Schließmuskel

Hallo Forum,

ich habe in der Schule gelernt (und weiter gehen meine Medizin-/Bio-Kenntnisse auch nicht, also bitte nicht über meine Frage lachen), daß sich Muskeln „erholen“ müssen, also nicht ständig kontraktiert sein können. Wie ist das aber mit den Schließmuskeln? Die sind doch fast immer kontraktiert, oder (wäre sonst auch schlimm)? Und warum gibt es überhaupt einen Schließmuskel, wäre eine elastische Sehne, gegen die die Peristaltk arbeitet nicht einfacher (OK, die Natur nimmt keine Verbesserungsvorschläge an, war nur so ne Idee von mir)?

gruß - hans
***

Hallo Hans,

es gibt unterschiedliche Typen von Muskeln. Im Wesentlichen unterscheidet man derer zwei: Quergestreifte und glatte Muskulatur (machmal auch noch die Herzmuskulatur als Sonderfall der quergestreiften). Die quergestreifte (heißt so, weil sie unter dem Mikroskop wirklich quergestreift aussieht; Bild hier: http://www.biomultimedia.net/archiv/muscle.htm) ist die „normale“ Skelettmuskulatur, also das, was man sich so gemeinhin erstmal unter einem Muskel vorstellt. Diese Muskulatur kann sich nur kurz kontrahieren und muß sich dann wieder erholen. Nicht so aber die glatte Muskulatur: Sie kommt vor in der Auskleidung von Blutgefäßen, Lymphbahnen, Darm, in der Iris, an Haarfollikeln (stellen die Haare auf beim Haaresträuben), die Gebärmutter, usw usw und eben auch bei den Schleißmuskeln handelt es sich um solche glatten Muskeln. Glatte Muskeln kontrahieren nur langsam. Die Kontraktion ist idR keiner Willkürlichen Kontrolle unterzogen. Die Kontraktion selbst braucht Energie, nicht aber die Auflösung der Kontraktion. Die kontrahierten Fasern arrettieren also und können bei Bedarf wieder gelockert werden. Daher kommen glatte Muskelzellen überall dort vor, wo nur langsame aber dauerhafte Kontraktionen gebraucht werden.

Wie genau glatte Muskulatur funktioniert, ist hier gut beschrieben:

http://www.ursa.kcom.edu/Department/LectureNotes/Spr…

allerdings führt das hier wohl viel zu sehr ins Detail. Ums kurz zu machen: Der Schlüssel für die Kontraktion ist Calcium. Nach der Erregung (durch Nerven oder Hormone) wird Calcium aus Speichern freigesetzt und aktiviert über ein paar Zwischenstufen die Filamente, die dann unter Energieverbrauch aneinander vorbeigleiten, etwa so wie einer, der sich an einem Seil nach oben zieht. Wichtig ist hier, daß der Energieträger verbraucht wird, um die Verbindung zwischen den Filamenten zu lösen (in dem Beispiel: der Seilkletterer verbraucht die Energie, um mit einer Hand das Seil loszulassen. Das Anfassen und Hochziehen verbraucht keine [neue] Energie). Nach einer Weile werden die Filamente wieder deaktiviert, der Kletterer kann also das Seil nicht mehr loslassen - er hängt fest. Und er kann keine Energie mehr verbrauchen. Erst, wenn kein Calcium mehr da ist (was aktiv wieder in die Sammelbehälter gepackt werden muß), lockert sich auch die Verbindung zwischen den Filamenten und der Mukel entspannt sich.

Und warum gibt es überhaupt
einen Schließmuskel, wäre eine elastische Sehne, gegen die die
Peristaltk arbeitet nicht einfacher (OK, die Natur nimmt keine
Verbesserungsvorschläge an, war nur so ne Idee von mir)?

Gute Frage! Der Zufall hat sich wohl dereinst mal für einen Muskel entschieden. Wahrscheinlich kann aber eine Sehne nicht so gut schließen wie ein glatter Muskel. Die erreichbaren Kräfte sind beträchtlich! Macht man die Sehnen so dicht, dann braucht man eine gewaltige Darmmuskulatur, um effektiv Scheiß machen zu können.

Grüße,
Jochen

Danke für die fundierte Antwort (o.w.T.)
0

Hallo,
habe eine Ergänzung zum Thema:
„den Schließmuskel“ gibt es so ja nicht, denn es sind mehrere und es sind eben nicht alle (die meisten aber schon)unwillkürlich- also zur glatten Muskulatur gehörig, wäre ja auch schlimm, denn sonst könnte man sie bei Inkontinenz-Problemen ja nicht trainieren…
ergänzender Gruß
larah

1 „Gefällt mir“