Schutz der Idee

Guten Tag zusammen,

wenn ein Schreiber-Neuling an einen Verlag ein Exposé und eine Leseprobe schickt, wird er wohl mit einiger Sicherheit eine Absage erhalten. So schlau sind wir jetzt.
Nun könnte der Verlag auf folgende Idee kommen:
„Das Exposé war eigentlich nicht schlecht, aus dem Plot könnte einer unserer wirklich fähigen Autoren etwas machen.“
Er schickt also das Exposé an einen anderen Autor. Dieser macht daraus einen Bestseller.
Welche Möglichkeiten gibt es, sich vor einem solchen Ideenklau zu schützen? Wie geht man in der Praxis vor?

Lieben Gruß

Günter

hahaha!
hallo günter,

du glaubst also wirklich, du hättest eine idee, die
aristoteles noch nicht gehabt hat?

hörst du mein glockenhelles lachen? :smile:

im ernst: es gibt nix neues in der literatur. die 10 oder 12
motive stehen in jedem lehrbuch - alles andere sind varianten.
der mensch hat sich in tausenden von jahren nicht verändert,
nur seine technik. seine gefühle und motive sind gleich
geblieben.

apropos varianten: bei schreibkursen, die mein partner und ich
gelegentlich abhalten, geben wir in der ersten stunde 2 oder 3
sätze (also die „idee“) vor und bitten die teilnehmer, die
geschichte zuende zu schreiben.

jetzt rate mal, wie viele gleiche geschichten abgeliefert
werden. na?
richtig: keine. es werden so viele verschiedene geschichten,
wie es teilnehmer gibt. keine ähnelt der anderen nur im
geringsten.

abgesehen davon, dass sich ideen niemals schützen lassen - es
wäre also nicht nur nicht schlimm, wenn sich jemand durch
deine sensationelle idee inspiriert fühlen würde, sondern
würde gewissermaßen deine idee sogar adeln.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich vor einem solchen Ideenklau
zu schützen? Wie geht man in der Praxis vor?

na ja, wie ich oben schon sagte (nein und vor allem: wozu?), auch da
hat sich eine branche aufgetan, die vorgibt hobbyautoren mit
paranoia vor ideenklau zu schützen. sie bewahren
kostenpflichtig (und nicht zu knapp) deinen in text gefassten
gehirnschmalz auf, um bei bedarf ein schriftstück zu zücken,
auf dem geschrieben steht, dass du der erste bist, der seinen
helden sich in ein mädchen verlieben ließ. … oder so :wink:

in der praxis sieht das wesentlich unverkrampfter aus: du hast
an deiner geschichte das urheberrecht ein für allemal und
punkt.
sollte sich jemand erdreisten, mit deinem
text(!)
(also nicht mit deiner idee) irgendwo
einkünfte zu erzielen, kannst du ihm sagen, moment mal, der
text blablablubb ist von mir (beweis 1 +2 + 3), unterlasse das
künftig oder führe das damit erlangte vermögen unmittelbar an
mich ab.

der beweis lässt sich übrigens am besten führen, indem man
seine geschichte gerade rumgezeigt hat :smile:

schöne grüße
ann

hallo günter,

du glaubst also wirklich, du hättest eine idee, die
aristoteles noch nicht gehabt hat?

Hallo Ann,

leider hatte ich die Überschrift offensichtlich falsch gewählt.
Vielleicht erbarmt sich der Webmaster und macht „Schutz des Exposés“ draus?

hörst du mein glockenhelles lachen? :smile:

Nein. Kannst Du mir aber als wav-Datei schicken. :smile:

im ernst: es gibt nix neues in der literatur. die 10 oder 12
motive stehen in jedem lehrbuch - alles andere sind varianten.

Klar. Schließlich gab es vor uns schon über 100 Milliarden Menschen - was der Anzahl der Sterne in unserer Galaxie (Milchstraße) entspricht.
Jede Leiche ein Stern?
Wer aus diesem Vergleich einen SF-Roman machen will - bitte schön, keine Gefahr, Arthur C. Clarke ist tot … :wink:

wäre also nicht nur nicht schlimm, wenn sich jemand durch
deine sensationelle idee inspiriert fühlen würde, sondern
würde gewissermaßen deine idee sogar adeln.

Wenn ich den erwische, der mir ein Schwert auf den Kopf haut … !!

der beweis lässt sich übrigens am besten führen, indem man
seine geschichte gerade rumgezeigt hat :smile:

Danke für den Tipp. Da werde ich mir noch ein paar emotional und wirtschaftlich Abhängige suchen … :wink: :wink:

Vielen Dank für die Antwort.
Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Sonntag!

Günter

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Hallo Ann,

hallo günter,

leider hatte ich die Überschrift offensichtlich falsch
gewählt.
Vielleicht erbarmt sich der Webmaster und macht „Schutz des
Exposés“ draus?

das ändert aber rein gar nichts an meiner antwort. das exposé IST „die idee“.

hörst du mein glockenhelles lachen? :smile:

Nein. Kannst Du mir aber als wav-Datei schicken. :smile:

später.

Danke für den Tipp. Da werde ich mir noch ein paar emotional
und wirtschaftlich Abhängige suchen … :wink: :wink:

und wie wäre es, wenn du dich damit an die öffentlichkeit wagst? in die relativ geschützte einer schreibgruppe z.b.?

eigentlich jede schreibgruppe/schreibforum, die oder das ich kenne, hat die möglichkeit, dass man seine texte vorzustellen und mit unabhängigen dritten bekakeln kann. ich bin selbst in solche einer gruppe (offline), weil ich auch einmal andere meinungen als die meines lieblingsautors hören möchte. sonst brät man doch nur im eigenen saft!

übrigens: ab donnerstag ist buchmesse in leipzig. man trifft doch horden von schreibwütigen :smile:

schönen sonntag noch
wünscht
ann

Hallo Ann,

ja, was ist das denn? Idee und Exposé sind dasselbe? Ich glaube, das war leider nix.
Ich zitiere Wikipedia:
„Das Exposé soll die Grundidee und ((!)) den groben Handlungsverlauf eines literarischen Werks vorstellen. Es ist meist nur einige Seiten lang und enthält weder Dialoge noch Einzelheiten. Es skizziert die Hauptfiguren …“
Wenn also in meinem Exposé stünde: „Attila beschließt, Napoleon Bonaparte zu entführen, damit dieser ihm Tipps geben kann, wie er die Schlacht um Midway gewinnt“, dann kann ein Mensch wie Aristoteles diese „Idee“ nie gehabt haben, denn er war weder ein real funktionierender Prophet noch beklopft.

Oder enthält ein Exposé noch nicht einmal diesen Genauigkeitsgrad? Wird in einem Exposé noch nicht einmal angegeben, wer da wann wen entführt?

Wenn das so ist, dann bin ich platt erschlagen und hilflos und weiß wirklich nicht, was ich einem Verlag mitteilen sollte. Etwa eine Anfrage dieser Art:
„Jungs, ich habe da einen Roman über einen spektakulären Entführungsversuch zur Zeit eines wichtigen Krieges“?

Diese Begriffe waren sicher schon Aristoteles geläufig, und es gibt sicher mehr als einen Roman mit diesen Grundideen, aber sollte das einem Verlag schon genügen? Dann muss diesmal ich lachen, aber erschrocken grell, nicht glockenhell …

Verwirrten, aber trotzdem dankbaren Gruß

Günter

hallo günter,

ehrlich gesagt, verstehe ich schon wieder deine frage nicht.
natürlich ist ein exposé die idee oder absichtserklärung eines romans. die ungefähre handlung möchte der verlag schon wissen, klar, den umfang auch, das genre, die handelnden personen usw.

dass aristoteles attila nicht gekannt habe - über solchen blödsinn diskutiere ich erst gar nicht. (ich kann dir aber versichern, dass es ari wurscht war, wie der tüp hieß. dennoch werden die motive liebe, hass, machtstreben … nicht mehr.

aber vielleicht hilft dir momo evers’ anleitung für blonde weiter :smile:
http://www.haus-der-sprache.de/lektor.php/redaktion/…

gute nacht
ann

Hallo Ann!

du glaubst also wirklich, du hättest eine idee, die
aristoteles noch nicht gehabt hat?

Welche Ideen waren das noch gleich? Ich habe dazu einen neuen Thread angefangen und würde mich über eine kompetente Antwort freuen.

Danke.

Grüße

Andreas

Kein Wunder, …

liebe Ann,

dass die Schriftstellerei ein hartes Brot ist - wenn man sich als Autor auf solch blauäugige Art die Butter klauen lässt!

Ich als Betriebswirt kann da nur den Kopf schütteln.

Wie kann man Motiv und Idee nicht unterscheiden, miteinander verquirlen und auf die gleiche Stufe setzen wie ein durchdachtes Konzept!

Wenn wir in unserer Firma mit solch schwammigen, undurchdachten Vorstellungen unsere Software - die ein Produkt UNSERER IDEEN ist, geboren aus allgemeinen menschlichen Antrieben, umgesetzt über ausgeformte und damit schützenswürdige Ideenzusammenstellungen - entwickeln würden, dann wären wir schon längst so was von pleite …!

Gute Nacht.

Günter

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Hi,

siehe: „Kein Wunder, …“
Man muss differenzieren können.
Grundmotivationen sind keine Ideen.
Also haben wir alle selbstverständlich Ideen, die Aristoteles nie hatte und auch nicht haben konnte, auch wenn sie uralten Antrieben entsprungen sind, die schon er kannte.

Lieben Gruß

Günter

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nun denn, günter,

du möchtest literatur gern mit zollstock und schieblehre, nach gramm und schadstoffausstoß messen. mach es meinetwegen. nur … ist es dann keine.

schöne grüße
ann

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