Hallo!
Seit einiger zeit befinde ich mich wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung. Vor einigen Monaten musste ich meinen Arzt (F.A. für Psychiatrie) wechseln. Dieser hat mich aufgrund meiner Depression auf ein Medikament eingestellt, mit welchem ich auch einverstanden war (und bin) da ich Medizin studiere und mich somit auch hinreichend damit auskenne. Allerdings versprach mir dieser Arzt auch eine Psychotherapie, welche in einem solchen Fall auch notwendig ist. Jedoch wimmelt er mich in jeder Sitzung ab. Die Sitzungen sehen jedes mal gleich aus:
Er fragt mich wie es mir geht…und ich erläutere ihm meinen momentanen Zustand. Anschließend schweigen wir uns einige Minuten an, dann fragt er mich ob ich denn noch genügend Medikamente habe…ich antworte ihm, dann schweigen wir uns wieder an und das wars auch schon.
Ich habe ihn darauf auch angesprochen und er sagte mir, ich solle ihm konkret beschreiben was er behandeln soll…
Dazu muss ich sagen, mir fällt es schwer über meine probleme zu reden, aber ich habe mich dann doch in der nächsten sitzung dazu überwunden und erzählte ihm davon.
Hier mal ein kurzer dialog davon (nicht wortwörtlich!!):
Ich: Wenn ich mich in die öffentlichkeit begebe, dann fühle ich mich extrem beobachtet, ich kann mich kaum noch bewegen, meine muskeln krampfen, ich habe starke schmerzen, woran kann das liegen?
Arzt: mh…(schweigt einige minuten)… Was denkst du denn woran das liegt?
Ich: Keine Ahnung…em…vielleicht weil ich nicht gewohnt bin mich in der öffentlichkeit aufzuhalten, oder vielleicht habe ich ne ausgeprägte psychose…usw. …aber wie kann ich das beheben?
Arzt: mh…(schweigt wieder einige Minuten)…was denkst du denn wie du das beheben kannst?
(dialog ende)
Also mal ehrlich, das ist doch keine ordentliche behandlung?! Was soll das? Er sagte mir er würde eine psychotherapie machen aber ich glaube kaum dass ständiges Anschweigen und Gegenfragen stellen da so effektiv sein sollen.
Könnt ihr mir sagen was ich dagegen machen kann? Und bitte sagt mir nicht ich soll den arzt wechseln, man bekommt ja nur nach einigen monaten einen termin und die ersten Sitzungen sind ja nur dafür da damit man sich kennen lernt…
Bitte helft mir! Vielken dank schon im voraus!
Liebe Grüße, Ram
Hallo,
Du fühlst Dich nicht gut aufgehoben und die Therapie erfolgt nicht so, wie Du es Dir vorstellst, bzw. sie Dir unterstützen kann.
Entweder Du suchst Dir einen anderen Psychiater oder Du lässt Dir von ihm nur die Medikamente verschreiben und suchst Dir zusätzlich einen geeigneten Psychologen.
Viele Grüße
Allerdings versprach mir dieser Arzt auch eine Psychotherapie,
Wie glaubst Du denn sieht eine Psychotherapie aus ?
Dazu muss ich sagen, mir fällt es schwer über meine probleme zu reden,
Das aber ist der Sinn dieser Therapieform. Es ist nicht Sinn, dass der Therapeut Dich zutextet. Du muß aus Dir herauskommen.
Könnt ihr mir sagen was ich dagegen machen kann?
Wenn Du den Arzt nicht wechseln willst, mußt Du Dich auf diesen und seinen Stil einlassen. Der Arzt wird nicht Deinetwegen seinen Stil ändern.
Hallo Chili,
ich weiß nicht, ob die Psychotherapie-Methode Deines Arztes gut ist oder nicht (und welche Variante es ist) _ sie scheint mir aber extrem enthaltsam zu sein … Was könntest Du tun?
Du könntest entweder ein Beratungszentrum aufsuchen (Ehe- und Familienberatung der Diakonie o.ä.), oder in der Telefonseelsorge anrufen - einfach, um zu erfahren, was Du sonst tun könntest, außer zu diesem Arzt zu gehen.
Oder:
Ein normaler Facharzt für Psychiatrie führt i.d.R. „psychiatrische Gespräche“. Eine „richtige“ (umfangreichere) Psychotherapie führt ein Psychotherapeut durch, und zwar ein VON DEN KASSEN ZUGELASSENER. Solche Therapie ist sehr teuer. Bevor die Krankenkasse sowas bezahlt, will sie 1-2 Gutachten von Gutachtern, die bei IHR zugelassen sind.
Willst Du so etwas, dann laß Dir eine Liste der bei Deiner KK zugelassenen Gutachter schicken und kämpfe um einen Termin und ein Gutachten bei denen. Wenn das Gutachten stattgefunden hat, wird es aussagen, ob und wenn ja welche Therapieform und wieviele Stunden für Dich ausreichend/ hilfreich wäre (Gesprächs- oder analytische oder Verhaltsenstherapie oder welche). Dann müßtest Du erneut suchen - nach einem Therapeuten, zu dem Du gehen möchtest.
Ich drück ich Dir die Daumen, daß Du einen findest, der Dir weiterhilft! Mit besten Wünschen, S.
Hi,
Eine „richtige“ (umfangreichere)
Psychotherapie führt ein Psychotherapeut durch, und zwar ein
VON DEN KASSEN ZUGELASSENER. Solche Therapie ist sehr teuer.
Bevor die Krankenkasse sowas bezahlt, will sie 1-2 Gutachten
von Gutachtern, die bei IHR zugelassen sind.
Das ist (wie das vorangehende auch) totaler Unsinn! Es bedarf lediglich einer Überweisung des Arztes zu einem bei der KK zugelassenen Therapeuten welcher „Schule“ auch immer. Den Antrag für das Fortführen der Therapie stellt dann der entsprechende Therapeut. Die Abrechnung erfolgt über die Krankenkasse und ist für den Patienten über eine bestimmte Anzahl von Sitzungen (glaube, es sind 25 - bin da aber nicht sicher) und ggf. eine Verlängerung (wiederum auf Antrag) kostenlos.
Gruß,
Anja
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Das war/ist bei mir genau gleich, bis ich die Psychotherapeutin mal angesprochen habe was mir das hier überhaupt bringt, dann sagte sie mir das früher Psychotherapie auch Redekur hies und wenn ich nicht rede sie auch nicht reden kann/soll, weil da der Sinn einer Therapie ist das ich mich öffne und erzähle und nicht sie alles aus mir heraus kitzeln muss. Ich weiss das ist schwer, ich finds auch komisch da rein zu gehen und auf einmal los zu reden, über alles was einen bedrückt und wies einem geht.
Hallo,
das Problem hier ist nun doch wirklich nicht die Kostenübernahme sondern die Behandlung als Solches. Klar, wir sind hier im Medizin-Brett und da gehören solche Fragen auch hin, aber hier kommte es ja schon einer Therapie gleich wenn man eine sinvolle Antwort geben will. Ein Patient bestimmte Erwartungen hat bezüglich einer Behandlung, diese aber nicht mit seinem Arzt besprechen kann, weil er (Patient) sich nicht traut, dann kann man nicht wirklich von einer schlechten ärztlichen Behandlung sprechen. Auch ein Psychotherapeut kann ohne Information nicht behandeln, nur sind die Leute speziell dafür ausgebildet an die notwendigen Infos heranzukommen.
Mein Rat, sich überwinden und vom Arzt eine Überweisung zum Psychotherapeuten geben lassen. Eine Liste der zugelassenen Therapeuten gibt es bei der Krankenkasse, die auch helfen kann wenn kein zeitgerechter Behandlungstermin angeboten werden kann.
Gruß
Czauderna
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Hi,
ist natürlich Scheiße für den Patienten, wenn die Glaskugel des Therapeuten gerade kaputt ist.
schlechten Scherz beiseite: Psychotherapeuten sind keine Hellseher, du musst ihnen schon sagen, was los ist. Selbst die Schilderung deines eigentlichen Problems kam ja nur recht zögerlich heraus - was soll er denn machen? Wenn ich Bauchweh habe, zu meinem Hausarzt gehe und sage „Behandeln Sie mich!“, aber verheimliche, das ich Bauchweh habe, dann wird der auch ziemlich dusselig gucken und schweigen. Klar kann er eine gewaltige Summe Geldes zum Fenster hinauswerfen und von blutbild bis MRT die Apparatemedizin beanspruchen - vielleicht findet er sogar was. Aber der Psychotherapeut ist hilflos, wenn Du ihm nicht sagst, was los ist.
Und Du als Mediziner sollltest wissen, dass eine Psychotherapie nicht im Pillengeben besteht (zumind. nicht ausschließlich), und dass man mit einem Therapeuten REDEN muss.
Übrigens ist auch das Reden ansich hilfreich. Man macht sich Dinge bewußt und ist gezwungen, sie in logische Bezüge zu setzen - man möchte ja verstanden werden. Oft wird dadurch schon etwas ganz Großes ganz klein.
die Franzi
Hi
Es stimmt zwar, dass bei einer Psychotherapie in den meisten Fällen der Patient hauptsächlich redet, aber ich denke, es ist eher ein kontrolliertes „Sich die Probleme vom Leib reden“.
Der Therapeut sollte ein neutraler Betrachter des ganzen sein, was allerdings nicht heißt, dass er die ganze Zeit da sitzt und schweigt. Er sollte Denkanstöße geben und den richtigen Zeitpunkt erwischen, den Patienten selbst zur Lösung hinzukriegen.
Oftmals ist es so, dass sich der Patient nicht erklären kann, wo ein Problem herkommt (z.B. soziale Phobie), für ihn ist es ein Symptom, wie Husten oder Schnupfen, dass in bestimmten Situationen auftritt.
Wir bräuchten alle keine Psychologen, wenn man auf die Frage „und was glauben Sie, woher das kommt?“ direkt eine Antwort und Lösung hätte.
Übrigens, manchmal ist es schon ausreichend, nicht die Ursache für die Störung zu finden, sondern einfach die Symptome zu behandeln - wie bei einer Erkältung! Wer Angst hat, sollte lernen, sich nicht hineinzusteigern (und da reicht nicht zu sagen „Steiger dich nicht hinein“!) sondern damit zu leben, und schon reduziert sich das Problem von alleine.
Grüße
Laralinda
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Hallo,
Das aber ist der Sinn dieser Therapieform. Es ist nicht Sinn,
dass der Therapeut Dich zutextet. Du muß aus Dir herauskommen.
Aber der Arzt kann auch nicht erwarten, dass der Patient einfach mal so anfängt zu reden. V.a. in der Psychotherapie kommt es darauf an durch gezieltes Fragen den Patienten zum Reden zu bewegen. Und das scheint hier nicht der Fall zu sein.
Wenn Du den Arzt nicht wechseln willst, mußt Du Dich auf
diesen und seinen Stil einlassen. Der Arzt wird nicht
Deinetwegen seinen Stil ändern.
Da muss ich allerdings zustimmen. Wobei ich sagen muss, dass ich es schon sehr traurig finde, wenn ein Arzt nicht auf die Wünsche des Patienten eingeht und an „seinem Stil“ festhält.
Grüße
Jessica
Hi
Dazu möchte ich aus eigener Erfahrung ergänzen das, wenn der Therapeut so lange schweigt, dies zu SEHR unangenehmen Situationen für den Patienten (je nach Problem) führen kann.
Folge? Der Patient geht nicht mehr hin, denn die elend langen Schweigephasen sind mehr stress als irgendwie selbst klarzukommen.
lg
Kate