Schule wechseln, was soll ich tun?

Hallo,

ich bin zurzeit 14 Jahre alt, gehe in die 9. Klasse einer Realschule.
Momentan bin ich mit meiner Schulsituation sehr unglücklich und fühle mich in eigentlich jedem Fach unterfordert.

Vorgeschichte:
Als ich in der 1. Klasse war, ließen sich meine Eltern scheiden, was mich doch ein wenig mitgenommen hat. Ich wurde verschlossener, aggressiver, einfach anders.
Die Scheidung war mit einem Umzug und logischerweise auch mit einem Schulwechsel verbunden. Vorher lebte ich in einem Haus in einer schönen gegend, jetzt in einer Wohnung in einer gegend mit eher niedrigem Niveau.
Auf meiner neuen Grundschule wurde ich schnell zum „Opfer“, da ich mich so schnell über die Provokationen aufregte. Weil damals alle mitgemacht haben, hatte ich keine Freunde, was mein Sozialverhalten (Freundschaften knüpfen, Umgang mit anderen) stark schädigte.
In der 3. Klasse wurde ich bereits als Schwererziehbar eingestuft, da die Lehrer einfach überfordert waren, wobei ich sagen muss, diese Schule ist eine Art „Versuchsschule“ (1. - 4. Klässler alle zusammen).
Ich habe einen IQ-Test gemacht, kenne das ergebnis zwar nicht, ich durfte aber nach einem Test (ca. 1 Monat) in einer 4. Klasse die 4. Klasse überspringen und sofort in die 5. gehen (nach den Sommerferien).

Dadurch, dass mein Sozialverhalten so stark geschädigt wurde, hatte ich in der 5. Klasse weiterhin Schwierigkeiten. Erst viel es mir schwer, mich Lernmäßig anzuschließen, ich wurde jedoch seit der 7. Klasse viel besser. Die sozialen Schwierigkeiten auf meiner jetzigen Schule ziehen sich bis heute hin, mal läuft es besser, mal schlechter. Jedoch habe ich noch niemand gefunden, den ich meinen besten Freund nennen könnte.
Wie dem auch sei, da ich die gleicher Symptome aufweise wie damals in der Grundschule (stören des Unterrichts, manchmal sogar Unerträglichkeit, Lustlosigkeit).
Ich habe vor wenigen Wochen erneut meinen IQ testen lassen und erzielte einen IQ von 131.
Da ich in den Haupfächern (Deutsch, Englisch, Mathe, Informatik) recht gute Noten habe ( Deutsch (2-3), Englisch (1-2), Mathe (1), Informatik (1-2)), habe ich mir gedacht, dass ich wohl recht problemlos auf ein Gymnasium gehen könnte.
Da ich mir hab sagen lassen, dass die 10. Klasse in den Hauptfächer zum Großteil aus Wiederholungen besteht, habe ich mir gedacht erneut eine Klasse zu überspringen. Um den Stoff der Fächer Englisch und Mathe nicht zu versäumen, könnte ich mir die Bücher besorgen und durchblättern, was in 90% der Fälle völlig reicht um es zu erlernen (war bis jetzt immer so).
Hacken:

  • schwer durchzusetzen
  • mindestens 2 Jahre Unterschied zwischen mir und den anderen Schülern
  • meine jetzige Klassenlehrering macht sich sorgen, dass die Gymnasiasten „in der Luft zerreißen“, da ich relativ schnell die „Opferrolle“ annehme.
  • ich denke in den höheren Klassen (10 - 13) noch eine zu überspringen, gestaltet sich generel schwierig.

Was würdet ihr mir raten?
Verzeiht mir, ich habe bestimmt jetzt einige Fakten vergessen und bin mit der Struktur etwas durcheinander gekommen, war ein harter Tag heute.

Gruß
grubba

Hi

Weil
damals alle mitgemacht haben, hatte ich keine Freunde, was
mein Sozialverhalten (Freundschaften knüpfen, Umgang mit
anderen) stark schädigte.

Dieen Satz aus dem MUnde eines 14jährigen muss ich mir erstmal auf der Zunge zergehen lassen.
Wenn dein „Sozialverhalten“ wirklich so stark geschädigt wäre, würdest du dich anders ausdrücken, fürchte ich… :wink:

Dadurch, dass mein Sozialverhalten so stark geschädigt wurde,
hatte ich in der 5. Klasse weiterhin Schwierigkeiten.

Mhhmm…

Jedoch habe
ich noch niemand gefunden, den ich meinen besten Freund nennen
könnte.

Sehr gut! Das zeigt zumindest, dass du mit dem Begriff „Freund“ kritisch umgehst.

Ich habe vor wenigen Wochen erneut meinen IQ testen lassen und
erzielte einen IQ von 131.

Normal. Hatte ich auch beim IQ-Test. Sollte man sich tunlichst nicht zuviel drauf einbilden.

Da ich in den Haupfächern (Deutsch, Englisch, Mathe,
Informatik) recht gute Noten habe ( Deutsch (2-3), Englisch
(1-2), Mathe (1), Informatik (1-2)), habe ich mir gedacht,
dass ich wohl recht problemlos auf ein Gymnasium gehen könnte.

Würd ich auch meinen. Wollte ich dir schon vorschlagen.

Da ich mir hab sagen lassen, dass die 10. Klasse in den
Hauptfächer zum Großteil aus Wiederholungen besteht, habe ich
mir gedacht erneut eine Klasse zu überspringen. Um den Stoff
der Fächer Englisch und Mathe nicht zu versäumen, könnte ich
mir die Bücher besorgen und durchblättern, was in 90% der
Fälle völlig reicht um es zu erlernen (war bis jetzt immer
so).

Lass das doch sein mit dem Überspringen. Versuche doch zunächst einfach, auf ein Gymnasium zu wechseln.

Hacken:

Hacken sind besser als Haken.

Was würdet ihr mir raten?

Wiegesagt: Erstmal versuchen, schnell von der Realschule aufs Gymnasium zu kommen. Das wäre imho der wichtige erste Schritt.
Gruß,
Branden

Hallo!

Ich habe vor wenigen Wochen erneut meinen IQ testen lassen und
erzielte einen IQ von 131.

Normal. Hatte ich auch beim IQ-Test. Sollte man sich tunlichst
nicht zuviel drauf einbilden.

Drauf einbilden sollte man sich in der Tat nichts. Aber als „normal“ würde ich einen Wert, den nur zwei unter hundert Menschen erreichen, nicht unbedingt bezeichnen. Und auch wenn der IQ letztendlich nur etwas über die „Rechnergewschindigkeit“ aussagt und nicht über den Menschen, halte ich den Umstand, daß der Fragesteller hochintelligent ist, nicht für völlig ohne Bedeutung.

lg,
Max

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Hallo Grubba,

wenn Du dieses Posting selbst geschrieben hast, dann brauchst Du Hilfe!!
Ich frage mich bei dem Ganzen wo Deine Eltern sind? Unterstützen sie Dich?

Ich würde Dir dringend raten auf’s Gymnasium zu wechseln und mit dem Überspringen einer weiteren Klasse zu warten bis Du dort „angekommen“ bist und das andere Niveau einschätzen kannst.

Versuche die weitere Schullaufbahn so gut wie es Dir möglich ist zu meistern um in der Uni richtig durchzustarten. Setze Dir das als Ziel - vielleicht hilft Dir das die Schule besser zu ertragen und gelassener zu werden.

Du bist wahrscheinlich kein „Gruppenmensch“ und das musst Du auch nicht sein, obwohl es von der allgemeinen Gesellschaft oft erwartet wird. Das mit der Freundschaft wird kommen, wenn Du die Chancen auf für Dich interessante Menschen erhöhst. Das könnte im Gymnasium der Fall sein, muss aber nicht nur in der Schule sein. Vielleicht suchst Du Dir Gleichgesinnte - z.B. einem Sportverein oder einer Arbeitsgruppe. Wenn Dir Mathematik und Informatik liegt, dann suche Dir eine Fördergruppe.

Und noch etwas: Hochintelligente „ticken“ anders, sie lernen anders und haben andere Denkstrukturen. Das geht nicht immer mit der herkömmlichen Unterrichtsmethode in der Schule konform. Am besten informierst Du Dich bei der Begabtenberatung.

Viel Glück!

Hallo Grubba,
ich finde es beeindruckend, wie sachlich Du Deine Situation und Dein Leben analysierst. Das findet man nicht bei vielen 14jährigen Fragestellern. Es klingt natürlich im ersten Moment pardox, wenn jemand so nüchtern über sein gestörtes Sozialverhalten doziert, als würde er über eine andere Person reden, aber letztendlich ist das kein Widerspruch. Ich denke, Du siehst Dich selbst sehr klar, weißt aber nicht unbedingt, wie Du an Deinem Verhalten und der ganzen Situation etwas ändern kannst.

Auf meiner neuen Grundschule wurde ich schnell zum „Opfer“, da
ich mich so schnell über die Provokationen aufregte.

Ja, das kenne ich. Man regt sich so „schön“ auf, und deshalb macht es den Leuten gleich noch mehr Spaß. :-/

Ich habe vor wenigen Wochen erneut meinen IQ testen lassen und
erzielte einen IQ von 131.

So etwas hatte ich bereits vermutet. :smile: Die Art, wie Du über Dich selbst spricht, lässt auf ein ausgeprägtes analytisches Denken schließen. :smile:

Ein IQ von 131 ist kein Grund, um überheblich zu werden, es macht Dich auch nicht zu einem besseren Menschen, aber es ist auch nicht völlig bedeutungslos. Du bist damit offiziell hochbegabt. :smile: Und es besagt, daß Dein Rechner schneller läuft als von 98 % Deiner Mitmenschen. Es sagt natürlich nichts darüber aus, welches Programm auf diesem Rechner läuft, aber oft sind es dann auch etwas „andere“ Programme, wegen denen man dann bei anderen Menschen aneckt.

dass ich wohl recht problemlos auf ein Gymnasium gehen könnte.

Könnte ich mir gut vorstellen. Ich denke auch, daß das besser wäre für Dich.

Da ich mir hab sagen lassen, dass die 10. Klasse in den
Hauptfächer zum Großteil aus Wiederholungen besteht, habe ich
mir gedacht erneut eine Klasse zu überspringen.

Hmmm … da fällt mir spontan eine Liedzeile von Reinhard Mey ein: „Nehme zwei Schritte auf einmal und fall aufs Maul.“

  • meine jetzige Klassenlehrering macht sich sorgen, dass die
    Gymnasiasten „in der Luft zerreißen“, da ich relativ schnell
    die „Opferrolle“ annehme.

Ja. Da wirst Du auch an Dir arbeiten müssen.

Was würdet ihr mir raten?

Es gibt zwei Vereine, in denen es Leute gibt, die sich mit Dir und Deiner Situation ganz gut auskennen - in menschlicher, rechtlicher, psychologischer Hinsicht:

http://www.dghk.de
http://www.mensa.de

Irgendwo habe ich mal gehört, die DGhK mache ihre Kernarbeit für Leute unter 14, da solltest Du Dich vorher erkundigen. Über die DGhK weiß ich auch nicht so gut Bescheid.

Bei Mensa gibt es eine sehr aktive Jugendsparte. Man muß auch nicht sofort Mitglied werden, kann auch nur so reinschnuppern. Ich könnte mir gut vorstellen, daß Du dort Leute findest, mit denen Du dich gut verstehst - und auch Erwachsen, die in einer ähnlichen Situation waren. Ich bin selbst Mitglied dort und fand es eine enorme Bereicherung für mein Leben.

Gerne auch mehr per Mail.
lg,
max

Hi Max

Und auch wenn
der IQ letztendlich nur etwas über die
„Rechnergewschindigkeit“ aussagt und nicht über den Menschen,
halte ich den Umstand, daß der Fragesteller hochintelligent
ist, nicht für völlig ohne Bedeutung.

Sicherlich. Aber mit der INtelligenz ist es ähnlich wie mit allen anderen Talenten: Man muss sie richtig einsetzen können. Wir hatten auch einen Genius in unserer Klasse, der seit nunmehr etwa 30 Jahren wohnungslos in seinen Autos und Bauwagen schläft und vor sich hin jobbt.
Daher meine pragmatische Antwort an den User, einen Schritt vor dem andern zu machen und nicht durchzudrehen.
Gruß,
Branden

nicht wirklich off-topic
Hi

Hmmm … da fällt mir spontan eine Liedzeile von Reinhard Mey
ein: „Nehme zwei Schritte auf einmal und fall aufs Maul.“

Hat der Mey wirklich „nehme“ statt „nimm“ gesungen? Ich hatte den als recht gebildet in Erinnerung…
:wink:
Gruß,
Branden

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Hallo,

Hmmm … da fällt mir spontan eine Liedzeile von Reinhard Mey
ein: „Nehme zwei Schritte auf einmal und fall aufs Maul.“

Hat der Mey wirklich „nehme“ statt „nimm“ gesungen?

Er hat gesungen: " Ich nehme zwei Schritte …"

Ich hatte
den als recht gebildet in Erinnerung…

Ist er auch.

Gruß
Elke

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Hi Elke

Er hat gesungen: " Ich nehme zwei Schritte …"

Na, dann!

Ich hatte
den als recht gebildet in Erinnerung…

Ist er auch.

Du nicht?
Gruß,
Branden

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Moin,
deine Geschichte kenne ich von mir. Ich bin damals (leider) auf der Realschule geblieben und danach erst aufs Gymasium gegangen. Hat meine Lernmotivation sehr negativ beeinflusst. Ich rate dir, gehe auf jedenfall aufs Gymnasium. Du hast nichts zu verlieren und naja, so bürokratisch alles auf den ersten Blick aussieht, meist entpuppt es sich dann doch als ganz einfach, ein nettes Kompliment und schon funktioniert es.
Eine weitere Möglichkeit wären spezielle Hochbegabtenschulen. Das sind zwar meistens Internate, aber dafür bist du nichtmehr allein und wirst gefördert, dass sollte es dir eigentlich wert sein. Rückblickend wäre das auch für mich der weitaus bessere Weg gewesen.
Wegen der Kosten… da gibt es mit Sicherheit Stipendien. Nur nicht vor ein bisschen Mühe zurückschrecken.

hallo!

Wir hatten auch einen Genius in unserer Klasse, der seit
nunmehr etwa 30 Jahren wohnungslos in seinen Autos und
Bauwagen schläft und vor sich hin jobbt.

Wie ich immer sage: Der IQ sagt etwas über die Geschwindigkeit deines Rechners aus - welches Programm darauf läuft, ist eine andere Frage.

Ich kenne etliche Hochbegabte, bei denen ist „Paranoider Verschwörungstheoretiker 2.1“ installiert. Aber hallo! Da geht die Post ab. :smile:

Intelligenz ist ein Potential - man kann etwas draus machen (wenn man will) oder nicht. Aber um etwas draus zu machen, muß man sich unter Umständen erst einmal dessen bewusst sein, fdaß0 man da ein besonderes Potential hat.

Das Zitat von Reinhard Mey lautet übrigens vollständig:

„Ich übe den Fortschritt und das nicht faul:
Nehme zwei Schritt auf einmal und fall‘ aufs Maul.“

Gruß,
Max