Schulabbruch im soz.päd. Bereich vermeiden

Guten Abend, ihr Lieben,

ich würde gerne wissen, wie es einer Person möglich ist, die Schule nicht abzubrechen, obwohl folgende Punkte zur Fortführung hinderlich sind:
Diese Person hat einen hohen Leistungsanspruch und traut sich nicht mehr zu Schule zu gehen (seit ca. einer Woche), weil sie glaubt zu schlecht zu sein. (Diese Person wurde bei schlechten Noten von ihren Eltern immer bestraft, würde allerdings gerne ihre Anspruche an sich selbst herunterschrauben, doch weiß nicht, wie sie damit anfangen soll, habt ihr eine Idee?)
Dieser Person hatte schon früher Schwierigkeiten damit, ihre beruflichen Ziele zu verfolgen (viele Schulwechsel), weil sie sich in Gruppen unwohl fühlt.
Hinzu kommt noch, dass sie von der ARGE gesagt bekommen hat, dass sie auf Grund ihrer psychischen Verfassung zur Zeit nur Anlerntätigkeiten ausführen kann (wenn überhaupt!)
Dennnoch macht ihr die schulische Ausbildung im sozialen Bereich(inhaltlich) sehr viel Spaß. Sie hat auch schon nach 2 Monaten stabile Kontakte knüpfen können.
Wie kann ein Schulabbruch vermieden werden?

Vielen Dank! pelle 13.4

Hallo,
das ist nur meine persönliche Erfahrung!

Es ist ein Teufelskreis: man fühlt sich in Gruppen unwohl und versucht, diese Situationen zu (ver-)meiden. Man traut sich nicht, zur Schule zu gehen.
Je länger man nicht zur Schule geht, desto schlimmer wird es: man ist ja nicht in der Situation, in der man vielleicht positive Erfahrungen machen könnte, sondern das Negative überwiegt. Und je länger das andauert, desto schwieriger wird der nächste Schritt.

Letztendlich hat bei uns nur die Konfrontation mit der Situation geholfen. Und das mit psychotherapeutischer Begleitung. Vielleicht solltest du dir überlegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen: es geht ja darum, dass dir dauerhaft geholfen wird. Es ist ja nicht damit getan, dass die jetzige Schule „durchgestanden“ wird, sondern die Probleme können ja auch später in anderen Situationen wieder auftauchen (du hast ja schon frühere Erfahrungen damit).

In einer ähnlichen Situation sind wir zu einem Psychiater gegangen, der uns geholfen hat, schnell eine Therapeutin zu finden. Der Erfolg hat sich dann nach ca. 2-3 Monaten eingestellt (wobei das natürlich sehr individuell ist…).

Ich wünsche dir viel Erfolg!

Gruß

Hallo,

um welchen „sozialen Bereich“ handelt es sich denn? Abhängig davon wäre nämlich durchaus grundsätzlich zu überlegen, ob eine Ausbildung dort Sinn macht.

Für mich passen „sozialer Bereich“ und „sich unwohl fühlen in Gruppen“ erst mal überhaupt nicht zusammen. Und es ist durchaus die Frage, ob die betreffende Person mit einer solchen Ausbildung glücklich wird.

In diesem Fall wäre das Durchhalten um jeden Preis wohl eher kontraproduktiv. Und: Bevor man mit Menschen arbeitet, sollte man mit sich selbst im Reinen sein.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Jule959,

die Arbeit die ich meine, ist die Arbeit mit Kindern als Sozialpädagogischer Assistent oder als Erzieher.

Worin äußert es sich deiner Meinung nach, wenn man nicht ganz mit sich im Reinen ist? Ich meine, Psychohygiene muss jeder betreiben, der in diesem Berufsfeld arbeitet. Genauso wichtig ist es, eine professionelle Distanz zu wahren. Dies müssen alle Teilnehmer gleichermaßen lernen, dazu ist diese Ausbildung u.a. da.

Ich habe neuerdings von einem Projekt namens „ex-in“ gehört. Es geht darum, „Psychiatrie-Erfahrenen als DozentInnen oder MitarbeiterInnen in psychiatrischen Diensten zu qualifizieren“.
Diese sind sicher auch noch nicht 100% mit sich im Reinen, aber wer ist das auch schon. Was hältst du davon? Ist das deiner Ansicht nach verantwortungslos, Psychiatrie-Erfahrene in diesem Berufsfeld arbeiten zu lassen?

Gruß, Pelle 13.4

Hallo,

Worin äußert es sich deiner Meinung nach, wenn man nicht ganz mit sich im Reinen ist?

Das ist nicht pauschal zu beantworten. Ich meine aber, dass es immer dann problematisch wird, wenn Störungsbilder direkten Einfluss auf die Arbeit nehmen.

In diesem Zusammenhang halte ich es für ebenso fragwürdig, eine Erzieherin, die ihre Spinnenphobie nicht ausreichend im Griff hat, bei Vorschulkindern einzusetzen, wie eine, die nicht ausreichend psychisch belastbar ist, einem Team zuzumuten, das auf jede Arbeitskraft angewiesen ist.

Dies müssen alle Teilnehmer gleichermaßen lernen, dazu ist diese Ausbildung u.a. da.

Stimmt. Ich arbeite an einer Schule, die Erzieherinnen ausbildet, und bei uns gehört es ebenso zur Ausbildung, Schülerinnen, die uns psychisch nicht stabil genug erscheinen, nicht zur Prüfung zuzulassen, ohne dass diese sich vorher in einer Therapie um sich selbst gekümmert zu haben.

Ist das deiner Ansicht nach verantwortungslos, Psychiatrie-Erfahrene in diesem Berufsfeld arbeiten zu lassen?

Auch das kann ich nicht pauschal beantworten. Wenn es sich um Menschen handelt, die erfolgreich therapiert sind und die zudem über eine adäquate Ausbildung verfügen, können sie eine unglaubliche Bereicherung für diejenigen bilden, mit denen sie arbeiten.

Mangelt es aber an einem von beiden, halte ich das durchaus für gefährlich. Die Tatsache, dass jemand „Ex“ ist, qualifiziert ihn nicht automatisch für die Arbeit mit denen, die noch „In“ sind.

Im Zusammenhang mit der Person, um die es im UP ging, war mir aber primär im Kopf, dass sich jemand, der sich in Menschengruppen nicht wohlfühlt, in einem Beruf, der auf das permanente Agieren in Gruppen ausgerichtet ist, dauerhaft wohl eher unglücklich macht.

Schöne Grüße,
Jule

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Ich nehme erstmal bezug auf die in anderen Kommentaren vorgebrachte Verwunderung, warum Menschen mit soziophobischen Persönlichkeitsanteilen so häufig in sozialen Berufen sind. Der Mechanismus nennt sich „Überkompensation“, man weis, dass man etwas nicht kann, also tut man es um sich zu beweisen das es nicht simmt. Das kann helfen, aber auch nach hinten los gehen, wenn man ein negatives Ereignis erlebt, dass dann als „typisch“ und als Rückschritt erlebt wird. Ist aber ein anderes Thema.

Dieses negative Ereignis sollte im Idealfall nicht überbewertet werden, da selbst „gesunde“ Menschen Rückschläge im Sozialleben haben - sie interpretieren sie nur anders.

Das Personen mit hohen Leistungsansprüchen oftmals die Flucht antreten liegt daran, dass sie so ein antizipiertes (d.h. angenommenes) Scheitern von vorneherein vermeiden („Bevor ich mir nicht gerecht werde, gehe ich lieber und gebe auf“). Und durch die Flucht bestätigen sie sich im Nachhinein selbst („Ich bin zu schlecht gewesen, darum musste ich gehen“). Das Grundproblem heißt daher: Angst. Die Angst vor dem was eventuell eintritt ist gewichtiger, als der kurzfristige Verlust. Durch ein kurzfristiges Ausweichen („Angst vermieden“), macht man sich aber längerfristig Probleme („Ich bin schlecht => Sinkender Selbstwert“). Es gibt auch Theorien, die besagen, dass es für manche Menschen wichtiger ist im Einklang mit einem (negativen) Selbstbild zu stehen, als sich selbst „untreu“ zu werden, das verstärkt dies dann noch.

Was kann man dagegen machen?
Da kommt es nun drauf an, wie schwer die Symptome sind. Sind sie prinzipiell aushaltbar, wäre der Gang zum Therapeuten möglich („mehrere Schulwechsel“, „unwohl in Gruppen“ und „Leistungsdruck seitens der Eltern“ sind sachen die Hinweise darauf liefern, dass Internetberatung nicht reicht). Das Problem sieht sehr kognitiv aus und kann daher entsprechend mittels KVT bearbeitet werden. Online in einem Forum geht das natürlich nicht, man kann 10-20 Sitzungen beim Therapeuten einplanen, welche die Krankenkasse übernimmt.
Ist das Problem gravierender (will heißen, es sind schon Selbstmordgedanken, Antriebslosigkeit, Verzweiflung, usw… im Spiel), sprich, die Situation geht in Richtung Depression, kann man versuchen über Hausarzt und/oder Psychiatrie eine Beurlaubung/Krankschreibung für ein Semester zu erwirken, in dem man sich dann in psychologische Behandlung begibt. Zumindest an FHs und Unis ist das, so meine Erfahrung vom Beruf her, kein Problem, in der Berufsschule hatten wir den Fall noch nicht.

Falls weitere niederschwellige Hilfe über das Forum gewünscht ist, sind mehr Informationen über besagte Person von Nöten.

Sollten Ängste bestehen, ob man mit einer „psychischen Vorbelastung“ noch in soziale Berufe darf, kann ich beruhigen. Nur chronische Störungen, etwa Zwangsstörungen, unbehandelbares Borderline-Syndrom, Hypochrondrie und Schizophrenie, werden als Ausschluss vom Staatsexamen angeführt. Angehende Psycho-Therapeuten und Psychiater können selbst dann ihre Approbation (sprich: Examen) erhalten, wenn sie in der Vergangenheit wegen einer Störung in Behandlung waren. Und was für Psychiater gilt, sollte für Leute im sozialen Dienst erst recht gelten!

Hallo Satinav,

Was ist genau mit „unbehandelbarem“ Borderline-Syndrom gemeint?
Es galt bis 1993 ja noch als unbehandelbar. Doch durch DBT oder MBT konnte nachgewiesen werden, dass mit diesen Methoden bei diesem Krankheitsbild eine Verbesserung erzielt werden kann. Es gibt zu diesem Krankheitsbild auch Bücher mit den Titel „Heilung ist möglich“.
Sind Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung dennoch nicht für die Ausbildung zum SPA/ Erzieher zugelassen, selbst wenn sie sich schon seit Jahren in psychotherapeutischer Behandlung befinden?

Gruß, Pelle 13.4