Schulferien

Ergänzung GS
Hallo Thatsme,

Ich möchte die Antwort meines Vorredners ergänzen, weil er nicht für den GS-Bereich sprechen konnte:
Auch im GS-Bereich ists nicht viel anders. Man hat 26 Erstklässler und muss dementsprechend viele Elterngespräche führen, Lernabschnitte möglichst individuell planen (man hat in der Grundschule meist 3 Entwicklungsjahre in einer Klasse!) und Förderpläne schreiben. Elterngespräche können oft nur abends stattfinden, so dass ich des öfteren bis 19.30 Uhr in der Schule bin. In der Zwischenzeit erledige ich dann Nach- und Vorbereitung des Unterrichts, Korrekturen, Aufräumarbeiten usw.
Dass in Finnland die Lehrer weniger verdienen mag sein. Dass aber hier nur formale Dinge übernommen werden, ohne die personelle Ausstattung zu beachten, ärgert mich. Ich denke, dass trotz schlechterem Verdienst die Arbeitsbedingungen dort besser sind, denn sie haben für kleinere Lerngruppen mehr Lehrer, unterrichten viel (oder immer) im Team und haben gute Fördermöglichkeiten. Wir dagegen sollen 26 Erstklässlern individuell binnendifferenziert lesen und schreiben beibringen, müssen Förderpläne schreiben, ohne jemals die Aussicht auf Förderstunden zu haben. Der Erwartungsdruck (Kinder: Schule soll Spaß machen, Eltern: mein Kind soll viel lernen, individuell wahrgenommen und gemocht werden, Schulamt: Lehrpläne müssen eingehalten werden, Bürokratie muss erledigt werden, Schulleitung: Schule soll nach außen gut dargestellt werden, Kindergärten, Horte, Jugendämter: Lehrer soll jederzeit kooperieren u.v.m.!) ist hoch und das Image schlecht - wie man an Deinem Beitrag gut sieht…
Ich liebe übrigens meinen Beruf und finde, dass ich mich da gut verwirklichen kann, aber dass ich weniger arbeite als andere, ist definitiv falsch. (Und da ich schon in anderen Berufen gearbeitet habe, kann ich Dir garantieren, der Lehrerjob ist der stressigste! Ich arbeite mehr und muss mich sehr anstrengen nicht ungesünder zu leben: ich komme vormittags nicht dazu, etwas zu trinken und schon gar nicht dazu, auf die Toilette zu gehen! - Das geht nur, wenn man die benachbarte Kollegin beauftragt, nach der Klasse mit zu schauen, was zumindest in der 1. Klasse (dann mal 2) unter Umständen (Streit, Verletzung, Kummer etc.) nicht immer so leicht ist und man darum eher vermeidet…
Naja, egal. Mit Liebe zum Beruf und zu den Kindern geht das alles!
Nix für Ungut, aber überdenke mal Dein Bild vom Lehrerberuf. Schwarze Schafe gibts überall und wahrscheinlich an jeder Schule. Dafür gibts aber auch überall die anderen, die fleissig vor sich hinwurschteln. Und was die in den Ferien alles für die Schule machen, siehst Du ja gar nicht!
Gruß, Matuja

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Ach liebe Kollegen und Nicht-Kollegen,
ich habe es längst aufgegeben, mich über unqualifizierte Berechnungen der angeblichen Realarbeitszeit der Lehrer zu ärgern oder gar Gegenrechnungen aufzumachen. Die ganze Sache ist von ähnlicher Qualität wie das Berechnen der Arbeitszeit eines Arztes anhand der an seiner Praxistür angegebenen Sprechstundenzeiten, eines Anwalts anhand seiner Gerichtstermine und Mandantengespräche, eines Parlamentariers anhand seiner Anwesenheit im Plenum. Es gibt zweifelsohne gute und schlechte, faule und fleißige Lehrer, wie in allen anderen Berufen auch. Ich antworte auf solche Tante-Emma-Rechnungen nur noch stereopyp: „Aufnahmeprüfung fürs Sportlehrerstudium nicht bestanden oder warum nicht selbst diesen Traumjob eregriffen?“ Dass mittlerweile fast jeder, der eine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisen kann, zumindest als Vertretungslehrer auf die Kids losgelassen wird (ich sage nur „Projekt erweiterte Selbständigkeit“ in RLP…)sagt zumindest aus, dass es kaum noch junge Leute gibt, die sich diesen Job antun möchten. Warum wohl?
Und was den Stress bestrifft: wie anstrengend ein Job ist kann man in aller Regel erst dann beurteilen, wenn man ihn mal ausprobiert hat. Wir haben derzeit einen jungen Quereinsteiger (Diplombiologe) an der Schule, der 18 Stunden Unterricht macht und den Rest seines Deputats (also 6 Stunden) Seminar zum 2.Staatsexamen. Der arme Kerl sagt, er schläft etwa 4 bis 5 Stunden pro Nacht, mehr ist arbeitsmäßig nicht drin. Und seit ich selbst in der Schulleitung bin und ein guter Teil meines Jobs aus Verwaltung und Organisation (Stundenplan, Unterrichtsverteilung etc.) besteht, weiß ich, wie viel anstrengender eine Stunde Unterricht ist als zwei Stunden Schreibtischtätigkeit.
Lasst euch nicht provozieren, Kollegen, bringt nix.
Schöne Ferien - ihr habt sie verdient!
Gruß Orchidee

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Hi,

viel muss ich ja nciht mehr schreiben, da mir meine Vorredner, besonders Wawi, sehr viel abgenommen haben.
Deine Aussage zum pädagogischen Tag habe ich da wohl missverstanden, tut mir leid. Ich hätte ihn persönlich auch lieber während der Ferien, besonders weil an unserer Schule die meisten Schüler nur ein Jahr bis zu den Prüfungen haben, da fehlt jeder Unterrichtstag.

Ja, traurig, dass du das nichtmal registrierst, dass du 1 X
pro Jahr eine kostenlose Fortbildung während der
Unterrichtszeit bekommst :frowning:

Da bist jetzt du dran mit dem Missverstehen: Ich registriere das sehr wohl. Ich weiß lediglich nicht, ob es einmal pro Schuljahr oder einmal pro Kalenderjahr ist.
Überhaupt hast Du mich hinsichtlich des päd. Tages völlig falsch verstanden: Ich beschwere mich keinesfalls. Ich wollte nur beschreiben, wie ein päd. Tag funktioniert, weil ich glaubte, dass du das nicht weißt.

Und das auch noch verpflichtend,
wo man sich nichtmal frei nehmen kann, oder lieber Untericht
geben darf.

Ich kann mir nicht einfach frei nehmen. Nur krank zählt, oder außergewöhnliche Vorkommnisse: Tod oder plötzliche schwere Erkrankung im engsten Familienkreise (dafür ist glaub ich 1 Tag frei vorgesehen … hatte ich, Gottseidank, noch nicht). Ich habe zwar 6 Wochen Urlaub, diese muss ich aber während der Schulferien nehmen.

Ein erfahrerner Lehrer spart mit den Jahren natürlich Zeit für
die Vorbereitung. Junge engagierte Lehrer brauchen mehr Zeit.

Man spart sich mit zunehmender Erfahrung zeit für die Vorbereitung. Aber nicht jeder junge Lehrer ist engagiert, und nicht jeder alte Lehrer ist nicht engagiert. Eine Kollegin Anfang 60 organisiert bei uns jedes Jahr eine Theaterveranstaltung für die Schule (bestellt eine Theatertruppe, organisiert das Programm etc) und eine Kollegin Ende 20 fühlt sich beleidigt, wann immer sie Englisch unterrichten muss (sie hätte lieber Spanisch studiert und unterrichtet)

Dummerweise tauscht sich das Lehrervolk ja nicht aus und jeder
hortet seine Arbeitsblätter wie 'ne Glucke ihr Ei. Bloß nicht
den Kollegen die eigene Arbeit abgeben.

Natürlich ist das von Kollege zu Kollege unterschiedlich. An unserer Schule wird sehr viel ausgetauscht. Ich habe im Sommerurlaub Zeitungen in England gekauft, nach interessanten Artikeln durchforstet und als Fotokopie den Kollegen zur Verfügung gestellt. Eine andere Kollegin hat zur Acceptance Speech von Barack Obama eine ganze Doppelstunde erarbeitet und den Kollegen zur Verfügung gestellt (habe die Stunde gehalten… der versäumten Unterrichtszeit renne ich immernoch hinterher, auch wenn es mir nicht leid tut. Aber die Prüfung beinhaltet nichts zur Tagespolitik). Wir archivieren Schulaufgaben und Exen, damit die Kollegen Inspiration für die Erstellung eigener Leistungsnachweise finden: auf USB-Stick und in Papierform.

Egal wie hilfreich und
beliebt und erfolgreich sie bei den Schülern ist. Man ist ja
schließlich nicht dem Schüler verpflichtet, sondern der
eigenen Eitelkeit und Urheberrecht :wink:

Urheberrecht regelt sich in dem Fall durch persönliche Absprache. Und was die Verpflichtung gegenüber dem Schüler angeht: Ein und dieselbe Stunde funktioniert bei Lehrer A, bei Lehrer B funktioniert sie nicht. Ich halte zum Beispiel Anfang des Schuljahres impromptu speeches mit meinen Schülern, als erste Vorbereitung auf die mündliche Prüfung am Schuljahresende: 1 Schachtel mit losen (pro Los der Name eines Schülers), 1 Stapel mit Themenkärtchen (children, USA, sport, English food, … lauter solche einfachen Begriffe).
Ich ziehe einen Namen, der Schüler der drauf steht ist dran, zieht verdeckt einen Begriff, bekommt ein paar sekunden (mein Weg zurück zum Pult) zum Überlegen, und muss dann 1 Minute über den Begriff reden. In Englisch. ERzeugt bei mir Wellen der Begeisterung unter den 19-22jährigen Schülern. Meine Kollegen sind begeistert und freuen sich, aber die Stunde hat keiner übernommen. Sie haben eben ein anderes Verhältnis zu den Schülern. Ein anderes, kein schlechteres wohlgemerkt. Und die Schüler sind in der mündl. Prüfung genauso gut oder schlecht wie meine.
Soviel auch zum Thema Urheberrecht.

Nur frage ich mich, warum es einige Lehrer trotzdem schaffen,
beliebt zu sein, gute Schüler zu „produzieren“, Spaß an ihrem
Beruf zu haben und mit dem „unerzogenen renitenten Pack“ klar
kommen und von ihren Schülern akzeptiert werden.

Es hängt von sehr vielem ab. Meine persönliche Beobachtung ist, dass guter und erfolgreicher Unterricht in erster Linie davon kommt, dass man vor den Schülern man selber ist und ncihts spielt, Dass man Spaß am Beruf hat und dass man gerne da steht. Dann kommt eine Weile nichts. Und erst dann kommt die Fachkenntnis. Schüler verzeihen einem Fehler, wenn man sie zugibt (ok, überhand nehmen dürfen sie nicht :smile: Aber mit einer Schusselei pro Woche pro Klasse kommt man spielend durch.), denn sie gehen davon aus, dass Lehrer Menschen sind, die sich zwar in dem betreffenden Gebiet besser auskennen als Schüler, aber die eben nicht perfekt sind. Meine Schüler schimpfen mich sogar aus, wenn ich mich über einen Fehler ärgere. Umgekehrt gibt es natürlich einen Bonuspunkt, wenn man besonders sattelfest ist. Erst ganz am Schluss kommen die Unterrichtsformen. Schüler können modernen Unterricht mit REferaten, Gruppenarbeit, Freiarbeit, Medienschlacht nicht so richtig leiden. Er macht zwar gelegentlich spaß (auch, weil der Lehrer weniger Kontrolle hat und man die Arbeit auf die Streber verteilen kann, während man selber Löcher in die Luft starrt), verunsichert aber in der Regel. Wenn der Lehrer vorn steht und Ergebnisse für alle hörbar und sichtbar überprüft, Ergebnisfeststellung betreibt und ein Lehrbuch verwendet, dann haben sie die Sicherheit, zu wissen, was von ihnen verlangt wird. Da kann auch das beste Arbeitsblatt nicht richtig mithalten. Ich verwende eine Mischung aus beidem: Das Lewhrbuch als Leitfaden, hinterfüttert mit selbst erstellten, übernommenen oder fotokopierten Arbeitsblättern (Warum soll ih ein Vokabelarbeitsblatt selber erstellen, wenn es fertige von der Oxford University Press gibt? Die können das eh besser.)

Die Franzi

ot - päd. Tage

Ja, traurig, dass du das nichtmal registrierst, dass du 1 X
pro Jahr eine kostenlose Fortbildung während der
Unterrichtszeit bekommst :frowning:

Kommt aufs Bundesland an. In Hessen sind es zwei pädagogische Tage pro Schuljahr.

Darum geht es nicht, sondern darum, dass diese päd. Tage in
die unterrichtsfreie Zeit gelegt werden sollten. Alles andere
ist eine Unverschämtheit. Für Fortbildungen ist auch in der
unterrichtsfreien Zeit Zeit, da die Lehrer eben von diesen 13
Wochen Ferien = unterrichtsfrei eben noch 7 wochen Arbeitszeit
haben !!!

Auch viele Ausrufezeichen machen die Organisation eines päd. Tages nicht einfacher. Wenn man päd. Tage prinzipiell in die Ferien legen würde, müsste man - soviel sollte man dem Lehrpersonal schon zugestehen - den Tag an den Ferienrand legen. Nun sind aber bei vielen päd. Tagen Dozenten usw. von außen vonnöten. Das macht die Organisation schwierig (ich sage nicht unmöglich, ich möchte nur darauf hinweisen, dass der Usus päd. Tage in Schulzeit zu legen, nicht auf Willkür und „uns sind die Eltern und Schüler egal“-Haltung basieren, sondern durchaus der Versuch sind, verschiedene Sachzwänge unter einen Hut zu bringen.

Gruß
Elke

Das wollte ich gar nicht!
Wow! Was für ein Thread!

Ich wollte nur wissen, wie die Ferienzeiten-Regelungen einmal entstanden sind.

Nicht mehr und nicht weniger!

Und jetzt?

Jetzt sind die Lehrerhasser und -neider auf dem Plan und rechnen vor, was Lehrer in den Ferien dürfen und was in der Arbeits- Schulzeit nicht, usw…

Und alle Lehrer bei www rechtfertigen sich und rechnen minutiös vor, wieviel sie arbeiten und dass sie überhaupt arbeiten usw…

Boah ey!!!

Liebe Kollegen: Hört auf euch zu rechtfertigen! Die faulen Säcke unserer Zunft tauchen hier eh nicht auf. Ich jedenfalls weiß, was ich tue.

et in terra pax!

LiebeGrüßeChrisTine

Moin ChrisTine,

es gibt bestimmte Themen, bei denen sich auf w-w-w ein ganzer Rattenschwanz von Kommentaren, Subkommentaren, Aftersubkommentaren, Giftspritzen, Beleidigte-Leberwurst-Stellungnahmen undsoweiter entwickelt.
Mach dir nix draus!

;-»
Pit

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Hallo

Ich wollte nur wissen, wie die Ferienzeiten-Regelungen einmal
entstanden sind.

Nicht mehr und nicht weniger!

Ich kann dir keine Antwort auf deine Frage geben, vielleicht einige Hinweise.
In manchen Bundesländern sind die Ferien im Schulgesetz festgeschrieben. Ich könnte mir vorstellen, dass es von diesen Gesetzen auch kommentierte Ausgaben gibt. Vielleicht gibt es eine steinalte kommentierte Ausgabe irgendwo per Fernleihe.

Jetzt sind die Lehrerhasser und -neider auf dem Plan und
rechnen vor, was Lehrer in den Ferien dürfen und was in der
Arbeits- Schulzeit nicht, usw…

Und alle Lehrer bei www rechtfertigen sich und rechnen
minutiös vor, wieviel sie arbeiten und dass
sie überhaupt arbeiten usw…

Damit muss man sich hier abfinden. Keiner, der nicht in der Schule arbeitet, kennt die Arbeitsbelastung eines Lehrers. Ebenso kennen die Lehrer den emotionalen Stress nicht, dem man draussen ausgesetzt sein kann. Ähnliche Monsterthreads bekommst du mit: Gerechtigkeit der Lehrerbezahlung, Warum sind nur Deppen Lehrer, Warum brauchen Lehrer so lange um eine Klassenarbeit zu korrigieren, warum werden Lehrer nicht nach Leistung bezahlt, warum gibt es kein Leistungsprinzip, warum sind Lehrer Beamte, Beamte sind unfähig, warum machen die Lehrer nicht das was ich will- obwohl sie Beamte sind und ich sie als STeuerzahler ja bezahle, … die Liste lässt sich beliebig fortsetzen .

et in terra pax!

hominibus bonae voluntatis!!

Frohes Neues Jahr
M.

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Wow! Was für ein Thread! […]
Jetzt sind die Lehrerhasser und -neider auf dem Plan und
rechnen vor, was Lehrer in den Ferien dürfen und was in der
Arbeits- Schulzeit nicht, usw…

Tja,

ChrisTine,

da kann jeder mitreden.
Jeder hat einmal eine Schule besucht oder kennt jemanden, bei dem das der Fall war.
So ist das eben.
Gruß!
Hannes