Schreckliche Betonungen

Hallo!
Mich stört die immer mehr um sich greifende Betonung von Fremdwörtern auf der ersten Silbe, gerade bei Leuten, die es aus beruflichen Gründen (z. B. Rundfunksprechern) besser wissen müssten.
Warum sagt man „fínanziell“, „súbstanziell“, „réziprok“ u. ä.? Das ist doch aus keiner unserer europäischen Sprachen übernommen. Soll das nachdrücklicher klingen?
Ähnlich: Wieso wird bei Aufzählungen noch so belangloser Dinge oder Vorgänge durch professionelle Sprecher und Redner (besonders Politiker, darunter besonders Cl. Roth) die Konjunktion „und“ vor dem letzten Element so herausgehoben artikuliert? Lernt man das in Rhetorikseminaren so?
Gruß!
Hannes

Hallo Hannes!

Bei dem Wörtchen „und“ kann ich dir nicht weiterhelfen, aber für deine erste Frage habe ich zumindest eine Erklärung. Die deutsche Sprache zeichnet sich dadurch aus, dass sie den sogenannten „Initialakzent“ setzt, sprich: die erste Silbe eines Wortes wird im Normalfall immer betont. So ist es nicht verwunderlich, wenn sich im Sprachgebrauch dieser Initialakzent auch in eigentlich anders betonten Fremdwörtern einschleicht…der Deutsche ist´s nicht anders gewohnt:wink:

Gruß, Dine

Moin, Hannes,

Warum sagt man „fínanziell“, „súbstanziell“

aus Angst, falsch verstanden zu werden, deshalb wird die für die Verständlichkeit wichtigste Silbe betont. Woher diese Angst rührt, mag der Geier wissen. Vielleicht sind das alles ehemalige Broker von der NY Exchange.

Das ist doch aus keiner unserer europäischen Sprachen
übernommen. Soll das nachdrücklicher klingen?

Mich erinnert das an das „Gegrascht sejscha Mare“, in dem es ja heißt „…in der Stunde unseres. Todesahm.“ Was man nicht alles durch falsche Atemtechnik anstellen kann! Sehenswert vor allem das bekräftigende Nicken bei „T’odesahm“. Stell Dir mal vor, wie bescheuert das aussähe, wenn der Sprecher bei „finanzi’ell“ nickte.

Viel bemerkenswerter finde ich die Betonung der Präpositionen. „Wir befinden uns im Folkwang-Museum“, „Gleich treffen wir auf Frau R.“

Ähnlich: Wieso wird bei Aufzählungen noch so belangloser Dinge
oder Vorgänge durch professionelle Sprecher und Redner
(besonders Politiker, darunter besonders Cl. Roth) die
Konjunktion „und“ vor dem letzten Element so herausgehoben
artikuliert? Lernt man das in Rhetorikseminaren so?

Das wiederum kommt von der Angst, der Gegenüber könnte die Rede an sich reißen. Ein Und macht dem Gegner klar, jetzt nicht, es kommt noch was Wichtiges. Das geht so in Fleisch und Blut über, dass es auch bei Aufzählungen hineinrutscht, selbst wenn Frau R. nichts mehr zu sagen weiß.

Gruß Ralf

Hi,

Vielleicht sind das alles
ehemalige Broker von der NY Exchange.

wo ist da der Zusammenhang, sprechen die eigenartig?

Gruß
Nils

Moin, Nils,

Vielleicht sind das alles
ehemalige Broker von der NY Exchange.

wo ist da der Zusammenhang, sprechen die eigenartig?

nö, aber die sind alle schwerhörig.

Gruß Ralf

hallo hannes,

das kommt aus NRW, da können die nicht anders sprechen. und da viele fernsehsender in köln sitzen, schleift sich sowas ein.
ich bekomme z.b. die krätze, wenn ich peter kloeppel auf rtl höre. in teilen süddeutschlands soll diese art betonung auch im dialekt verankert sein.

strubbel
4:open_mouth:)