Meine Mutter ist 82 Jahre alt und hat seit Jahren Probleme mit der rechten Schulter. Sehnen sind gerissen und die Knorpelsubstanz durch Arthrose kaum noch vorhanden. Sie muß zwar ständig Schmerzmittel einnehmen und ist in der Beweglichkeit eingeschränkt, aber sie kommt durchaus noch zurecht. Jetzt soll sie eine komplette Gelenkprothese bekommen. Nach allem, was ich darüber erfahren habe, gibt es bei weitem keine Garantie dafür, dass sie hinterher beschwerdefrei sein wird. Sie selbst erwartet ein Wunder, und ihre Ärzte tun so, als sei das Ganze ein Spaziergang, was mir ziemlich fahrlässig vorkommt.
Mir erscheint das Risiko in diesem Alter reichlich hoch, zumal sie außerdem an Herzinsuffizienz leidet und allein lebt (und das unbedingt auch weiterhin will, ich wohne 500 km entfernt).
Sollte man in diesem Alter von einer so großen Operation nicht lieber abraten? Gibt es Erfahrungswerte für diese Altersgruppe? Ich bin für jeden Hinweis dankbar!
Ich kann nur aus eigener Erfahrung meiner Oma sprechen. Sie bekam mit 85 noch ein künstliches Hüftgelenk. Es ging alles sehr unproblematisch und sie war danach schmerzfrei und konnte wieder besser laufen. Wie gesagt, darauf kann man nicht auf andere schließen. Also lieber Fachärzte aufsuchen!
„komplette Gelenkprothese“ ist noch recht ungenau.
Es gibt ein Ersatz nur der Oberarmkugel und teilweise auch der Pfanne. Oder aber auch die Möglichkeit, wenn die Pfanne als kugel und der Oberarmkopf als Pfanne (inverse Prothese) implantiert werden, die kaputten Sehnen ein wenig zu kompensieren.
Das Alter ist letztendlich kein Punkt so etwas nicht zu machen. Der Eingriff an der Schulter ist deutlich weniger schlimm als am Bein (dann kann man ja nicht mehr so gut laufen und bekommt Komplikationen, weil man nicht richtig laufen kann).
Da ich die Einschätzung des Gesamtzustandes Deiner Mutter (Herzinsuffizienz) und das Narkoserisiko nicht einschätzen kann, kann ich dazu nichts sagen.
Die OP an sich ist aber in der Tat nicht so arg traumatisierend. Das Ergebnis bzgl. Schmerzen und Bewegungsmöglichkeiten ist schon recht gut. Ob man später wirklich über den Kopf greifen kann ist nicht zu garantieren und das längere Tragen von Lasten >5Kg auch wahrscheinlich nicht, aber das ist auch meist nicht das Problem der Patienten.
Im Zweifelsfall hilft auch immer eine Zweite Meinung eines weiteren Schulterchirurgen (am Besten Orthopäde).
Prinzipiell muss man sich auch immer im klaren sein, dass wenn Deine Mutter stürzen würde und sich die Schulter bricht auch wahrscheinlich eine Prothese eingebaut wird und das auch immer funktioniert.
Die Entscheidung OP oder nicht OP liegt bei ihrer Mutter.
Die Ergebnisse dieser Operationen sind nicht schlecht und führen meist zu einer Verringerung der Schmerzmitteleinnahme und einer Erleichterung bei den alltäglichen Verrichtungen. Deshalb ist die Empfehlung nicht fahrlässig, wie von ihnen postuliert, sondern dient gerade bei höherem Alter des Patienten zu einem Zuwachs an Lebensqualität.
Ggf. wird auch das Schlafverhalten gebessert, da man nicht mehr durch Schmerzen beim nächtlichen Lagewechsel im Bett aufwacht.
Eine Anhebung des Armes über die Horizontallinie hinaus ist wahrscheinlich nicht mehr möglich, aber ich vermute das geht auch jetzt schon nicht mehr.
Die Gesamtheilungspahse ist nach ca. 3-6 Monaten!!! abgeschlossen.
Hallo,
wenn die Rotatorenmanschette nicht mehr funktioniert, wird sie eine sogenannte Defektarthropathie haben, und das ist sehr schmerzhaft. Das kann man in der Tat nur noch lösen durch Implantation einer sog. inversen Schulterprothese. Ich mache das selbst recht häufig, auch bei Patienten in diesem hohen Alter. Eine solche OP ist bei guter Vorbereitung auch trotz Herzinsuffizienz meistens möglich und keine allzu große Belastung. Die OP ist technisch anspruchsvoll. Wenn ein Geübter es gut macht, sind die Patienten anschließend schmerzarm, evtl. sogar schmerzfrei, und häufig kann auch die Funktion deutlich verbessert werden. Eine Alternative gibt es aber sonst kaum noch - außer Schmerzen aushalten.
Hallo,
ich möchte vorerst sagen dass ich keine Ärztin bin sondern OP-Schwester im orthopädischen OP!
Prinzipiell werden auch bei uns oft Schulterprothesen bei Patienten mit höherem Alter implantiert!
Wenn Ihre Mutter noch alleine lebt und rüstig ist spricht von mir aus gesehen nichts gegen diese Operation!
Natürlich gibt es keine Garantie für eine Verbesserung und auch die Schulter wird danach sicher nicht so beweglich sein wie die einer 30-jährigen, aber im Normalfall sind die Patienten danach nicht mehr so schmerzgeplagt bzw. schmerzfrei!
Wenn Sie sich Sorgen machen wegen dem Risiko, dieses wird im Vorfeld von einem Narkosearzt bemessen. Man muss sich aber schon überlegen ob eine einmalige Narkose oder dauernd Schmerzmittel besser sind für den Körper! Schmerzmittel sind schädlich für Leber, Magen und vor allem die Nieren!
Wie Sie und Ihre Mutter sich entscheiden sollen kann ich Ihnen nicht sagen, nur ist die heutige Chirurgie sehr minimalinvasiv und der Blutverlust bei einer Schulterprothese beläuft sich auf etwa 200 ml, dies ist für den Körper nicht sehr belastend, das belastendere daran ist wohl eher die Narkose!
ich danke Ihnen fuer das Vertrauen und muss ihnen leider mitteilen, das ich an ihrer Stelle sehr gut ueberlegen wuerde, ob eine solche OP Sinn macht. Bislang gibt es, was die operative Versorgung einer Humerusprothetik betrifft, keine zufriedenstellenden Ergebisse und das hohe Alter ihrer Mutter , ist dabei zusaetzlich ein Problem. oft gibt es im nachhinein mehr Schmerz und weniger Bewegung.
Hochachtungsvoll, Mario Anders.
also fachlich kann ich bei dieser Frage leider nicht weiterhelfen.
Mein Gefühl sagt mir aber ebenfalls, dass das Alter für eine solche Operation zu hoch ist. Risiken sind jedenfalls im Alter höher.
Mir erscheint das ganze nach „Geldmacherrei“
vielen Dank für Ihre Auskunft! Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Chirurgen von der OP kaum abraten, im Gegensatz zu denen, die die Patienten längerfristig sehen.
Eigentlich ging es mir vor allem um eine Langzeitprognose: Als ich früher selbst mit hochbetagten Patienten gearbeitet habe, mußte ich oft feststellen, dass eine Operation – auch wenn sie, medizinisch betrachtet, gelungen war – langfristig der „Anfang vom Ende“ war. Die Patienten bauten danach rasant ab, verloren an Mobilität und alterten schneller als zuvor.
Da die Chirurgen den Patienten aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der OP sehen, können sie vielleicht gar nicht darüber Auskunft geben, wie es den Patienten ein halbes oder ganzes Jahr später geht – es sei denn, sie müssen noch mal operiert werden…
Ihre Auskunft gibt mir jedenfalls sehr zu denken.
Nochmal vielen Dank und freundliche Grüße,
Judith S.
Ich kann nur aus eigener Erfahrung meiner Oma sprechen. Sie
bekam mit 85 noch ein künstliches Hüftgelenk. Es ging alles
sehr unproblematisch und sie war danach schmerzfrei und konnte
wieder besser laufen. Wie gesagt, darauf kann man nicht auf
andere schließen. Also lieber Fachärzte aufsuchen!
Hallo,
vielen Dank für die Antwort! Wahrscheinlich ist die Prognose von Fall zu Fall so unterschiedlich, dass man sie nicht verallgemeinern kann. Die Fachärzte raten alle zur OP, allerdings sehen die den Patienten auch nur ein paar Tage nach der OP und dann meistens nicht mehr. Ob der Patient ein halbes oder ganzes Jahr nach dem Eingriff wieder Schmerzen hat, bekommt der Chirurg nicht unbedingt mit (es sei denn, er muß erneut operieren…).
Noch mal vielen Dank und freundliche Grüße,
Judith S.
vielen Dank für die ausführliche Antwort! Eigentlich gilt meine Sorge vor allem der langfristigen Prognose, denn ich habe selber oft erlebt, dass hochbetagte Patienten auch nach medizinisch gelungenen OP’s rasant abbauten und nicht mehr so mobil wurden wie zuvor.
Aber vermutlich sind die Prognosen ähnlich unterschiedlich wie die Patienten selbst…
die Prognose für das Implantat ist in erster Linie von EInbauort (hier Schulter und somit günstigste) und Aktivitätsniveau (keine Überkopf-Sportlerin, kein schwereres Heben) und Bewegungsausmass (Überkopf)gegeben. Alter spielt dabei (soweit Knochen nicht vorgeschädigt) eine kleinere Rolle. Die Vorschäden (kein Bruch, aber Sehnenrisse) sind hier eine mittlere Prognose. Alles in allem also im Rahmen überschaubar.
trotzdem vielen Dank für die Antwort! Interessanterweise sind alle Chirurgen FÜR den Eingriff, aber alle, die den Patienten langfristig sehen, eher dagegen. Ein bißchen kommt mir das so vor, als ob man einen Tisch zum Schreiner bringt, damit er ein neues Bein dranschraubt: Den Schreiner interessiert nur, ob er das hinkriegt. Ob der Tisch nach einem Jahr wackelt oder gar zusammenbricht, ist nicht sein Problem…
Der Vergleich ist ein bißchen makaber, aber die operierenden Ärzte sehen den Patienten ja nur ein paar Tage nach der OP. Ob der Patient danach rasant abbaut oder nach einem Jahr wieder Schmerzen hat, erfahren sie nur, wenn noch mal operiert werden muß!
Ich bin auch der Meinung, daß das Risiko bei einem so alten Menschen reichlich hoch ist. Aber letzten Endes muß meine Mutter die Entscheidung selber treffen.
Sie haben völlig recht, eine Garantie für Beschwerdefreiheit gibt es nicht. Die Erfolgsaussichten sind allerdings auch nicht schlecht,was die Schmerzlinderung angeht. Die Beweglichkeit wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bessern, insbesondere,da zusätzlich Sehnenprobleme bestehen. Am sinnvollsten wäre,wenn operiert werden soll, wohl eine sog. Inverse Prothese, mit der die fehlende Sehnenfunktion zumindest teilweise kompensiert werden kann. Inwieweit die Begleiterkrankungen gegen eine OP sprechen, kann aus der Ferne nicht zu beurteilen.Es gibt also einiges Für und Wider zu beachten.
Ich hoffe, die Infos helfen Ihnen weiter, ich wünsche Ihnen eine gute Hand bei der Endscheidung
MfG
Smallyde
Also…
Definitiv ist Schulter bei Therapeuten fast immer „Bäähh!“ und eine Schultergelenksprothese ist bisher bei meinen Patienten nie zu 100% wie bei einer gesunden Schulter. Im besten Falle sind die Schmerzen nach etwa einem halben Jahr weg. So oder so steht nach einer OP eine lange lange Therapieeinheit bevor. Eine vollständige Elevation (Heben des Armes) habe ich auch noch nicht erlebt. Soviel zum negativen…
Das Positive: Der Arthroseschmerz ist weg. Am Anfang ist natürlich der Wundschmerz da und danach tut die Schulter immer wieder mal weh, aber der Arthroseschmerz ist weg. Einem jüngeren Patienten würde ich zu einer OP raten, wenn es schmerzmäßig nicht mehr geht. Im Falle Ihrer Mutter müssen natürlich auch die Risiken abgewägt werden. Demnach sollten Sie Ärzten, die die OP als Spaziergang abtun mal ordentlich die Leviten lesen. Das ist tatsächlich fahrlässig. Auf jeden Fall sollte das Gespräch mit dem Anästhesisten im Vorfeld sehr genau erfolgen und dort auch die Risiken bewertet werden.
Und: Keine Sorge, es gibt auch Ärzte, die sich wie normale Menschen verhalten
Liebe Grüße und viel Erfolg. Wenn noch Fragen sind… MELDEN!
Mit freundlichen Grüßen
Martin
Ein Spaziergang ist es sicherlich nicht, und ein Wunder darf man davon auch nicht erwarten. Ziel der Prothese ist eine Schmerzreduktion - die Funktion wird danach wahrscheinlich nicht besser sein als vorher.
Hauptproblem ist die regelmäßige Einname von Schmerzmitteln - je nachdem, um welche Mittel es sich handelt, können erhebliche Nebenwirkungen auftreten. Dieses Risiko sollte man bei der Abwägung nicht außer acht lassen.
Erfahrungswerte speziell für Menschen mir hohem Alter habe ich keine. In einer Übersichtsarbeit werden folgende Angaben genannt (ohne Altersunterschied, wobei die Operation in der Regel nur bei älteren Menschen notwendig ist), es wird dabei zwischen einer kompletten und einer teilweisen Schulterprothese unterschieden:
Best estimate of what happens to people with osteoarthritis two years after the surgery:
Pain:
people who had total shoulder arthroplasty rated their pain to be 6 on a scale of 0 to 100.
people who had hemiarthroplasty rated their pain to be 14 on a scale of 0 to 100.
people who had total shoulder arthroplasty rated their pain to be 8 points better after the surgery. (Absolute difference: 8%). This may be a result of chance.
Physical Function:
people who had hemiarthroplasty rated their ability to be 65 on a scale of 0 to 100.
people who had total shoulder arthroplasty rated their ability to move their shoulder to be 77 on a scale of 0 to 100 after the surgery.
people who had total shoulder arthroplasty rated their ability to move to be 12 points better after the surgery. (Absolute difference: 10%)
Side effects:
24 people out of 100 who had hemiarthroplasty had side effects, like an infection.
20 people out of 100 who had total shoulder arthroplasty had side effects like an infection.
4 more people out of 100 had side effects with hemiarthroplasty (Absolute difference: 4%). This may be a result of chance.
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort! Eigentlich hatte ich die Frage gestellt, weil ich gern wissen wollte, wie es alten Patienten längere Zeit nach der OP geht. Das wissen Chirurgen aber wahrscheinlich nicht unbedingt, weil sie die Patienten ja nur kurze Zeit im Krankenhaus erleben (es sei denn, es muß noch mal operiert werden…)
Ich habe selber früher oft an hochbetagten Patienten beobachten müssen, dass selbst Operationen, die medizinisch gelungen waren, einen rasanten Verfall nach sich zogen. Die OP war sozusagen der „Anfang vom Ende“. Vermutlich ist aber genau das eine Unwägbarkeit, die man nicht vorhersehen kann.
Nochmal vielen Dank und freundliche Grüße,
Judith S.
ich habe bislang nur eine Patientin im vergleichbaren Alter gehabt, da ist es schlecht gelaufen.
Ich würde den Eingriff wenn überhaupt nur von absoluten Spezialisten durchführen lassen, aber die Chancen stehen nicht gerade sehr gut denke ich.
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort! Da ich selber früher bei hochbetagten Patienten häufig beobachtet habe, dass selbst gelungene Operationen einen rasanten Verfall nach sich zogen (die OP war sozusagen der „Anfang vom Ende“), richtete sich meine Frage vor allem auf die Langzeitprognose. Wenn die Schmerzen tatsächlich dauerhaft weg sind, ist das natürlich ein großer Erfolg. Im Gegensatz zu jungen Menschen leiden bei alten Patienten aber oft die gesamte Mobilität und auch die geistigen Fähigkeiten.
Das läßt sich aber wohl leider nicht konkret vorhersehen.
Nochmal vielen Dank und freundliche Grüße,
Judith S.
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort! Meine Befürchtung richtet sich vor allem auf die Langzeitprognose: Viele hochbetagte Patienten bauen ja nach einer OP rasant ab, auch wenn medizinisch gesehen alles optimal gelaufen ist. Das habe ich selber oft beobachtet, als ich früher alte Patienten hatte.
Wenn allerdings die Aussicht auf Schmerzfreiheit hoch ist, wäre das schon ein großer Erfolg.
Nochmal vielen Dank und freundliche Grüße,
Judith S.