Hallo Karl-Heinz,
Die Bedeutung des Cholesterins für die Entstehung der
Arteriosklerose ist umstritten. Mit der Cholesterinhysterie
ist allerdings viel Geld verdient worden und die Hersteller
möchten natürlich gern, das das so bleibt wobei sie sich der
Unterstützung durch die Ärzteschaft sicher sein können.
Bei allen durchaus gegebenen Strittigkeiten: Sicher sein - und zwar wirklich sicher, nur wenig ist in der Medizin so gut bewiesen - kann man sich in folgenden Beobachtungen:
- Menschen mit hohen Cholesterinspiegeln haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Arteriosklerose zu erkranken
- Senkung des Cholesterinspiegels verringert das Risiko (was die Vermutung zuläßt, daß Cholesterin ursächlich für die Arteriosklerose verantwortlich ist)
- Selbst Menschen mit niedrigem Cholesterinspiegel, die aus anderen Gründen Arteriosklerose haben, leben länger, wenn sie Cholesterinsynthesehemmer einnehmen.
Die Ärzteschaft bietet also dem Patienten ein Medikament an, mit dem er länger und mit höherer Lebensqualität lebt, ob er es nehmen will oder nicht, ist seine Sache und hat mit Geldverdienerei reichlich wenig zu tun.
Beachte bitte, daß Medikamentenverordnungen für den Niedergelassenen lediglich eine Belastung des Budgets bedeuten, an welchen er keinen Pfennig verdient. Selbst die Verordnungsleistung in der Praxis ist finanziell unattraktiv, da bestenfalls als einfache Laboruntersuchung mit „Beratungsgespräch“ abrechenbar.
Als neuer Risikofaktor wird heute das Homocystein genannt, das
bei der Entstehung der Arteriosklerose eine wichtige Rolle
spielen soll.
Daß Patienten mit einem bestimmten Stoffwechseldefekt, der Homocystein im Blut akkumulieren läßt (Homocysteinurie) ein erhöhtes Arterioskleroserisiko haben, ist nichts neues, sondern schon seit Jahrzehnten bekannt. Clevere Vitaminhersteller extrapolieren das natürlich auf die Normalbevölkerung.
Es gibt noch eine lange Liste anderer „atherogener“ Substanzen, was heißen soll, daß Cholesterin nicht der einzige „böse Bube“ ist. Genauso Tatsache ist es aber wie gesagt auch, daß Menschen, die man mehr oder weniger Blind von der Straße weg mit Synthesehemmern behandelt, länger leben. Unabhängig davon, ob Cholesterin nun ein Risikofaktor ist oder nicht (-> zusätzliche unbekannte Wirkmechanismen neben der Cholesterinsenkung?)
Das Cholesterin wird übrigens zum größten Teil vom Körper
selber in der Leber produziert. Die Ernährung hat hier nur
einen geringen Einfluss.
Auch hier gibt es eine Fülle von Daten, die belegen, daß nach Cholesterinzufuhr der Blutspiegel in die Höhe steigt… Problem ist dabei, daß nur die wenigsten Patienten eine Ernährungsumstellung schaffen, weil sie im Endeffekt auch immer eine _Lebens_umstellung bedeutet.
viele Grüße,
Oliver
P.S.: Weil es oft durcheinandergewirbelt wird: Fette, also Triglyzeride (welche mit Cholesterin nichts zu tun haben) bedeuten nur für Frauen ein direktes Arterioskleroserisiko. Ein indirektes Arterioskleroserisiko ist (für beide Geschlechter) nur dadruch gegeben, daß Fette kalorienreich sind, was wiederum über Gewichtszunahme zu hohem Blutdruck und dadurch zur Arteriosklerose führen kann (deshalb ist v.a. das LDL gefährlich da stark Cholesterinhaltig, die „guten“ Triglyzerid- und Cholsesterintransporter VLDL und HDL enthalten viel weniger Cholesterin - wobei das HDL sogar Cholesterin aus der Gefäßwand aufnehmen und somit sogar frühe Arteriosklerose „reparieren“ kann)