Hallo!
Warum hängt man an Menschen, die offentsichtlich schlecht mit einem umgehen so sehr? Bin von meinem Ex getrennt, der mich wirklich nur noch respektlos behandelt hat, aber ich hänge noch an ihm. Mein Herz sagt ja, mein Verstand definitiv nein. Woher kommt das?
Grüße C.
Nun, bekanntlich sprach schon der alte Freud vom „natürlichen Masochismus beim Weibe“…
Aber im Ernst: Es geht vielen Menschen so (und nicht nur Menschen, denk an die vielen geschlagenen Hunde, die immer wieder zu ihren Herrchen zurückkriechen), dass sie sich von Menschen nicht lösen können, von denen sie schlecht behandelt werden. Es ist ein grundsätzliches Problem innerhalb der Persönlichkeit und ein durchaus ernster (und ehrenwerter) Grund, eine Psychotherapie zu beginnen.
Gruss, Branden
hallo coccinella
ich weiss ganz genau was du fühlst. ich habe das zwei mal durchgemacht. meine ex haben mich schlecht behandelt (aus was für gründen auch immmer). ich habe darauf schluss gemacht, aber mein herz ist dabei jeweils zerbrochen, weil ich diese männer geliebt habe.
ich denke, dass hat einerseits damit zu tun, dass frauen ihre männer heilen wollen und meinen, dass da doch ein guter kern da ist und der zum vorschein kommt, wenn man nur geduldig genug ist. und frauen machen aus ihren männern oft helden, weil sie ja so gerne einen helden hätten und dabei übersehen, dass sie eigentlich nur einen normalen menschen (oder auch einen waschlappen) vor sich haben.
andererseits kann leiden sexuelle lust bereiten. das ist wohl das, was freud gemeint hat.
für mich war das leiden jeweils dann fertig, wenn ich akzeptiert habe, dass der andere nicht einfach „bös“ und „gemein“, sondern ganz einfach unpassend für mich und meine bedürfnisse ist.
ich wünsch dir alles gute und vorallem dass dein herz und dein verstand sich wieder annähern können.
liebe grüsse
coco
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Ambivalenz
Hi Marienkäferin
das geht nicht nur Frauen mit Männern manchmal so, das gibts ebenso umgekehrt. Und es ist weder von vornherein therapiebedürftig, noch hat es etwas mit „natürlichem Masochismus“ zu tun *smile*. Es liegt einfach daran, daß eine Beziehung nie nur einen einzigen Aspekt hat, und daß Menschen nicht nur eine einzige Eigenschaft haben.
Was aber _dazu_kommen kann: Auch (von einer bestimmten Person) respektlos behandelt zu werden kann unter gewissen Umständen als eine Form der sehr persönlichen Zuwendung erlebt werden - wenn auch mit einem negativen Vorzeichen (um das sich Gefühle oft nicht scheren). Du kannst es testen an der Frage: Wenn er auch alle anderen Menschen immer nur respektlos behandelt hätte, wärst du dann je mit ihm eine Beziehung eingegangen?
Wenn er das nicht wegen der Trennung tut, sondern wenn du dich deswegen von ihm trennen mußtest, dann tut das natürlich besonders weh, aber es ist dennoch ein Beitrag zu einer gefühlsmäßigen Bindung. Die Trennung kommt, wie oft, wohl eher „aus dem Kopf“, also aus rationalen Erwägungen und Entscheidungen. Aber diese haben meist auf die Gefühle wenig Einfluß, denn Gefühle können - im Gegensatz zum Verstand - ambivalent sein: d.h. sie schließen Widersprüchlichkeit nicht aus. Das erzeugt innere Konflikte, die sich aber manchmal von selbst überleben, wenn du neue Wege gehst …
Gruß
Metapher
Aus dem Grund, daß sich irgendwann eine seelische Abhängigkeit eingestellt hat, man bezeichnet solches Verhalten im schlimmsten Fall als Hörigkeit. Meist stellt es sich schleichend und unbemerkt ein . Bemerkt wird es dann ziemlich spät, auch fehlt die Einsicht.
Gruß
Merkur
getrübter Blick
Hi C.,
der Mensch sieht sich selbst im Gegenüber, deshalb will er einfach nicht glauben, dass der andere schlecht ist. Das fängt schon bei Kindern an, die sich lieber totschlagen lassen als einfach davonzurennen. Manche Menschen schaffen es irgendwann, das Anderssein des Gegenübers anzuerkennen, manche schaffen es nie.
Gruß Ralf
Hallöle,
Nun, bekanntlich sprach schon der alte Freud vom „natürlichen
Masochismus beim Weibe“…
Ich denke, am Geschlecht liegt das ganz sicher nicht, sondern…
Aber im Ernst: Es geht vielen Menschen so (und nicht nur
Menschen, denk an die vielen geschlagenen Hunde, die immer
wieder zu ihren Herrchen zurückkriechen), dass sie sich von
Menschen nicht lösen können, von denen sie schlecht behandelt
werden. Es ist ein grundsätzliches Problem innerhalb der
Persönlichkeit und ein durchaus ernster (und ehrenwerter)
Grund, eine Psychotherapie zu beginnen.
Gruss, Branden
Dem kann ich nur zustimmen, das eigentliche Problem, den Komplex trägst Du in Dir, höchstwahrscheinlich aus der Kindheit
LG
Marlené
Hallo Coccinella,
Das Herz hängt immer an den guten und schönen Erinnerungen, während dein Verstand
natürlich ganz klar die Fakten erkennt und sagt: Keine Chance mehr.
Bis das auch mal die Gefühle „verstanden“ haben, dauert es gewöhnlich ein wenig.
Ich kenne das auch aus meiner letzten Beziehung. Zum Glück hing mein Herz nicht
so sehr an ihm, weshalb ich recht schnell damit abschließen konnte. Jedoch blieb
das Unverständnis, wieso gerade der Partner einen so schlecht behandelt,
wissentlich gemein ist oder versucht einen klein zu machen…
Für dich zählt jetzt doch eins (da stimme ich der coco zu): Dein Ex konnte nicht
deinen Wünschen und Vorstellungen gerecht werden, bzw. konnte dich nicht
glücklich machen. So musst du es sehen. Ich möchte keinen Menschen, der versucht
sich über mich zu stellen und mich unzufrieden werden lässt. Ich finde es auch
einfacher abzuschließen, wenn man sagt es hat nicht gepasst und ich schaue mich
nach wem um, der mich mehr zu schätzen weiß!
Ob du ein größeres Problem hast, wie schlechte Erfahrungen aus der Kindheit, kann
ich nicht beurteilen. Glaube aber nicht, dass gleich eine Therapie sein muss. Je
nachdem wie lange schon mit deinem Ex Schluss ist und wie wenig du ein normales
Leben führen kannst.
Ich wünsche dir, dass du bald dieses Gefühl von „frei atmen können“ bekommst. Bei
mir hat es eingesetzt, als ich realisiert habe, dass mir keiner mehr blöde
Sprüche um die Ohren haut, sondern ich nur noch Menschen um mich habe, die mich
schätzen und respektieren.
Lg Nele