Hallo reality-vision,
es fällt schwer, auf Deinen text einzugehen, da Du nicht bekannt gegeben hast, an wen dieser sich wenden soll, in welchem Zusammenhang er steht oder was Du damit erreichen willst.
Dennoch habe ich mir einmal einige Passagen kopiert und mir näher angeschaut:
Die Straße von Bonifacio. Dort fuhren sie gerade lang und Magda sah
auf die Klippen und bewunderte sie.
„Sie ist echt wunderschön. Wirklich, Ido. Wunderschön.“
Inhaltlich: Mir als erdkundlich Nicht-Bewandertem hat sich erst viel später erschlossen, dass das eine Wasserstraße ist und die Prots mit einem Schiff unterwegs sind.
Ach ja, und wenn man dann ein wenig recherchiert, erfährt man, dass die Durchfahrt durch diese Straße für den Seeverkehr seit 1993 gesperrt ist. Spielt die Story deshalb 2009, damit man die Passage wieder freigeben kann?
Form: Aus meiner subjektiven Sicht viel zu umständlich. Es holpert an allen Ecken und Enden.
Alternativbsp. (nur anders, nicht unbedingt besser):
„Sie befuhren gerade die Straße von Bonifacio und Magda bewunderte die Klippen.“
Dann: Raus mit den Füllwörtern: „echt“, „wirklich“ (gilt auch für alle weiteren Passagen).
„Nicht so schön wie du. Du strahlst mehr Freude aus, als die Sonne an
den Bergen glänzen könnte.
Wie ein glücklicher lupenreiner Diamant, der in der Sonne funkelt.“
Magda drehte sich um und lächelte ihn an.
„Freude ausstrahlen“ und „Sonne an den Bergen glänzen“ passen nicht als Vergleich zueinander. Neu suchen - und wenn´s geht nicht sooooo theatralisch-abgehoben.
Dann: Diamanten sind nicht glücklich. Raus damit. Genauso „lupenrein“. Wieder so ein unnötiges Füllwort.
Ausserdem ein (kleiner) Logikfehler: Wenn er den Arm um sie legt, hat der Leser den Eindruck, sie stehen nebeneinander. Wenn sie sich dann aber umdreht, wirkt das plötzlich, als stehe er hinter ihr.
Magda lächelte erwartungsvoll und Ido wollte sie trotz seiner
dichterischen Unbegabung nicht enttäuschen. Er machte es anders.
70er Jahre, Dalli-Dalli, Mady Riehl: „Lächeln hatten wir doppelt, da müssen wir eins abziehen.“
„…trotz seiner dichterischen Unbegabung…“: sorry, aber da musst Du nochmal ran. Oder lass das doch komplett weg (der Text braucht diese Aussage gar nicht).
„Er machte es anders.“ Umgangssprachlich. Müsste man neu formulieren.
„Magda, du bist nicht in ein Gedicht zu bekommen. Deine Seele ist
reiner als der schönste Diamant und deine
Freude spühren die Wellen, die sie durch den Wind zugeflüstert
bekommen. Neben dir spür’ ich keine Kälte,
denn die Sonne strahlt ihre Wärme nur für dich. Weil du so lächelst.“
Erster Satz ist wieder Umgangssprache und holpert furchtbar.
Dann ist jetzt auf einmal die Seele „reiner als der schönste Diamant“. Eben strahlte sie noch vor Freude wie ein lupenreiner Diamant. Das Bild wiederholt sich also, führt aber aufgrund der Abweichung nur zu Verwirrung beim Leser.
Ah ja, und ihre Freude (die eben ja noch strahlte), die wird jetzt von den Wellen gespürt (die genaue Formulierung oben ist übrigens vom Satzbau her falsch). Ich habe mich gefragt, wie die Wellen das machen, das Spüren? Vielleicht hilft ja der Wind, von dem sie es „zugeflüstert bekommen.“
- holpert die Formulierung furchtbar (wenn schon, wie wäre es einfach mit: „… die ihnen der Wind zuflüstert.“), 2. „bekommen“ haben wir als unschöne Wiederholung und „flüstern“ kann man Worte, Sätze, Gedichte, Geschichten, etc., aber nicht Freude.
Sie sah ihn mit Tränen in den Augen an und zitterte. Es war doch kalt.
Zittert sie tatsächlich, weil es kalt ist? Im Mittelmeer? Und wo sie doch gerade anderes im Kopf haben sollte, als ein wenig wetter-empfindlich zu sein.
Oder zittert sie aufgrund ihrer Gefühle. Dann: Weg mit dem „Es war doch kalt.“
„Lass uns reingehen, Schatz. Genießen wir den Morgen am Fenster mit
einem Frühstück und der hereinfallenden Sonne,
die an deiner Freude vor Neid verblassen wird.“
Also, wenn ich schon mal auf etwas hereinfalle, kann ich auch blass werden. Aber das ist - glaube ich - nicht das, was Du sagen wolltest, oder.
Übrigens, fällt Dir auf, dass Du nun zum dritten Mal Magdas Freude bemühst, um irgendwelche Bilder aufzubauen, die furchtbar poetisch klingen sollen?
„Ido, du bist unglaublich. Immer die richtigen Worte zur richtigen
Zeit.“
Nicht böse sein, aber an der Stelle konnte ich nicht ander: ich musste einfach loslachen.
Magda lächelte wieder und hakte sich bei ihrem Ido unter und
gemeinsam gingen sie unter Deck, wo ein Frühstück und
Kevin wartete. Für Ido war er schon wie ein Sohn.
grammatikalische Kleinigkeit: Frühstück und Kevin sind Mehrzahl, also „warteten“ sie.
Die inhaltliche Aussage des nachfolgenden Satzes ist vollkommen unvorbereitet und steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Schiff, dem Frühstück oder dem Morgen. So passt das nicht.
An dieser Stelle möchte ich mit der Einzelkritik schließen, weil das ansonsten zu weit führen würde. Ich wollte Dir auch nur Ansatzpunkte aufzeigen, an denen du noch arbeiten könntest.
Der gesamte Text kommt einerseits furchtbar schwülstig daher (immer dann, wenn es um Gefühle und Zustände, Zukunft und Vergangenheit geht) und gleitet andererseits immer wieder in eine Umgangssprache ab, die hierzu in krassem Widerspruch steht.
Vielleicht ein Tipp: Schreib Deinen Text. Dann lass ihn 8 Tage liegen und lies ihn Dir dann selber laut vor. Häufig merkt man dann selber schon etliche Stellen, an denen es noch knirscht.
Oder schliess Dich einer Schreibgruppe an, in der man sich gegenseitig mit seinen Texten hilft.
Und sei bereit, mit Deinem Text zu kämpfen! Manchmal hängt man wieder und wieder an einer bestimmten Formulierung fest. Dann ist es schon einmal zum Verzweifeln. Das darf aber nicht als Legitimation dafür herhalten, billig die zweit- oder drittbeste Formulierung zu akzeptieren. Wie sagte mal ein Autor: „Use the best, f*** the rest.“
Gutes Gelingen!!
Viele Grüße
Camelot