Ich nehme erstmal bezug auf die in anderen Kommentaren vorgebrachte Verwunderung, warum Menschen mit soziophobischen Persönlichkeitsanteilen so häufig in sozialen Berufen sind. Der Mechanismus nennt sich „Überkompensation“, man weis, dass man etwas nicht kann, also tut man es um sich zu beweisen das es nicht simmt. Das kann helfen, aber auch nach hinten los gehen, wenn man ein negatives Ereignis erlebt, dass dann als „typisch“ und als Rückschritt erlebt wird. Ist aber ein anderes Thema.
Dieses negative Ereignis sollte im Idealfall nicht überbewertet werden, da selbst „gesunde“ Menschen Rückschläge im Sozialleben haben - sie interpretieren sie nur anders.
Das Personen mit hohen Leistungsansprüchen oftmals die Flucht antreten liegt daran, dass sie so ein antizipiertes (d.h. angenommenes) Scheitern von vorneherein vermeiden („Bevor ich mir nicht gerecht werde, gehe ich lieber und gebe auf“). Und durch die Flucht bestätigen sie sich im Nachhinein selbst („Ich bin zu schlecht gewesen, darum musste ich gehen“). Das Grundproblem heißt daher: Angst. Die Angst vor dem was eventuell eintritt ist gewichtiger, als der kurzfristige Verlust. Durch ein kurzfristiges Ausweichen („Angst vermieden“), macht man sich aber längerfristig Probleme („Ich bin schlecht => Sinkender Selbstwert“). Es gibt auch Theorien, die besagen, dass es für manche Menschen wichtiger ist im Einklang mit einem (negativen) Selbstbild zu stehen, als sich selbst „untreu“ zu werden, das verstärkt dies dann noch.
Was kann man dagegen machen?
Da kommt es nun drauf an, wie schwer die Symptome sind. Sind sie prinzipiell aushaltbar, wäre der Gang zum Therapeuten möglich („mehrere Schulwechsel“, „unwohl in Gruppen“ und „Leistungsdruck seitens der Eltern“ sind sachen die Hinweise darauf liefern, dass Internetberatung nicht reicht). Das Problem sieht sehr kognitiv aus und kann daher entsprechend mittels KVT bearbeitet werden. Online in einem Forum geht das natürlich nicht, man kann 10-20 Sitzungen beim Therapeuten einplanen, welche die Krankenkasse übernimmt.
Ist das Problem gravierender (will heißen, es sind schon Selbstmordgedanken, Antriebslosigkeit, Verzweiflung, usw… im Spiel), sprich, die Situation geht in Richtung Depression, kann man versuchen über Hausarzt und/oder Psychiatrie eine Beurlaubung/Krankschreibung für ein Semester zu erwirken, in dem man sich dann in psychologische Behandlung begibt. Zumindest an FHs und Unis ist das, so meine Erfahrung vom Beruf her, kein Problem, in der Berufsschule hatten wir den Fall noch nicht.
Falls weitere niederschwellige Hilfe über das Forum gewünscht ist, sind mehr Informationen über besagte Person von Nöten.
Sollten Ängste bestehen, ob man mit einer „psychischen Vorbelastung“ noch in soziale Berufe darf, kann ich beruhigen. Nur chronische Störungen, etwa Zwangsstörungen, unbehandelbares Borderline-Syndrom, Hypochrondrie und Schizophrenie, werden als Ausschluss vom Staatsexamen angeführt. Angehende Psycho-Therapeuten und Psychiater können selbst dann ihre Approbation (sprich: Examen) erhalten, wenn sie in der Vergangenheit wegen einer Störung in Behandlung waren. Und was für Psychiater gilt, sollte für Leute im sozialen Dienst erst recht gelten!