Schuldenberg

Liebe Wirtschaftsexperten, mich bewegen einige Fragen, mit denen ich nicht weiterkomme. Ich beschäftige mich beruflich mit Dingen, die wenig mit Geld zu tun haben und folge privat einem schlichten Prinzip, nämlich dass ich Geld nur ausgebe, wenn ich welches habe.

Mein Land, die BRD, macht das anders. Hier stehen Staatsschulden in aberwitziger, menschlich kaum noch vorstellbarer Höhe an und mit jeder Legislaturperiode werden es mehr.

Wenn ich mir privat von jemandem sagen wir 1000 Euro geliehen hätte, und jetzt die versprochene Rückzahlung gar nicht mehr in Betracht ziehen würde, hätte ich bald eine ganze Menge Ärger bis hin zur Zwangsversteigerung meines Eigentums. Außerdem könnte ich mir von dort nie mehr auch nur einen Euro leihen. Bei der BRD ist das aber wohl nicht so, da habe ich noch nie jemanden klagen hören, dass er sein Geld wieder haben wollte.

Jetzt meine Fragen:

  1. Warum schreien die Gläubiger eigentlich nicht laut auf und drohen mit Konsequenzen?

  2. Offenbar gibt es Profiteure dieses Schuldenwahnsinns, wer sind das genau?

  3. Kann man dieses System eigentlich unbegrenzt fortsetzen, weil doch damit zu rechnen ist, dass die „nachfolgenden Generationen“ erst recht nicht unsere Zeche zahlen werden?

  4. Wäre denn jedes Problem im Zusammmenhang mit den Staatsschulden gelöst, wenn wir die Gläubiger einfach verstaatlichen würden?

Reiner

Hallo Reiner,
zu deinen Fragen:

  1. Warum schreien die Gläubiger eigentlich nicht laut auf und
    drohen mit Konsequenzen?

Zur Zeit werden die Zinsforderungen der Gläubiger beglichen, deshalb
gibt es auch keinen Grund mit Konsequenzen zu drohen.

  1. Offenbar gibt es Profiteure dieses Schuldenwahnsinns, wer
    sind das genau?

Das sind sehr unterschiedliche Leute und Instutitionen.
Zum Beispiel auch der Sparkassengeldanleger wie du und ich, der Zinsen für seine Spareinlagen bekommt, da ein Teil des Geldes in Staatsanleihen von den Banken angelegt wird.

  1. Kann man dieses System eigentlich unbegrenzt fortsetzen,
    weil doch damit zu rechnen ist, dass die „nachfolgenden
    Generationen“ erst recht nicht unsere Zeche zahlen werden?

Nein dieses System kann man nicht unbegrenzt weiterführen, dies funktioniert solange, wie man die Zinslast noch in den eigenen Staatshaushalt integrieren kann, oder noch weitere Gläubiger findet…

  1. Wäre denn jedes Problem im Zusammmenhang mit den
    Staatsschulden gelöst, wenn wir die Gläubiger einfach
    verstaatlichen würden?

Ja, das wäre sicherlich eine prima Lösung. Es würde im Falle Deutschland schon genügen alle Banken zu verstaatlichen und alle Anlegerkonten zu sperren und für den Schuldenabbau zu verwenden.
Zur Zeit beträgt der Schuldenstand 20.989 pro Kopf, das Geldvermögen pro Kopf liegt bei etwa 58.000 Euro, d.h. wir müssen sogar nur ein bischen mehr als ein Drittel jedem wegnehmen und wir wären frei von Schulden. Das Vertrauen in die Banken wäre sicherlich bei so einem kleinen Eingriff nicht gestört.
Wir könnten aber auch den allgemeinen Steuersatz einfach mal verdreifachen und schon käme neues Geld in die Kasse, hmm würde sicherlich auch gehen… (Schade das Politiker nochmal gewählt werden wollen und wir in einem Rechtsstaat leben, sonst ginge da einiges…)

Viele Grüße
Peter

Das hat schon wer probiert…
Hallo,

Außerdem könnte ich mir von dort nie mehr auch nur einen Euro leihen. Bei der BRD ist das aber wohl nicht so, da habe ich noch nie jemanden klagen hören, dass er sein Geld wieder haben wollte.

Zum einen ist es so, dass Staatsanleihen verzinst sind (wurde schon erläutert), zum Anderen werden sie normalerweise über eine bestimmte Dauer ausgegeben.
Wenn Person A sich privat von Person B eine Summe X ausleiht, und ein gegenseitiger Vertrag unterschrieben wird, dass X für sagen wir mal 10 Jahre an A ausgegeben wird, und B in diesen 10 Jahren jedes Jahr sagen wir mal 5% Zinsen bekommt und A wird nach 10 Jahren das geliehene Geld zurückgeben, wodurch der Schuldtitel erlischt, dann ist das so.
Käme jetzt B nach 2 Monaten und sagt „He Moment mal, ich will mein Geld wieder…“, dann wäre das vermutlich Vertragsbruch und so ist auch wieder nicht.

Anders ist es beim Staat ja auch nicht: der borgt sich für 5 Jahre Geld von Willi, und damit er Willi sein Geld nach 5 Jahren zurückgeben kann, leiht er sich nach 4 Jahren Geld von Udo und zahlt damit Willi aus.
So ähnlich arbeiten natürlich auch gewisse, ehm, ja … Anlagebe… trüger aber das ist was Anderes, weil der Staat ja tatsächlich Sicherheiten hat. Naja zumindest so weit wie man dem Staat seine Sicherheiten glaubt, d.h. das Steuereinkommen und das staatliche Eigentum.

  1. Warum schreien die Gläubiger eigentlich nicht laut auf und drohen mit Konsequenzen?

Warum sollen sie? Sie profitieren doch. Es ist ja nicht so, dass der Staat Schulden ohne Gegenleistung macht, nein - wenn ich bei der Sparkasse 1mio Kredit aufnehme schreit die auch nicht, solange ich brav meine Zinsen zahle. Schreien werden die erst, wenn ich das nicht mehr tue: Das ist der Kapitalmarkt.

  1. Offenbar gibt es Profiteure dieses Schuldenwahnsinns, wer sind das genau?

Alle, die Staatsanleihen besitzen.

  1. Kann man dieses System eigentlich unbegrenzt fortsetzen,

Es bricht, wenn die Sicherheiten des Staates unglaubwürdig werden, d.h. der potentielle Käufer von Staatsschuld der Ansicht ist, dass er sein Geld nicht wiedersehen wird. Sobald das anfängt, wird eine Welle von Schuldrückforderungen eintreten und dann… wird’s lustig.

  1. Wäre denn jedes Problem im Zusammmenhang mit den Staatsschulden gelöst, wenn wir die Gläubiger einfach verstaatlichen würden?

Hierbei sollte man wissen, dass große Teile der Staatsschulden im Ausland gemacht werden, z.B. Saudi-Arabien, Frankreich, Polen … es gab vor rund 70 Jahren mal einen Versuch, diese dem deutschen Staat einzuverleiben, aber das hat -aus verständlichen Gründen- nicht hingehauen.
Generell war das aber in früheren Zeiten ein gar nicht mal so seltenes Mittel der Entschuldung: Einfach ein Nachbarland ausräumen.

Betreffs der Anleihen aus Privatvermögen, auch da gab es Versuche der Verstaatlichung in Osteuropa, die waren aber langfristig auch nicht sonderlich erfolgreich.

Gruß,
Michael

Hallo,

  1. Warum schreien die Gläubiger eigentlich nicht laut auf und drohen mit Konsequenzen?

Weil sie damit Geld verdienen?

  1. Offenbar gibt es Profiteure dieses Schuldenwahnsinns, wer sind das genau?

Viele von uns. Z.B. werden Kindertagesstätten, Schulen, Straßen, öffentliche Einrichtungen, Wohnungen, usw. gebaut, wenn entsprechend Bedarf da ist, und nicht erst, wenn das Geld dazu da ist.

  1. Wäre denn jedes Problem im Zusammmenhang mit den Staatsschulden gelöst, wenn wir die Gläubiger einfach verstaatlichen würden?

Zu unseren Gläubigern zählen auch andere Staaten, wie willst Du die „verstaatlichen“? Einmarschieren? :smile:

Grüße
Didi