Hallo!
Woran liegt das, dass ein Mensch leichter zu erschrecken ist
als der andere? Ich sage dann immer: Bitte nicht erschrecken,
ich habe ein schwaches Herz!
Stimmt das? Liegt das am Herzen oder ist man nur psyschsich
etwas angekratzt?
Mit dem Herzen hat das zunächst nichts zu tun. Das Erschrecken ist spielt sich im Gehirn ab. Reize (von Augen/Ohren) erreichen dein Gehirn und werden dort ausgewertet. Ziel ist eigentlich eine passende Reaktion darauf (Bsp. Das Telefon klingelt -> Schall -> der Hörnerv meldet das ans Gehirn -> das Gehirn analysiert „aha, Telefon. Jemand ruft an. Wenn ich jetzt kann, bewege ich mich da hin und werde ein Gespräch führen usw usw…“
Wenn das Gehirn den Reiz schnell erkennt oder gar schon erwartet, passiert auch nichts weiter. Ein unerwarteter Reiz kann aber auch Gefahr bedeuten. Wenn die eigene Lage, das eigene Umfeld gerade nicht gut bekannt ist (zB. weil man gerade in ein Buch vertieft ist oder rumdöst usw), neigt das Gehirn ersmal zur Vorsicht und nimmt einen unerwarteten Reiz sehr, sehr ernst. Es muß erreichen, daß sehr schnell die Aufmerksamkeit ansteigt und der Körper auf eine mögliche Flucht oder Angriff eingestellt wird. Also hoch mit Blutdruck und Atemfrequenz, Augen aufreißen, hochschrecken. Da ist es schon: Der Schreck. Dazu werden Streßhormone ins Blut ausgeschütet. Überhaupt wird die ganze Durchblutung plötzlich stark gesteigert. Die Blutgefäße weiten sich und das Herz muß viel mehr Blut pumpen. Das kann ein schwaches Herz sehr belasten. Daher soll man Leute mit schwachem Herz auch nicht so sehr erschrecken. Wenn das Herz mit der Pumpleistung nicht nachkommt, fällt der Blutdruch stark ab und die Leute können eine Schock bekommen.
Der Schrei ist übrigends wahrscheinlich ein Mittel, einen (möglichen) Angreifer wieder zu erschrecken oder zu verunsichern, um selbst etwas Zeit zu gewinnen und die Situation einzuschätzen. Ist natürlichblöd, wenn der „Angreifer“ nur das dämliche Telefon ist, das plötzlich klingelt…
Doch zurück zum Gehirn. Natürlich ist dem Gehirn eine solche Reaktion angeboren, und die Neigung zu Schreckreaktionen bzw. die Intensität, der der die Reaktionen ablaufen. Das kann von Mensch zu Mensch verschieden sein. Dazu kommt, daß das auch Situationsabhängig moduliert wird (siehe Beispiel oben). Auch kann die Entwicklung/Erziehung eines Menschen die Neigung verändern. In eher feindlicher Umgebung, ohne gute soziale Kontakte bzw. in schlechter sozialer Stellung kann ein Mensch deutlich schreckhafter sein. Auch ein erblich und erfahrungs-bedingt schlechtes Selbstbewußtsein können zu erhöhrter Schreckhaftigkeit führen.
Weiterhin kann ich mir denken, daß es durchaus auch (neurologische) Erkrankungen geben kann, die eine außergewöhnlich hohe Schreckhaftigkeit zur Folge haben.
Wie du dir helfen könntest (wenn es dich stört):
Betrachte deine Lebensumstände. Hast du gute(!) Freunde, Familie? Bist du (zB. im Beruf) glücklich oder überfordert? Hast du Ruhe- und Aktivitätsphasen oder bist du im Dauerstreß? Treibst du ein wenig Sport, gehst du regelmäßig spazieren?
Wenn das alles ok ist, mußt du vielleicht lernen, dich zu entspannen. Da gibt es hinreichend Kurse, Bücher etc. (vielleicht Yoga?)
Du könntest auch mal beim Neurologen abklären lassen, ob organisch alles ok ist.
Grüße,
Jochen