Schlechtes Gewissen?

Hallo!

Ich habe ein schlechtes gewissen, oder ich fühle mich etwas schlecht wegen einem Mädchen, das in meinem lateinkurs ist!
Sie saß anfänglich auch schon immer alleine da und grenzt sich von den anderen ab…irgendwann sind wir mal ins Gespräch gekommen, und seitdem haben wir öfter telefoniert( als mir lieb ist) und sie fängt mich jedes Mal nach dem Unterricht vor der Tür ab, was mir auch nicht lieb ist!

Ich sitze in Latein mit drei Herren. Wir haben imm er sehr viel Spaß und unterhalten uns auch viel und gehen ab und zu mal einen Kaffee trinken, nach dem Unterricht!

Wenn sie mich aber abfängt, dann verwickelt sie mich in eine Unterhaltung…bzw…sie redet die ganze Zeit…noch nicht mal schnell…und dann meist auch nur über die selben Themen( herr der ringe…da ist sie sehr fanatisch…ich weniger…)
Und damit hällt sie mich von den anderen ab!

Ich habe mich gefühlt, als wenn ich ersticke, wenn sie redet! Es ist grässlich!
Eigentlich ist sie ganz nett, aber sie projeziert etwa snach außen…was mich abstößt!
Ich glaub, sie mag sich selber nicht so besonders!

Und heute, als ich mich zum x-ten Mal mit einer Notlüge von ihr „befreit“ habe, hatte ich kurzzeitig das Bild einer Krake vor meinen Augen!

Einmal war sie mit Kaffeetrinken, mit den anderen und ich habe die anderen beobachtet. Sie saßen da, betreten, in der Luft rumschauend, weil sie die ganze zeit am reden war und sie sich auch nur mir die ganze Zeit zu gewandt hatte!
Mir war das unangenehm, sowie die ganze Situation, denn eigentlich wollte ich sie nicht dabei haben, aber sie hat sich einfach so dranngehängt!
Sicher hätte ich ihr das unmissverständlich klarmachen müssen, aber irgendwie kann ich das nicht, denn…sie tut mir irgendwie leid!
WIESO DAS?
wieso tut sie mir leid??
Vielleicht weil sie so „allein“ ist…aber ist sie da nicht selber für verantwortlich??

Ich bin veriwrrt! Und weiß nicht so direkt, was ich machen soll!

Was würdet ihr tun??

Grüßle
Berlind

Hallo Berlind,

die Frau scheint aus der autistischen Ecke (Asperger) zu kommen. Das sind hochintelligente, aber kontaktscheue und ängstliche Menschen, die aber eigentlich ganz friedlich sind. Unvorhergesehene Emotionen und ungeplante Ereignisse machen ihnen Angst Sie haben oft spezifische Interessen, wo sie sich aber super auskennen. Wenn man mit ihnen befreundet ist, sind sie einem treue Freunde. Vor denen braucht man keine Angst zu haben. Nimm sie einfach so wie sie ist, lass sie bei euren Gesprächen in der Gruppe dabeisitzen, sie sind oft froh, wenn sie wenigsten dabei akzeptiert werden.
Also das ist jetzt so auf die Schnelle mein Urteil aus Deiner Beschreibung, ich kann aber vielleicht auch falsch liegen. Wenn Du mehr darüber wissen willst, inverstiere 22,95 EUR in ein Buch von Tony Attwood „Das Asperger Syndrom“, ein sehr gut geschriebenes und daher auch gut zu lesendes Buch. http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3893735925/qid…

Gruß
Michael

Hi!

Wie wäre es, wenn Du sie einmal beiseite nimmst und ihr Deinen Eindruck schilderst? Jedenfalls hat sie dann die Chance, ihr Verhalten zu ändern.

Gruß,

Oliver Walter

PS: Die Asperger-Störung ist eine recht seltene (zwischen 10 und 26 Fälle pro 10.000 Geburten) und schwere Entwicklungsstörung, die in ca. 90% der Fälle Jungen betrifft. Ich schätze deshalb die Wahrscheinlichkeit der Hypothese, daß das Verhaltensmuster Deiner Kommilitonin für diese Störung spricht, als gering ein.

Hallo,

was die Experten unter mir gesagt haben, möchte ich als Laie noch ergänzen.

In der Gruppentherapie gibt es immerwieder den Ein- oder Anderen, der dadurch besonders auffällt, dass er unaufhaltsam spricht, manchmal ohne wenn und aber, vollkommen am Thema vorbei. Es ist sehr schwer, diese Leute zu unterbrechen. Sie hören auch gar nicht, dass Du unterbrichst, gehen darüber einfach hinweg und reden weiter. Ihnen fällt auch anscheinend nicht auf, dass die Anderen dadurch einschlafen- oder zur Decke schauen.
Oft konnte ich beobachten, dass sich hinter diesen scheinbar recht redseeligen, kontaktfreudigen, agilen Menschen, sehr scheue, ängstliche, unsichere Menschen verbergen.

Als ehemaliger Angstpatient war meine Methode immer: Solange ich rede, kann mir niemand dumme Fragen stellen!
Scheinbar OFFENSIVE Menschen vermeiden mit Ihrer Strategie „angreifbar“ zu sein.
Zu dieser Zeit war ich dankbar mit Menschen zusammenzusein, die ganz behutsam, vorsichtig mit mir umgingen.
Ein Schlüsselerlebnis war, dass jemand auf mich zukam und das Gespräch eröffnete mit den Worten: „Frank, ich habe einen Wunsch, ich möchte Dir etwas sehr wichtiges sagen und ich bitte Dich, dass Du mir gut zuhörst und NICHTS sagst solange ich nicht fertig bin.“ Meine Aufmerksamkeit war für ihn da, ich hab ihm den Wunsch erfüllt und ich habe erfahren, dass mir nichts schlimmes passiert, wenn ich nicht rede.
Stück für Stück habe ich später erfahren, wie ich auf Andere wirke und hatte so die Möglichkeit mein Verhalten zu überdenken und zu ändern.

Ehrlichkeit, wie Du Dich in Ihrer Gegenwart fühlst, ist sicher wichtig, dennoch solltest Du ihr die Chance geben Stück für Stück zu verarbeiten. Grässlich, abstoßend, erstickend, als geballte Ladung, ist sicher nicht hilfreich. Ein Anfang könnte sein: Ich fühle mich „überfahren, wenn Du unentwegt redest“
Es gilt dies immerwieder zu wiederholen. Am nächsten Tag: Ich möchte Dir nochmal ganz ausdrücklich sagen, dass ich mich überfahren fühle… Sie sollte merken wie wichtig Dir das ist, wie schlecht es Dir geht, nur dann hat sie eine Chance etwas zu ändern.
Also von Dir ist Ausdauer gefragt, auf der anderen Seite verschaffst Du Dir auf diesem Wege Erleichterung, indem Du Ihr Dein ehrliches Gefühl mitteilst.

Ja- und zum schlechten Gewissen: Du bist nicht dafür verantwortlich, ob andere Menschen allein sind, sich allein fühlen, oder wie auch immer. Du hast das Recht, das zu tun wo- nach Dir ist.
Du hast das Recht, Dich nicht vereinnahmen zu lassen- und fertig

Die persönliche Grenze solltest Du Dir selbst setzen, wenn es zuviel wird, solltest Du OHNE Rücksicht auf Andere konsequent für Deine Rechte eintreten. Allein zum Selbstschutz. Ich bin mir ja schließlich am Nächsten. Niemand kann wichtiger sein als ich- bei aller Bescheidenheit-

Liebe Grüße

Frank

Hallo!

Wie wäre es, wenn Du sie einmal beiseite nimmst und ihr Deinen
Eindruck schilderst? Jedenfalls hat sie dann die Chance, ihr
Verhalten zu ändern.

Ja…das wäre sicherlich fair!
Nur…ich brauche ein wenig Abstand von ihr…damit ich mir klar darüber werden kann, was ich mache, denn ich … mag es nicht von mesnchen so überfahren und bedrängt zu werden!
Und gewiss ist, dass sie mich von meinen anderen Freunden abhält! Und das will ich nicht!
Ich werde mal mit ihr reden, wenn ich ein wenig mehr Courage aufgebaut habe!

PS: Die Asperger-Störung ist eine recht seltene (zwischen 10
und 26 Fälle pro 10.000 Geburten) und schwere
Entwicklungsstörung, die in ca. 90% der Fälle Jungen betrifft.
Ich schätze deshalb die Wahrscheinlichkeit der Hypothese, daß
das Verhaltensmuster Deiner Kommilitonin für diese Störung
spricht, als gering ein.

Ja…das denke ich auch;O)

Hallo!

die Frau scheint aus der autistischen Ecke (Asperger) zu
kommen. Das sind hochintelligente, aber kontaktscheue und
ängstliche Menschen, die aber eigentlich ganz friedlich sind.

Autistisch nein!
kontaktscheu…jein…
Mag auch sein, dass sie friedlich ist…

Unvorhergesehene Emotionen und ungeplante Ereignisse machen
ihnen Angst Sie haben oft spezifische Interessen, wo sie sich
aber super auskennen. Wenn man mit ihnen befreundet ist, sind
sie einem treue Freunde. Vor denen braucht man keine Angst zu
haben. Nimm sie einfach so wie sie ist, lass sie bei euren
Gesprächen in der Gruppe dabeisitzen, sie sind oft froh, wenn
sie wenigsten dabei akzeptiert werden.

Das ist ja das Problem!
Sie sitzt ja nicht einfach nur dabei…sie macht die Atmosphäre kaputt, weil sie dauernd nur redet und sehr anstrengend ist!
Es nervt einfach, und dazu hält sie mich ncoh von den anderen ab, mit denen ich lieber zusammen bin, als mit ihr!
Aspergersyndrom, hat sich bestimmt nicht!!
Dazu ist sie einfach zu…offensiv!

Es mag sein, dass sie eine treue Freundin ist, aber es ist ihr Typ, ihr Charakter, mit dem ich nicht klarkomme und den ich auch nciht mag…der mich abstößt!
Ich habe jedes Mal Kopfschmerzen, wenn ich mich mit ihr „unterhalten“ habe!
Zum Glück ist morgen Prüfung und dann werde ich sie erstmal nicht mehr sehen!
Mal schauen, was ich aus der Situation mache!

Vielen Dank für deine Antwort

Gruß
Berlind

Hallo Berlind,

ab und zu treffe ich auch auf solche Menschen, meist auch aus den von dir geschilderten Gründen (die Armen … Einsamen … mal ein freundliches Wort …) Schon war es ein Wort zu viel.
Nach wenigen Minuten fühlt man sich geistig paralysiert, ein schechtes Gefühl stellt sich ein und man wünscht sich 1000 Meilen weit weg.
Meine Erfahrungen waren bislang die, dass je mehr „Raum“ solchen Personen gegeben wird, desto mehr vereinahmen sie und desto fordernder wird ihre Präsens. Lässt du sie gewähren, spürt du förmlich, wie dein Energielevel ständig sinkt. Schon der Gedanke, diese Person könnte auftauchen zieht dich runter. Ihre Gegenwart lähmt dich.

Auf eindeutige Signale (Körpersprache ist universell) wird nicht oder mit noch mehr Zudringlichkeit reagiert. Häufig kommt sogar noch der Versuch dazu, ein schechtes Gewissen zu schaffen (du rufst mich ja nie an, ich hab schon soo oft … immer bist du so in Eile und ich habe doch soo wenig Leute mit denen ich reden kann …)

Frank hat sehr einfühlsam die „andere Seite“ geschildert, aber ich möchte einschänkend sagen, das das nur dort machbar ist, wo du selbst auch spürt, dass die Chemie stimmt und du mit dieser Person zusammen sein möchtest und nur ihre ständige Quasselei der Grund ist, wieso sie so nervt.
Menschen mit psychischen Problemen kommen meist auch ganz anders rüber. Das kann zwar auch anstrengend sein, aber es ist nicht so ein „bedrohliches“ Gefühl. Und es hilft beiden, wenn etwas klargestellt wir, so dass sich der Kontakt dann oft verbessert.
Bei denen, die ich meine hilft nur ABSTAND, denn der Wunsch zur Einsicht ist nicht gegeben. Vielleicht ist deren Problem auch eine psychische Erkrankung, ich bin kein Experte, aber bei mir kommt als Essenz nur (krankhaftes?) „Haben-Wollen“ an, dem ich mich nicht stellen möchte.

Bei jemanden der mir echt an die Substanz geht - und manche Menschen sind sehr wohl dazu in der Lage - reagiere ich inzwischen mit ganz deutlichen Aussagen wie: ich möchte keinen Kontakt zu dir und ich möchte mich auch nicht rechtfertigen müssen, warum das so ist.
Nur das hilft.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, tut sie dir auch nicht wirklich leid. Du verhältst dich lediglich so, wie es dir deine Vorstellung vom Schutz der „Schwachen“ gebietet.
Doch diese Leute sind nicht schwach.
In ihrem Verhalten und der Brutalität, mit denen sie jedes deiner Signale ignorieren liegt mehr Stärke und Energie als in deinen Versuchen dich zu schützen.

LG
Heidi

hallo Heidi!

Ich danke dir sehr für deinen Artikel, denn er hat genau das beinhaltet, was ich als Antwort gebraucht habe!
Ich denke auch, dass ich mehr an mich denken sollte…denn mit solchen Menschen ist es sehr schwer umzugehen, wenn man nicht rechtzeitig STOp sagen kann!
Und ich gehöre leider zu dieser Art von Menschen, die das nicht sofort können!

Ich denke, dass ich mich nicht bei ihr melden werde…auch wenn es gemein klingen mag!
Aber ich werde sie jetzt auf Abstand halten!

Vielen Dank!
Einen schönen Tag!
Berlind

Hallo Berlind,

danke für dein Feedback. Ich möchte nur noch ergänzend sagen:
es ist nicht „gemein“ sich zu wehren und wie auch Frank schon geschrieben hat: die Verantwortung für das Wohlergehen dieser Frau liegt nicht in deinen Handen.

Ich denke, dass ich mich nicht bei ihr melden werde…auch

Aber ich werde sie jetzt auf Abstand halten!

nochmal: werde deutlich - verbal und unmissverständlich. Auch wenns dir schwer fällt. Die „Befreiung“ ist diese (kleine! - du wirst sehen) Anstrengung wert.

Und selbst wenn ich mit meiner Einschätzung dieser Frau krass wäre und ihr unrecht täte: Eine deutliche Ansage würde auch dann für dich von Nöten sein, nicht zuletzt aus Fairness, um nicht Gefühle zu heucheln, wo keine sind.

Alles Gute für dich!
Heidi