Hallo allerseits.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das hier richtig ist, aber ich
versuche es mal.
Ich habe folgende Frage:
hat jemand von euch Erfahrungen mit Schreibblockaden /-hemmungen im
Zusammenhang mit (Uni-)Klausuren?
Bei mir ist es so, dass ich immer schon gut und viel schreiben
konnte. Nun stehe ich allerdings kurz vorm (Jura-)Examen und muss
leider feststellen, dass ich zunehmend Probleme mit der Bewältigung
der fünfstündigen Probeklausuren habe.
Ich empfinde dann das bereits Geschriebene als unzulänglich oder
einfach unglücklich formuliert, denke darüber nach alles oder Teile
neu zu schreiben. Das führt, selbst wenn ich nicht neu ansetze, zu
Zeitproblemen, einfach weil ich Zeit für diese Gedanken verschwende.
Am liebsten würde ich die Klausuren tippen - ich habe mich derart an
diese Form des Formulierens und Schreibens am Computer gewöhnt, dass
es mir schwerfällt, handschriftliches stehen zu lassen.
Manchmal schweife ich auch gedanklich ab, versuche alternative
Textaufbauten gedanklich durchzuprobieren oder suche nach
alternativen Formulierungen - ich hänge.
Das einzige, was zZ hilft sind Johanniskraut-Dragees, wie ich eher
zufällig herausgefunden habe. Ich bin dann nicht mehr so überkritisch
während des Schreibvorgangs.
Für eure Tipps, Anregungen, Kritik oder Erfahrungen dankt - Jaschiii
Johanniskraut bringt’s garantiert nicht.
Vorschlag 1: Prüfungskomitee fragen, ob ein Laptop erlaubt ist. Ergebnis auf Diskette.
Ggf. Ausdruck auf mitgebrachtem Mobildrucker.
Vorschlag 2: Therapeutisch fundeierte Hypnose zum Abbau von überflüssigen Ängsten bei einem /einer niedergelassenenen Therapeuten mit Zusatzqualifikation als Hypnotherapeut (z. B. durch die Milton Erickson-Gesellschaft), also mit staatl. Prüfung. Keine Heilpraktiker oder selbsternannte Hypnotiker. Mein ich ernst.
Gruß und viel Erfolg!
jo perrey
Hallo,
…und Du kannst Dich auch an die studentischen Beratungsstellen wenden.
Gruß
Peter
PS: teilweise ist das völlig normal. Irgendwann hat man den Eindruck, den Faden verloren zu haben. Mir gings jedenfalls so. Ein Semester später waren mir dann plötzlich viele Dinge klar geworden. Ganz einfach deshalb, weil man dann die Verbindungen und Analogien dazwischen sieht. Und ich hatte auch das Problem, dass bei der Prüfung der „Wissensabstand“ so unermesslich groß erschien. Mittlerweile weiß ich: wir kochen alle nur mit Wasser.
Millionenpublikum
Hallo Jaschiii,
bei mir ist es ähnlich, wenn ich ein Buch zu schreiben beginnen möchte. Einfach so drauf los bringt nichts, irgendwann komme ich einfach nicht mehr weiter. Dann bemerkte ich bei mir, dass wenn ich Vorträge gebe, diese manchmal auszuufern drohen, weil es so viel zu erzählen und zu behandeln gibt, besonders wenn es sich um Wissenschaftliches mit viel analytischem Inhalt dreht. Was ich da mündlich stundenlang erzähle, wäre vom Umfang her ein Buch. Es musste wohl damit zusammenhängen, dass ich für einen Vortrag wochenlang zuvor Ideen und Stichpunkte sammele und kurz vor dem Vortrag diese lange Stichpunktliste nur noch ein wenig systematisiere. Dies tat ich dann auch für mein Buchprojekt, et voilà, das Buch ist innerhalb kurzer Zeit quasi fertig geworden.
Du schreibst zwar Klausuren, wochenlanges Stichpunkte sammeln würde hier als Schummeln zählen, aber Du kannst ja die erste der fünf Stunden mit entspanntem Zusammentragen von Gedanken und anschließendes Systematisieren verbringen.
Du bist Formulierungsperfektionist? Ich auch, darum mein Tipp: Schreib’ so, wie Du einem gleichgestellten Freund etwas erklären würdest. Der Anspruch, im Geiste ein Millionenpublikum begeistern zu wollen, hemmt unter Umständen nur. Oder: Kurze Sätze, kurze Sätze, kurze Sätze. Die typisch deutsch zigfach verschachtelten kommen von selbst
.
Grüße,
Mohamed.
Hallo Jaschiii!
Wenn Dir Johanniskraut hilft, so ist das doch schon einmal etwas. Du kannst dann über die Dosierungsstärke nachdenken. Dass es hilft ist nicht weiter verwunderlich: in Prüfungssituationen wird natürlich im Organismus „Stress“ erzeugt, und dass heisst, das die Konzentrationsleistung abgebaut wird (zugunsten der Energieverstoffwechselung, was zusätzlich zu Unruhe führen kann). Das ganze passiert auf hormoneller Ebene, Johanniskraut hemmt die Wiederaufnahme von der Konzentration förderlichen Botenstoffen.
Ein Gang zum Therapeuten ist bei Prüfungsangst wohl nicht angezeigt; dazu ist das Phänomen zu „normal“ (Es sei denn, bei Dir baut sich ein erheblicher Leidensdruck auf und es greift auch auf andere Bereiche Deines Lebens über).
Da es bei DIr aufs Examen zugeht, kann es übrigens sein, dass dieser gesamte Druck sich deswegen so erheblich erhöht hat und zu einer subjektiv wahrnehmbareren Verschlechterung Deiner Konzentrationsleistung geführt hat.
Eigne DIr ein paar Entspannungstechniken an, damit Du sozusagen in der Situation eine Art „Reset“ durchführen kannst (tief Durchatmen, dann überlegen: ist das denn wirklich so schlecht, was bisher geschrieben worden ist - muss ich das jetzt wirklich neu schreiben?). Muskelrelexation n. Jakobsen ist ganz gut, dass kann man auch in der Klausur locker und entspannt im SItzen durchführen: Du konzentrierst Dich auf einzelne Muskelgruppen, spannst diese bei ruhiger und tiefer Atmung an und lässt die Anspannung dann fallen, konzentrierst Dich auf den Unterschied zwischen An- und Entspannung und - da die Phasen der Entspannung länger gewählt werden, entspannt man tatsächlich. Gibt es auch als Hör-CD zum selberlernen.
Ansonsten hat der Asta bei Euch an der Uni auch mit Sicherheit eine Beratungsstelle für so etwas wie „Prüfungsangst“.
Lieben Gruß
Patrick
Hallo jo perrey,
danke für Deine Antwort.
Johanniskraut bringt’s garantiert nicht.
Darf ich fragen, warum nicht? Natürlich sind Substanzen gleich
welcher Art sicher nicht der Königsweg, aber ich tue mir die ja nicht
dutzendweise rein. Ausserdem sollte das ja auch in absehbarer Zeit
vorüber sein.
Vorschlag 1: Prüfungskomitee fragen, ob ein Laptop erlaubt
ist. Ergebnis auf Diskette.
Ggf. Ausdruck auf mitgebrachtem Mobildrucker.
Ist ein guter Vorschlag. Ich werde das mal im Hinterkopf halten,
falls es sonst gar nicht geht. Allerdings ist das Prüfungskomitee in
meinem Fachbereich recht strikt, d.h. ohne ärztliches Attest
bezüglich einer Beeinträchtigung wird da wohl nichts zu machen sein.
Wofür ich auch ein gewisses Verständnis habe.
Vorschlag 2: Therapeutisch fundeierte Hypnose zum Abbau von
überflüssigen Ängsten bei einem /einer niedergelassenenen
Therapeuten mit Zusatzqualifikation als Hypnotherapeut (z. B.
durch die Milton Erickson-Gesellschaft), also mit staatl.
Prüfung. Keine Heilpraktiker oder selbsternannte Hypnotiker.
Mein ich ernst.
Ich habe mich da mal informiert, bin mir aber nicht sicher, ob ich
das letztlich machen werde. Dennoch danke ich Dir sehr für die
fundierte Hilfe.
Gruß - Jaschiii
Hallo Peter,
danke für Deine Antwort.
…und Du kannst Dich auch an die studentischen
Beratungsstellen wenden.
Daran habe ich auch schon gedacht. Lustigerweise hat unsere Uni
direkt drei verschiedene (?!). Die sind jedoch alle nicht wirklich
gut beleumundet. Letztlich habe ich mich dagegen entschieden, weil
ich (gottseidank) nicht einer der Kandidaten bin, die schon beim
Anblick des Hörsaals Panik bekommen, sondern eben mehr Probleme mit
der konkreten Umsetzung der Situation habe. Um das
inhaltlich wenigstens ein bißchen nachzuvollziehen, wo die
fachspezifischen Probleme liegen, fehlt denen jedoch der Einblick.
PS: teilweise ist das völlig normal. Irgendwann hat man den
Eindruck, den Faden verloren zu haben. Mir gings jedenfalls
so. Ein Semester später waren mir dann plötzlich viele Dinge
klar geworden. Ganz einfach deshalb, weil man dann die
Verbindungen und Analogien dazwischen sieht. Und ich hatte
auch das Problem, dass bei der Prüfung der „Wissensabstand“ so
unermesslich groß erschien. Mittlerweile weiß ich: wir kochen
alle nur mit Wasser.
Dank für die aufmunterneden Worte. Ich weiss, was Du meinst. Den
Punkt habe ich allerdings schon fast hinter mir, weiss also genug, um
gut zu bestehen, bekomme nur eben das Wissen nicht vernünftig
innnerhalb der vorgegebenen zeit auf Papier. Das ist ja das
komische…
Gruß - Jaschiii
Hallo Mohamed,
ich danke Dir für Deine Antwort.
Du triffst es ziemlich genau auf den Punkt!
Du schreibst zwar Klausuren, wochenlanges Stichpunkte sammeln
würde hier als Schummeln zählen, aber Du kannst ja die erste
der fünf Stunden mit entspanntem Zusammentragen von Gedanken
und anschließendes Systematisieren verbringen.
Das mache ich auch. Anders ist so eine juristische Klausur regelmäßig
auch nicht in den Griff zu bekommen; ich kenne nur ein oder zwei
Leute, die es schaffen, direkt loszuschreiben und so sinnvolles zu
produzieren.
Du bist Formulierungsperfektionist?
Leider, ja.
Ich auch, darum mein Tipp:
Schreib’ so, wie Du einem gleichgestellten Freund etwas
erklären würdest. Der Anspruch, im Geiste ein
Millionenpublikum begeistern zu wollen, hemmt unter Umständen
nur. Oder: Kurze Sätze, kurze Sätze, kurze Sätze. Die typisch
deutsch zigfach verschachtelten kommen von selbst
.
Also Du meinst, es könnte funktionieren, ein solches fiktives
Gespräch runterzuschreiben? Klingt sehr interessant. Das werde ich
bei der nächsten Gelegenheit mal probieren. Irgendwie dachte ich
immer, das klänge dann zu banal. Andererseits ist es, glaube ich,
schon dass, was verlangt ist. Denn nicht die Lösung zählt, sondern
der Weg dahin.
Dank und Gruß - Jaschiii
Hallo Patrick,
danke für Deine Antwort.
Wenn Dir Johanniskraut hilft, so ist das doch schon einmal
etwas. Du kannst dann über die Dosierungsstärke nachdenken.
Also ich habe bis jetzt immer nur eine genommen (es sind übrigens die
von Feinkost Albrecht ;-]), mehr habe ich mich nicht getraut, denn
ich will mich ja nicht sedieren oder irgendwie wegschiessen.
Dass es hilft ist nicht weiter verwunderlich: in
Prüfungssituationen wird natürlich im Organismus „Stress“
erzeugt, und dass heisst, das die Konzentrationsleistung
abgebaut wird (zugunsten der Energieverstoffwechselung, was
zusätzlich zu Unruhe führen kann). Das ganze passiert auf
hormoneller Ebene, Johanniskraut hemmt die Wiederaufnahme von
der Konzentration förderlichen Botenstoffen.
Das ist interessant. Also war der Tipp der Bekannten, dass mal zu
probieren, ziemlich gut…
Ein Gang zum Therapeuten ist bei Prüfungsangst wohl nicht
angezeigt; dazu ist das Phänomen zu „normal“ (Es sei denn, bei
Dir baut sich ein erheblicher Leidensdruck auf und es greift
auch auf andere Bereiche Deines Lebens über).
Leidensdruck? Ja. Andere Bereiche meines Lebens? Welche anderen
Bereiche? Im Ernst, ich kenne keinen Bekannten, der kurz vor seinem
juristischen Examen nicht das von Dir beschriebene fühlt. Aber
insoweit ist es wohl auch wieder „normal“ in diesem Bereich, hmm?
Da es bei DIr aufs Examen zugeht, kann es übrigens sein, dass
dieser gesamte Druck sich deswegen so erheblich erhöht hat und
zu einer subjektiv wahrnehmbareren Verschlechterung Deiner
Konzentrationsleistung geführt hat.
Ja. Meine Motivations- und Konzentrationskurve flacht gerade wieder
(auf hohem Niveau) ab, in etwa wie bei einem übertrainierten
Sportler. Nur: kann man was dagegen tun?
Ich achte schon immer sehr auf meine Atmung (Bauchatmung), allerdings
hält das vor allem in den Klausursituationen nicht lange vor, bis es
zurückkehrt.
Dank und Gruß - Jaschiii
Hallo Jaschii!
Also ich kann Dir nur eine Kleinigkeit raten: Gewöhne Dich wieder ans Handschreiben.
Mir gings genauso - ich hatte mich sehr an den PC gewöhnt, den Laptop/iPAQ immer und überall dabei. Damit verliert man etwas die Kontrolle über das Handschreiben.
Seitdem ich meine Vorbereitungsarbeit ungefähr 50% Rechner + 50% Hanschrift erledige, gehts mir in Klausuren auch nervlich besser. Liegt vielleicht auch daran, dass eine Klausur jetzt keine unbekannte Situation ist, sonder etwas, das man von der Arbeitstechnick her jeden Tag macht. Mündliche Prüfungen bereitest Du am besten mit jemandem in der Familie (evtl. schwierig) oder mit ein paar Kommilitonen (da wirds richtig lecker …) vor. Mache ich gerade für die Akad. Zwischenprüfung, meiner Ansicht nach recht erfolgreich.
MfG
Jimmy
*selber Prüfungspaniker*