Hach ja, es ist ja alles so einfach. Jeden Tag findet man eine neue Gruppe, der es angeblich zu gut geht - auf jeden Fall besser als einem selbst - und wo man mal so richtig den Neidhammel spielen kann.
Dabei ist es doch gerade bei den Bundestagsabgeordneten so einfach, sich selbst die ganzen schönen Privilegien zu sichern. Mach doch einfach die Neidhammenpartei auf und lass Dich selbst nach Berlin wählen. Bei der aktuellen Stimmung gegen alles was an etablierten Leuten in unserem Land Politik macht, hast Du da sicher beste Chancen.
Ich kann Dir aber schon mal verraten, was dann passiert. Entweder Du streichst einfach nur die Privilegien ein und moserst ansonsten nur rum, dann bist Du spätestens bei der nächsten Wahl wieder draußen und Ziel anderer Neidhammel, oder Du beginnst das harte Leben eines Abgeordneten zu leben und stellst schnell fest, dass damit kaum reich werden kann, aber Gesundheit, Familie und Existenz ständig aufs Spiel setzt, weil man dummerweise locker auf eine 80 Stunden Woche kommt und mit dem Begriff Wochenende nur noch repräsentative Termine rund um die Uhr verbindet. Ich kenne Abgeordnete verschiedener Parteien und auf allen Ebenen in Deutschland und kann nur sagen, dass ich diesen Job jedenfalls nicht machen möchte. Und wer sich beschwert, dass keine besseren Leute nach Berlin kommen, der findet hier seine ganz einfache Antwort: Für bessere Leute ist der Job einfach zu unattraktiv, weil gegenüber Posten mit vergleichbarem Arbeitspensum in der Wirtschaft deutlich mehr gezahlt wird. Welcher Spitzenmanager würde wohl seinen mehrfach so gut bezahlten Job dafür aufgeben und dann mit der Ungewissheit leben müssen, in vier Jahren wieder auf der Straße zu stehen?
Und was die tollen Freibeträge angeht: Glaub mir eins, die reichen bei weitem nicht aus, um das abzudecken, was ein anständig arbeitender Abgeordneter eben gerade nicht für sich, sondern für Dinge ausgibt, die anderswo als „Arbeitsmaterialien“ gelten würden, bzw. die zur Absicherung seines ohnehin schon unsicheren Jobs notwendig sind.
Sieh es ruhig als verwerflich an, wenn ein Politiker in 50 Vereinen im Wahlkreis Mitglied ist und nicht nur seinen Beitrag zahlt, sondern auch immer die Spendierhosen anhat, wenn etwas ansteht. Fragt sich nur, von welcher Seite dies verwerflich ist. Von Seiten des Politikers, der sich so die Gunst seiner Wähler erhalten will, oder von Seiten der Wähler, die sich nur zu gerne kaufen lassen, und oft ziemlich kackfrech entsprechende „Unterstützung“ einfordern und deutlich machen, dass die kleine Spende hier und da durchaus Einfluss auf eine Wahlentscheidung haben werden? Du hast es vermutlich noch nicht erlebt, wie Vereinsvorsitzende die Kandidaten der Parteien gegeneinander ausspielen um den für sich größtmöglichen Reibach aus einem Wahlkampf ziehen zu können, ich leider schon oft.
Gleiches Spiel mit Wahlkampfpräsenten und Werbegeschenken. Würden die Leute sich bei den Wahlkampfveranstaltungen mal mehr für Inhalte als für Kulis und Kaugummi interessieren, wäre wohl kein Abgeordneter traurig, wenn er sich diese finanziell höchst belastende Materialschlacht schenken könnte. Geh mal davon aus, dass z.B. ein Bundestagswahlkampf alleine schon jeden Abgeordneten privat mit einigen zig TEUR belastet, die bei einem schlechten Listenplatz schnell mal einfach so weg sind (neben dem sicheren Einkommen für die nächsten vier Jahre, wenn man nicht gerade Beamter ist).
Nein, ich habe letztens mal wieder dankend abgelehnt, als mir ein politischer Posten angeboten wurde, und ich weiß schon warum.
Gruß vom Wiz
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