Schulsport – Benotung

Hallo,

wie wird eigentlich bei der Benotung verfahren, wenn der Schüler aufgrund einer körperlichen Einschränkung/leichten Behinderung nicht so leistungsfähig ist wie „gesunde“ Gleichaltrige?

Bei der Benotung im Sport gibt’s ja Tabellen, in denen z.B. steht, wie lange man in welchem Alter für einen 100-m-Lauf brauchen darf um eine 1, eine 2, eine 3 u.s.w. zu bekommen.
Wie wird das aber „berechnet“ für einen Schüler mit Einschränkungen, der zwar die meisten sportlichen Aktivitäten mitmachen kann und laut Arzt auch soll, jedoch aufgrund seiner körperlichen Einschränkung einfach nicht mithalten kann?

Einfach nach „normalem“ Schema benoten, würde ich als ungerecht empfinden!

Würd mich interessieren, wie das dann funktioniert!

Grüße,
Nina

Liebe Nina.
Ich habe einen Sohn, der aufgrund einer Halblähmung des rechten Armes eine körperliche Einschränkung hat. Bisher sind wir immer so verfahren, dass wir nicht darauf hingewiesen haben, solange es nicht nötig war. D.h. , solange es ihm Spaß gemacht, er sich nicht beschwert hat und die Noten erträglich waren aufgrund seiner Leistung. Erst als es ans Geräteturnen ging, wo er nicht richtig mitmachen konnte, weil er mit rechts nicht stützen kann, haben wir interveniert. Allerdings erst, nachdem er eine 4- im Zeugnis haben sollte, weil er vorher nichts gesagt hat. Da haben wir ein Gespräch mit dem Sportlehrer verabredet, was überhaupt nichts brachte, weil er ihn einfach nur für faul ( ! ) hielt. Daraufhin haben wir ärztlich attestieren lassen, dass er eine körperliche Einschränkung hat, haben das dem Klassenlehrer eingereicht und daraufhin bekam er im Zeugnis ein „teilgenommen“. Aber nur bei diesem Lehrer! Bei den anderen kriegt er jetzt wieder Noten und kommt damit zurecht.
Entweder sind die Lehrer so einsichtig, dass sie auf sowas Rücksicht nehmen oder man muss ihnen dann anders kommen. Frust im Sport muss nicht sein und bei uns war der Sport auch noch immer das Fach, in dem immer mal Erfolgserlebnisse zu Buche schlugen, weil unser Sohn ein schwacher Schüler ist.
Ich denke, die Benotung ist sehr subjektiv, es gibt Lehrer, die bewerten die 12-jährige, die 84 kg wiegt mit Gut, weil sie sich anstrengt und bemüht. Was dann für die übrigen Schüler „ungerecht“ wirkt, weil sie auch ein Gut bekommen und nicht den Aufwand sehen, den ein so dickes Kind treibt um sich zu bewegen.
Man kann also körperliche Einschränkungen dem Lehrer gegenüber begründen und geltend machen und wenn sie nicht darauf eingehen, entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Grüße
R.

Hallo Mina,

wie wird eigentlich bei der Benotung verfahren, wenn der
Schüler aufgrund einer körperlichen Einschränkung/leichten
Behinderung nicht so leistungsfähig ist wie „gesunde“
Gleichaltrige?

Ich habe erlebt, dass ‚behinderte‘/Kranke ein Attest hattten, welche sie von diversen Übungen/Sportarten befreite. Sie bekamen also für diese Übungen auch keine Zensur.

Tschuess Marco.

Ich habe erlebt, dass ‚behinderte‘/Kranke ein Attest hattten,
welche sie von diversen Übungen/Sportarten befreite. Sie
bekamen also für diese Übungen auch keine Zensur.

bei mir ist es so (wirbelsäulenversteifung aufgrund von skoliose) dass ich zwar bisher vom sport befreit bin. gewisse sportliche aktivitäten könnte ich zwar gefahrlos mitmachen und es wäre auch sinnvoll (laufen, werfen, teilweise gymnastik z.B. - wohin springen, geräte- und bodenturnen und ballspiele wo man auch mal scharf getroffen werden kann, nicht gerade ideal wären :wink: nen purzelbaum möcht ich auch nicht unbedingt machen :wink: ), aber ich würde durch die einschränkung nie die leistung „nicht-eingeschränkter“ erreichen können.

Liebe Nina,
um auf deine Frage genau zu antworten, müsste man wissen, welche Schulform bzw. Klasse du besuchst.
Im Allgemeinen (gymn. Oberstufe zählt nicht dazu) ist es so, dass der Lehrer in seiner Notengebung berücksichtigen soll:

  1. die absolute Leistung, z. B. wie schnell rennt jemand? Wie schnell z. B. im Vergleich zu seinen Klassenkameraden?
    Man nennt das die sachbezogene Dimension. Außer deinen praktischen Leistungen sollen hier auch theoretische Leistungen (Sportwissen, Regelkenntnis, mündl. Beteiligung, Übernahme z. B. einer Erwärmung o.Ä.) einbezogen werden.
  2. die persönliche Leistungssteigerung (personale Dimension). Hier fällt in erster Linie das Bemühen hinein. Andererseits kann jemand, der auf 100m 18 Sek. läuft, mit etwas Training durchaus relativ schnell 17 Sekunden erreichen. Jemand, der aber auf derselben Strecke schon 12,5 läuft, der wird auch mit viel Training Mühe haben, die 12,4 zu erreichen. Du siehst: Die individuelle Leistungssteigerung hat großen Spielraum für schwache, wenig Spielraum für starke Sportler.
    Inhaltlich werden beurteilt: Welche Bereitschaft bringt der Schüler mit? Wie selbstverantwortlich und selbständig ist er (z. B. beim Auf- und Abbau der Geräte, beim Übernehmen kleinerer Aufgaben wie z. B. das Startkommando im Sprint oder kann man ihm im Weitsprung die Weitenmessung übertragen, ohne dass etwas schief läuft).
  3. die Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten. Also: Ist der Schüler fair, z. B. bei Ballspielen. Kann er den Ball auch mal an andere abgeben? Kann er andere, schwächere Spieler ins Spiel bringen? Kann er Hilfestellung beim Turnen geben, und tut er das auch? Verhält er sich gegenüber anderen ausgrenzend oder einbindend? Kann er mit Konflikte, die im Sport entstehen, umgehen usw.

Im Idealfall sollte es so sein, dass der Sportlehrer am Anfang jeder Unterrichtsreihe kurz erläutert, welche Dimension ihm besonders wichtig ist. Leider ist es in der Praxis so, dass das meistens nicht passiert und dass man die 1. Dimension viel zu stark überbewertet.

Ich würde dir raten:
Du gehst mit diesem Hintergrundwissen zu deinem Sportlehrer.
Du erklärst ihm, dass du bestimmte Dinge aufgrund der Wirbelsäule nicht durchführen kannst, der Arzt aber Sport grundsätzlich für sinnvoll hält. Frag ihn, ob du, wenn die anderen z. B. Bodenturnen, du nicht andere Aufgaben übernehmen könntest (z. B. Hilfestellung, Hilfslehrer mit Korrekturfunktion) oder ob du in der Zeit etwas anderes machen könntest (z. B. Krafttraining für den Bauch oder so). Das kommt immer gut an, denn du zeigst, dass du Interesse am Sport hast und nicht einfach nur faul bist.
Am besten ist es, du legst dir vorher genau zurecht, welche Bewegungen/Disziplinen für dich ungünstig sind, vielleicht gibt dir auch der Arzt einen Tipp oder schreibt das gleich auf ein Attest. Außerdem solltest du deinen Sportlehrer in einer ruhigen Minute ansprechen, also nicht so zwischen Tür und Angel, und du solltest auch damit rechnen, dass er dein Problem vielleicht zwischendurch auch mal wieder vergisst. Freundlich dran erinnern!

So, ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen. Liebe Grüße, kidie

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