Schmusekater oder nicht?

Hallöchen,

ich habe mir vor ca. 2 Monaten meinen Kater „Ronny“ aus dem Tierheim geholt. Er war wohl ziemlich verwahrlost, denn selbst nach 6 Wochen Quarantäne im Tierheim und nochmal 1-2 Wochen in einer Einzelbox (da hab ich ihn dann rausgeholt) hatte er immer noch zahlreiche kahle Stellen, die aber inzwischen so gut wie weg sind und jetzt ist er der schönste :wink:. Das Tierheim konnte mir leider aber nicht sagen, was wohl mit ihm vorher war. Sie meinten nur, er sei wahrscheinlich ausgesetzt worden, er wurde auch erst im Tierheim kastriert.
Er ist auch weitgehend problemlos, nachdem er ca. 10Tage bei mir war, hat er so einen Terz gemacht, dass ich ihn rausgelassen habe. Am ersten Tag musste ich ihn noch suchen und wieder heimholen, seit dem kommt er aber immer wieder. Er steht auch morgens zum Frühstück pünktlich vor dem Fenster (wohne ebenerdig) und war neulich sogar mit mir im Wald joggen :wink:. Ich würde also insgesamt unser Verhältnis als gut beschreiben.
Nur zum Schmusen kommt er überhaupt nicht. Er kommt zwar Abends „zum Fernsehen“ und legt sich neben mich auf das Sofa (auf den Schoß kommt er auch nicht). Wenn ich dann anfange, ihn zu streicheln schnurrt er auch und scheint es zu genießen und stupst mit dem Köpfchen, er lässt sich sogar den Bauch kraulen und leckt mir hin und wieder die Hand. Nur von selbst kommt er eben nicht, außer Nachts, wenn ich vergessen hab die Schlafzimmer Tür zuzumachen habe ich manchmal ein feuchtes Schnäuzlein im Gesicht und dann legt er sich ganz nah an mich und schnurrt. Das macht er aber nur Nachts und im Bett. Auf dem Sofa berührt er mich gar nicht.

Die Katze, die ich davor hatte, war die totale Schmusekatze und er ist halt ganz anders. Katzen sind ja eigenwillig und verschieden, aber finde es etwas seltsam, dass er seine Schmuseeinheiten nicht selbst einfordert (es sei denn, ich habe schon angefangen ihn zu streicheln, dann kann er gar nicht geug bekommen).
Hat jemand eine ähnliche Katze, d.h. ist er einfach so, oder woran könnt das liegen (Vorerfahrungen?)?

Viele Grüße und Danke schonmal!

Hallo,

bei Katzen gibt es die verschiedensten Charaktere. Das kann in früheren Erfahrungen der Tiere begründet sein oder einfach in ihrer individuellen Verschiedenheit, oder in einer Kombination aus beidem.

Katzen, die in der Prägephase (vermutlich zwischen Woche 2 und 7, evtl. länger) keinen positiven Menschenkontakt haben, behalten auch bei größter Bemühung meist eine gewisse Restscheu. Selbst wenn sie später verschmust werden, kann man sie z.B. nicht gut hochheben oder sie wollen nicht auf den Schoß oder auf den Arm.

Schlechte Erfahrungen nach der Prägephase können die guten Erfahrungen vorher natürlich zeitweise oder ganz zunichte machen. Meine 3 Beispiele:

1 Katze, Handaufzucht, super verschmust, aber vollkommen respektlos Menschen gegenüber. Forderte ihre Streicheleinheiten bzw. Aufmerksamkeit gelegentlich durch Gewaltanwendung.

2 Kater, Wurfgeschwister von einer verwilderten Hauskatze, erst mit 4 Monaten eingefangen. Nach 4 Wochen das erste Leckerchen aus der Hand genommen. Nach 3 Monaten das erste mal vorsichtig anfassen lassen. Nach 1 Jahr das erste mal zu mir aufs Sofa gekommen. Nach 5 Jahren das erste Mal freiwillig auf den Schoß gekommen. Mittlerweile fordern beide ihre Streicheleinheiten, der eine aber viel subtiler als der andere, bzw. einer nur in einer bestimmten Situation.

1 Katze, vermutlich zu jung von der Mutter weg in schlechte Einzelhaltung in der Wohnung, wo sie gequält wurde. Nachdem sie 4 Wochen lang die Transportbox in unserer Anwesenheit nicht verließ, habe ich sie trotz Fauchen mal angefasst. Sofort kam sie aus der Box geschossen, rollte sich vor mir herum und wollte gestreichelt werden. Mittlerweile ist sie sehr aufdringlich.

Was ich damit sagen will:

  1. es kann sich mit der Zeit noch vieles verändern, auch nach Jahren noch
  2. die Vergangenheit kann Einfluss auf das Verhalten haben
  3. der Charakter der Katze kann Einfluss auf das Verhalten haben

Wenn die Katze Deine Nähe sucht, kannst Du sie ruhig streicheln. Vielleicht fordert sie das ja irgendwann einmal. Vielleicht erkennst Du nach einer Weile, durch welches subtile Zeichen sie dies fordert.

Gruß,

Myriam

Hallöchen chEngel,

habe vor ca. 3 Jahren einen Kater mehr unfreiwilligerweise adoptiert. Tommy sollte nur während der Erkrankung des Besitzers betreut werden, aber dieser konnte nach dem Krankenhaus nicht in seine Wohnung zurück. In der neuen Unterkunft waren Tiere nicht erlaubt.

Also saß meine Tochter mit einem unkastrierten Kater in einer Berliner Mietwohnung. Da wir nach dem Abhandenkommen unserer Katzenmutter nur noch zwei Katzendamen hatten, haben wir uns kurzerhand entschlossen, aus dem Berliner Wohnungskater einen Landkater zu machen.

Die Umsiedlung aus der Mietwohnung war schon alleine eine Aktion, da sich der Kater nicht anfassen lies. Meine Tochter hat ihn dann mit viel Geduld gefangen.

In den ersten 6 Wochen haben wir nur am Futternapf gesehen, dass er dagewesen sein muß. Jeden Abend habe ich mich zum „Klops“ gemacht und auf dem Bauch versucht, auf seiner Ebene mit ihm zu kommunizieren, um Vertrauen aufzubauen. Er muß in seiner ehemaligen Umgebung in den ersten zwei Jahren mehr Schläge als Futter bekommen haben und war mehr als schreckhaft und verstört.

Irgendwann begann er dann, das Haus samt Keller schrittweise zu erkunden und schaute irgendwann auch zur Wohnzimmertür hinein. Es verging eine längere Zeit, bis er sich zum ersten Mal beim Fressen streicheln ließ. Nachdem erkannt hatte, daß der neue Dosenöffner nur freundlich ist, kam er auch hin und wieder zum Schmusen ans Bein. Die Schmuseattacken sind besonders stark, wenn er bettelt: Am Küchenschrank beim Schneiden von Wurst oder Fleisch kriegt dieser Schleimer sich gar nicht mehr ein.

Im ersten Sommer auf dem Land haben wir dann die Tür zum Garten offen gelassen. Es war eine Freude, ihn zu beobachten: Aus dem verängstigten Stubenkater war ein kastrierter, fröhlicher, energischer Hofkater geworden, der wenn er will - alles und jedem um den Finger bzw. seine graue Pfote wickelt.

Freiwillig schmusen kommt er nur bei unserer großen Tochter oder hin und wieder bei meinem Mann. Wenn beide nicht zur Verfügung stehen, kann es passieren, dass er auch mal mit mir Vorlieb nimmt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ist auch witterungsabhängig, den derzeit hält ihn nichts und niemand im Haus. Da verhaut er am liebsten die Katzen der Nachbarn, die sich auf „seinen Hof“ verirren oder hält den Hund des Nachbarn zum Narren.

Wie bei den Menschen, so ist auch bei den Tieren jedes mit ganz eigenen Charaktereigenschaften gesegnet, die man zwar pflegen aber nicht komplett ändern kann. Mach es ganz einfach:
Sei Deinem Kater einfach ein netter Dosenöffner, genieße, wenn er freiwillig schmust, das ist das größte Kompliment und der größte Vertrauensbeweis, den Dir die Fellnase machen kann. Du wirst aber niemals aus der Fellnase einen Plüschkater machen können.

MfG M.P. (Tut mir leid, ist etwas zu lang geraten.)

Hai, Ronnys Dosenöffner,

jedes dieser Viecher hat 'ne eigene Macke…

Wir haben zwei Brüder - der eine findet nichts schöner, als auf dem Arm herumgetragen und dabei beschmust zu werden. Der dreht und wendet sich dann wüst, damit auch ja alle Stellen Schmuseeinheiten abbekommen. Der kommt auch nur auf den Schoß, um gestreichelt zu werden.
Der andere hasst es, hochgenommen zu werden. Der will auf eigenen Pfoten stehen, wenn er die Ergebenheitsbezeugungen entgegennimmt; klettert der auf einen Schoß, dann nicht, um begrabbelt zu werden, sondern um da zu schlafen. Streichelt man ihn trotzdem, klettert er völlig genervt vom Schoß und packt sich auf den nächsten.

Gruß
Sibylle

DANKE!
An euch alle für die ausführlichen Antworten, das hat mich irgendwie beruhigt.
Dass er zum totalen Schmuser wird erwarte ich auch gar nicht, ich hatte Hauptsächlich Sorge, dass ich was falsch mache (bisher hatte ich die Katzen immer von klein auf, da baut sich eben schon ein anderes Verhältnis auf.)
Aber wer weiß, was in ein paar Jahren ist, wir werden sehen :smile:

Viele Grüße an eure Katzen und ihre Dosenöffner :wink: