Guten Morgen!
Frage 1: Müssen die :Eltern nun unbedingt ein
Markenprodukt kaufen?
Von „muß“, also von Zwang, steht da nichts. Es handelt sich um eine Empfehlung, eine Hilfestellung, um die Eltern nicht allein zu lassen. Schule und Lehrer werden aus Erfahrung wissen, daß manche Eltern ihren Zöglingen andernfalls alle möglichen ungeeigneten Schreibgeräte kaufen und sich hinterher bitterlich beschweren, daß es keine klare Ansage gab.
Wenn Dich die Aufzählung geeigneter Fabrikate stört, stelle Dir vor, wie wohl sonst eine praktisch umsetzbare Empfehlung aussehen könnte. Soll ein Lehrer ein technische Beschreibung liefern, dabei peinlichst jedes Warenzeichen vermeiden?
Wie sollten sich nun sozial schwache
Eltern (z.B. beide Sozialhilfeempfänger) verhalten?
Sie sollten froh sein, eine brauchbare Empfehlung in Händen zu halten, die sie davor bewahrt, das knappe Geld für unbrauchbares Zeug auszugeben.
Frage 3: Macht sich :der Lehrer denn nicht durch :das Werben für einzelne :Unternehmen (Pelikan etc.) :strafbar?
Dem Lehrer gilt mein aufrichtiges Mitleid, wenn er sich vorhersehbar mit derart unsinnigen Anwürfen auseinandersetzen muß. Mach doch mal einen Vorschlag, wie eine für alle Eltern verständliche Empfehlung zum Kauf eines geeigneten Schreibgerätes aussehen könnte, ohne Nennung irgendwelcher Fabrikate.
Frage 4: Wird durch :derartiges Verhalten des :Lehrers denn nicht der :wirtschaftlich soziale :Wettbewerb verzerrt?
Du wärst gut beraten, die Ideologie aus der Schule fern zu halten. Wie gefiele Dir wohl der"wirtschaftlich soziale Wettbewerb", wenn einzele Kinder von ihren Eltern mit klecksendem und unbrauchbaren Mist ausgestattet würden? Kommt dann die Beschwerde, daß der Lehrer keine erschöpfende Liste sämtlicher unbrauchbarer Füller erstellte und dabei alle täglich wechselnden Versandhausbezeichnungen und Werbegeschenke mit Zeichnung und Testergebnissen berücksichtigte?
Würden alle Eltern in
eutschland solche Schreiben :erhalten und sich deren :inhaltlichen Forderungen :fügen, würden doch die
Hersteller und Vertreiber von :sogenannten „No-Name-Marken“
benachteiligt.
Worum geht es Dir? Geht es Dir wirklich um die zweckmäßige Ausstattung eines Schulkindes? Wenn Eltern meinen, die Entwicklung der Feinmotorik zum Schreiben und das dafür geeignete Schreibgerät beurteilen zu können, sind sie nicht gehindert, ein x-beliebiges Schreibgerät zu kaufen. Wenn Eltern glauben, die Lieferbarkeit von Tintenpatronen vorhersehen zu können, sollen sie den Exoten beschaffen.
Aber die ganz große Zeit, in der sie alle Register ziehen können, kommt erst noch für diese Eltern. Irgendwann muß auch mal ein Buch gekauft werden. Dann passiert Skandalöses: Es heißt nicht etwa „irgendein Buch“, vielmehr geht es dann um einen ganz bestimmten Buchtitel. Es kommt noch toller, weil nämlich sogar ein Verlag genannt wird. Und so ein Verlag ist gewinnprofitorientiert. Und alle anderen Verlage sind einfach so außen vor. Du solltest schon mal einen Schulstreik, mindestens aber eine Demo vorbereiten. Es muß Eltern möglich sein, ihre Kinder für Unterrichtszwecke mit beliebigen Büchern von selbstverfaßter Prosa, über die Bibel bis zu Fix & Foxi auszustatten.
Gruß
Wolfgang
PS: Wieso eigentlich bin ich gerade so glücklich, mich früher nicht für den Lehrerberuf entschieden zu haben?