab, nicht vor den Augen.
Früher dachte ich, Erotik wäre z.B. ein Blick, eine Geste - aber noch nicht mal das ist es. Erotik siehst Du, wenn Du den Blick des Gegenüber fängst, ihn ihm entreisst und in seine Seele eintrittst.

Ein Kleid ist so lange Erotik, wie man einer Frau auf die Brüste starrt, um dort Sex zu suchen. Finden tut man dort beides nicht.

Ein Kleid ist nichts, eine Seele lässt sich nicht anziehen.

Aber wir schweifen vom eigentlichen Thema ab…

Indeed, aber offtopic sind wir damit in diesem Brett wahrlich nicht.

Hallo Susanne,

ist es nicht interessant, darüber nachzudenken welche Gegenstände für uns wichtig sind? Wenn sie es sind, dann erfüllen sie bestimmte Funktionen, die allerdings oft nichts mit Lebensnotwendigkeiten zu tun haben. Und das finde ich besonders interessant. Wozu braucht der eine einen Benzinfressenden Zweisitzer - alles andere als ökonomisch und ökologisch sinnvoll, viel zu schnell für die überfüllten Straßen. Und trotzdem werden er gekauft, weil er etwas mit Lebenslust, Besitzerstolz, Selbstwertgefühl zu tun hat.
Die andere lebt mit einem maßgeschneidertem Seidenkleid auf, spürt Stoff, Farbe, Paßform, Blicke der anderen und befindet sich eine Weile in einer anderen Welt. Wir wissen genau, dass Kleidung eigentlich zum Erhalt der Körperwärme dient. Aber wir leben nicht für uns allein, und brauchen die Bewunderung der anderen - manchmal zumindest.
Mich interessieren die Gründe für den Reizauslöser „schöne Frauen und Autos“ aber nicht wie diese zu werten sind.

viele Grüße
grilla

Hallo, Ihr Hübschen,

Aber wir schweifen vom eigentlichen Thema ab…

Indeed, aber offtopic sind wir damit in diesem Brett wahrlich
nicht.

Nein, seid Ihr ganz und gar nicht. Und noch nicht mal wirklich offtopic in diesem Thread, denn um Erotik geht es in der Werbung ja auch - zumindest um den Versuch derselben.

Nur weiter so, diese Diskussion verspricht interessant zu werden. :smile:

Liebe Grüße,
Nike

Hallo,
natürlich paßt Erotik & Kontrolle/Macht zusammen. Wie stark der Drang von letzteren bei Mann ausgeprägt ist, ist halt individuell verschieden. Entscheidener scheint mir aber der Kontrast zu sein, schlanke (zerbrechliche), schwache Frau und geballte Kraft (männlich) des Fahrzeugs. Es gibt ein Video von Depeche Mode, wo solche Gegensätze in sehr schöner Weise demonstriert werden.

Gruss
Enno