Schlimmes Wutschreien 2½ jähriger

Hallo,

meine Schwester hat zwei Mädchen, die jetzt ca. 2½ Jahre jung sind.
Eine davon schreit aus Wut manchmal so, dass man wirklich zweifellos denkt sie würde abgestochen (sorry, aber es gibt keinen besseren Vergleich). Mal etwas kürzer, dann mal länger oder mal ne Minute lang. Ist der Vater da (Schichtarbeit), macht sie das nicht, nur bei meiner Schwester. Gestern waren wir in einem Einkaufsmarkt im Nordsee-Restaurant und weil sie das große Glas nicht alleine halten durfte, hat sie geschrien - es war unglaublich. Was sollten wir tun, außer das Restaurant zu verlassen, wir waren eh schon fertig mit essen.
Zu Hause wollte meine Schwester dann nochmal mit den beiden in den Garten und weil die Kleine nicht rein in den Garten wollte, hat sie fast eine ganze Minute lang fürchterlich gebrüllt durch das Wohngebiet, da fragt man sich, wo so ein kleines Menschenkind so eine Stimme her nimmt :smile:
Meine Schwester hat leider nicht die Zeit, hier selbst zu schreiben, daher tue ich das für sie. Sie weiß nicht mehr, wie sie sich verhalten soll. Ignorieren ist wahrscheinlich die beste Lösung, aber 80% der Bevölkerung wird dafür, z.B. in einem Restaurant, kein Verständnis haben (was wir ja gestern schon gespürt haben, wenngleich es fast leer war). Die beiden Damen vom Tresen haben gesagt es wäre ja unglaublich usw.
Könnt ihr Tipps geben?

Ich möchte hier noch betonen, dass diese Frage mit mir rein garnichts zu tun hat. Mich stört es nicht (ich bin nicht so oft dort) und ich hab auch ein Kind, was mal klein war. ICH habe damit also kein Problem, ich schreibe - wie erwähnt - im Auftrag meiner Schwester.

Vielen Dank für eure Antworten.
Katrin

Hallo Katrin,

ich möchte jetzt nicht hier mit psychologie kommen, Aufmerksamkeitsdefizit etc. Gründe kann es genug geben. Aber oft ist es einfach die sogenannte „Trotzphase“ die bei Kindern in diesem Alter anfängt. Mal mehr oder weniger. Wenn ich sage, es geht vorbei, ist das bestimmt ein schwacher Trost. Mal praktisch gedacht: Wir halten es oft in solchen Situationen so, daß versucht wird nicht aggressiv zu reagieren, obwohl man ab einem gewissen Punkt natürlich das Gefühl hat sein Kind …

Ruhig bleiben und versuchen innerlich die Sache cool zu sehen. Kinder spüren das es einen aufregt und dann machen sie instinktiv weiter. Es kommt denke ich darauf an wirklich cool zu bleiben und nicht nur so zu tun, obwohl man innerlich kocht, das merken sie dann.

Im konkreten Beispiel, welches du geschildert hast, könnte man mit etwas locken. z.B. das Geschwisterkind fragen, ob es etwas bestimmtes in den Garten mitnehmen will, womit beide gern spielen. Falls Sandkasten, Schaukel oder andere Spielgeräte im Garten sind fragen ob die Kinder gerne mitspielen möchten. Wenn das Geschwisterkind positiv reagiert, dann ist meist schon alles gewonnen. Nach einiger zeit kommt dann meist auch das andere, wenn es sieht wie Mama/Papa und Geschwister schön spielen. Wenn nicht: lieb öfters auffordern mitzuspielen aber nicht drängen…

Wichtig denk ich, das sich in solchen Momenten Eltern ganz den Kindern widmen und die Dinge, die sie noch zu erledigen haben versuchen für den Moment beiseite zu schieben. Wenn die Situation sich beruhigt hat und die Kinder dann eigendynamisch spielen, kann man sich wieder zurückziehen.

Natürlich gibt es auch Momente wo gar nichts mehr hilft, dann sind es evtl. auch einfache Gründe, die Eltern bzw. manchmal auch das Kind selber gar nicht bewusst bemerken. Übermüdung, zu wenig Aufmerksamkeit, Hunger, Stress bzw. Überforderung (z.B. bei langen Einkaufstouren, Hitze, Besuch, usw.

Oft ist es vor allem bei älteren Kindern, das solche Reaktionen aus Eifersucht oder Zurücksetzungs- Gefühlen herrühren, die zum Ausdruck kommen.

Ein Vorschlag wäre, das Kind über einen längeren Zeitraum mal intensiver zu beobachten und auch mal bei sich selbst zu schauen, ob es Gründe gibt.

Allgemein denke ich, das wirkliche Sorgen man sich erst dann machen muss, wenn das Schreien über Stunden geht und auch sehr gehäuft auftritt. Auch andere Symptome wie gesteigerte Aggressivität, Neurodermitische-Symptome etc. kommen dann oft hinzu.

Noch ein Tip: Hausärzte bei solchen Dingen meiden! 1. haben sie nicht die Zeit und meist auch nicht das Wissen für solche Probleme. 2. Ärzte verschreiben gern Psychopharmaka ohne Bedenken auch an Kleinkinder… Der Haken dabei ist das deutsche Therapeutengesetz, das man nur über Ärzte und studierten Psychologen an eine von der Krankenkasse bezahlte Therapie kommt.
Wenn man absolut nicht mehr zurecht kommt gibt es gute Familienberatungsstellen, die kostenlos sind (kirchlich oder staatliche Träger kostenlos über Krankenkasse abrechenbar).

Nunja ich denke so schlimm wird es nicht sein und wünsche deiner Schwester und ihrem Mann starke Nerven, sowie allen anderen Eltern auch :smile:)

Gruss

PS
Ablenken klappt in dem Alter noch *gg*

Hallo,

ich fürchte, da müsst ihr durch, denn mir scheint das Schreiverhalten im Rahmen der Individualität eher normal zu sein. Wir haben zwei Kinder, die älter als 2 sind, und die waren hier sehr unterschiedlich (und sind es noch). Allerdings haben BEIDE so eine Phase durchgemacht.
In dieser Zeit ist es einfach nicht ratsam, mit den Kindern ins Restaurant zu gehen.

Das Verständnis der Umwelt für dieses Verhalten ist ansonsten auch zweigeteilt. Abgesehen von einem Restaurantbesuch, wo man die Menschen schon verstehen kann, denke ich, dass ihr einfach um Verständnis werben müsst (bei Nachbarn etc., und auch nur auf Nachfrage oder merkwürdige vorwurfsvolle Blicke usw.). Das Problem ist, dass sich die meisten Erwachsenen daran gewöhnt haben, dass man Kinder nicht als eigene Persönlichkeiten behandelt (obwohl sie es ganz selbstverständlich sind, wenn man einmal richtig darüber nachdenkt). Zu dieser Persönlichkeit gehört eine eigene individuelle Entwicklung, die beim einen Kind mehr, beim anderen Kind weniger schwierig ist.

Ignorieren ist wahrscheinlich die
beste Lösung, aber 80% der Bevölkerung wird dafür, z.B. in
einem Restaurant, kein Verständnis haben (was wir ja gestern
schon gespürt haben, wenngleich es fast leer war). Die beiden
Damen vom Tresen haben gesagt es wäre ja unglaublich usw.

Ignorieren ist richtig, wenn keine Komunikation möglich ist. Restaurants würde ich - wie gesagt - in dieser Zeit meiden (Achtung: das kann später durchaus nochmal auftauchen). Was so ein Verhalten in der Öffentlichkeit angeht, so würde ich mir an deiner Stelle klar machen, dass das Problem nicht beim Kind, sondern bei den 80 Prozent zu suchen ist. Dieser Teil der Bevölkerung hält sich für erwachsen, schlau und gut erzogen. Das Gegenteil ist der Fall.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Daydream,

günstigerweise ist man zu zweit. Einer nimmt das schreiende Kind wie eine Teppichrolle unter den Arm, legt es außerhalb des Restaurants etc. auf den Boden, und geht mit ihm sofort, nachdem es sich beruhigt hat, wieder zu Mama und Schwester, und alles ist wieder gut.
Das Kind darf durch dieses Verhalten keinerlei Vorteil bekommen, auch nicht den, daß sich die Mama aufregt.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

Noh zwei Hinweise
Hallo daydream,

man sollte noch darauf achten, daß das andere, bravere Kind keine Vorteile aus dem Geschrei erhält, außer halt dem, daß es nicht hinausgetragen wird.

Es ist gut, wenn das Geschrei oder Getrotze einen undramatischen Namen bekommt, also nicht „schlimmes Wutgeschrei“, sondern besser „sie überschreit sich gerade, macht nichts, ich bring sie mal kurz hinaus“.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

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Hi,

Was so
ein Verhalten in der Öffentlichkeit angeht, so würde ich mir
an deiner Stelle klar machen, dass das Problem nicht beim
Kind, sondern bei den 80 Prozent zu suchen ist. Dieser Teil
der Bevölkerung hält sich für erwachsen, schlau und gut
erzogen. Das Gegenteil ist der Fall.

Das sehe ich ein wenig anders.

Kurz: Ich will in Ruhe essen Kind schreit => Kind = ätzend.
Wer hat das Kind da hingebracht? Die Eltern => Eltern = ätzend.
Aber: Es ist ihr gutes Recht, mit ihrem schreienden Kind in ein Restaurant zu gehen. Also kann ich da nichts gegen das Geschrei tun und muß das wohl oder übel hinnehmen (oder gehen).
Die Eltern dann anzumoppern, bringt tatsächlich nichts, außer noch mehr Geschrei.

Gruß,

Malte.

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Hallo Malte,

ich bin etwas verwirrt, denn ich würde alles von dir Geschriebene unterschreiben können, weshalb ich denke, dass es ein Missverständnis ist, was du mir unterstellst. Wer es ertragen kann, von den 80 Prozent schief angesehen zu werden, soll doch ruhig mit Kindern ins Restaurant gehen. Wer allerdings Legitimationsprobleme hat, weil man ja z. B. eine Straßenbahn benutzen muss , nicht aber unbedingt ein Restaurant, dem empfehle ich den Verzicht für diese Periode. Ich wollte keineswegs die Eltern diskriminieren, mir ist es ein Rätsel, wie du darauf kommst, dass ich das sagen wollte …

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Thomas,

Ich wollte keineswegs die Eltern diskriminieren, mir ist es
ein Rätsel, wie du darauf kommst, dass ich das sagen wollte

das wollte ich damit auch nicht ausgedrückt haben :smile: Mißverständnis im Mißverständnis sozusagen :wink: (ob wir da wieder rauskommen?)

Ich wollte bloß ein wenig Partei für die 80% ergreifen. Du hast ja geschrieben, daß die, die sich als Außenstehende über schreiende Kinder aufregen, Idioten sind (so grob sinngemäß) - das wollte ich etwas relativieren, im Sinne von „Ich find’s auch idiotisch, Eltern anzupampen, wenn deren Kind schreit, aber ich kann’s verstehen, wenn andere von schreienden Kindern maximal genervt sind.“

Gruß,

Malte.

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