Schwarz Rot Gold

Hi Heraldiker,

eben in der Mittagspause kam folgende Frage auf:
Die Deutsche Flagge hat bekanntlich die Farben Schwarz Rot Gold, die Belgische Schwarz Gelb Rot
Ist das nun Zufall oder haben die beiden Flaggen einen gemeinsamen Ursprung?
Haben diese Farbkombinationen eine bestimmte heraldische Bedeutung? Oder anders gefragt, woher kommen die Farben der Bundesflagge. Eine These war, daß ein Freikorps der Befreiungskriege diese Farben trug.
Wenn dem so ist, hat dieses Korps die Farben zufällig gewählt oder liegt (auch) hier eine tiefere heraldische Bedeutung?

Gandalf

Hallo !

Das Deutsche Reich (1870/71 - 1945) hatte die Nationalfarben Schwarz-Weiß-Rot, die nachfolgenden Staaten (BRD, DDR und vereinigtes Deutschland seit 1990) Schwarz-Rot -Gold.
Das Heilige Römische Reich deutscher Nation (bis 1806) konnte keine Nationalfarben entwickeln, weil die Voraussetzung der Staatseinheit fehlte.

Als kaiserliche Farben galten aber seit den Staufern im 12. Jahrhundert Schwarz und Gold, die mit der Kaiserwürde in Österreich bis 1918 weiterbestanden.

Schon seit der Zeit Karls des Großen war Rot ein Symbol der Herrschaft über Leben und Tod; so erschien der Reichsadler seit dem 14. Jahrhundert mit rot fingierten Fängen und Schnabel.
Durch den Dichter Theodor Körner war die schwarze Uniform der Lützower Jäger an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert volkstümlich geworden, die aus schwarz umfärbten Zivilröcken bestand, die mir roten Vorstößen und goldenen Knöpfen besetzt waren.

Nach den Befreiungskriegen (1813 - 1815) trugen die Burschenschaften, in denen sich in Jena viele Lützower befanden, ihre Waffenröcke als Bundeskleidung weiter. Daraus entstanden ihre Bundesfarben Rot und Schwarz mit Gold durchwirkt, ebenso ihre Fahne.
Statt die preußischen Farben Schwarz-Weiß zu wählen, setzte die Jenaische Burschenschaft auf dem Wartburgfest 1817 ihre eigene Tracht und Farbe durch.
Hier wirkte auch die fälschliche Meinung, Schwarz-Rot-Gold seien die Farben des Heiligen Römischen Reiches gewesen. Nach den Karlsbader Beschlüssen von 1819 wurde unter dem Einfluß des „Farbenliedes“ von Binzer daraus die Reihenfolge Schwarz-Rot-Gold. Beim Hambacher Fest war es allgemein verbreitete Meinung, dass dies die deutschen Farben seien. Die Begeisterung für diese Bundesfarben ebbte nach 1848 ab. 1852 wurden sie formell vom Deutschen Bund wieder abgelegt, doch lebte die „Tricolore“ im Volksbewußtsein als deutsche Fahne weiter.

QUELLE : Viele, viele Bücher und Hefte.

Gruß max

Hallo Max,

vielen Dank für den Artikel.

Hast Du vielleicht auch noch was zu den Farben der Belgischen Flagge auf Lager?!

Gandalf

Hi

Haben diese Farbkombinationen eine bestimmte heraldische
Bedeutung? Oder anders gefragt, woher kommen die Farben der
Bundesflagge. Eine These war, daß ein Freikorps der
Befreiungskriege diese Farben trug.

das ist vermutlich Richtig
http://www.net-lexikon.de/Schwarz-Rot-Gold.html

Wenn dem so ist, hat dieses Korps die Farben zufällig gewählt
oder liegt (auch) hier eine tiefere heraldische Bedeutung?

Möglicherweise, weil diese Drei Farben im Wappen des alten deutschen Reiches vorkamen: Schwarzer Adler mit roten Klauen und Zunge auf goldenem Grund.

Zur Flaggengeschichte:
Die Reichsversammlung in der paulskirche (1848) bestimmte die Farben Schwarz-Rot-Gold zu den Bundesfarben. (Allerdings verschwand das schnell wieder in der Versenkung.
1919 wurde die Schwarz-Rot-Goldene Flagge als Flagge der Republik eingeführt. 1933 konsequenterweise wieder abgeschafft.
Seit 1948 ist sie wieder Bundesflagge… (Diese Flagge dürfte also wohl wirklich mit der Demokratie in D eng verknüpft sein *g*)

Belgien
Die Belgische Flagge entstand aus dem Wappen von Brabant: Goldener Löwe mit roten Klauen und Zunge auf schwarzem Grund. Die Vertikale Anordnung ist vermutlich von den Franzosen abgekupfert.

http://www.btigerlily.net/BTBelgium.html

Grüssle
Mike

Hallo Diskutanten,

wenn ich mich einmischen darf: Die Belgischen Farben sind diejenigen der Herzöge von Brabant (unter dieser Titulierung seit 1191). Die heraldische Gleichsetzung Brabanter=Belgier stammt aus dem Kampf gegen die Habsburgerherrschaft 1789, zwischen 1789 und der Erklärung zu den Farben des unabhängigen Staates 1831 waren schwarz-gelb-rot inoffizielle belgische Farben.

Dass es sich bei den belgischen Farben um ein „authentisches“ mittelalterliches Wappenschild handelt, ist beim Vergleich mit der „Phantasiefahne“ der Jenenser daran zu erkennen, dass in der mittelalterlichen Heraldik die wertvollen Farben Silber (= weiß), Gold oder Gelb in dreifarbigen Bannern nicht am Rand stehen, sondern durch andere Farben (irgendwelche Tugenden etc.) geschützt werden.

Schöne Grüße

MM

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Hallo Gandalf!

Leider weiß ich nicht, wo die belgischen Farben entstanden sind.

Und - sie sind nicht mit den deutschen identisch. Belgien hat die Farben schwarz-rot-gelb.

Gruß Max

Hallo,

Das Deutsche Reich (1870/71 - 1945) hatte die Nationalfarben
Schwarz-Weiß-Rot, die nachfolgenden Staaten (BRD, DDR und
vereinigtes Deutschland seit 1990) Schwarz-Rot -Gold.

Das ist so nicht ganz richtig. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Schwarz-Rot-Gold die Nationalflagge der Weimarer Republik. Die Nazis haben sie 1933 wieder durch die Schwarz-Weiß-Rote ersetzt.

Was man aber wirklich sagen kann ist, dass unser Schwarz-Rot-Gold eigentlich schon immer die Farbe von Demokratie- und Freiheits-Bewegungen war. Das war zu Zeiten der Burschenschaften schon so, in der Weimarer Republik und schließlich in der jetzigen Bundesrepublik. Wohl auch der Hauptgrund, wieso die Nazis diese Flagge nicht benutzen wollten.

mfg
deconstruct

Hi Heraldiker,

eben in der Mittagspause kam folgende Frage auf:

dank Eurer Hinweise ist die Mittagsrunde völlig zufriedengestellt worden.

Gandalf

Grüß Gott!

Wir haben ja jetzt ne ganze Menge über Herkunft der Flagge, Farben etc. gelesen - was ich aber noch ganz nett zu wissen finde (falls meine heraldischen Kenntnisse da ausreichend sind), ist, daß es diese Farbkombination in der Reihenfolge nach der Tinktur-Regel (= Farben und Metalle, d.h. zb. gelb = gold, weiß = silber, müssen sich abwechseln) gar nicht geben darf. Es folgen demnach nämlich 2 Farben und ein Metall aufeinander.
Tja, gutes altes Deutschland, immer ein bißchen anders, hm?

Gruß Lilia

Hi Lilia,

genau die gleichen Gedanken haben wir uns auch gemacht!
Wir vermuten folgendes.
Die Farben wurden von damals revolutionären Bewegungen gewählt. Daher haben sie sich vielleicht mit Absicht von der gültigen Regel entfernt; um den Royalisten eins auszuwischen, bzw. um sie zu ärgern.

Gandalf

Hallo !

Vielleicht hilft das ein wenig :

Das deutsche Wappen, ein rotbewehrter schwarzer Adler auf goldenem bzw gelbem Grund, ist eines der ältesten europäischen Hoheitszeichen und das älteste heutige Staatssymbol überhaupt – in Gebrauch seit fast 1000 Jahren.

Nachdem sich Karl der Große im Jahre 800 vom Papst zum Kaiser hatte krönen lassen, ließ er auf seiner Pfalz in Aachen einen metallenen, wahrscheinlich goldenen Adler aufstellen. Seine Idee war, die Idee des antiken Römerreichs neu zu beleben und das Herrschaftssymbol des Imperium Romanum war ja der Adler, der Göttervogel Jupiters, Zeichen der Unbesiegbarkeit.

Die früheste nachweisbare Adlerdarstellung als kaiserliches Zeichen findet sich als plastische Figur auf dem Mast eines Schiffes der Flotte Karls des Großen und zwar wiedergegeben auf einem Denar, der 811 in der am Ärmelkanal gelegenen Stadt Quentowik geprägt wurde.

Die Heraldisierung des römisch-deutschen Adlers setzte verhältnismäßig spät ein, im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts.
Der erste wappenmäßige Beleg des kaiserlichen Adlerwappens befindet sich auf einer unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa zwischen 1172 und 1190 geprägten Münze, dort ausdrücklich als „Schild des Kaisers“ (scutum imperatoris) ausgewiesen, naturgemäß ohne Kolorierung.
Die bis heute gültige Farbgebung entwickelte sich unter dem Welfen Otto IV. (1198 – 1215), wobei die Verwendung von Gold als Schildgrund angesichts der seit Karl dem Großen zumeist goldenen plastischen Darstellungen des Adlers nahe lag. Dass das Gold mit Schwarz kombiniert wurde, hängt möglicherweise mit dem staufischen Kaisertum zusammen, das als „Hausfarben“ Schwarz-Gold aus seinem schwäbischen Herzogswappen (ein Löwe, später drei schreitende Löwen übereinander) mitbrachte.

Die früheste farbige Darstellung des deutschen Adlerwappens ist auf einer Wandmalerei des Basiliusdomes zu Braunschweig zu sehen. Entstehungszeit war das frühe 13. Jahrhundert. Die rote Bewehrung (Zunge, Schnabel, Fänge) des Adlers ist uns bildlich erst aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bekannt.

Unter Kaiser Sigismund (1410/33 bis 1437) erhielt das Wappentier sein „zweites Gesicht“. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1806) galt der Doppeladler als heraldisches Reichs- und Kaisersymbol. Selbst das Adler-Signum des Deutschen Bundes blieb doppelköpfig. „Einseitig“ wurde der Adler dann wieder mit dem ersten deutschen Nationalstaat, dem Deutschen Kaiserreich von 1871.

Seither haben alle deutschen Staaten, in unterschiedlicher Darstellung, den einköpfigen König der Lüfte als Wappensymbol geführt. Ausnahme die DDR.
Das in der Bundesrepublik Deutschland seit 1950 gültige Staatswappen, das „Bundeswappen“, basiert auf der Zeichnung des Reichswappens der Weimarer Republik aus den späten 1920er-Jahren.

(Geschichte 12/2002)

Gruß Max

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moin,

genau die gleichen Gedanken haben wir uns auch gemacht!
Wir vermuten folgendes.
Die Farben wurden von damals revolutionären Bewegungen
gewählt. Daher haben sie sich vielleicht mit Absicht von der
gültigen Regel entfernt; um den Royalisten eins auszuwischen,
bzw. um sie zu ärgern.

hm, schwarz wie das vorher, blutig wie das jetzt und licht wie sehnsucht.

huch.