Von daher ist es gefährlicher Unfug, den Zusammenhang von
Gewaltspielen, -filmen usw. mit real ausgeübter Gewalt durch
Jugendliche, bestreiten zu wollen.
Da stellt jemand eine sachliche Frage und schon kommen wertende, belehrende und moralisierende Antworten. Warum? Hättest du das auch geschrieben, wenn es um Romane gegangen wäre?
Ich kann dir jetzt aus dem Kopf drei Ego-Shooter nennen bei
denen das das Ziel ist, Left 4 Dead, CSS und Team Fortress.
L4D kenne ich zugegebenermaßen nicht. Die anderen beiden sind reine PvP-Spiele, und selbst da gehts nicht immer primär um die meisten frags. Terrorists können auch per Bombe gewinnen und die mit Abstand beliebtesten Spielmodi bei TF2 sind nicht etwa DM oder TDM sondern Domination/Assault und CTF.
All die körperlichen Auswirkungen, die du hier beschreibst,
haben natürlich nichts mit realer Gefahr zu tun, sondern damit
das du ein Zocker bist, der Spaß daran hat. Spielen bereitet
dir einen Adrenalinkick.
Ja. Spielen, vor allem PvP, bereitet übrigens den meisten Menschen einen Adrenalinkick. Es ist eben was anderes gegen einen PC-gesteuerten Gegner zu verlieren oder gegen einen anderen Menschen.
Ein erstes Anzeichen dafür das du süchtig nach deinen
Egoshootern bist.
Nein.
Jede Art von Wettkampf zwischen Menschen sorgt für diesen Kick. Aus sowas gleich Suchtanzeichen zu machen greift ein bisserl weit.
Jede Art von Wettkampf zwischen Menschen sorgt für diesen
Kick. Aus sowas gleich Suchtanzeichen zu machen greift ein
bisserl weit.
Ja. Und „vorgetäuschte“ Angst ist sowieso etwas, nach dem wir alle ein wenig „süchtig“ sind. Achterbahnen, Horrorfilme, funktioneren auch so. Was daran schlecht sein soll, weiß ich nicht. Wshrscheinlich ist es die Tatsache, dass es etwas mit Computern zu run hat, die von Haus aus böse sind.
Da stellt jemand eine sachliche Frage und schon kommen
wertende, belehrende und moralisierende Antworten. Warum?
Hättest du das auch geschrieben, wenn es um Romane gegangen
wäre?
Wenn jemand beim Lesen eines Romans schweißnasse Hände kriegen würde und der Zusammenhang gegeben wäre, ganz bestimmt.
Wenn jemand beim Lesen eines Romans schweißnasse Hände kriegen
würde und der Zusammenhang gegeben wäre, ganz bestimmt.
Also wenn dir das noch nie passiert ist, weder beim Lesen noch Filmsehen noch PC-Spielen, dann würde ich mir Sorgen machen. Es würde bedeutetn, dass du zu Empathie nicht fähig bist und keine Fantasie hast.
In der Übertragung der von mir genannten Beispiele auf Dein Thema: In den genannten Fällen gibt es keine reale Gefahr und dennoch spielt uns der „Neandertaler“ in uns einen Streich, in dem er uns bei VERMEINTLICHER Gefahr, auch wenn die real nicht da ist, so verhalten lässt als wäre sie real.
Letztlich kennt dieser „Urtyp“ in unseren Genen nur drei Varianten, wie er sich bei Gefahr verhält: Tod stellen (kannst Du nicht, weil Du ja weiterspielen willst), flüchten (geht auch nicht, weil Du dann nicht spielen kannst) oder kämpfen (und für diesen „Kampf“ versorgt Dich Dein Körper gem. „Ur-Prägung“ mit allem, was er für erforderlich hält, damit Du eine möglichst große Siegchance hast) . . .
Also wenn dir das noch nie passiert ist, weder beim Lesen noch
Filmsehen noch PC-Spielen, dann würde ich mir Sorgen machen.
Es würde bedeutetn, dass du zu Empathie nicht fähig bist und
keine Fantasie hast.
Schön, dass du dich um mich sorgst.
Ein ganz wesentlicher Unterschied ergibt sich natürlich aus der Form, in der ich in das fiktive Geschehen einbezogen werde.
Romane sind nur selten in der „Ich-Form“ und in der Gegenwart geschrieben, aber auch dann muss ich das nicht direkt auf mich beziehen. Das Gleiche geschieht im Film, ich bin und bleibe lediglich Beobachter und kann keinen Einfluss auf das weitere Geschehen nehmen.
Beim Ego-Sh. dagegen bin ich die handelnde Person und meiner Fantasie wird das meiste abgenommen. Mit meiner Interaktion bestimme ich deutlich das Spielgeschehen.
Um es einfach auszudrücken: Ich muss am laufenden Band irgendwelche Leute erschießen, um weiter zu kommen.
Ich kann mit dem größten Teil deines Textes mitgehen. Nur der Teil mit dem „am laufenden Band Leute erschießen“ ist mir schon wieder zu wertend.
Das Leute erschiessen Teil des Spiels ist, hat wenig mit den Gefühlen zu tun, die ein Spiel erzeugt. Vielleicht ist der Querschnitt der Spieler die ich kenne zu klein, aber ich habe noch keinen Spieler getroffen, dem es vor allem ums Leute umlegen ging. Sie alle spielen die Spiele der Story wegen und die kommt phasenweise oft ganz ohne Gegner aus. Ich hatte durchaus schon schweissnasse Hände bei Spielen wie
Dead Space
Vampires: Bloodlines
F.E.A.R.
Stalker
System Shock
Alone in the Dark
und, auch wenn das meiste davon Ego-Shooter waren, sind die aufregenden Passagen vor allem die ganz ohne Gegner (ich sag nur Ocean Park Hotel).
Das man im Gegensatz zu einem Film die Dramaturgie selbst bestimmen kann ist übrigens ein Trugschluss. Im Grunde sind die meisten Spiele dieser Art interaktive Filme, wobei sich die Interaktivität in der Regel auf das ‚wann‘ und nicht auf das ‚was‘ beschränkt.
Romane sind nur selten in der „Ich-Form“ und in der Gegenwart
geschrieben, aber auch dann muss ich das nicht direkt auf mich
beziehen. Das Gleiche geschieht im Film, ich bin und bleibe
lediglich Beobachter und kann keinen Einfluss auf das weitere
Geschehen nehmen.
Dreimal dafrst du raten, warum immer weniger Menschen fernsehen und noch weniger Romane lesen, aber dafür umso mehr Menschen vor den PCs sitzen und Shooter oder egal was spielen. Weil es INTERAKTIV ist.
Beim Ego-Sh. dagegen bin ich die handelnde Person und meiner
Fantasie wird das meiste abgenommen. Mit meiner Interaktion
bestimme ich deutlich das Spielgeschehen.
Ja, du erlebst Grenzsituationen, die du im realen Leben nicht erleben wirst (zumindest hoffentlich nicht). Das ist der Reiz von Spielen, von Filmen, von Fernsehserien, von Romanen.
Um es einfach auszudrücken: Ich muss am laufenden Band
irgendwelche Leute erschießen, um weiter zu kommen.
Wie schrecklich, man sollte das sofort verbieten. Das selbe sagte man früher übrigens über Romane
Diese Spiele simulieren mehr oder weniger eine reale Welt. Es geht um die Frage: „Was wäre wenn ich in dieser Welt wäre? Wie lange könnte ich in ihr überleben?“ Um das Spiel zu meistern, muss man sich anstrengen. Und bei einen Egoshooter kann man vielleicht sagen, dass hier der Überlebenstrieb angesprochen wird. Auch wenn man nur vor einem Monitor sitzt und ein paar Knöpfe drückt, ist das was man wahrnimmt das Bedienen von Waffen in einer (simulierten) Welt um im Kampf gegen Andere (künstliche Intelligenz oder menschliche Mitspielter) zu bestehen. Und weil es ein Kampf um (Bildschirm-)Leben und (Bildschirm-)Tod ist, und weil über Sieg oder Niederlage die maximale Konzentration aufs Wesentliche entscheidet, wird Adrenalin ausgeschüttet.
Ein realer Soldat in einer realen Kampfhandlung, in der er andere Soldaten töten muss bevor sie ihn töten, wird wohl um ein Vielfaches diesem Effekt ausgesetzt sein.
Man kann sagen, dass so ein Spiel sehr abstrakt ist, und kaum etwas mit der Realität zu tun hat. Aber sobald etwas „auf dem Spiel steht“, geht es in jedem Spiel „ums Überleben“.
Und auch bei Brettspielen, die so sehr abstrakt sind, dass man eigentlich garnicht daran denkt, dass zum Beispiel Schach ein Kriegspiel ist in dem man Soldaten gegeneinander kämpfen lässt, geht es eigentlich um den Überlebenstrieb. Spielt man mal eine Partie Schach gegen einen Freund, ist der Effekt gering. Ist man aber im Finale um die Weltmeisterschaft, geht es um Alles oder Nichts, dann steht was auf dem Spiel und man kommt ins Schwitzen, der Puls rast und man wird zittrig.
Ich bin schon ein bischen „älter“ und habe in meiner Jugend spiele gespielt, die heutige Jugendliche als primitivsten Kack bezeichnen würden - womit sie auch Recht hätten.
Also ich habe so ziemlich von Anfang an die Entwicklung der Computerspiele mitverfolgt und glaube im Allgemeinen sagen zu können, dass sich die Spiele von vor 20 Jahren von den Heutigen garnicht unterscheiden, wenn man sie auf das Wesentliche reduziert. Vor 20 Jahren hat man eine flache, aus ein paar groben Pixeln bestehende Spielfigur durch eine flache Welt nach oben, unten, rechts und links gesteuert (manchmal auch diagonal). Heute steuert man seine Figur aus der Egoperspektive in einer nahezu fotorealistischen Welt mit Hilfe von Eingabegeräten die eine Exaktheit zulassen wie man sie sich vor 20 Jahren nicht hätte vorstellen können. Ob ich jetzt in Galaga, von 1981, ein „Dingens“ nach links und rechts steuere um komische Gebilde, von denen keiner so genau weiss was sie eigentlich darstellen sollen, abzuschiessen, oder ob ich in Battlefield 3 einen Soldaten steuere der andere Soldaten „töten“ muss um nicht selbst getötet zu werden, macht im Grunde keinen Unterschied. Es geht darum zu gewinnen oder zumindest so gut wie möglich abzuschneiden.
Und das „Ballern“ liegt einfach in der Natur der Actionspiele (auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt in denen nicht geballert wird) weil es, im Bezug auf die technische Umsetzung, einfach eine naheliegende Spielmechanik ist.
Es gibt bekanntlich diverse Studien zu diesem Thema mit sehr unterschiedlichen, teilweise gegensätzlichen Ergebnissen. Und die Ergebnisse scheinen davon abhängig zu sein von wem die Studien in Auftrag gegeben wurden…
Das gleiche gilt aber, wie du oben beschrieben hast, für jede Art von Tätigkeit. Vom Sport bis zum Bücherlesen.
Das würde ich so nicht unterschreiben. Beim Sport bestimmt man
das, was man tut, selbst. Beim Lesen von Büchern macht man
seine eigenen Bilder im Kopf. Bei Egoshootern hast du keine
Wahl. Du folgst Handlungsmustern, die von außen vorgegeben
werden. Das macht durchaus einen Unterschied.
Naja, wenn man „Sport“ in erster Linie auf den Sportler selbst reduziert, magst du schon recht haben. Der bestimmt sein Handeln zu weiten Teilen selbst (innerhalb der Spielregeln). Aber wenn man das etwas weiter fasst und auch die Sportfans mit einschließt, siehts schon etwas anders aus…
Sicherlich nicht direkt mit einem Amoklauf vergleichbar, schon allein aufgrund der Menge der „Teilnehmer“. Aber ohne Polizei wären Tote bestimmt nicht auszuschließen gewesen…
Dann ist das Spiel eben gut gemacht und Du warst auch damit einverstanden, es als Realität zum Spielen zu akzeptieren.
Das ist dann auch der Unterschied zum Schiffe versenken mit Kreuzchen machen.
Die Spielemacher suchen bestimmt auch nach Methoden, ein Spiel realistischer zu machen als real.
Das der Handschweiss usw. kommt nennt man glaub ich eine psychosomatische Reaktion.
Du wirst Dir ja auch bestimmt darüber im klaren sein, das man sich immer auf einer Skala zwischen Logik und Emotion befindet.
Die Logik kühlt Dich, die Emotion macht Dich heiss.
Siegt die Emotion, welche angestachelt wird, verlierst Du.
Ich musste zum Beispiel bei TombRaider immer zur Toilette, wenn es z.B um Balanceakte in großer Höhe ging.
Es heisst schliesslich ja auch „virtual Reality“.