Schmerzmittel:Zäpfchen/Salben besser als Tablette?

Hallo,

von verschiedenen Ärzten (!) und Apothekern auch, höre ich immer wieder verschiedene Stellungnahmen, ob Zäpchen und Salben als Schmerzmittel besser für Magen verträglich sind als die geschluckte Tablette.

Meinung A :

Zäpfchen und Salben sind besser, denn sie gehen ja über die Haut bzw. Darmschleimhaut und landen nicht im Magen, daher besser verträglich.

Meinung B :

Es gehe um den Wirkstoff, der über das Blut eben AUCH im Magen ankommt (Prostaglandinsynthese!), selbst wenn das Schmerzmittel als Zäpfchen verabreicht wurde. Es ist ein Trugschluss, dass das Schmerzmittel dann besser verträglich sein, denn es gehe um den Wirkstoff und nicht um die Darreichungsform.

Aber was stimmt denn nun???

Nachtrag: Schmerzmittel - nichtster.Antirheumatika
Nachtrag:

ich rede hier von den nichtsteroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac und dergleichen.

Hallo julitemp,

Meinung A :
Meinung B :

Beides stimmt zum Teil. Die Meinung A ist jedoch schwerwiegender, denn in der Magenschleimhaut kann es zum „Trapping“ von Ionen kommen, der Wirkstoff reichert sich also in den Schleimhautzellen an und macht evtl. Probleme. Mit etwas Chemie kann das leicht erklärt werden:

In der Magenflüssigkeit herrscht ein sehr niedriger pH, deshalb liegt das „saure Nichtopioidanalgetikum“ wie z.B. ASS, Ibuprofen oder Diclofenac, überwiegend in seiner protonierten (ungeladenen) Form vor. So kann es gut durch die Zellmembran wandern und wird sehr schnell in die Schleimhautzellen aufgenommen. In den Zellen herrscht aber ein annähernd neutraler pH. Darum deprotonieren die Analgetikum-Moleküle dort überwiegend (spalten positive Wasserstoff-Ionen ab und werden dadurch selbst negativ geladen), wodurch sie nun größtenteils nur noch schlecht membrangängig sind und in der Zelle quasi gefangen bleiben. Das dauert dann eine ganze Weile, bis sich die Substanz von dort aus verteilt.

Deshalb werden einige solcher Medikamente (bes. Diclofenac und Ibuprofen) auch in Form von Filmtabletten oder Kapseln angeboten, welche erst im Zölffingerdarm/Dünndarm den Wirkstoff freisetzen, wo der Effekt dann ebenso gering ist wie bei rektaler Verabreichung. Ernsthafte Magenprobleme sind aber bei einmaligen oder kurzzeitigen Einnahmen recht selten, so dass eigentlich bloß bei auftretenden Beschwerden oder wenn jemand bekanntermaßen mit Magenproblemen reagiert, eine andere Applikationsform gewählt werden muss. Das ist also gar nicht so schlimm, wie es bisweilen geschildert wird. Bei längerer Therapie kann prophylaktisch auch ein Magenschutzmittel (Pantozol, Omeprazol etc.) mit verabreicht werden.

Fazit: Analgetika-Tabletten können potenziell (müssen aber nicht!) mehr Magenprobleme verursachen als Zäpfchen.

Deshalb ist die rektale Applikationsform aber noch lange nicht automatisch auch „besser“. Die Compliance der Patienten spielt da auch eine entscheidende Rolle, denn wer mag schon mehrfach täglich ein Torpedo hinten reinschieben, wenn er weiß, dass es auch mit ner Tablette getan ist? Eine transcutane Anwendung ist mir bei COX-Inhibitoren nicht bekannt. Das sind dann wohl eher Opioide.

LG
Huttatta

Hallo julitemp,

ich denke, viele Migränepatienten werden dir bestätigen, dass Zäpfchen tatsächlich besser verträglich und wirksamer sein können als Tabletten. Laienhaft formuliert hört bei einem Migräneanfall der Magen auf zu arbeiten. Damit verbunden ist Übelkeit, manchmal sogar Erbrechen. Daher bringt es oftmals nichts, eine Tablette zu nehmen. Man merkt dann einfach keine Wirkung. Ich bevorzuge deshalb Ibuprofen-Zäpfchen. Bei anderen (Kopf-)Schmerzarten mag es natürlich genauso gut mit einer Tablette gehen.

Viele Grüße
Ultra

Magenschutz
Hallo,

super, vielen Dank für die Erläuterung. Ich hab gerade mal 2 Tage je 2x tgl. 600er Ibuprofen als Tablette genommen und tierische Magenschmerzen bekommen - daher die Frage.

Erst seit ich Esomeprazol nehmen (Protonenpumpenhemmer) gehts dem Magen, wenn auch nur minimal, besser.

Meine Frage dazu:

Diese Protonenpumpenhemmer hemmen doch, wenn ich das richtig verstanden habe, die Bildung von Magensaft. Sie sollen Magenschutz sein - aber wenn der Magensaft unterdrückt wird, dann ist doch die Magenschleimhaut erst recht ungeschützt, oder hab ich da was falsch verstanden?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo julitemp,

eine der unerwünschten Wirkungen von COX-Inhibitoren ist die Verminderung der Schleimproduktion im Magen. Diese Schleimschicht schützt normalerweise die empfindlichen Schleimhautzellen effektiv vor der Säure des Magensafts. Dadurch dass die Protonenpumpen durch Wirkstoffe wie Pantozol, Omeprazol oder Esomeprazol etc. gehemmt werden, wird der pH des Magensafts angehoben (ist dann weniger sauer), so dass die Schleimhaut nicht mehr so stark angegriffen wird.

Bei weiteren Problemen solltest Du (besser: Dein Arzt) mal nachsehen, ob es sich bei den Tabletten auch um magensaftresistente Filmtabletten handelt. Diese sollten dann auch nicht geteilt werden (der Film wird zerstört). Außerdem hilft es oft, die Tabletten nicht auf nüchternen Magen einzunehmen, und sie sollten stets mit viel Flüssigkeit eingenommen werden (Verdünnungseffekt). Am besten legst Du Dich abends nach der Einnahme auch nicht sofort hin, sondern bleibst noch eine Weile senkrecht. Nimm das Esomeprazol auch wirklich täglich und nicht bloß nach Bedarf. Der volle Wirkungseintritt kann bei Protonenpumpenhemmern je nach Dosierung ein bis mehrere Tage dauern.

Mehr Tipps (alle ohne Gewähr!!!) kann ich Dir leider nicht geben. Das ist eigentlich Sache Deines Arzts. Wende Dich bei weiteren Fragen an ihn. Falls sich Deine Beschwerden nicht bessern, such den Arzt leiber zweimal zuviel auf als einmal zu wenig (auch wenn’s nervig ist).

LG
Huttatta

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