Hallo an Alle! Als ich gestern zur Arbeit fahren wollte, habe ich einer Radfahrerin die Vorfahrt genommen. Ich habe sie nicht gesehen. Nur durch Zufall ( warum durch Zufall? ) habe ich in den Rückspiegel geschaut und gesehen, daß die Radfahrerin zu Boden stürzte. Wie in Trance bin ich ausgstiegen und erste Maßnahmen ergriffen. ( Telefonate in Arbeit zum Rettungsdienst zur Polizei zu meiner Familie ) Die Frau wohnte gleich zwei Häuser weiter. Nachdem die Frau auf der Couch lag, bin ich zusammengebrochen. Kurzum Ich kam ins Krankenhaus auf Intensiv. Mir wurde schon auf dem Weg dahin was gespritzt, das aber überhaupt nicht wirkte. Man überlegte schon mich in ein Nervenkrankenhaus zu bringen. Habe mich aber, nachdem ich noch einmal was starkes gekrigt habe, doch etwas beruhigt. Nun bin ich wieder zu Hause. Aber meine Schuldgefühle bringen mich noch um den Verstand. Was soll ich tun. Hat jemand ähnliches schon durchgemacht. Einen Menschen über den Haufen fahren, daß schlimmste was einem im Leben passieren kann. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. ggglg. Isabella
Hallo Isabella,
wenn sie zu Boden stürzte, als Du in den Rückspiegel sahst, hast Du sie ja nicht „über den Haufen“ gefahren, oder?
Jedem Menschen kann das passieren!!!
Aber längst nicht alle würden sich so verantwortungsvoll verhalten wie Du und sich so kümmern - Hut ab!
LG, IHF
Hallo Isabella,
ich habe schon viele Unfälle gesehen.
Es gibt „Täter“, die einfach davon fahren (Fahrerflucht). Es gibt „Täter“, die aussteigen und das Oper erstmal eine Runde beschimpfen. Und es gibt „Täter“, die so handeln, wie Du: sie veranlassen Hilfe und sind geschockt. Welche Art des Handelns wäre Dir am liebsten, sollte Dir ein ähnlicher Unfall wiederfahren? Ich vermute genauso wie Du es getan hast, oder?
Viele Grüße
Jedem Menschen kann das passieren!!!
Aber längst nicht alle würden sich so verantwortungsvoll
verhalten wie Du und sich so kümmern - Hut ab!
Ja da kann ich mich nur anschliessen. Du hast super reagiert! Mehr hättest du nicht tun können! Du brauchst dich also keineswegs schuldig zu fühlen.
LG Melli, die auch kürzlich einen Unfall hatte
Hallo Isabella,
jeder baut mal Mist, aber nicht jeder verhält sich so vorbildlich wie Du.
Lg,
Max
Brauchst dich also
keineswegs schuldig zu fühlen.
Entschuldigung, aber das sehe ich (klar, als Radfahrerin, die täglich mehrfach fast umgenietet wird) etwas anders. Auch wenn sie sich immerhin „vorbildlich“ was die 1. Hilfe angeht, verhalten hat (was SELBSTverständlich ist), so ist sie ebenso verantwortlich für den verursachten Schaden bei der Radfahrerin (und wie sieht der eigentlich aus? Darüber schreibt sie leider gar nichts). „Schuld“ ist ein seltsames Wort, aber ihr zu sagen „dass sie sich keineswegs schuldig fühlen muss“, halte ich für etwas übertrieben.
Normal ist, dass sie sich so fühlt, wie sie sich grad fühlt, denke ich. Jeder Mensch ist mal nicht 100% bei der Sache und verursacht Schaden, Menschlichen und Materiellen. Ich kann mich gut daran erinnern, als eine Freundin, der ich auf dem Spielplatz (vor 100 Jahren) „Anschwung“ gegeben habe auf dem Klettergerüst, herunterstürzte. Ich war vielleicht 9 oder 10. Sie fiel runter und wie sich später herausstellte, hatte sie beide Arme gebrochen. Ich habe mich fürchterlich schuldig gefühlt und bin im Schock heulend nach Hause gerannt.
Ich wünsche keinem, dass er einen Menschen oder ein Tier überfährt mit egal was für einem Fahrzeug (nur leider fahren viele Menschen so, dass sie dies kaum ein Leben lang vermeiden können). Bei solchen Unfällen bin ich bisher nur Zeuge geworden und auch DAS ist grauenvoll.
Interessant wäre, was ein Psychologe zum Verhalten/Reaktion (ähnlich dem von Isabella) des Unfallverursachers sagen würde.
Für das Tätscheln hier hab ich nicht wirklich Verständnis - ich hoffe, dass Isabella für sich daraus ein paar Konsequenzen zieht und manchmal ist so ein Schock ja wirksam.
Viele Grüße
Aquilegia A.
Hallo,
wenn der Mensch unter einer Streßsituation steht, reagiert er nicht so wie er es normal tun würde.
Hast du denn gemerkt, dass du sie „angefahren“ hast?
Oder hat sie stark gebremst und ist deswegen gefallen?
Klar sollte sowas nicht passieren und natürlich wünschte man sich es wäre nicht passiert. Aber wir sind Menschen und wir sind nicht immer 100% bei der Sache.
Du kannst dir keinen Vorwurf machen. Du hast angehalten und dich deiner Verantwortung gestellt.
Das du unter Schock stehst verstehe ich und das ist auch ganz normal. Nimm dir zwei, drei Tage frei und erhole dich.
Vielleicht schaust du auch noch einmal nach der Frau?
Setzt dich aber auf jeden Fall ganz schnell wieder hinters Lenkrad. Du musst unbedingt schnell wieder fahren. Du bist ja keine schlechte Autofahrerin. Wenn du das währst, hättest du die Frau über den Haufen gefahren. Und das hast du aber nicht!
Also ruh dich aus und dann fahr ne Runde.
Alle Gute
Jenny
Entschuldigung, aber das sehe ich (klar, als Radfahrerin, die
täglich mehrfach fast umgenietet wird) etwas anders.
Ich sehe auch oft Radfahrer die sagen wir mal - nicht richtig fahren sondern Fussgänger fast „umnieten“ weil sie nicht auf dem Radweg fahren können sondern auf’m Gehweg fahren müssen.
Auch wenn
sie sich immerhin „vorbildlich“ was die 1. Hilfe angeht,
verhalten hat (was SELBSTverständlich ist)
In der heutigen Zeit? Nein nicht selbstverständlich (leider).
„Schuld“ ist ein seltsames
Wort, aber ihr zu sagen „dass sie sich keineswegs
schuldig fühlen muss“, halte ich für etwas übertrieben.
Sorry, aber ich gehe davon aus dass man nicht absichtlich Leute anfährt. Ein Unfall eben wie der Name schon sagt. Sie hat gut reagiert was zeigt dass die von ihr angefahrene Person ihr nicht scheissegal ist. Mehr kann sie dann auch nicht tun.
LG
Hallo,
sicher, es gibt jeden Tag X Unfälle, die durch mangelnde Konzentration, durch Ungeduld etc. verursacht werden, und ich stimme Dir zu, dass viele Unfälle vermieden werden könnten.
Wenn man einem anderen Menschen einen Schaden zufügt, den man nicht verursachen wollte, ist es sicher üblich, darüber erschrocken, ja vielleicht auch schockiert zu sein.
„Schuld“ ist aber eine Sache, die weiter geht, die viel tiefer reicht; und ich finde, dass Schuldzuweisung - auch noch so subtile und verwaschene - hier keineswegs am richten Ort sind und wenn, dann auch nur in eine Rechtsabteilung gehören.
(Im Übrigen wurde gesagt, dass die verletzte Person zu Hause auf dem Sofa lag, also nicht im Krankenhaus gelandet war; daraus lässt sich schließen, dass sie leicht verletzt sein müsste?)
MfG, IHF
Hallo!
„Schuld“ ist ein seltsames
Wort
Genau. Und deswegen macht es psychologisch auch einen großen Unterschied, ob man sich verantwortlich oder schuldig fühlt. Sich verantwortlich zu fühlen kann konstruktiv sein, Schuldgefühle sind dagegen immer destruktiv.
ich hoffe, dass Isabella für sich daraus ein paar Konsequenzen
zieht
Wenn sie es schafft, sich nicht mehr schuldig zu fühlen, sondern verantwortlich: Dann ja. Denn Schuldgefühle lähmen das Gefühl eigener Handlungsmöglichkeit.
Die Vorstellung, man kann jeden Unfall unter allen Umständen vermeiden, dürfte übrigens der beste Weg sein, besonders viele Unfälle zu bauen. Deswegen gehört zu einer verantwortungsvollen Unfallvermeidung auch die Erkenntnis, daß man nicht jeden Unfall vermeiden kann.
Liebe Grüße,
Max
Mahlzeit,
„Schuld“ ist aber eine Sache, die weiter geht, die viel tiefer
reicht; und ich finde, dass Schuldzuweisung - auch noch so
subtile und verwaschene - hier keineswegs am richten Ort sind
und wenn, dann auch nur in eine Rechtsabteilung gehören.
ach ja? und ich habe Schuld zugewiesen? Interessant. Ich empfinde es allerdings ein wenig verharmlosend, wenn man jemandem erklärt, er müsse sich nicht „schuldig“ fühlen. Über den Begriff „Schuld“ habe ich mich entsprechend geäußert. Wenn Du schreibst „manch ein Unfall könne vermieden werden“… dann rate ich Dir, fahre einfach mal eine Woche lang täglich 30 Km mit dem Rad (weniger reicht allerdings auch, um einschlägige Erfahrungen zu machen). Es ist leider so - und ich schreibe nicht ausschließlich von Kraftfahrern - dass man mindestens 1, 2 Mal Fast- oder Komplettzusammenstöße mit anderen Verkehrsteilnehmern hat. MINDESTENS. Und ich fahre vorrangig nicht etwa Hauptverkehrsstraßen. Ich finde, das gibt einem schon sehr zu denken, in welchem Zustand doch offenbar einige Verkehrsteilnehmer sich in den Verkehr stürzen.
Aber Du hast Recht: ich habe mir mittlerweile auch abegewöhnt, für alle zu gucken (macht mir allerdings ein ungutes Gefühl im Nacken, wenn ich z.B. einen LKW hinter mir höre), weil genau dadurch gefährde ich mich selbst, wenn ich meine Augen überall haben möchte.
(Im Übrigen wurde gesagt, dass die verletzte Person zu Hause
auf dem Sofa lag, also nicht im Krankenhaus gelandet war;
daraus lässt sich schließen, dass sie leicht verletzt sein
müsste?)
Nein - bei weitem nicht. Du scheinst noch keinen Unfall gehabt zu haben als Radfahrer oder Fußgänger. Ob jemand leichter oder schwerer verletzt wurde (mit oder ohne dauerhaften Schaden), kann sich auch in den Tagen darauf herausstellen. Und wenn jemand schreibt, das Opfer lag auf dem Sofa, heißt das für mich überhautp GAR nix.
MG
A.A.
Hallo!
„Schuld“ ist aber eine Sache, die weiter geht, die viel tiefer
reicht; und ich finde, dass Schuldzuweisung - auch noch so
subtile und verwaschene - hier keineswegs am richten Ort sind
und wenn, dann auch nur in eine Rechtsabteilung gehören.ach ja? und ich habe Schuld zugewiesen?
Ja. Und hier tust du es wieder:
Ich
empfinde es allerdings ein wenig verharmlosend, wenn man
jemandem erklärt, er müsse sich nicht „schuldig“ fühlen.
Also muss sich deiner Meinung nach schuldig fühlen. Und was hast Du davon? Nichts. Aber es fühlt sich gut an. Es fühlt sich auch gut an, wenn man den Autofahrer anbrüllt. Das bringt zwar auch nichts, weil er daraufhin völlig zumacht und wahrscheinlich eher sein Lenkrad frisst als irgendeine Einsicht zu zeigen, aber wenigstens hat man es ihm gezeigt!
fahre einfach mal eine Woche lang täglich 30 Km
mit dem Rad
Ich bin Radfahrer. Aber das ist hier weder das Verkehrsrechtsbrett noch das Zweiradforum. Sondern Psychologie. Und psychologisch ist das, was Du schreibst, für das, was Du erreichen möchtest, geradezu kontraproduktiv. Weil Schuldgefühle nunmal destruktiv sind und nicht konstruktiv.
Liebe Grüße,
Max
Aber das ist hier weder das
Verkehrsrechtsbrett noch das Zweiradforum. Sondern
Psychologie. Und psychologisch ist das, was Du schreibst, für
das, was Du erreichen möchtest, geradezu kontraproduktiv. Weil
Schuldgefühle nunmal destruktiv sind und nicht konstruktiv.
Hm - hast Du Dir mal über den Begriff „Psychologie“ Gedanken gemacht?
ich bin mir nicht sicher, ob DU weißt, was ICH - hier - erreichen möchte.
Viele Grüße
Aquilegia A.
Guten Tag,Ich möchte mich ganz herzlich für eure Anteilnahme bedanken. Ich fühle mich nach wie vor miserabel. Was wäre wenn die Frau gestorben wäre? Oder sie für immer gelähmt wäre?? Ist Schuld nicht das, das ich willentlich tu? Wenn ich jemanden ein Messer z.B. in die Brust steche? Wann ist es Schuld und wann ist es Schicksal? Ich habe heute mit der Frau telefoniert. Sie hat einen starken Bluterguß am Kopf , den man ihr öffnete. Außerdem hat sie eine Platzwunde am Kopf die genäht werden musste. Sie kam nach der Behandlung wieder nach Hause. Auch ihr Mann sagte ich soll mich nicht so quälen. Morgen werde ich die Frau persönlich besuchen und ihr einen Blumenstrauß bringen.Ist das sarkastisch?? Oder brauch ich das gegen meine Schuld?? Ich weiß es nicht. An ihrem Rad ist das Hinterlicht und noch eine Kleinigkeit kaputt. Die Polizei schätzt den Schaden auf etwa 100 Euro. Aber…hat von euch schon jemand eine Person an - oder umgefahren??? Meine Familie und Freunde haben gar viel erbarmen mit
MIR. Warum daß? Ich war ja -Schuld… und wieder kommen Tränen. Und immer wieder das Wort SCHULD.
Danke für Eure rege Anteilnahme. gglg. Isabella
Hi,
klar besuchst du sie - das ist absolut in Ordnung.
Du entschuldigst dich und siehst dann schon was passiert.
Entweder sie ist total sauer auf dich und sagt dir gehörig die Meinung oder es ist ok für sie.
Danach kannst du weitersehen…und weiterleben.
Du hast Mist gemacht…und du hattest Glück dass nichts passiert ist.
Sei froh und steiger dich jetzt nicht in irgendwelche „was wäre wenn“ Geschichten rein. Dann darfst du nämlich nicht mehr das Haus verlassen…
liebe Grüße
susanne
Hallo,
Morgen werde ich die Frau persönlich besuchen und ihr einen Blumenstrauß bringen.Ist das sarkastisch??
Nein. Das ist eine nette Geste.
Oder brauch ich das gegen meine Schuld??
Das denke ich schon. Ungeschehen machen kannst du es nicht, aber du kannst ein Stückchen Wiedergutmachung leisten. Das ist ein ziemlich gesundes Verhalten deinerseits. Manchmal muss man damit rechnen, dass der Betroffene diese ablehnt. Das geschieht oft in Fällen, wo die Verletzung übergroß ist, z.B. bei Eltern nach dem Verlust ihres Kindes. Dann muss man das so hinnehmen und damit leben.
Wird die Geste aber akzeptiert, darf man sie auch dankbar entgegennehmen. Natürlich wird man zukünftig verstärkt in dem Bewusstsein leben, dass solche Dinge nicht nur anderen passieren. Dennoch darf man sich auch verzeihen - vor allem dann, wenn das „Opfer“ das tut.
Schöne Grüße,
Jule
Hallo!
Hm - hast Du Dir mal über den Begriff „Psychologie“ Gedanken
gemacht?
Ungefähr 16 Semester lang, ja. Das, was ich oben geschrieben habe, basiert auf dem, was ich vor allem bei einem Dozenten gelernt habe, nämlich Claus C. Schroeder (http://www.mp3-kolleg.de/texte/biogr.html).
ich bin mir nicht sicher, ob DU weißt, was ICH - hier -
erreichen möchte.
Nun, ich hatte den Eindruck, du möchtest erreichen, daß die Fragestellerin beim Autofahren besser aufpasst und keine Radfahrer mehr übersieht. Aber das erreicht man eben nicht über Schuldgefühle.
Gruß,
Max
Es gibt wunderbare Mentalübungen für Schuldgefühle. Geh zu einem Psychologen oder informiere Dich mal über Hypnosetraining.
LG
Hallo Isabella,
Jule hat Recht, und außerdem ist die Frau lebendig; sie hat eine Kopfversetzung, die verheilen wird.
Schuld ist - wie gesagt - ein Begriff, der psychologisch gesehen hinderlich ist und nichts dazu beträgt, dass es der Frau oder Dir selbst besser ginge. Stattdessen kommst Du jetzt eher in so eine Situation, wo Du mit Deinen Selbstvorwürfen Dir und der Frau noch weiter schaden könntest?
Ich würde Dir raten, jetzt erstmal Luft zu holen.
Du solltest eher nicht sofort wieder losrennen und mit der Frau reden wollen… (Pass auf, dass Du sie nicht in Bedrängnis bringst; sie sollte ja nicht anfangen, sich Sorgen um Dich zu machen:smile:)
Du kannst doch auch noch in einer oder zwei Wochen hingehen, aber dann - hoffentlich - mit etwas mehr emotionalem Gleichgewicht bzw. klar damit, was Du eigentlich damit erreichen willst.
Wenn Du aber das Gefühl hast, dass dieses Schuldgefühl Dich so stark belastet, dass Du davon im Alltag beeinträchtigt wirst, dann hole Dir unbedingt vor Ort jemanden (professionelles) zur Hilfe!
Du scheinst ein sehr verantwortungsbewusster Mensch zu sein, der an sich selbst hohe Maßstäbe setzt?
LG, IHF