Schulempfehlung ingnorieren?

Hallo liebe Experten!

Ich habe mal wieder ein Problem.
Eine meiner Töchter (9 Jahre alt) befindet sich in der Grundschule „im unteren Niveau“, wie die Lehrerin diplomatisch meinte. Dementsprechend wurde ihr die Orientierungsstufe der Hauptschule empfohlen.
Nun, wir leben in Rheinland-Pfalz, so dass die Empfehlung nicht bindend ist und es allein in der Verantwortung der Eltern liegt, auf welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken.
Mein Mann und ich haben uns in den Kopf gesetzt, das Mädchen auf eine halb-private katholische Schule zu schicken, die den stolzen Namen eines Gymnasiums (altsprachlich) trägt, aber nur bis zur 10. Klasse geht, d.h. für Abitur müsste man die Schule wechseln oder eben eine mittlere Reife machen.
Die Gründe dafür seien nur kurz erleutert: Die Schule ist relativ klein (158 Schüler insgesamt),gilt als sehr ruhig und dizipliniert und bietet auch fachliche Hausaufgabenbetreuung. Da wir unsere Tochter als ziemlich sensibel einstufen, wären die kleinen Klassen ideal. Das heisst also nicht, dass wir nur unbedingt möchten, dass unser Kind aufs Gymnasium geht, sondern wir möchten nach Möglichkeit für sie eine ruhige und gleichzeitig fördernde Atmosphere schaffen, in der Hoffnung, dass ihre Leistungen auch steigen können. Die Lehrerin hat auch erwähnt, dass es in dem Kind „mehr steckt, als sie bereit ist zu zeigen“, und dass das Kind ausgesprochen kreativ ist und es schäde wäre, dieses Talent zu vergeuden. Der Haken ist nur, sie muss lernen, auch etwas dafür zu leisten.
Jetzt meine Frage: haben wir grundsätzlich eine Möglichkeit, trotz der Haupschulempfehlung das Kind aufs ´Gymnasium´ zu schicken, oder müssen wir eine Überzeugungsarbeit leisten? Wie gesagt, die Grundschulempfehlung ist im Prinzip nicht bindend.

Vielen Dank schon mal vorab.

.Hallo.

Auch bei unsereins war sich die Grundschullehrerin nicht sicher „…ob er die Realschule überhaupt schafft…“. Dafür hat unsereins '97 Abitur gemacht und studiert Mathe & andere Sachen :smiley:D (siehe meine ViKa & HP)
Okay, Privates beiseite: für schlechte Leistungen in der Schule gibt es zu viele Ursachen. Hier ein Ausschnitt:

  • ‚kein Bock‘
  • zu intelligent (in bestimmten Bereichen) ? --> http://www.mensa.de
  • zuviele schlechte Lehrkräfte
  • ungeeignete Förderung höherer Talente (wer kennt nicht die Debatte um das dt. Schulsystem, auch die geringste Begabung zu fördern und überdurchschnittliches ‚links liegen zu lassen‘ ?)
  • Überforderung (es gibt Ex-Gymnasiasten, die auf der Realschule erfolgreich(er) sind…)
  • Reizüberflutung („Schachnarren“ (=verkannte Genies) wissen wovon ich rede)

So, was empfiehlt unser cand. autodidactus Psychologe ?
„Man muss das Selbstbewusstsein der Tochter fördern. Und am besten dafür sind Tätigkeiten, bei der unmittelbare Erfolge innerhalb des Rahmens Ihrer Talentierung möglich sind, z.B. in der Kunst/Musik. Doch sollte die Entwicklung da nicht stehenbleiben und auch auf andere Bereiche übergreifen. Letzteres sollte aber erst peu-a-peu passieren, sonst kommt sich die Tocher überfordert vor und verweigert die Leistung im schlimmsten Fall komplett. Unser Ratgeber empfiehlt zum Beispiel auch mal Lob für gute Leistungen auszusprechen und mit Kritik erstmal zurückzuhalten. Zumindest sollte man bei Verbesserungsvorschlägen diplomatisch vorgehen.“
Hier ein Beispiel, wo das auch aufgrund anderer Umstände funktioniert hat: http://www.google.de/search?hl=de&q=kasparov+mutter&…

Und ganz profan: Tochter fördern -> bisschen was riskieren (Klosterschule) -> im Fall des Absturzes auffangen (zur normalen Schule zurück :,-( )

HTH
mfg M.L.

Hallo

bin kein Experte aber versuchen kann ich mich ja mal. *fg*

Mein Mann und ich haben uns in den Kopf gesetzt, das Mädchen
auf eine halb-private katholische Schule zu schicken, die den
stolzen Namen eines Gymnasiums (altsprachlich) trägt, aber nur
bis zur 10. Klasse geht, d.h. für Abitur müsste man die Schule
wechseln oder eben eine mittlere Reife machen.
Die Gründe dafür seien nur kurz erleutert: Die Schule ist
relativ klein (158 Schüler insgesamt),gilt als sehr ruhig und
dizipliniert und bietet auch fachliche Hausaufgabenbetreuung.
Da wir unsere Tochter als ziemlich sensibel einstufen, wären
die kleinen Klassen ideal. Das heisst also nicht, dass wir nur
unbedingt möchten, dass unser Kind aufs Gymnasium geht,
sondern wir möchten nach Möglichkeit für sie eine ruhige und
gleichzeitig fördernde Atmosphere schaffen, in der Hoffnung,
dass ihre Leistungen auch steigen können. Die Lehrerin hat
auch erwähnt, dass es in dem Kind „mehr steckt, als sie bereit
ist zu zeigen“, und dass das Kind ausgesprochen kreativ ist
und es schäde wäre, dieses Talent zu vergeuden.

Habt ihr bereits mit der „neuen“ Schule gesprochen? Vielleicht wäre es hilfreich dort anzumerken, was für Bedenken es gibt und warum ihr aber gerne eure Tochter auf diese Schule schicken wollt. Manche Kinder gehen in der Grundschule auch etwas unter und können an solch kleineren Schulen besser gefördert werden. Eine Unterhaltung mit der Schulleitung wäre möglicherweise hilfreich. Fragt nach, ob die Schule Unterstützung anbieten kann. Lasst vielleicht eure Tochter mal für einen Tag die Schule besuchen (zur Not können Mama oder Papa bestimmt auch dabei sein). Wenn die Klassen dort nicht (wie hier) 30 Schüler pro Klasse haben, kann sich der Lehrer meist auch eher darauf einstellen und gemäß den Begabungen fördern. Die Empfehlung nach der Grundschule ist nicht unbedingt auschlaggebend. Ich hab das Gymnasium auch ohne Empfehlung geschafft.

Schönen Gruß
Kel

Hallo Jarolep,

ich weiß nicht, wie die Hauptschulen bei euch aussehen. Wir leben in einer Großstadt in NRW. Zu einer Hauptschule würde ich ein Kind wie deine Tochter auf keinen Fall schicken, dann eher zur Gesamtschule.

Hauptschule ist hier bedeutungsgleich mit Sackgasse und das soziale Umfeld wäre für ein schöngeistig angehauchtes Mädchen mit (noch) schlummernden Talenten nicht förderlich - um es vorsichtig auszudrücken.

Die von euch in Betracht gezogene Schule hat den Vorteil kleiner Klassen, da wäre Binnendifferenzierung, wie sie eigentlich an jeder Schule stattfinden sollte, theoretisch gut machbar, also individuelle Lernangebote für die jeweiligen Schüler mit ihren Stärken und Schwächen in den einzelnen Fächern. Ob die Schule das tatsächlich leistet, kannst du evtl. vor Ort herausfinden.

Weil du die außergewöhnlich kreative Begabung deiner Kleinen erwähntest, fällt mir spontan noch die Variante „Waldorfschule“ ein. Ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wenn es in eurer Nähe eine gut geführte Waldorfschule gibt, solltet Ihr euch die wirklich mal gemeinsam ansehen. Ich kenne einige „ganz normale“ Menschen, deren Kinder sich dort gut machen, ohne dass nun das gesamte Leben „versteinert“ geführt wird.

Nun noch ein Wort zur Verbindlichkeit der Empfehlung: Hier in NRW, wo die Empfehlung nicht bindend ist, muss jedes Kind von einem ortasansässigen Gymnasium augenommen werden.

Ich wünsche euch von Herzen, dass Ihr eine gute Wahl trefft!
LG, sine

Hallo,

Mein Mann und ich haben uns in den Kopf gesetzt, das Mädchen
auf eine halb-private katholische Schule zu schicken, die den
stolzen Namen eines Gymnasiums (altsprachlich) trägt, aber nur
bis zur 10. Klasse geht, d.h. für Abitur müsste man die Schule
wechseln oder eben eine mittlere Reife machen.

Warum sprecht Ihr nicht mit dem zuständigen Lehrer der betreffenden Schule?
Vielleicht bieten die ja einen Probetag oder irgendwas in der Art an wo man sich gegenseitig „beschnuppern“ kann. Ich finde es immer wichtig die Meinung der Schule zu hören in die das Kind dann gehen soll.
Und was wünscht sich eigentlich Eure Tochter?

Viele Grüße
Sue

Hallo Jarolep,

ich habe in meinem Bekanntenkreis drei Personen, die für Hauptschule empfohlen wurden. Alle drei haben später ein gutes Abitur gemacht und einer hat erfolgreich studiert.

Wie schon erwähnt. Hauptschule ist eine Sackgasse.

Gruß
Carlos

Hallo Jarolep,

Liebe sine,

Weil du die außergewöhnlich kreative Begabung deiner Kleinen

erwähntest, fällt mir spontan noch die Variante
„Waldorfschule“ ein. Ist sicher nicht jedermanns Sache, aber
wenn es in eurer Nähe eine gut geführte Waldorfschule gibt,
solltet Ihr euch die wirklich mal gemeinsam ansehen. Ich kenne
einige „ganz normale“ Menschen, deren Kinder sich dort gut
machen, ohne dass nun das gesamte Leben „versteinert“ geführt
wird.

Ja, Waldorfschule wurde schon in Erwägung gezogen, und nicht nur von uns, sondern auch von der Lehrkraft.
Das Problem ist
a) Die nächste Schule ist 2 Stunden Fahrt von uns entfernt.
b) Diese Waldorfschule hat eine Warteliste von mehreren Jahren, besonders kritisch ist es natürlich bei der Klasse 5, weil das der Zeitpunkt ist, wann die Kids die Schule wechseln MÜSSEN.

Gruß

Jaro

Hallo,
Warum sprecht Ihr nicht mit dem zuständigen Lehrer der
betreffenden Schule?
Vielleicht bieten die ja einen Probetag oder irgendwas in der
Art an wo man sich gegenseitig „beschnuppern“ kann. Ich finde
es immer wichtig die Meinung der Schule zu hören in die das
Kind dann gehen soll.
Und was wünscht sich eigentlich Eure Tochter?

Doch, das haben wir natürlich vor. Die Schule bietet im Januar einen Informationstag an. Oder wäre es besser, wenn wir jetzt schon hingehen?

Und die Tochter möchte auf keinen Fall in der Hauptschule bleiben. Das hat sie schon mehrmals eindeutig geäußert. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, ihr von der bereits vorliegenden Empfehlung zu erzählen, wobei sie natürlich ahnt, wie diese ausgefallen ist.

Viele Grüße

jaro

.Hallo.

Hallo Markus,

  • Reizüberflutung („Schachnarren“ (=verkannte Genies) wissen
    wovon ich rede)

Oh ja, das weiss ich.

Ein Stern von mir für deinen Beitrag!

Schönen Tag noch

jaro

als ich damals in der 4. klasse war, war die situation ähnlich. meine noten waren relativ schlecht, aber die lehrer meinten das läge nur an meiner faulheit und verträumtheit. meine eltern liesen mich dann eine art iq-test machen und der tester meinte anschliessend, dass ich mich auf einer realschule langweilen würde. also kam ich ins gymanium und blieb prompt sitzen.
rückblickend war mein problem, dass mir die noten vollkommen egal waren und ich nicht jeden unterrichtsstoff beachtenswert fand. so hatte ich in ein paar fächern gute bis sehr gute noten und in anderen fächern schlechte bis sehr schlechte.
wäre ich damals auf eine „private“ schule gegangen und/oder hätte man sich mehr um mich bzw um meine schulprobleme gekümmert, wäre meine schullaufbahn sicher anders verlaufen (hab insgesamt 5mal das klassenziel nicht erreicht, musste aber „nur“ 3mal wiederholen). hatte dann am ende einen akzeptablen realschulabschluss und trotz allem noch die möglichkeit ohne abi zu studieren.

also wenn ihr glaubt, dass euere tochter auf einer hauptschule nicht gut aufgehoben wäre bzw dass sie aufgrund ihrer fähigkeiten besser auf eine höhere schule gehen sollte, dann solltet ihr meiner meinung nach die empfehlung ignorieren. auf jedenfall muss sich dann aber intensiv um das kind gekümmert werden. wenn ihr aus beruflichen gründen usw selber nicht genug zeit habt, solltet ihr gegebenen falls gucken dass das mädel nachhilfeunterricht bekommt.
ich bin in der 7. klasse sitzen geblieben wegen deutsch (rechtschreibregeln hatten mich nicht interessiert/meine aufsätze waren gut), mathe (in geometrie war ich einer der besten/allgebra fand ich langweilig) und englisch (war zu faul um vokabeln zu lernen). in den drei fächern bekam ich dann nachhilfeunterricht und durch die intensive persönliche betreuung wuchs auch mein interesse und meine lust am lernen. obwohl ich dann am ende des jahres in meinen problemfächern einen schnitt von 2 hatte, blieb ich wieder sitzen. diesmal wegen erdkunde, religion(!), kunst (hab übrigens kunst studiert) und musik (und glaub wegen noch einem fach). im jahr davor hatte ich in diesen fächern ganz gute noten.

oh mann, wie gerne wäre ich auf einer privaten schule gewesen; in einer kleine klasse in der man sich um die schüler kümmert und ihnen nicht enfach nur ne note gibt.

Ich denke, dass eine Empfehlung eben das ist, was es auch heißt, eben eine Prognose an die man sich halten kann aber nicht unbedingt muss.

Zunächst sollte man sich aber der Gründe klar sein, auf denen die Prognose fußt. Welche Gründe sind für das schulische Versagen, um es mal hart auszudrücken, verantwortlich? Bei der Suche nach den Gründen darf ich mich selbst auch nicht ausnehmen, denn oft ist es so, dass sich Eltern auf das staatliche Schulsystem verlassen, das ja wie bekannt weder mit finanziellen Mitteln gesegnet noch von Politikern als wählergewinnend erachtet wird.

Das staatliche Schulsystem funktioniert gut für den sog. Durchschnitt. Alles andere, besonders gute oder schlechte Schüler, ist problematisch.

Daher ist eine Privatschule, die man sich allerdings eben nach den eruierten Gründen für das Schulversagen (überfordert, unterfordert, sozial ausgegrenzt, zu wenig Kreativität etc…) auswählen sollte. Die Privatschulen haben ein sehr weit gefächertes Angebot über das man sich informieren lassen sollte. Für diese Information würde ich nicht den sog. Informationstag abwarten. Denn was erfährt man schon in 1-2h? Es ist deutlich mehr Aufwand nötig, wenn man seinem Kind die besten Möglichkeiten bieten will.

Eine staatliche Schule (bei Geldknappheit der Eltern - Privatschulen sind ja oft nicht billig) kann auch einen Erfolg bringen, wenn a) das Kind sich im Laufe der Zeit anpasst (Risiko) oder b) die Eltern einen enormen Förderungsaufwand betreiben, der nicht zu unterschätzen ist.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

Diese Schule ist insofern „privat“, weil die Kirche, und nicht der Staat, die meisen Kosten übernimmt. Für die Eltern soll es nichts kosten, ausgenommen die Nachmittagsbetreuung. Ansonsten ist die Schule dem Ministerium für Bildung unterstellt und „fährt“ nach dem staatlichen Programm. Das Ministerium hat es dabei gut, weil es, wie geasgt, nichts zahlen muss.
Die einzigen Unterschiede sind, wie bereits erwähnt, die kleinen Klassen (ich glaube weil die Schule als streng katholisch gilt) und ein Gebet zum Unterrichtsanfang. Ach ja, in vielen Fächern unterrichten die „Brüder“, also Mönche.
Kurz gefasst, finaziell macht es nicht so viel aus. Nur steht diese Schule in den „Gelben Seiten“ unter „Privat“.

Diese Schule ist insofern „privat“, weil die Kirche, und nicht
der Staat, die meisen Kosten übernimmt. Für die Eltern soll es
nichts kosten, ausgenommen die Nachmittagsbetreuung. Ansonsten
ist die Schule dem Ministerium für Bildung unterstellt und
„fährt“ nach dem staatlichen Programm. Das Ministerium hat es
dabei gut, weil es, wie geasgt, nichts zahlen muss.

Naja, Jarolep,
zumindest für NRW stimmt diese Feststellung nicht.
Konfessionsschulen gibt es natürlich (dem Konkordat seis gedankt) auch hier, jedoch die Kosten für diese Schulen trägt zu 95% die öffentliche Hand.
siehe http://www.kirchensteuern.de/Texte/Bajohr.htm
Möglich, dass es in RP anders ist, aber hier macht der Staatssäckel damit keine Gewinne!
Grüße
Eckard