Schutz für rindenlosen Baum

Hallo Gartenexperten!

Unsere neuen Nachbarn haben ein Problem: Der Vorbesitzer des Hauses hatte keine Lust mehr, die Blätter seiner Eiche zusammenzurechen. Deshalb beschloss er, den Baum eingehen zu lassen, indem er am Fuß des Stammes die Rinde ringförmig entfernte. Nun wollen die neuen Besitzer den Baum gern erhalten und suchen nach einer Art „Lack“, um die beschädigte Stelle des Stammes zu versiegeln.
Wenn ich mich recht erinnere, habe ich öfters eine rötliche Substanz an beschädigten Alleebäumen gesehen, aber das war in Deutschland, und entsprechende Beschreibungen haben mich hier in Schweden bei Gärtnereien noch nicht weitergebracht.
Kennt jemand einen solchen „Schutzlack“? Möglichst von einer Firma, die auch international vertreten ist, damit man das Zeug hier auch kaufen kann. Und es wäre prima, wenn es soetwas auch farblos gäbe, weil der Nachbar gern einen unsichtbaren Schutz hätte.

Vielen Dank und viele Grüße
Corbie

Servus,

diese Technik des „Ringelns“ beruht darauf, dass unmittelbar unter der Borke das Phloem liegt - das ist der einzige belebte Teil des Stammes, und über das Phloem findet die Versorgung der gesamten Krone statt. Der Rest des Stammes ist bloß für die Stabilisierung des Baumes da, er ist aus unbelebtem, verholztem Gewebe.

Wenn das Phloem rundherum entfernt ist, ist der Baum oberhalb der Stelle, wo geringelt worden ist, bereits tot. Eine Eiche wird dann ziemlich wahrschheinlich aus dem Stock oder aus schlafenden Knospen unterhalb der geringelten Stelle wieder austreiben, für den ganzen übrigen Baum wirst Du Dich - falls es in der Gemeinde eine Baumschutzsatzung gibt - mit der Gemeinde ins Benehmen setzen müssen.

Falls StUffz Kärcher bei seinem Zerstörungswerk unaufmerksam war und noch Teile des Phloems erhalten sind, kannst Du zum Raiffeisenmarkt gehen und Baumwachs besorgen - heiß verstreichbares Baumwachs ist zwar bissel fummelig in der Verarbeitung, aber damit ist das Risiko von Pilzinfektionen unter dem Wachs geringer, weil es besser füllt und deckt.

Die Eiche wird aber auch in diesem Fall mit kleinen Resten des Phloems nicht ihre ganze Krone versorgen können. Die Krone müsste also jetzt, deutlich vor dem Austreiben, radikal zurückgenommen werden. Das ist ein Glücksspiel und Eichen sind - ganz anders, als sie äußerlich erscheinen - extrem empfindliche Bäume: Diesen Eingriff würde ich bloß durch einen professionellen Baumpfleger durchführen lassen, auch wenn das dem Geldbeutel wehe tut. Dieser kann übrigens auch leicht beurteilen, ob bloß Borke oder auch das Phloem geringelt worden ist, und in Abhängigkeit davon entweder die Wunde versorgen und die Krone zurücknehmen oder den Baum oberhalb der Wunde fällen.

Schöne Grüße

Dä Blumepeder

Hallo Corbie,

Deshalb beschloss er, den Baum eingehen zu
lassen, indem er am Fuß des Stammes die Rinde ringförmig
entfernte.

Wenn der Bast unter der Borke ebenfalls beschädigt / durchtrennt wurde, dann ist der Tod des Baumes beschlossene Sache, denn dann funktioniert der Wassertransport von der Wurzel ins Blattwerk nicht mehr.
Reparieren kann man das leider nicht mehr.

Grüße,
Tinchen

Ups!
Blumepeder war schneller und auch ausführlicher.

Grüße,
Tinchen

Nachtrag

  • Pardon, den Zusammenhang „Schweden“ habe ich überlesen. Da gibt es natürlich keine Raiffeisenmärkte, und die Baumschutzsatzungen sind sicherlich anders geregelt - vermutlich mit nationaler Gesetzgebung, falls es sowas ähnliches gibt. Dafür gibt es in S, das im Süden von Bibern und Hobbygärtnern und in den nördlichen 2/3 von Holzfällern bewohnt ist, wahrscheinlich viel mehr und leichter erreichbare Profis in Baumpflege.

Schöne Grüße

Dä Blumepeder

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Danke für Eure Antworten. Ich hab’s fast befürchtet, dass da nicht viel auszurichten ist. Leider war unser fauler Ex-Nachbar ziemlich gründlich - da ist nur noch nacktes Holz übrig. Ich werde mal versuchen, einen Experten aufzutreiben, obwohl wir eine neue Eiche aus den Trieben wohl nicht erleben werden (so jung sind wir ja alle nicht mehr).
Tja, wir haben hier anscheinend einfach zu viele Bäume, deshalb nehmen manche Leute wenig Rücksicht. Schade. Wenn ein Baum auf dem Grundstück schon zu viel Arbeit macht, sollte man vielleicht lieber eine Wohnung mieten. Und da es in unserer Gemeinde keine Verordnung für Bäume auf Privatgrundstücken gibt, wird sich unser neuer Nachbar wohl oder übel mit den Kosten fürs Fällen abfinden müssen.
Trotzdem vielen Dank!

Gruß
Corbie