Schlechte stimmung

Hallo,

also ich versuche das ganze mal kurz zu beschreiben was in mir so vorgeht. Seit Monaten fühle ich mich nicht so richtig gut. Ich habe das Gefühl, mit meinem Leben nicht mehr so richtig klar zu kommen. Ich hab nicht mehr wirklich Lust irgendwas zu machen, weil ich das Gefühl habe jedem zur Last zu fallen oder auch einfach, weil ich einfach nur kaputt oder lustlos bin. Ich könnte auch den ganzen Tag nur schlafen, weil ich eigentlich immer kaputt bin . Ich habe auch sehr viele Gedanken im Kopf, die mich komplett fertig machen. Ich weine auch sehr oft, weil diese ganzen Gedanken dann einfach hochkommen. Meine Freunde sind auch schon ziemlich genervt von mir, weil ich immer so schlechte Laune habe und mich zurückziehe. Meine beste Freundin ist die einzige, die annähernd weiß, wie es mir geht und sie reißt sich wirklich das Bein aus, um mir zu helfen aber ich kriege es nicht hin, die Dinge umzusetzen.

Hallo 75,
du beschreibst eine depressive Episode mit Antriebshemmung (kann mich nicht aufraffen, alles ist so schwer), Unfähigkeit zur Freude an früher geliebten Dingen (keine Lust, hat alles keinen Sinn) und körperlicher Abgeschlagenheit. Oft ist man auch reizbar, fährt schnell aus der Haut, ist oft genervt, will mit anderen nichts mehr zu tun haben. Dann entstehen immer mehr Selbstzweifel und Angst, das eigene Leben nicht mehr in den Griff zu kriegen. Verschlimmernd wirkt sich eine Schlafstörung aus. Solche depressiven Zustände können durch äußere Belastungen ausgelöst werden, aber auch ohne ersichtlichen Grund durch eine Fehlsteuerung der Neurohormone (zum Beispiel Serotonin) im Nervensystem auftreten. Es ist wichtig, das zu behandeln, weil sonst irgendwann auch Suizidgedanken auftreten können und ohne Behandlung eher die Gefahr besteht, dass eine Depression chronisch werden könnte. Ich würde empfehlen, über den Hausarzt eine antidepressive Behandlung zu beginnen, z.B. mit Sertralin 50mg morgens. Wichtig zu wissen ist, dass es eine Therapie von innen ist, zur Stärkung des Hormonsystems im Kopf und nicht eine oberflächliche Behandlung mit Beruhigungsmitteln. Es gibt keine Abhängigkeit und keine Veränderung der Persönlichkeit o.ä. Im Gegenteil: diese Medikamente wirken nur, wenn das Nervensystem diese Hilfe auch wirklich braucht. Bei „Gesunden“ passiert nichts, niemand wird von Antidepressiva glücklicher, es sind eben keine Drogen. Wenn dein Nervensystem aber an einer Depression leidet, wirst du im Laufe von 2 Wochen merken, wie es langsam bergauf geht. Ja, es dauert ein wenig, weil alle guten Therapien, die mit und nicht gegen den Körper arbeiten, etwas Zeit brauchen. Letztlich gibt das Medikament dem Körper/Nervensystem wieder eine Chance, sich selbst in Ordnung zu bringen. Wichtig ist, dass die Medikamente für 6 Monate weiter genommen werden, damit die psychischen „Reserven“ auch wieder aufgefüllt werden und nicht bei der nächsten Belastung (man weiss ja nie, was noch so auf einen zukommt) wieder eine Depression auftritt. Wenn der Hausarzt nichts verschreiben will, gehst du am besten zu einem Psychiater. Ob du später eine Psychotherapie machen willst, hängt davon ab, ob du auch sonst Probleme mit Ängsten oder dem Selbstbewußtsein hast. Dann kann dir eine Psychotherapie helfen, dich besser zu verstehen und neue Einstellungen und Verhaltensweisen zu entwickeln. Gute Besserung wünscht Dr. U

Hallo Dr U

vielen dank für diese ausführliche Antwort.
Ja ich bin leider auch ziemlich leicht reizbar und genervt obwohl ich das gar nicht will und es mir denn hinterher auch leid tut. Meine beste Freundin musste da echt schon viel aushalten.
Kann man das ganze auch irgendwie ohne Medikamente lösen?

Ich denke ohne Medizin geht es nicht gut. Jedenfalls wird es dann sehr lange dauern, bis es irgendwann von selbst besser wird. Eine Möglichkeit ist auch Johanniskraut. Aber: es muss ein hochdosiertes Präparat aus der Apotheke sein, z.B. Laif (kann auch verschrieben werden), denn die aus dem Supermarkt sind zu schwach. Und Johanniskraut kann andere Medikamente beeinflussen, z.b. die Pille ausser Kraft setzen!
Alles Gute:
Dr. U

Ok vielen dank erst einmal für die Hilfe und Antworten.

Hallo,
ich habe erst heute deine Zeilen gelesen, sie machen mich sehr nachdenklich und ich möchte gerne versuchen, dir ein bisschen Hilfe zu geben.
Ich selbst habe Erfahrung mit Deprssionen gemacht. es ist schon eine Weile her. Mein Grund war die Diaknose einer Erkrankung.
Das du darüber schreibst, das ist der erste Schritt, um dich mit deinem Zustand, indem du dich nicht wohlfühlst auseinanderzusetzen. Ich habe damals nach mehreren Arztbesuchen und Medikamenten, versucht einen Weg zu finden.
Als ich das erste Mal darüber sprach, ging es mir etwas erleichtert, eine Arbeitskollegin rieht mir Johanniskraut zu nehmen.
Dies tat ich und irgendwann ,als ich durch irgendeine Äußerung wieder zurückrutschen wollte, fing ich an eine Positivliste und daneben eine Negativliste zu schreiben.
Die Negativliste analysierte ich mit dem Wörtchen " Warum?". Ich erkannte schnell, das manches lösbar war.

So schaffte ich es langsam aus dem Tief herauszukommen.
Ich lernte wieder zu lachen und mich zu freuen.

Hoffentlich konnte ich dir ein bisschen Mut machen!

befi

Hallo,

sorry, dass ich erst jetzt antworte.
Aber vielen schon einmal für deine Antwort.
Was hast du so auf diese Listen aufgeschrieben?