Schuleingangsphase

Hallo Experten,
mein Sohn besucht jetzt die 1 Klasse einer Grundschule. Er ist der jüngste in dieser Klasse. Seine Leistungen waren bei bisherigen Lernzielkontrollen immer im Mittelfeld er war noch nie der schlechteste! Nun hatten wir ein Elterngespräch mit seiner Lehrerin. Sie meinte das sie dieses Jahr wahrscheinlich wieder eine 1. Klasse übernehmen werde und da sie ihm öfter nocheinmal etwas erklärt würde sie ihn gerne noch ein Jahr behalten (Er würde ja durch die Schuleingangsphase nicht Sitzenbleiben und auch andere Aufgaben bekommen). Sie hat es auch damit begründet das man ja nicht wisse wie er mit anderen Lehren dann zurecht kommen würde und das er ja auch noch so klein wäre. Von anderen Eltern haben wir aber gehört das die Schule dieses Jahr ihre erste Klasse nicht „voll“ bekommt und das schon mehrere Eltern im Kindergarten gefragt wurden ob sie Ihre Kinder nicht ein Jahr früher einschulen wollen. Ich habe jetzt die befürchtung das mein Sohn nur deshalb nocheinmal zu Ihr soll damit sie genug Kinder haben. Gibt es irgendetwas was man dagegen tun kann oder wo man unabhänig testen lassen kann ob er in die 2. Klasse gehen kann.
Danke

Hallo Rose,
frage doch mal Deinen Sohn, wie er sich fühlen würde, wenn alle Schulkameraden in die nächste Klasse kommen, nur er nicht.
Vermutlich wäre er darüber sehr traurig, und evtl. Hänseleien, die dem Kleinen das Leben zur Hölle machen könnten, wären vorprogrammiert, immer nach dem Motto: Schau, der ist ja zu klein/zu dumm, der muß die 1. Klasse nochmal machen.

Diese Option würde ich als Mutter zweier Kinder nur im aller äußersten Notfall (d. h. in diesem Falle ungenügende Leistungen, die einer weiteren Wissensvermittlung im Wege stehen würden) in Erwägung ziehen.

Gerade Jungen sind häufig Spätstarter, meine ältere Tochter war noch bis in die 4./5. Klasse verspielt. Da wäre ich nicht mal ansatzweise auf die Idee gekommen, an ein Gymnasium zu denken. Aber ihr Wunsch war da - und siehe - nach einem gehörigen Ordnungsgong in der 6. Klasse und enormen Leistungsanstrengungen ihrerseits kamen Gymnasium und jetzt Studium an einer Uni.

Also höre auf Deinen Bauch und berate Dich mit Deinem Mann/seinem Vater bzw. Leuten, denen Du vertraust und nicht zuletzt mit Deinem Sohn. Er müsste nämlich mit dieser Entscheidung leben.

Ihr werdet die richtige Wahl treffen. Alles Gute wünscht BM

Hallo,

mein Sohn besucht jetzt die 1 Klasse einer Grundschule. Er ist
der jüngste in dieser Klasse.

Na, einer muss ja der Jüngste sein. Oder wird dann in der zweiten Klasse der Nächst-Jüngste zurück gestuft?

Sie hat es auch damit begründet das man ja nicht wisse wie er mit anderen
Lehren dann zurecht kommen würde und das er ja auch noch so
klein wäre.

Wenn er in der Klasse kein Problem hat, sollte das kein Problem sein.

Gibt es irgendetwas was
man dagegen tun kann oder wo man unabhänig testen lassen kann
ob er in die 2. Klasse gehen kann.

Es ist ja wohl umgekehrt - die Schule muss eine Wiederholung der ersten Klasse begründen. Ich halte die Argumente der Lehrerin - so wie du sie darstellst - für ziemlich sinnlos. (Allerdings habe ich schon oft erlebt, dass Eltern für begründete Argumente von Lehrkräften und Schulleitung einfach taub sind, wenn sie nicht mit ihrer eigenen Ansicht übereinstimmen. Ob das bei euch so ist, musst du selber beurteilen.)

Allgemein - du weißt ja nicht, wie sich dein Sohn entwickeln wird. Wenn er künftig in seiner Klassenstufe als Baby angesehen wird, kann man ja über einen Wechsel nachdenken. Vielleicht wird er aber ein Frühentwickler und ihr seid froh, dass ihr ihn früh eingeschult habt.

Mein Sohn (6. Klasse) ist einer der Jüngsten und einer der Größten, und in der 5.Klasse wäre er ein Riese, was ihm vielleicht nicht gefallen würde. Meine Töchter (9., 8. und 5. Klasse) übrigens auch.

Alles Gute

Felix

2 Kriterien
Guten Morgen,

um ein Kind die 1. Klasse wiederholen zu lassen, würde ich 2 Kriterien ansetzen:

  1. Die schulische Leistung
  2. Die soziale, psychische Belastung und wie er damit fertig wird.

Aus Deinem Posting entnehme ich, dass die Leistungen ok sind, fällt also als Grund eigentlich aus. Wobei ich die Tatsache, dass sie ihm öfter was nochmal erklären müsse schon kritisch sehe. Ich kann mir vorstellen, dass das schon zum Problem werden kann, wenn in der 2. oder 3. Klasse die Zeit dazu fehlt oder dem Rest der Klasse abgeknapst werden muss.

Hm, dass sie nicht wüßte, ob er mit anderen Lehrern zurechtkäme… Schwer zu beurteilen, diese Aussage. Wie war es denn mit der Einschulung, fiel ihm das schwer? Da würde ich mal nachhaken und fragen, ob es Gründe für diese Zweifel gibt. Nur der Jüngste zu sein reicht in meinen Augen als Begründung nicht aus.

Die Lehrerin kenne ich ja nicht und kann deshalb nicht einschätzen, wie fachlich kompetent sie ist. Ich wäre aber vorsichtig damit, alle ihre Gründe als vorgeschoben zu betrachten. Schwierige Entscheidung.

Was ich auf keinen Fall machen würde: Mein Kind dazu befragen. Ein 6-jähriger kann so eine Entscheidung nicht treffen, das ist in meinen Augen Erwachsenensache. Je natürlicher und definitiver man ihm das dann mitteilt, wenn es soweit ist, umso leichter wird er es haben, mit der Entscheidung klarzukommen. Ich frage ja meinen Sohn auch nicht, wie er es findet, sich im Auto anzuschnallen. Es gibt Dinge, die entscheiden Eltern für ihre Kinder, dazu sind sie m. E. da.

Zum Thema hänseln: Vielleicht wird er ja jetzt schon gehänselt, weil ihm alles extra erklärt wird. Wenn ein Kind gehänselt wird, hat das meist andere Gründe, als den aktuellen Anlaß zur Hänselei. Man läuft den Dingen hinterher, wenn man immer den aktuellen Grund abstellt und hofft, dass sich damit die Hänselei erledigt. Es wird sich ein neuer Hänselgrund finden, wenn das Kind dazu neigt ein „Hänselopfer“ zu sein.

Gibt es evtl. noch eine weitere Lehrkraft (die Förderlehrerin etwa), die man dazu befragen könnte?

Warum ich mich nach einigem Zögern dazu geäußert habe hat folgenden Grund: Wir haben in der Klasse meines Sohnes einen ähnlichen Fall. Die Eltern haben ihn eingeschult, obwohl alle davon abgeraten haben. Die Lehrerin ist sehr engagiert und „zieht ihn mit durch“. Mit Blick auf den Rest der Klasse (die zum Glück recht klein ist), sehe ich das eben kritisch und hoffe, dass er einen großen Entwicklungssprung macht, bevor er richtig auf die Nase fällt. Das Tempo zog hier in der 2. Klasse erheblich an, in der 3. Klasse noch einmal, wurde mir prophezeit.

Vielleicht waren ein paar Denkansätze dabei, einen konkreten Rat kann ich Dir leider nicht geben.

Schöne Grüße
kernig

Hallo,

gibt es an eurer Schule eine Sozialpädagogin? In Hessen gibt es an den Schulen, die eine flexible Eingangsstufe praktizieren (d.h. Kl. 1+2 wird zusammen unterrichtet), meist eine Soz.Päd. im Kollegium. Die ist genau für solche Probleme zuständig.

Falls es soetwas nicht gibt, würde ich mich nochmal lange mit der Lehrerin, eventuell auch der Lehrerin der Parallelklasse (o.ä.) unterhalten. Was das Zurückstufen gegenüber den Klassenkameraden betrifft, kann das ein Problem sein, allerdings sollte man das als „lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ sehen. Denn wenn dein Sohn in der Klasse tatsächlich insgesamt überfordert ist (z.B. dadurch, dass er nie Erfolgserlebnisse einheimsen kann, weil er immer bei den Schlechteren ist - andere, die punktuell schlechtere Noten als er heimbringen, haben dafür vielleicht punktuell Stärken , weil immer mehr Erklärungsbedarf bei ihm da ist), dann tut man ihm keinen Gefallen, ihn über Jahre in der höheren Stufe zu belassen. Ich weiß das aus bitterer Erfahrung, denn mein Sohn wurde trotz Bitten unsererseits nicht zurückgestuft (die Schulpolitik, es war eine ausländische Schule, bestand auf „altersgemäßer Beschulung“, nicht auf Leistung).

Deine Befürchtungen, dass die Entscheidung aber nicht deinem Sohn zuliebe, sondern wegen der Klassenstärke gefällt wird, kann ich ebenso nachvollziehen. Von daher ist Information das Wichtigste.

Gruß
eklastic