Abend Tom,
Politik als reines Mittel zum Zweck, ohne Visionen und ohne
Prinzipien. Gelobt sei was reich macht. Der Zweck heiligt alle
Mittel. Genau aus diesem Grunde wächst die Zahl der
Unzufriedenen in unserem Land. Es geht auch um Gerechtigkeit,
eine Eigenschaft die zunehmend abhanden kommt oder einfach
nicht mehr gefragt ist.
Genau das ist ja der Punkt: Was ist denn Gerechtigkeit? Oder was sind diese Prinzipien und Visionen? Sind das nicht alles subjektive Dinge? In unseren Augen ist es so, in amerikanischen Augen anders… Ich wollte in meinem ersten Posting zum Ausdruck bringen, dass es in der Politik kein Richtig und kein Falsch gibt. Meinte auch net, dass Politik auf den eigenen Vorteil bedacht sein SOLLTE, in dem Sinn, dass das die OPTIMALE Lösung sein sollte, sondern Politik IST immer etwas subjektives, was von nationalen Interessen geprägt ist, was unfair sein kann, was verständnislos sein kann, usw. aber ändern kann man es nicht, also muß man versuchen nach diesen Regeln mitzumischen um selbst eine Position der Stärke zu erlangen, erst dann kann man vielleicht wirklich was in der Welt erreichen… aber wie auch immer, um wieder zurückzukommen: Warum sollte man sich unter diesen Bedingungen um Dinge wie „Zufriedenheit“ kümmern? Was zählt sind eigene Interessen, das ist nicht schön, aber augenscheinlich die Realität… Das sind menschliche Eigenschaften, die schon Machiavelli erkannt hat (falls du sein Buch kennst)…
Was ich damit sagen will: Die von dir stammenden Zeilen auf die ich mich beziehe, stellen nicht meinen „Traum“ von Politik dar, sondern das, was ich als Realität ansehe… eine Realität, in der „Gerechtigkeit“, usw. nun mal eines der subjektivsten Dinge überhaupt ist…
Ich habe keine Lust mich an ein Land zu kuscheln das seine
Entscheidungen einzig und alleine davon abhängig macht ob es
kurzfristigen, wirtschaftlichen Nutzen verspricht. Die
amerikanische Politik destabilisiert die Welt, das erleben wir
doch gerade.
Mag sein, vielleicht ist diese Kritik berechtigt - als Außenstehender! Warum sollte denn die Amis das störe? Gibt es dazu einen Grund? Wohl kaum… Es geht nicht um blindes Protestieren, denn dies wird nie Erfolg haben, wenn man nicht den eigentlichen Hintergrund versteht (den ich in meiner Auffassung der Politik sehe)… Wenn eine Nation ernsthaft eine Destabilisierung befürchtet, dann ist das einzige Mittel ein breitere Allianz mit den Amis zu bilden, schließlich ist man nicht in der Position Ansprüche zu stellen oder sonst was auszurichten, wie denn auch? Folglich muß man eine Abhängigkeit in Kauf nehmen, um selbst im Ernstfall überleben zu können, bzw. um sich selbst in eine Position zu bringen aus der man handeln kann… Anstatt sich zu distanzieren und die Destabilisierung noch weiter zu fördern… Wie schon gesagt, dass ich nicht schön, aber ich leider nun mal Realität…
Deine Aussage wir sollten die Amerikaner nicht kritisieren
weil sie ein stolzes Volk mit einem starken
Wirtschaftswachstum sind, ist ja wohl der reine Hohn, oder?
Die stellen gerade mal 4% der Weltbevölkerung, leiten aber
einen globalen Vormachtsanspruch ab. Aus was denn bitteschön?
Und das die Amerikaner in der Welt so angesehen wären, kann
ich nicht erkennen. Die arabische Welt, sowie weite Teile
Asiens und Lateinamerikas stehen, gelinde gesagt, den USA
äußerst kritisch gegenüber. Auch in Europa nimmt der Zuspruch
deutlich ab. Wirf mal einen Blick auf die Umfrage im aktuellen
„Spiegel“. Natürlich spiegelt die Ablehnung der USA eine
subjektive Wahrnehmung wider, aber die Zahlen derer die die
USA kritisieren, auch innerhalb des Landes, spricht für sich
und wächst weiter an.
Ich sprach von STOLZ nicht von BELIEBHEIT oder ANSEHEN, das sind vökkig verschiedene Dinge… Selbt wenn die USA an Ansehen verlieren, an Respekt werden sie nicht verlieren… Der amerikanische Bürger ist nicht stolz weil er in einem Land lebt das überall angesehen ist, sondern weil er in einem Land lebt, dass eine Position hat in der es was bewirken kann, eine Regierung die das eigene Volk beschützt und einzig und allein in den Interessen des eigenen Volks handelt…
Amerika isoliert sich zunehmend durch
seine nationalen Alleingänge. Die Vereinten Nationen, ja sogar
in zunehmenden Maße die Nato werden von den USA doch als
lästig empfunden.
Das ist wohl wahr… Die Geschichte hat auch gezeigt, dass solches Verhalten Probleme bringt, wenn alle Länder so handeln… Aber ich denke das ist der Punkt: Es ist nicht schlecht, wenn die nationalen Interessen mehr in den Vordergrund rücken, man muß dabei sich nur das Ziel vor Augen führen, eine Allianz zu gründen, die starke Nationen umfasst, um auf ein Niveau zu kommen in der Weltpolitik mitreden zu können… solange das nicht der Fall ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als das Verhalten der Amis zu AKZEPTIEREN, denn was haben die schon an uns?!
Sorry, Jens, aber ich sehe tausend Gründe dieses Land und
seine Menschen zu kritisieren.
Gut möglich… viele Leute kritisieren und kritisieren und kritisieren… keiner kommt auf die Idee, dass man anstatt protestieren was tun muß… nicht im Sinne von Widerstand, sondern die eigenen Fehler erkennen und Europa in eine Position zu bringen, dass die USA und die EU in unserer zukünftigen Weltpolitik eine Allianz bilden können, in der die EU überhaupt in der Position sind, sich Kritik und Entscheidungsgewalt leisten zu können… dann kann von mir aus kritisiert werden… aber zum jetzigen Zeitpunkt isses Quatsch… man muß Seite bekennen und diese Seite befindet sich im Westen, eine Chance die man nutzen sollte und eine Beziehung die man wahren muß, solang man schwach ist und nicht auf eigenen Beinen steht… so sieht in meinen Augen Politik aus bzw. so IST Politik…
Mfg - JENS