Hallo Simsy Mone,
Dann hätte ich noch eine Frage, die nichts damit zu tun hat:
Mein Sohn hat nach dem fast einwöchigen Aufenthalt in einem
Skatecamp Knieschmerzen. Während dieses Camps hat er nichts
bemerkt, sondern erst danach.
Das ist von meiner Seite ein wenig Stochern im Heuhaufen, da ich nicht weiß, was ein „Skatecamp“ ist. Ich stelle mir folgendes darunter vor: Eine Art Zeltlager, bei dem man den ganzen Tag draußen in der freien Natur ist und bei dem man unter anderem lernt, wie man mit Roller-Skates rumfährt.
Korrigiere mich bitte, wenn das falsch ist.
Somit ergibt sich für mich folgendes Bild: Viel Natur, auch Wiese und Wald, einige Stunden am Tag mit Rollerskates auf Beton oder Teer.
Mein Verdacht bezieht sich just auf die Zeit, die NICHT auf Beton/Teer verbracht wird, sondern in der sonstigen Natur. Und da ist dann bei unerklärlichen (nicht hingefallen, nicht gestoßen, nicht verdreht u.ä.) Kniebeschwerden dann natürlich sofort an Zecken zu denken: diese kleinen schwarzen Monster übertragen etliche verschiedene Krankheiten. Die gefährlichste ist die FSME (gegen die man aber im Vorfeld gut verträglich impfen kann). Die häufigste Krankheit, welche von Zecken übertragen wird, ist die Borreliose. Diese Bezeichnung ist eigentlich eine Sammelbezeichnung für verschiedene Krankheiten, welche durch unterschiedliche Erreger durch den Zeckenstich übertragen werden, die sich aber allesamt mit recht ähnlichen Symptomen (leider) sehr langsam und schleichend erst im Laufe der Zeit bemerkbar machen. Da es recht unspezifische Symptome sind („das kann alles oder nichts sein“), ist sie recht schwer zu diagnostizieren, sofern keine sogenannte „Wanderröte“ (= roter Fleck, der mehr oder minder rundlich meist um die Zeckenstichstelle erscheinen kann - aber leider nicht muss! ca. 50% aller Borre-Patienten hatten nie eine Wanderröte!). Mittlerweile weiß man aber auch, dass die Wanderröte - sofern vorhanden - nicht an der Zeckenstichstelle erscheinen braucht, sondern irgendwo am Körper erscheinen kann. Es ist in der Fachliteratur schon beschrieben worden, dass man manchmal nach dem Verschwinden des Flecks (geht nach ein paar Tagen von alleine wieder weg), diesen wieder sichtbar machen kann (angeblich!) indem man ein heißes Vollbad nimmt. Dieser beschriebene Fall kann natürlich ein Einzelfall und somit Zufall gewesen sein. Auch tut man sich schwer, z.B. auf dem Kopf unter den Haaren einen entsprechenden Fleck zu finden.
Da fällt mir noch was ein: Die Symptome einer Borreliose müssen nicht unmittelbar nach dem Zeckenstich erscheinen, sondern können sich manchmal erst Monate oder gar Jahre später zeigen. Somit die allgemeine Frage: hatte Dein Sohn im Verlauf der letzten Jahre mal eine Zecke?
D.h. Wenn er jetzt Sprünge macht, so tut es ihm in den Knien
weh, wenn er sich warmgelaufen hat, dann verschwindet der
Schmerz allerdings. -
dieser nicht-ständige Schmerz ist typisch für Borreliose, so es denn eine ist. Aber dies aus der Entfernung zu beurteilen fällt schwer.
Fällt Dir denn an Deinem Sohn sonst noch was auf? z.B. verstärkte Müdigkeit, Unkonzentriertheit, Hör-/Sehstörungen, unerklärliche blaue Flecke oder Streifen als hätte er sich gekratzt (aber ohne Schorf, nur Farbveränderungen), geschwollene Lymphknoten, vermehrtes Schwitzen/Frieren, Schlafprobleme (Ein-/Durchschlafen), etc. Halt irgend was, was er davor nicht gehabt hat. Du musst wissen, die Borre kann sich in ca. 130 verschiedenen Symptomen äußern, u.a. die oben genannten.
- Wissen die Orthopäden
immer, was man hat,
gerade Orthopäden haben unter Borreliose-Chronikern einen extrem schlechten Ruf.
Überhaupt, diese Krankheit ist bisher sehr wenig erforscht und die allerwenigsten Ärzte kennen sich damit wirklich aus. Und das, obwohl man deutschlandweit von ca. 2,5 Mio.Menschen ausgeht, die unter chronischer Borreliose leiden.
oder wäre ein Physiotherapeut besser?
Dieser - wenn es dann wirklich diese Infektionskrankheit sein sollte, wovon ich aufgrund Deiner viel zu kurzen Ausführungen bei weitem noch NICHT überzeugt bin (es ist aber eine Möglichkeit!) - kann bei einer bakteriellen Infektion auch nichts ausrichten.
Die Grundübel an der Krankheit sind, dass
-sie sehr schleichend und unauffällig daher kommt mit Symptomen, die alles Mögliche bedeuten können
-sie über bisher zur Verfügung stehende Testverfahren (Bluttests) nur sehr unsicher feststellbar ist (Fehlerquote mancher Bluttestverfahren über 65%!
-sie in den Köpfen der allermeisten Ärzte noch nicht als schlimme Krankheit angekommen ist und es somit nur deutschlandweit eine Handvoll Ärzte gibt, die das (wenige) Fachwissen über diese Krankheit auch kennen und anwenden können und wollen.
Wenn man einen aufgeschlossenen Hausarzt hat, der bei entsprechender Diagnose aufgrund der Symptome (es müssen mehrere zusammenkommen! Ein Symptom alleine reicht nicht!!!) auch mal bereit ist länger als nur 3 Wochen Antibiotika zu geben, der sich über Internet (z.B. den Deutschen Borreliose Bund und dessen Borreliose-Forum) informiert, der vielleicht auch eine Therapieempfehlung von entsprechenden Fachkollegen von zwei oder drei Medikamenten gleichzeitig umzusetzen bereit ist, dann ist man beim Hausarzt am besten aufgehoben, da dieser noch am ehesten das ganze Spektrum der Krankheiten kennt, im Gegensatz zu den meisten Internisten, Rheumatologen, Orthopäden etc., die ausschließlich über ihren Fachbereich Bescheid wissen.
Damit genug für heute.
Nochmal die Aufforderung: Beobachte Deinen Sohn, er selbst soll sich auch beobachten, ob dieses oder jenes oder drittes oder viertes etc. in letzter Zeit aufeinmal so ganz anders ist als vorher/früher. Egal was, was irgendwie mit seinem Körper zusammen hängt. Ein Skater-camp halte ich für einen 10 bis 15 Jährigen für am wahrscheinlichsten. Daher bitte NICHTS auf die (mögliche) Pubertät schieben, sondern alles mal aufnotieren! Mit Datum/Uhrzeit von bis, Heftigkeit (Schulnoten), und natürlich wo und was (genauestmögliche Beschreibung).
Nur so kann man Glück haben, der wahren Ursache auf die Spur zu kommen.
Schnelle Besserung für Deinen Sohn und auf dass mein Verdacht der Borre falsch sein möge!
wünscht
Alexander, dessen Frau schon seit 2.5 Jahre an chronischer Borreliose leidet