Schwarzer Humor (Wer früher stirbt ist länger tot)

Hallo,

ich lebe in Bayern, und hier war der (bayrische) Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“ der absolute Renner. Ich kenne praktisch niemanden, der den Film nicht gesehen hat und ihn nicht absolut klasse fand. Bis auf mich selbst und meinen Mann. Wir haben ihn erst vor kurzem gesehen. Und wir fanden, dass er zwar schon einige sehr witzige Szenen hat, wo wir auch lachen mussten, im Großen und Ganzen aber konnten wir nur wenig mit diesem Humor anfangen.
Ich kann nicht darüber lachen, wenn Katzen ertränkt werden, wenn ein Kind glaubt, am Tod der Mutter schuld zu sein, wenn ich zusehen muss, wie sich jemand (fast) erhängt, wenn ein Kind träumt, lebendig in ein Grab gezogen zu werden usw. usw.

Das nennt man ja wohl schwarzen Humor. Ich hab mich ja nun schon gefragt, warum wir da offenbar so anders sind als die meisten anderen Menschen, die das einfach nur komisch finden können.

Die einfachste Erklärung wäre wohl, dass es halt unterschiedliche Arten von Humor gibt, und das ist halt einfach nicht unsere. Gibt es noch andere Erklärungen?

Es gäbe da noch eine Erklärung:
Ich habe mal in einer Psychologie-Vorlesung (lang ists her…) etwas darüber gelernt, dass bestimmte Witze ihre Komik nur daraus beziehen, dass die Zuhörer in gewisser Weise verklemmt sind oder etwas verdrängen und den Witz darum besonders komisch finden, weil er genau so einen Punkt berührt. Sprich: Je witziger jemand obszöne Witze findet, um so verklemmter ist er. Scheint mir logisch.
Ob man das auch auf solche Themen beziehen kann?
Das würde in diesem Fall bedeuten, dass der Film als besonders witzig empfunden wird, weil das Thema Tod in unserer Gesellschaft ansonsten eben ein starkes Tabu-Thema ist.
Es würde auch erklären, warum ich den Film nicht komisch fand: Ich habe mich in meinem Leben intensiv mit dem Thema Tod auseinandergesetzt, für mich ist es absolut kein Tabu-Thema.
Kann da was dran sein?

Ich suche nicht nach der ultimativen Antwort, eher nach einer interessanten Diskussion. Und irgendwie würde ich auch gerne besser „verstehen“, was es ist, das den Film für Andere so unwiderstehlich witzig macht!

Grüßle,

Julia

(Schwarzer) Humor
Hallöchen,
Vorab: Mir ist der Film unbekannt, weshalb ich da nichts konkret zu sagen kann- aber ich kann 3 Sätze zum (schwarzen) Humor sagen:
(in dem Bemühen nach Kürze ist das so natürlich nicht vollständig und zeitweise vereinfacht, aber ich denke für die Frage „reicht“ es)


Das nennt man ja wohl schwarzen Humor. Ich hab mich ja nun
schon gefragt, warum wir da offenbar so anders sind als die
meisten anderen Menschen, die das einfach nur komisch finden
können.

also zunächst mal, gibt es eine ganze Menge Leute, die damit nicht besonders viel anfangen können-
Es ist also kein Grund sich „anders“ zu fühlen.

Warum lachen wir über unterschiedliche Dinge?

Im Wesentlichen wird gelacht, wenn das „normale“ plötzlich abbricht und etwas Unerwartetes/ Skriptabweichendes passiert
(Wir gehen durch die Fußgängerzone und jmd. läuft gegen eine Straßenlaterne oder der preigekrönte Herr auf der Bühne hat den Hosenstall offen.
Ob wir über die unerwartete Situation lachen, hängt ua. von der individuellen Gewissenskontrolle ab. Humor ist in gewisserweise immer schadenfreudig (was nicht automatisch mit „bösartig“ gleichzusetzen ist). Freud sagte, Lachen sei „erspartes Mitleid“.
Es ist also immer ein Kontrast der entsteht- zwischen dem gewohnten Lauf der Dinge und unerwarteten Ereignissen. Die Stärke des Kontrastes und die gewissensbildenden Faktoren (im groben „Bildungsinhalte“, zu denen natürlich auch die Erziehung, Erfahrungswerte etc. gehören) geben Anlass zum Lachen- oder eben nicht.
Hohes Wissen um „Inhalt“ oder persönlichkeitsbezogene starke Gewissenhaftigkeit (der Analytiker spräche hier vom Über-Ich) bremst also den (schwarzen) Humor aus.

Die einfachste Erklärung wäre wohl, dass es halt
unterschiedliche Arten von Humor gibt, und das ist halt
einfach nicht unsere. Gibt es noch andere Erklärungen?

ja, zb. geschichtliche
http://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/tsp/200…


Das würde in diesem Fall bedeuten, dass der Film als besonders
witzig empfunden wird, weil das Thema Tod in unserer
Gesellschaft ansonsten eben ein starkes Tabu-Thema ist.

Tabu-Themen und sogenannte „Randgruppenwitze“:
Lachen ist, so George Orwell, eine Revolte gegen Normen von Verstand und Moral. Je rigider, desto lustvoller ist es, sie zu verletzen.
=> eine kulturell gewünschte Affekthemmung wird immer dann gebrochen, wenn sie besonders stark „bekämpft“ wird.
Der Lustgewinn, der sich in diesem Zusammenhang ergibt, hat ebenfalls etwas mit einem Tabubruch zu tun, nämlich mit der Übertretung des Friedfertigkeits- und Fairnessgebots.
Wenn man es genau nimmt,handelt es sich um eine Form von Aggressivität, bzw. das Streben nach einem Überlegenheitsgefühl/ Macht. Ein Clown ist nur witzig, weil er so unglaublich dämlich ist- wäre ich selbst so dämlich, hätte das Ganze keine Komik. Ich kann mich also über ihn amüsieren, weil ich ihm überlegen bin.

Es würde auch erklären, warum ich den Film nicht komisch fand:
Ich habe mich in meinem Leben intensiv mit dem Thema Tod
auseinandergesetzt, für mich ist es absolut kein Tabu-Thema.

Humor hat auch etwas entlastendes- er dient in emotional belastenden Situationen als Kompensationsmittel (In diesem Zusammenhang ist dann auch die Lachtherapie zu sehen). Auf der einen Seite haben wir die inadäquaten Affekte z.b. krankheits- oder auch schockbedingt (so lachen bspw. ab und an Opfer von Verkehrsunfällen), und zum anderen eben jene Form, wie es sich die Filmbranche gerne zu eigen macht:
Ich bezweifel, dass der Film einen solchen Erfolg gehabt hätte, würde es nicht darauf angelegt worden sein, dass ihn die Menschen komisch finden. Sonst kämen schließlich alle ganz „platt“ aus dem Kino.
Der Humor entlastet emotional den gezeigten Inhalt.
Zudem bricht er wahrscheinlich Tabus, nimmt Randgruppen auf die Schippe und amüsiert so sein Publikum auf dem oben genannten Weg- er „unterhält“ lustbetont. Kassenschlager.

Allerdings floppen diese Filme idr bei all denjenigen, die sich aus jedwegigen Gründen mit den Themen auseinandergesetzt haben. Sie haben üblicherweise andere Wege der Kompensation gefunden und sehen in Humor keine adäquate Strategie - das dazugehörige Wissen sagt einem unter Umständen dann auch noch, dass die Botschaft sogar „schädlich“ ist und zb. zu weiterer Stigmatisierung führt und der „humorvolle“ Abend ist dahin.

hoff, dass hilft
frosch

Hallo

Ich kann nicht darüber lachen, wenn Katzen ertränkt werden,

= 1 Katze, und arme Kaninchen überfahren werden *schluchz*.

wenn ein Kind glaubt, am Tod der Mutter schuld zu sein,
wenn ich zusehen muss, wie sich jemand (fast) erhängt,

Ich glaube bei diesen Szenen hat kein einziger gelacht

wenn ein Kind träumt, lebendig in ein Grab gezogen zu werden usw. usw.

Die Träume waren die einzigen Szenen die ich im Film etwas überspitzt und unpassend fand.

Ich glaube nicht,dass es irgendwas mit unterschiedlichen Humor zu tun
hat, ich musste zwar noch lange an die arme Karnickel denken, aber das heißt ja nicht, dass ich wegen Trübsal darüber über die anderen Witze nicht mehr lachen kann. Und natürlich hat man ja auch im Hinterkopf, dass es sich um einen Film handelt, hätte sich so was echt ereignet, wäre das wenigste daran lustig gewesen.
Die von dir oben ausgewählten Szenen sind außerdem vier von Hunderten,
die meiner Meinung nicht ins Gewicht fallen.
Ich jedenfalls fand den Film nach bayerischen Humor sehr amüsant.

Liebe Grüße Sinclair

Hallo Sinclair,

mir ist nicht klar, was du mir mit deinem Posting sagen willst. Dass es eine Menge Leute gibt, die den Film witzig finden, weiß ich. Du also auch. Ja und was weiter?

Ich kann nicht darüber lachen, wenn Katzen ertränkt werden,

= 1 Katze, und arme Kaninchen überfahren werden *schluchz*.

wenn ein Kind glaubt, am Tod der Mutter schuld zu sein,
wenn ich zusehen muss, wie sich jemand (fast) erhängt,

Ich glaube bei diesen Szenen hat kein einziger gelacht

wenn ein Kind träumt, lebendig in ein Grab gezogen zu werden usw. usw.

Die Träume waren die einzigen Szenen die ich im Film etwas
überspitzt und unpassend fand.

Sie kamen aber ständig vor und waren ein sehr wichtiger Teil des Films!

Ich glaube nicht,dass es irgendwas mit unterschiedlichen Humor
zu tun hat

Was denn sonst? Muss jeder das gleiche witzig finden wie du?

ich musste zwar noch lange an die arme Karnickel denken,
aber das heißt ja nicht, dass ich wegen Trübsal darüber über
die anderen Witze nicht mehr lachen kann.

Ich konnte über manches lachen, aber bei den meisten Szenen blieb mir halt das Lachen im Halse stecken.

man ja auch im Hinterkopf, dass es sich um einen Film handelt,
hätte sich so was echt ereignet, wäre das wenigste daran
lustig gewesen.

Tja, vielleicht ist das auch ein Punkt. Ich sehe alles immer so als ob es in Wirklichkeit passieren würde.

Die von dir oben ausgewählten Szenen sind außerdem vier von
Hunderten,
die meiner Meinung nicht ins Gewicht fallen.

Hallo???
Der ganze Film dreht sich um das Thema Tod! Er beginnt mit einem Autounfall, der in der ersten Sekunde den Eindruck erweckt und erwecken soll, das Kind sei tot. Dann tote Karnickel - in Großaufnahme vor der Kamera -, tote Katze, tote Mutter, tote Großmutter, Moorleichen, Mordpläne, Selbstmordversuche, Gräber, nebenbei gehts ums Schweineschlachten, am Schluss trinkt der Junge versehentlich die aufgelösten Schlaftabletten, und in den permanent auftauchenden Albträumen geht es immer nur darum, was dem Jungen blüht wenn er stirbt. Der ganze Film baut darauf auf, dass der Junge versucht, unsterblich zu werden, weil er vor dem Fegefeuer Angst hat.

Das fällt also alles nicht ins Gewicht, ja?

Ich jedenfalls fand den Film nach bayerischen Humor sehr
amüsant.

Äh, ja und was willst du mir damit sagen?

Julia

Hallo Frosch,

das gibt ein dickes Sternchen, wirklich total interessant deine Ausführungen und sehr überzeugend, auch der Artikel sehr interessant (hab mich kürzlich mit einem Deutschen, der in England lebt über britischen Humor unterhalten, und hab mich gekugelt vor Lachen über seine deutsche Darstellung der englischen Witze).

Viele Grüße!

Julia

Hallo Sinclair,

mir ist nicht klar, was du mir mit deinem Posting sagen
willst. Dass es eine Menge Leute gibt, die den Film witzig
finden, weiß ich. Du also auch. Ja und was weiter?

Mir ist auch nicht ganz klar, was du mir mit deinem Posting sagen willst. Erst sagst du, dass du nicht umbedingt eine ultimative Lösung haben willst, sondern eine Diskussion, dann sag’ ich meine Meinung und du bist wieder unzufrieden.

Ich kann nicht darüber lachen, wenn Katzen ertränkt werden,

= 1 Katze, und arme Kaninchen überfahren werden *schluchz*.

wenn ein Kind glaubt, am Tod der Mutter schuld zu sein,
wenn ich zusehen muss, wie sich jemand (fast) erhängt,

Ich glaube bei diesen Szenen hat kein einziger gelacht

wenn ein Kind träumt, lebendig in ein Grab gezogen zu werden usw. usw.

Die Träume waren die einzigen Szenen die ich im Film etwas
überspitzt und unpassend fand.

Sie kamen aber ständig vor und waren ein sehr wichtiger Teil
des Films!

Das finde ich nicht, sie waren ein GROSSER Teil des Filmes ,
kein SEHR Wichtiger, wichtig sind sie meinetwegen für die Handlung aber sie waren zu ausführlich.

Ich glaube nicht,dass es irgendwas mit unterschiedlichen Humor
zu tun hat

Was denn sonst? Muss jeder das gleiche witzig finden wie du?

JA.
Erst meinst du, dass es wohl an den unterschiedlichen Humor liegt, und ob es noch andere erklärungen gäbe und jetzt heißt es, es liegt an unterschiedlichen humor an „was den sonst“.

ich musste zwar noch lange an die arme Karnickel denken,
aber das heißt ja nicht, dass ich wegen Trübsal darüber über
die anderen Witze nicht mehr lachen kann.

Ich konnte über manches lachen, aber bei den meisten Szenen
blieb mir halt das Lachen im Halse stecken.

man ja auch im Hinterkopf, dass es sich um einen Film handelt,
hätte sich so was echt ereignet, wäre das wenigste daran
lustig gewesen.

Tja, vielleicht ist das auch ein Punkt. Ich sehe alles immer
so als ob es in Wirklichkeit passieren würde.

Tja, vielleicht ist das auch der SPRINGENDE Punkt

Die von dir oben ausgewählten Szenen sind außerdem vier von
Hunderten,
die meiner Meinung nicht ins Gewicht fallen.

Hallo???
Der ganze Film dreht sich um das Thema Tod! Er beginnt mit
einem Autounfall,

Autounfall finde ich übertrieben,

der in der ersten Sekunde den Eindruck
erweckt und erwecken soll, das Kind sei tot.

Das Kind ist aber nicht tot.

Dann tote Karnickel - in Großaufnahme vor der Kamera -, tote Katze,

Das fand ich auch grausam

tote Mutter,

die Mutter ist ja schon vor xy JAhren gestorben,
und ihr Tod an sich kommt im film nicht vor.

tote Großmutter,

Der Tod der Großmutter wird nicht grausam dargestellt,
überhaupt hat sie meiner Meinung nach einen sehr passenden Zeitpunkt
gewählt, nachdem sie ihre letzten Tage noch einmal richtig genossen hat. Keiner möchte lieber nach wochen- o. monatelanger Krankheit sterben.

Moorleichen,

So weit ich mich erinnern kann ist das doch nur eine Geschichte.
Fiktiv und erfunden, wie sie überall erzählt werden.

Mordpläne,

Die „Mordpläne“ sind wohl eher auch die Naivität des Jungen zurückzuführen, was den Film auch so lustig macht. Es war meiner Meinung nach klar, dass es nie zu einen Mord kommen würde.

Selbstmordversuche,

Ja, zu Ende ist der Film auch nicht mehr lustig

Gräber,

Gibt es auf jeden Friedhof.

nebenbei gehts ums Schweineschlachten,

So ist es eben auf den Bauernhof, falls du keine Vegetarieren sein solltest, sollst du dich nicht darüber beschweren, wenn man schon Fleisch ist, sollte man sich auch bewusst sein, das dafür ein Tier geschlachtet wurde und nicht wegschauen!

am Schluss trinkt der Junge versehentlich
die aufgelösten Schlaftabletten,

Wie gesagt, zum Schluss ist der Film nicht mehr lustig
und: der Junge stirbt nicht

und in den permanent
auftauchenden Albträumen geht es immer nur darum, was dem
Jungen blüht wenn er stirbt.

Zu den Träumen hab’ ich meine Meinung auch schon geäußert.

Der ganze Film baut darauf auf,
dass der Junge versucht, unsterblich zu werden, weil er vor
dem Fegefeuer Angst hat.

Wie gesagt Naivität des Jungen

Das fällt also alles nicht ins Gewicht, ja?

Wenn ich mir einen Film anschaue und es sich nicht gerade um einen Kinderfilm handelt, erlebe ich es selten, dass Hauptdarsteller nicht einen kranken Opa, eine verstorbenen Vater oder ein totes Meerschweinchen haben, nebenbei vielleich noch auf nen Bauerhof leben
wo Tiere geschlachtet werden, oder hast du dir noch nie einen Krimi einen Kriegsfilm… angeschaut, wo du nicht mal schmunzeln musstest?
Wir leben nicht in einer Welt mit Friede, Freude, Eierkuchen.
C’est la vie. Und wenn man es streng nehmen würde, dürfte man ja über gar nichts mehr lachen. Aber lachen ist gesund :wink:.

Ich jedenfalls fand den Film nach bayerischen Humor sehr
amüsant.

Äh, ja und was willst du mir damit sagen?

dass a Preiss vielleicht ned do drüber glacht hätt.
Liebe Grüße Sinclair

1 „Gefällt mir“

Hallo Sinclair,

hab jetzt erst in deine Vika geschaut - ok, von einer 15-jährigen erwarte ich noch nicht, dass sie andere psychologische Erklärungen abgeben kann, als dass sie den Film halt selbst witzig findet.
Ist dein gutes Recht, offenbar hattest du den Eindruck, dass ich sagen wollte, niemand dürfe den Film witzig finden. Mich stört es absolut nicht, wenn ihn andere witzig finden.
Und: Deiner Antwort entnehme ich, dass du das meiste von dem was ich sagte missverstanden hast, aber ich hab keine Lust, das jetzt alles richtig zu stellen.
Ein bayrisches „Servus“ -

Julia

Medienkritik
Hallo Julia,

ich habe den Film nicht gesehen, nach der Beschreibung habe ich aber auch nicht das Gefühl etwas wichtiges versäumt zu haben.
Als Teenager habe ich mir den Dokumentation „Die Gesichter des Todes angeschaut“. Damals waren wir jungen Leute einfach nur neugierig, ein gesellschaftliches Tabu brechen zu dürfen. Heute würden Teenager vielleicht über den selben Film lachen.
Meine Kritik gilt nicht den jungen Leuten (die können nichts dafür), sondern den Medienkonzernen, die ein Geschäft daraus machen, die heranwachsende Zuschauer charakterlich zu verderben.

Eine bekannte Castingshow bei der absichtlich unbegabte junge Menschen zum Gespött der Nation gemacht werden, ist ein trauriges Beispiel dafür.

Was die Medienlandschaft im allgemeinen betrifft so möchte ich Karl Dall zitieren: „Irgendwann einmal wird für das Fernsehen ein dampfender Haufen Sch**** gefilmt.“

Zum Thema schwarzen Humor: Die Römer fanden es auch lustig wenn Löwen in der Arena Menschen zerfetzten.

(Schwarzer) Humor im Film *Wer früher stirbt…
Hallo,

vorab: ich habe den Film schon 2 mal gesehen :smile:, das machte ich aber nur wegen dem bayerischen Dialekt, den ich auf Anhieb nicht ganz verstanden habe.

Trotz der Filmbeschreibung, würde ich ihn nicht in Sparte Komödie einordnen.
Der Film ist nicht nur witzig, er ist auch sehr ernsthaft und bewegend.
Ich finde ihn besonders gelungen, da er sehr oft und sehr gut Situationskomik dargestellt, groteske Momente, aber auch ganz deutlich die Albträume und Qualen den kleinen Helden Sebastian.

Hier gelang es dem Regisseur eine sehr rührende Geschichte mal nicht so zu erzählen dass man den ganzen Film durchweinen muss und zeigt uns auch, dass das Leben selbst in dunkelsten Momenten nicht nur schwarz ist.

Wie du treffend gesagt hast, hilft uns Humor oft in schwierigen Momenten drüber hinweg.

Und für derbe Situationen, braucht man manchmal derberen Humor. Das nenne ich dann nicht Verdrängung, sondern Lebensmeisterung, sofern es nicht in Zynismus ausartet :wink:

Ich finde den Film richtig gut und ich weiß nicht ob das wirklich ein Indiz dafür ist dass ich mich sowohl mit Tod, als auch mit Kindheit-Albträumen nicht ausreichend auseinander gesetzt habe.

Gruß,
Maja

3 „Gefällt mir“

Hi Julia,

viele meiner Bekannten, und auch ich, haben über den Film deshalb gelacht, weil er eine sehr unverbrauchte Darstellung des Kindseins geschafft hat. Ich habe mich in einigen Dingen wiedererkannt. Die Kindliche naivität war klasse dargestellt, auch wenn sie natürlich überspitzt war.

Gelacht habe ich nicht über die toten Kaninchen sondern über den Dialog zwischen den beiden Brüdern. Gelacht habe ich auch nicht über die tote Katze sondern über den Wiederbelebungsversuch. Gelacht habe ich auch nicht über die schaurigen Träume sondern über die Konsequenzen, die sie hatten.

Dass Du über all diese Dinge nicht lachen kannst, finde ich schade. Allerdings glaube ich nicht, dass man unserer Gelselschaft deswegen ein verklemmtes Verhältnis zum Tod nachsagen kann, nur weil sie über die Dialoge dieses Films gelacht hat. Das wäre zu weit hergeholt.

Bye
Rolf

hallo julia,

ich kenne diese situation. ich habe mich auch schon oft gefragt, was an dieser oder jener szene denn so lustig ist. ich empfinde oftmals ekel oder trauer, wenn andere lachen.

ich finde bleifroschs antwort sehr aufschlussreich. weiters hat es wohl noch mit der empathiefähigkeit des menschen zu tun. um mit einem opfer mitzuleiden, braucht man einfühlungsvermögen und die bereitschaft, diese auch einzusetzen. und an dem mangelt es wohl bei den lachenden menschen. ich will damit nicht sagen, dass das schlecht ist. in den meisten fällen handelt es sich wohl um selbstschutz „lieber lachen als weinen“.

liebe grüsse,
coco

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hi,

ich kenne den film nicht, psychologisch kann man schwarzen humor allerdings mit einer art verarbeitungsmechanismus sehen. es gibt auch viele menschen, die ihr negatives weltbild (wahrscheinlich erworben durch früh gemachte negative erfahrungen)und ihre negative zukunftserwartung in solchen filmen besonders präzise verarbeitet sehen. das lachen darüber ist dann natürlich eher ein verarbeiten schlimmer dinge, die im film stellvertretend für die eigenen erfahrungen stehen. dabei wird niemand ersthaft erwarten, lebendig in ein grab gezogen zu werden (oder ähnlich…) aber die erwartung, dass dinge einen schlimmen verlauf bis in die katastrophe nehmen, ist einfach ein thema, das menschen, die schwarzen humor lieben, angeht.

das bedeutet nicht, dass das immer so ist, man kann auch ohne frühkindlichen schaden über so einen film lachen. mich verwundert es aber nicht, dass es viele menschen gibt, für die das alles einfach kein thema ist, die das eher abwegig finden. ich vermute da eher etwas seelisch gesundes dahinter.

am ende ist es ja auch egal, weil lachen immer etwas schönes ist. ich bin kein karnevalist, aber ich gönne den millionen heute ihr gegröhle, gelache und gefeiere ohne dass ich einen grund dafür kenne. HELAU.

Hmh …
Hallo coco,

weiters
hat es wohl noch mit der empathiefähigkeit des menschen zu
tun. um mit einem opfer mitzuleiden, braucht man
einfühlungsvermögen und die bereitschaft, diese auch
einzusetzen. und an dem mangelt es wohl bei den lachenden
menschen.

Man könnte allerdings auch behaupten, dass Dir (und allen anderen, denen Du größte Empathiefähigkeit zurechnest) schlicht Abstraktionsvermögen fehlt. Also ich weiß im Kino, dass ein Karnickel im Film in der Regel nicht stirbt, auch wenn es dort überfahren wird. Du auch?:wink:

Grüße
Jürgen

2 „Gefällt mir“

Hallo,

Man könnte allerdings auch behaupten, dass Dir (und allen
anderen, denen Du größte Empathiefähigkeit zurechnest)
schlicht Abstraktionsvermögen fehlt.

Danke. Denn obwohl da stand, es sei nicht wertend („ich will nicht sagen, dass das schlecht ist“), kam es mir dennoch so vor, als würde den lachenden Menschen etwas abgesprochen, was die anderen haben: sei es Empathie, sei es Menschlichkeit.
Und da fühle ich mich - als durchaus dem rabenschwarzen Humor zugetan - zutiefst missverstanden, sogar abgewertet.

Gruß
Elke

Hallo,

hallo,

ich lebe in Bayern, und hier war der (bayrische) Film „Wer
früher stirbt, ist länger tot“ der absolute Renner. Ich kenne
praktisch niemanden, der den Film nicht gesehen hat und ihn
nicht absolut klasse fand. Bis auf mich selbst und meinen
Mann. Wir haben ihn erst vor kurzem gesehen. Und wir fanden,
dass er zwar schon einige sehr witzige Szenen hat, wo wir auch
lachen mussten, im Großen und Ganzen aber konnten wir nur
wenig mit diesem Humor anfangen.
Ich kann nicht darüber lachen, wenn Katzen ertränkt werden,
wenn ein Kind glaubt, am Tod der Mutter schuld zu sein, wenn
ich zusehen muss, wie sich jemand (fast) erhängt, wenn ein
Kind träumt, lebendig in ein Grab gezogen zu werden usw. usw.

lebe uach in bayern, den film aber nicht gesehen habe und
auf grund deiner schilderungen dazu nur sagen kann - es wird
vieles mti der umschreibung „schwarzer humor“ verbunden wo gar
keiner vorhanden ist.
und so weiss ich nicht, haste recht oder nicht…
kann also auch anders sein und wenns gar kein schwarzer humor in
dem eigentlichen sinne wäre - würde das ganze von dir geschriebene
sowieso so nicht mehr stimmen. *hmmm

Das nennt man ja wohl schwarzen Humor.

siehe oben.
was ist also für dich schwarzer humor und was versteht man allg. darunter und was versteht ein filmemacher darunter -
je weniger einigkeit, desto weniger grundlage für diese fragen.

Ich hab mich ja nun

schon gefragt, warum wir da offenbar so anders sind als die
meisten anderen Menschen, die das einfach nur komisch finden
können.

oder nicht wollen? - oder andere gründe… eine ferndiagnose
ist nicht möglich.

Die einfachste Erklärung wäre wohl, dass es halt
unterschiedliche Arten von Humor gibt, und das ist halt
einfach nicht unsere. Gibt es noch andere Erklärungen?

das könnte sein, aber auch andere gründe könnte es geben,
einige sogar

Es gäbe da noch eine Erklärung:
Ich habe mal in einer Psychologie-Vorlesung (lang ists her…)
etwas darüber gelernt, dass bestimmte Witze ihre Komik nur
daraus beziehen, dass die Zuhörer in gewisser Weise verklemmt
sind oder etwas verdrängen und den Witz darum besonders
komisch finden, weil er genau so einen Punkt berührt. Sprich:
Je witziger jemand obszöne Witze findet, um so verklemmter ist
er. Scheint mir logisch.

ich kann mir nicht vorstellen, dass das so in der vorlesung gesagt
wurde, denn meiner ansicht nach stimmts so nicht.
es KANN so sein, aber ebenso kann eine sexuell extrem aufgeschlossene person sich erfreuen an einem solchen witz.
die frage ist jeweils - WARUM lacht jeder der beiden.
oder warum lacht jemand anderer nicht.

pauschal kann man sicher sagen - lacht wer über etwas für andere witziges nicht, gibts hier eine verbindung die andere so für sich nicht haben. gleiches gilt aber auch für die die drüber lachen im vergleich.
sie haben eine andere verbindung „dazu“ als jene nichtlachenden.

das gleiche ist, wenns darum geht sich aufzuregen, etwas abzulehnen, zu befürworten etc - sprich für alles im leben.
es gilt also nicht nur für den witz.

witze allerdings helfen zu verarbeiten z.b - siehe witze von bekannten menschen die verstorben sind. selten gleich nach dem tode, aber noch seltener, dass es auch nach einer weile keine über die person oder gar ihr versterben gibt.

ob nun ein totaler fan einer solchen person genauso lachen wird wie jemand der eben kein fan war…? wohl kaum.
und mich an diesem beispiel anlehnend denke ich gibt es eine menge gründe warum ein mensch in einem bestimmten augenblick etwas nicht witzig findet, finden kann, finden will.
(stimmung, lebensphase, haltung, einstellung, verstehen/hinterblicken,
innere distanz/nähe und sicher noch mehr)

Ob man das auch auf solche Themen beziehen kann?
Das würde in diesem Fall bedeuten, dass der Film als besonders
witzig empfunden wird, weil das Thema Tod in unserer
Gesellschaft ansonsten eben ein starkes Tabu-Thema ist.
Es würde auch erklären, warum ich den Film nicht komisch fand:
Ich habe mich in meinem Leben intensiv mit dem Thema Tod
auseinandergesetzt, für mich ist es absolut kein Tabu-Thema.
Kann da was dran sein?

kann sein, aber kann auch nicht sein.
für mich ist das thema tod auch kein tabuthema und ich kann dennoch
gut über gewisse witze um den tod lachen.
ums sterben wiederum… - es kommt wohl darauf an.
oder das leben nach dem tode - darüber gewitzelt kanns auch recht lustig sein.

bei witzen um den tod sollte man evtl mal genauer schauen worum es hierbei wirklich geht.
es gibt übrigens leute die sich intensiv mit dem thema im allg. und speziellen befasst haben - profis - evtl schauste mal im netz und
wirst fündig.
(also warum man witze macht, worüber wer warum lacht, witze und deren funktionen für den menschen, witze als spiegel und vieles mehr)

Ich suche nicht nach der ultimativen Antwort, eher nach einer
interessanten Diskussion. Und irgendwie würde ich auch gerne
besser „verstehen“, was es ist, das den Film für Andere so
unwiderstehlich witzig macht!

zu deiner letzten frage könnte ich mir vorstellen: wenn du/ihr selbst wiederum bestimmte dinge extrem witzig findet, die andere vielleicht nicht soooo witzig finden - könntet ihr mal schauen warum es für euch so, für die anderen anders ist. - das kann man dann sicher indirekt übertragen.

ich glaube neben vielen anderen gründen ist das wichtigste wohl warum man etwas witzig oder unwitzig oder sonstwie bewertet ist wohl die eigene nähe und distanz zu dem thema um das es geht.
zu nahe ist oft wohl nix, zu weit weg aber auch nicht.

Lg

nina

hi juergen,

meine worte waren:

braucht man

einfühlungsvermögen und die bereitschaft, diese auch
einzusetzen.

ich habe also niemandem einfühlungsvermögen abgesprochen.

das mit dem abstraktionsvermögen ist gut möglich. vielleicht ist ja der einsatz des abstraktionsvermögens reziprok zum einsatz des einfühlungsvermögens.

gruss,
coco

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hi coco,

meine worte waren:

braucht man

einfühlungsvermögen und die bereitschaft, diese auch
einzusetzen.

ich habe also niemandem einfühlungsvermögen abgesprochen.

Na ja, aber gerade noch so die Kurve bekommen:wink:

das mit dem abstraktionsvermögen ist gut möglich. vielleicht
ist ja der einsatz des abstraktionsvermögens reziprok zum
einsatz des einfühlungsvermögens.

In diesem Falle vermutlich. Es mag da tatsächlich Unterschiede in der Beteiligung an der Handlung geben. Für mich sind rabenschwarze Filme schlicht Comics ohne gezeichnete Bilder. Und wenn der Coyote vom Woodpecker in die Luft gesprengt wird, nimmt mich das auch nicht wirklich mit (um einen der harmloseren Comics zu nennen:wink:)

Grüße
Jürgen

hi

ich habe also niemandem einfühlungsvermögen abgesprochen.

Na ja, aber gerade noch so die Kurve bekommen:wink:

ich habe mir bei der formulierung des satzes noch halber gedacht, dass er nicht vollständig gelesen werden könnte. hab dann aber nicht auf diese innere stimme gehört… in diesem fall war anscheinend ich zuwenig empathisch *grins

das mit dem abstraktionsvermögen ist gut möglich. vielleicht
ist ja der einsatz des abstraktionsvermögens reziprok zum
einsatz des einfühlungsvermögens.

In diesem Falle vermutlich. Es mag da tatsächlich Unterschiede
in der Beteiligung an der Handlung geben. Für mich sind
rabenschwarze Filme schlicht Comics ohne gezeichnete Bilder.
Und wenn der Coyote vom Woodpecker in die Luft gesprengt wird,
nimmt mich das auch nicht wirklich mit (um einen der
harmloseren Comics zu nennen:wink:)

ja, das verstehe ich.

schönen abend noch,
coco

Auseinandersetzung
Hi,

Ich finde den Film richtig gut und ich weiß nicht ob das
wirklich ein Indiz dafür ist dass ich mich sowohl mit Tod, als
auch mit Kindheit-Albträumen nicht ausreichend auseinander
gesetzt habe.

dass wir alle irgendwann sterben, wissen wir- und der ein oder andere hat sich evtl. auch überlegt, wie es danach weitergeht (für ihn oder seine Angehörigen zb.)- das ist aber nicht gemeint.
Ich versuchs mal mit einem anderen Beispiel, das ist vielleicht etwas eindeutiger: es gibt eine Menge Filme, in denen die Figuren stottern. Über einige kann man sich kringelig lachen. Jmd. der selbst stottert oder dessen kleine Schwester zb. darunter leidet reagiert erwartungsgemäß aber anders auf jene Komik, die direkt durch das Stottern erzeugt werden soll (Gemeint ist also nicht, wenn diese Figur gegen einen Laternenpfeiler läuft).

Es geht nicht darum, dass allen übrigen Zuschauern die Welt „verschlossen bleibt“, sie bösartig oder doof sind, sondern darum, dass die (intensive) Beschäftigung mit Dingen X die Sicht auf sie verändert, und damit Humor über diese Dinge anders greift.
Deswegen ist der eine aber nicht zwangsläufig „schlauer“ als der andere oder X hat sich zu wenig mit dem Thema auseinandergesetzt.

Will sagen:
Dein Päckchen, dass Du mit Dir trägst, ist ein anderes als Julias. In dieser Konstellation bist Du vielleicht sogar im Vorteil, denn Du hattest einen amüsanten Kinoabend. In einer anderen Konstellation wird es andersrum sein- und keinem von euch kann man sagen
Du bist lustiger, intelligenter, moralischer, informierter, naiver…
Es ist weder schlecht noch schlimm noch dumm über diese Dinge zu lachen. Nur wer nicht lacht, ist ebenso wenig automatisch humorlos.

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