Hi Juli,
ich muss mich Regina anschliessen: Es hört sich auf jeden Fall wie etwas an, das in Richtung ADS geht.
Ich erkenne auch mich als Kind darin (bin ADSlerin). Ich war als Kind keinesfalls hyperaktiv, sondern hypoaktiv (was für weibliche ADSler auch das normalere ist).
Ich ‚konnte‘ sehr gut alleine spielen bzw mich alleine beschäftigen, was meine Mutter natürlich erfreute. Keiner merkte, dass dahinter ein ‚Problem‘ steckt.
Wie ich mich bei Spielen im Kreis mit anderen Kindern verhalten habe, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass ich extrem schüchtern und ängstlich war.
Auf nem Spielbrett musste ich die Figuren immer gerade rücken - es war mir zuwider, meine beste Freundin hat es genervt, aber ich konnte nicht anders, es war ein Zwang! (der schon in Richtung Aspergers geht).
Ich bin intelligent, überdurchschnittlich intelligent. In der Grundschule war ich immer die beste Schülerin. Ich konnte schnell sehr gut lesen, und tat das auch sehr viel.
Auch ich habe einen Vater, der Perfektionist ist.
Als Kind / Jugendliche habe ich sehr darunter gelitten - heute weiss ich, dass es das ADS ist, dass es ‚Zwänge‘ sind.
ADS wird vererbt. Es würde mich keineswegs wundern, wenn der Vater Deines Kindes eine Form von ADS hat, und Dein Kind somit auch.
Es wäre kein Problem - es früh zu erkennen kann es leicht machen, damit klarzukommen. Bei mir war es halt so, dass ich es nie wusste…
Und klar, ADSler haben ein grosses Problem, was die Konzentration anbetrifft. Wir können uns allgemein schlecht konzentrieren, können aber, wenn wir uns in eine Sache ‚verrennen‘, hyperfokussieren, dh, so konzentriert sein, dass wir völlig von einer Sache absorbiert sind.
ADSler sind im Allgemeinen kreativer und intelligenter als der ‚normale‘ oder ‚Durchschnittsmensch‘. Deshalb sind hypoaktive ADSler oft unauffällig, weil sie nicht durch Stören (zB im Unterricht) auffallen. Der IQ ist hoch, dh die schulischen Leistungen ok (es sei denn, die Person ist ein extremer ‚Träumer‘ und geistig immer abwesend). Daher eben unauffällig.
FALLS Dein Sohn ADS hat, wäre es also gut, früh an dem zu arbeiten, was später sonst zu einem Problem wird: an den sozialen Kompetenzen.
Ich will nicht sagen, mit 4 Jahren kann man da viel machen. Aber ich konnte zB mit 11 Jahren noch nicht mal das Telefon beantworten, weil ich zu schüchtern war. Solche Sachen kann man zu passenden Zeiten trainieren, statt (wie meine Mutter) die Schultern zu zucken.
Naja - aus mir ist ja auch was geworden! Nur hat’s halt ne Weile gedauert…
Ein starkes ‚Symptom‘ (wie ich zumindest heute weiss), war, dass ich dieselbe Geschichte immer und immer und immer wieder vorgelesen haben wollte - bei einer war meine Mutter am Ende so genervt, dass sie sie auf Kassette las.
Klar, jedes Kleinkind will das - to a certain extent. Wenn’s aber extrem wird, ist das schon deutlich als ein Symptom zu werten.
Wie war Dein Sohn diesbezüglich in den letzten Jahren?
Ansonsten: ADSler haben auch oft Milch- und Weizenunverträglichkeiten, die ihre Symptome verstärken.
Ich würde mit Deinem Sohn mal zum Kinderarzt gehen, und Dir vorher mal die Verhaltensweisen in den letzten zwei Jahren notieren.
Wo in Deutschland bist Du?
Weitere Infos geb’ ich Dir bei Interesse gerne.
Gruss, Isabel
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