Sehr geehrte Frau S.,
grundsätzlich ist es in Deutschland noch so, dass niemand ins Krankenhaus gezerrt und operiert wird. Es gehören imm zwei dazu, einer, der sich die Operation zutraut und einer, der sie an sich machen läßt. Wenn Ihre Mutter mit Schmerzmitteln (die auf Dauer natürlich auch Nebenwirkungen haben) und dem Zustand so, wie er jetzt ist, gut zurecht kommt, warum soll sie sich dann operieren lassen? Aber die Entscheidung für oder gegen eine OP sollte sie selbst und nicht die besorgte Tochter fällen.
Endoprothesen sind primär natürlich schon für die ältere Generation entwickelt worden, weil der Standdauer aus biologischen Gründen begrenz ist, obwohl es inzwischen Patienten gibt, die über 30 Jahre mit künstlichen Hüftgelenken leben.
Wie überall in der Medizin kann Ihnen niemand eine 100 %ige Garantie geben, weil wir immer erst hinterher statistische Aussagen machen können, was im Einzelfall natürlich wenig hilfreich ist und für die eigene Entscheidung nur ein Anhaltspunkt sein kann.
Kein Mensch ist natürlich sonst nie so kompetent überwacht, wie während einer Opertion, weil auch kein Operateur oder Anästhesist einen Patienten bei der Operation verlieren will.
Technisch ist die Implantation einer Schulterprothese inzwischen standartisiert und ausgereift und in der Hand eines Erfahrenen auch relativ einfach durzuführen. Wegen der Komplexität der Schulterbewegungen ist allerdings in der Phase nach der Operation eine intensive (stationäre) Nachbehandlung notwendig, die auch ein konsequente, langfristige Mitarbeit des Patienten erfordert. Bei allen Prothesenversorgungen steht die Beschwerdelinderung im Vordergrung und danach erst die verbesserte Funktion und Beweglichkeit.
Ihre Mutter sollte also die Opertion wollen - und sich nicht überreden lassen - und nach der Opertion auch zu einer konseqenten Mitarbeit bereit sein.
Heutzutage gibt es in jeder Klinik ein Qualitätsmanagement, so dass Sie auch erfahren können, wie oft eine bestimmte Opertion dort durchgeführt wird, wodurch man dann auch indirekt auf die Erfahrungen der Operateure schließen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Dr.E.Kess