Hallo Beate
Mir ist es gleich wie Dir ergangen, als ich mich vor einigen Jahren ganz generell mit Wiegenliedern beschäftigte.
Soviel kann ich mittlerweile über dieses eine Wiegenlied von Schubert sagen: Das von einem anonymen Dichter verfasste Gedicht deutet an, dass das Kind möglicherweise tot sein könnte, aber das die Mutter ihr Kind über dessen Tod hinweg lieben und beschützen wird. Es wird das Leben mit all seinen irdischen Gaben nicht auskosten können, aber es wird im Himmelreich belohnt, indem es nebst der unsterblichen Liebe seiner Mutter eine Lilie, eine Rose erhalten wird, wenn es „aufwache“. Die Lilie gilt übrigens als Symbol der Reinheit, Unschuld und Jungfräulichkeit. Die Rose wiederum hat zwei Bedeutungen. Die rote Rose ist natürlich ein Symbol der Liebe. Die Rose in der Marienverehrung ist weiß und ist auf vielen Madonnenbildern mit dem Jesuskind zu finden.
Als kleine Zusatzinfo: Es gibt übrigens noch gewisse Hinweise, die diese Interpretation untermauern. Sowohl Richard Strauss (Ariadne auf Naxos, op. 60 – „Töne, töne, süsse Stimme“) als auch Igor Stravinsky (The Rake’s Progress – „Gently, little boat, across the ocean float“) bedienten sich für Ihre Opern der musikalischen, poetischen sowie dramatischen Elemente aus Schuberts Wiegenlied, wenngleich beide dies niemals zugaben. Nachdem also bereits die Melodien von grosser Ähnlichkeit sind, liegt es nahe anzunehmen, dass auch im Text gewisse Übereinstimmungen zu suchen sind. Und in den entsprechenden Liedern von Strauss und Stravinsky werden Themen wie der Tod, die Verwandlung, Unsterblichkeit, sowie die Liebe einer Frau behandelt.
Gruss
Silvia