Schrödingers Katze ist tot!

hallo!!

ich als nichtphysiker muss natürlich immer probieren physik zu verstehen!!
hier mein wissensstand:

katze in kiste - solang man nicht reinschaut unklar ob katze tot oder lebendig - somit also 2 „realitäten“ gleichzeitig vorhanden - wenn man reinschaut bleibt eine übrig

fazit: die beobachtung eines vorgangs verändert somit den vorgang (indem z.b. eine sache wegfällt) - oder so?!

ist das gleichzusetzen mit: gibt`s den mond wenn keiner hinschaut?

danke

matthias

p.s. ihr könnt mir gerne noten geben! :wink:)

Die Beobachtung ist im quantenmechanischen Sinne eine Wechselwirkung mit dem beobachteten System (z.B. muss ich mindestens ein Photon am einem Atom streuen, um es zu „sehen“. Dadurch wird ja schon der Zustand des Atoms geändert.).

Die Frage nach der Existenz des Mondes, wenn keiner hinguckt, geht bereits ins Philosophische, ist also eine Frage der Interpretation einer physikalischen Theorie über die Welt (Stichwort: Realismus).
Im Falle von klassischen Objekten (Mond) ist diese Frage einfacher positiv zu beantworten. Die zwischenzeitliche Nichtexistenz des Mondes wäre schwerer zu erklären, als die Weiterexistenz.

Bei quantenmechanischen Objekten sagt aber die Heisenberg’sche Unschärferelation, dass man bestimmte (sogenannte „nichtkommensurable“) Eigenschaften von Systemen prinzipiell nicht gleichzeitig beliebig genau messen kann (z.B. Ort und Impuls eines Teilchens), wodurch die Frage nach der Existenz eines Wertes für die gerade nicht gemessene Eigenschaft unbeantwortbar wird.

Die verbreitetste Interpretation der Quantenmechanik ist die „Kopenhagener Deutung“ von Bohr, Heisenberg und Born.
Diese prouziert auch die unrealistisch anmutende „Schrödingerkatze“.

Andere Interpretationen postulieren „versteckte Variablen“, die den Zustand der Katze festlegen (auch wenn er nicht beobachtet wird), oder „parallele Universen“ (in einem ist die Katze tot, im anderen lebt sie), um einen gewissen Realismus zu erhalten.

Ein gutes Buch für physikalisch Interessierte zu diesem Thema ist
A.I.M. Rae: Quantenphysik: Illusion oder Realität? (auch bei Reclam erschienen)

Peace,
Kevin.

oder tot! Das Phänomen der „Dekokärenz“, die für jedes makroskopische Objekt nicht zu vernachlässigende permanente „Messung“ durch seine Umgebung sorgt dafür, dass von den Unmengen der für ein solches System möglichen Zustände nur ein winziger Bruchteil „überlebt“ und beobachtbar ist - eben die klassischen.
Die Phaseninformationen in Superpositionen unterschiedlicher solcher Zustände wären in sehr, sehr kurzer Zeit auf Nimmerwiedersehen in die Umgebung abgeflossen. Ohne die exakte Kenntnis des Zustands der Umgebung stellt sich ein solches System als statistisches Gemisch dar - tot oder lebendig eben. (In etwa vergleichbar der Situation, wenn man bei einem EPR-artigen Experiment nur die Ergebnisse „auf einer Seite“ kennt!)
Eine vorzügliche Einführung zum Thema „Dekokärenz“ bietet die Seite des (Mit-)Entdeckers der Rolle der Umgebung für die „Klassizität“ makroskopischer Objekte, H.-Dieter Zeh:
http://www.zeh-hd.de
oder auch folgende Seite:
http://www.decoherence.de
Sehr empfehlenswert sind auch die Arbeiten von Wojchiech Zurek.
(Auf http://www.arxiv.org nach dem Autorennamen suchen.)

Im übrigen - kann man nicht endlich mal bei Gedankenexperimenten auf Tierversuche verzichten… 8o)

Mfg

Uli