Hallo, genervte Eltern,
heute ging mir im Leonardo-Newsletter (WDR5 http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/ ) der folgende Beitrag zu, den ich hier reinkopiere, weil ich glaube, dass er hier auf das entsprechend sensibilisierte Publikum trifft.
Gruß
Eckard
Tagsüber ist der zwölf Monate alte Yoshua ein ganz ausgeglichenes Kind. Der Junge spielt gerne, macht seinen Mittagsschlaf und abends kommt er gegen 20 Uhr ins Bett. Bis Mitternacht schläft er durch. Dann aber bringt Yoshua seine Eltern zur Verzweiflung. „Im Stundentakt wird er wach und findet den Schlaf nicht mehr. Bis zu fünf Mal in der Nacht,“ erzählt seine Mutter. „Dann ist der Junge total außer sich, schreit und brüllt. Das geht so, jede Nacht, seit das Kind auf der Welt ist!“
Yoshua ist ein so genanntes Schreikind. Wie etwa 15 bis 20 Prozent aller Babys, die exzessiv und viel schreien. Dabei liegen bei ihnen keine organischen Schäden vor, die Windeln sind trocken, sie sind satt und der Kinderarzt kann keine organischen Schäden feststellen. So tippt er dann in den ersten drei Monaten meistens auf Blähungen, später auf Wachstumsschübe und die ersten Zähne - was in vielen Fällen nicht zutrifft.
Psychologen wissen seit geraumer Zeit, dass viele dieser Schrei-Babys Schwierigkeiten haben, einen eigenen Wach-Schlaf-Rhythmus zu finden. Sie reagieren hochsensibel auf ihre Umwelt und sind schnell überreizt. Ebenso gelingt es ihnen in den ersten Lebensmonaten nur schwer, sich selbst zu beruhigen.
Deshalb brauchen sie durch ihre Eltern eine gezielte Unterstützung, um zur Ruhe zu finden. Nur Vater und Mutter sind durch die langanhaltenden Schreiattacken ihrer Kinder längst am Ende. Frustriert, ratlos oder auch aggressiv entwickeln sie ein ganzes Bündel an optischen und akustischen Beruhigungsstrategien, die offensichtlich nur eines bewirken: ein hellwaches Kind, das noch mehr schreit. Überreizte Babys - und völlig genervte Eltern: ein Teufelskreis entsteht, in dem jeder Beruhigungsversuch kläglich scheitern muss.
Hilfe finden gestresste Mütter und Väter in Schrei-Ambulanzen und Schreibaby-Beratungen von Krankenhäusern oder in Mütter-Cafés, die u.a. vom Familienpflegerinnen des Kinderschutzbundes betreut werden. Dort gibt es keine Patentrezepte. Für jedes Schreibaby wird eine individuelle Lösung gesucht.
Erster Schritt: ein Schlaf-Schrei-Protokoll, in dem die Eltern die Wach-, Schrei- und Schlafphasen ihrer Babys notieren. Dann lernen sie, ihr Kind zu beobachten, um zu erkennen, wann es müde wird. Welche Umweltreize regen das Kind so auf, dass es nicht zur Ruhe findet. Welche Schlafhaltung bevorzugt es, um sich wohl und sicher zu fühlen. Auf solche Fragen versuchen Experten in Schreiambulanzen eine Antwort zu finden.
Und die Eltern lernen, dass sie selbst Entlastung brauchen und Zeit für sich selbst - ohne ihr Kind. Nur so können sie wieder mit mehr Kraft und Ruhe auf ihr Baby zugehen - was die gesamte Situation meist erheblich entspannt.
Das Beruhigen von Schrei-Babys kann also gelernt werden. Und die Erfolge stellen sich erfahrungsgemäß schon nach den ersten zwei bis fünf Beratungen ein.
Weitere Informationen:
Adressen von Schreibaby-Beratungen gibt es bei folgenden Organisationen:
Gesellschaft zur Förderung der seelischen Gesundheit in der frühen Kindheit (GAIMH)
http://www.gaimh.de
Deutscher Kinderschutzbund e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Hinüberstraße 8
30175 Hannover
Tel. 0511-304850
Email: [email protected]
http://www.kinderschutzbund.de
Auch Kinderärzte kennen häufig Schreiambulanzen in erreichbarer Nähe.

