Schwere Kinderfrage

Hi!

Ich bin von Nachbars Junior (9 Jahre) mit einer Frage zum Thema „Gott“ konfrontiert worden, die ich nicht so ohne weiteres beantworten konnte.

Der Junge geht, wie manche Menschen auch, von eines Gottesbild als real existierendes (Über-)Wesen aus (der alte Mann im Himmel). Die Frage, mit der er mich ausgebremst hat, lautete schlicht: „Was hat Gott eigentlich gemacht, bevor er die ganze Welt erschaffen hat?“

Ich versuchte mich herauszureden, dass Gott zeitlos sei, und vor der Erschaffung der Welt hätte es keine Zeit gegeben, und von daher bestand keine Notwendigkeit für einen Gott, irgendwas zu tun außer einfach Gott zu sein.

Der Gesichtsausdruck des Jungen zeigte mir ziemlich deutlich, dass er mir nicht glaubte - oder es nicht verstand. Die Frage blieb jedenfalls ungeklärt.

Frage also in die Runde: Gibt es irgendwelche religiösen Theorien, was „Gott als ewiges und unsterbliches Wesen“ vor der Schöpfung so alles getrieben hat? Ich möchte ihm nicht mit „Gott als Prinzip“ oder „es gibt keinen Gott“ oder so was kommen. Das dürfte ihn vermutlich ganz überfordern.

Grüße
Heinrich

Ich liebe die kindliche Logik…
Als Gottgläubiger Mensch habe ich auch in dieser Frage meine Verständnisprobleme.
Die Bibel sagt, dass Gott keinen Anfang und kein Ende hat. Für Menschen nicht vorstellbar, da wir in der Zeit gefangen sind bzw. in der Zeit nicht beliebig bewegen können. Der Aspekt, Gott habe keine Zeit läßt auch mich das etwas verstehen.
Vielleicht kann man sogar sagen, dass Gott die Zeit erschaffen hat, und da wir in dieser gefangen sind, können wir uns in diesem Punkt nicht mit Gott vergleichen, oder zu Gott herüberschauen. (Vielleicht ähnlich wie ein von innen verspiegeltes Aquarium, was kein Blick nach draussen erlaubt). Wir können Gott nicht pysikalisch erfassen oder nachweisen, weil Gott die Pysik und damit die Naturgesetze erschaffen hat. Darunter fällt auch die Zeit.
Ich hoffe, dir etwas in dieser Frage geholfen zu haben.
MFG
Sparmeier

Hallo,

die Annahme der Existenz eines übernatürlichen Wesens wird Dich gundsätzlich immer in ernsthafte logische Schwierigkeiten bringen, da hilft auch kein Nachfragen bei „anderen religiösen Theorien“.

Die wohl einfachste Antwort wäre wohl:

„Tut mit echt leid, aber das weiß ich nicht und ich kann mir das auch nicht vorstellen. Es gibt eben Sachen, die gehen über unseren Verstand und die werden wir nie begreifen, egal, wie sehr wir uns anstrengen. Ich würde auch zu gerne wissen, was Gott vor der Erschaffung der Welt gemacht hat, ob es sowas wie ein „davor“ überhaupt gibt und wie es aussieht und wenn nicht, wie es sein kann, daß es kein „davor“ gibt… aber alles das kann ich mir nicht vorstellen und auch nicht beantworten. Kein Mensch kann das. Ich hoffe, alles zu verstehen, wenn ich Gott einmal gegenüberstehe.“

Ebenso unbefriedigend, aber schwerer einzusehen:

„Nichts. Was hätte er auch tun sollen? Es gab ja nichts! Vielleicht hat er sich gelangweilt und nachgedacht, was er dagegen tun könnte, bis er die Idee hatte, die Welt zu erschaffen.“

Vielleicht war ja was dabei.

Grüße,
Jochen

Ich finde die Antwort von Jo absolut richtig.
Meine Tochter ist mittlerweile sieben, und denkt, fragt und argumentiert mich zu unser beider Lust in Grund und Boden.
Ich habe ihr zu allen Fragen immer die Wahrheit gesagt, ggf. kindgemäß vereinfacht, und die beglückende Erfahrung gemacht, dass das nicht nur mir einiges vereinfacht, sondern auch sie „weiterbringt“.
Also entweder, wenn du auch nichts weißt, sag es ihr genau so, dass eben manches nicht vorstellbar ist.
Oder, eine gut fassbare Alternative: Die Schöpfung Gottes schließt ihn selbst mit ein. Er entstand durch Sammlung der ungenutzten Energie, die im leeren All floss und begann direkt nach seine „Konzentrierung“ mit der Schöpfung.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder lieber eine Erklärung bekommen, die sie noch nicht ganz verstehen, als eine, die später revidiert werden muss oder „halbseiden“ ist.

Gruß Stefan

Hi Heinrich
oder auch
Hei Heinrich!
Die Frage erinnert mich kolossal an eine Frage meines ehemaligen Studienfreundes. Der hat sich lange mit der Frage gequält: „Wer hat Gott erschaffen?“
Da konnte man ihm auch schlecht mit Verlegenheits-Antworten helfen, wie z.B.: „Gott hat sich selbst geschaffen“ oder „Er war schon immer da“ usw.
Gruss, Branden

Hi Sparmeier
Das ist zwar eine schöne Antwort für Erwachsene, aber Kindern bringt diese Erklärung nix. Ich habe 4 Kinder und die beantworten sich im Grunde solche religiösen Fragen selber. Undzwar jeder nach seiner Couleur. Obwohl alle gleich erzogen, haben wir bei den Jungs quasi 2 Atheisten, bei den Mädchen eher religiös angehauchte Wesen. Ich frage mich zuweilen, ob das mit dem Geschlecht zusammenhängt.
Gruss, Branden

Hallo Heinrich,
ich sehe das eher als ein pädagogisches Problem, nicht als theologisches. Nun ja, andererseits habe ich mit Theologie auch nicht allzuviel am Hut …
Ich denke, man sollte Kindern nicht vorgaukeln, es gäbe auf alles eine Antwort. Das mag zwar das kindliche Vertrauen in die Unfehlbarkeit und Allwissenheit der Erwachsenen erschüttern, aber je eher dies geschieht, desto besser (IMHO). Das regt dazu an, sich seine Antworten selbst zu suchen - und mit der Zeit vielleicht sogar dazu, Antworten als Provisorien zu begreifen :wink:.
Um nicht nur klug daher zu schwätzen: ich würde dem kleinen Naseweis sagen, dass das niemand mit Bestimmtheit beantworten kann und dass jeder auf diese Frage seine eigene, persönliche Antwort finden muss - und wenn es die Antwort ist, dass einem das eigentlich völlig egal ist.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo,

Ich bin von Nachbars Junior (9 Jahre) mit einer Frage zum
Thema „Gott“ konfrontiert worden, die ich nicht so ohne
weiteres beantworten konnte.

Der Junge geht, wie manche Menschen auch, von eines Gottesbild
als real existierendes (Über-)Wesen aus (der alte Mann im
Himmel). Die Frage, mit der er mich ausgebremst hat, lautete
schlicht: „Was hat Gott eigentlich gemacht, bevor er die ganze
Welt erschaffen hat?“

Das ist m.E. gar keine echte Kinderfrage - wie nach Anfang und Ende,
gar nach des Kaisers neuen Kleidern etc. -
sondern eine Erwachsenen- oder gar Theologenfrage.
Kein Kind käme „von sich“ auf eine solche Frage, es sei denn,
was ja meist der Fall ist, es steht unter Einfluss von Erwachsenen,
die ihm von „Gott“ erzählen… (ob mit oder ohne Bart).
Das nennt sich dann Enkulturation.

Ich versuchte mich herauszureden, dass Gott zeitlos sei, und
vor der Erschaffung der Welt hätte es keine Zeit gegeben, und
von daher bestand keine Notwendigkeit für einen Gott,
irgendwas zu tun außer einfach Gott zu sein.

Da verstehe ich gut die Reaktion des Jungen:

Der Gesichtsausdruck des Jungen zeigte mir ziemlich deutlich,
dass er mir nicht glaubte - oder es nicht verstand.

Das ist ein gutes Zeichen von „Kindervernunft“.
Glaubst DU denn, dass das eine Antwort ist ?
Zu verstehen wäre daran, warum es so viele Menschen gibt, die an
„Gott“ glauben – und das geht über das Fassungsvermögen nicht nur
eines Kindes; damit wird er sich erst irgendwie arrangieren müssen,
dann selbst nach einer Antwort suchen.

Frage also in die Runde: Gibt es irgendwelche religiösen
Theorien, was „Gott als ewiges und unsterbliches Wesen“ vor
der Schöpfung so alles getrieben hat? Ich möchte ihm nicht mit
„Gott als Prinzip“ oder „es gibt keinen Gott“ oder so was
kommen. Das dürfte ihn vermutlich ganz überfordern.

Theorien gibt es massenhaft.
Aber die dürften doch - hoffentlich - auch dich „überfordern“.
„Herausreden“ scheint mir nicht richtig.
Versuch’, dem Jungen reinen Wein einzuschenken - über den
Gottglauben.
Dann verlierst du auch nicht an Glaubwürdigkeit bei ihm.

Gruss
Nescio

Hi!

Hallo Heinrich, wenn der Junior die Antwort rausgefunden hat, postest du sie dann hier im Brett?

Danke schonmal!

:wink:

Gruß,
Peter

(… könnte man auch als eine Art Antwort verstehen ? … ! )

Hallo Heinrich,

Die Frage, mit der er mich ausgebremst hat, lautete
schlicht: „Was hat Gott eigentlich gemacht, bevor er
die ganze Welt erschaffen hat?“

Die Antworten im Thread laufen ja schon in die
Richtung „Ehrlichkeit“, auch wenn das ja ursprüng-
lich nicht Deine gewählte Antwortstrategie war :wink:

Aber!

Wenn Du ehrlich zugibst:
„Wir wissen nicht, was Gott vor der Erschaffung der Welt tat“,

musst Du auch hinzufügen:
„Wir wissen auch nicht, ob Gott die Welt erschaffen hat“.

Das erfordert die Logik. Ausserdem würden kluge Kinder
von selbst auf so etwas kommen und sich sonst über Deine
Unaufrichtigkeit wundern :wink:

Euer CMБ

Hallo,

die Frage zeigt, dass der Junge außerordentlich clever ist! Ich kann dir keine Antwort für den Jungen geben, außer denen, die hier schon gegeben wurden.
Aber es erinnert mich an einen Vortrag, in dem gesagt wurde, dass dem Heiligen Augustinus genau diese Frage auch gestellt wurde. Dieser geniale Mensch hat vor 1600 Jahren (!) darauf geantwortet, dass die Frage nicht erlaubt sei, denn mit der erschaffung der Welt hat Gott auch die Zeit geschaffen, eine Frage nach dem „davor“ also ziemlich unsinnig ist. Aber eine solche Antwort ist natürlich nichts für den Jungen (oder doch?), sie überfordert ja selbst die meisten Erwachsenen.

Gruss, Stucki

Gefaulenzt? owT
 

„Was hat Gott eigentlich gemacht, bevor er die ganze
Welt erschaffen hat?“

er hat drüber nachgedacht was er wohl mit denen machen wird, die solche fragen stellen…

:wink:

datafox

er hat drüber nachgedacht was er wohl mit denen machen wird,
die solche fragen stellen…

Ja, in dem von mir genannten Vortrag (s.u.) sagte der Referent noch: „Augustinus hätte auch antworten können: Da hat er die Hölle gemacht, in die er Leute, die solche Fragen stellen, hineinsteckt“ :wink:)

:wink:

datafox

Ich möchte ihm nicht mit
„Gott als Prinzip“ oder „es gibt keinen Gott“ oder so was
kommen. Das dürfte ihn vermutlich ganz überfordern.

Versuchs mal damit dass du ihm sagst das niemand diese Fragen beantworten kann. Die Zusatzinformation, das man sich hier etwas ausdenken bzw. sich ausuchen kann ob man es glauben will oder nicht wird nach meiner Erfahrung auch schon von 5 Jährigen verstanden. Agnostisches Denken ist nicht kompliziert und der Realismus den es beinhaltet ist der Intelligenzentwicklung sicher nicht abträglich.
T.

Hi!

Ich bin von Nachbars Junior (9 Jahre) mit einer Frage zum
Thema „Gott“ konfrontiert worden, die ich nicht so ohne
weiteres beantworten konnte.

Salü,
die WARHEIT hättest du ihm sagen sollen;
entweder, so wie es wirklich ist-
oder,…„ich weiß es nicht,weil ich darüber noch nicht nachgedacht habe.“
Kinder belügt man nicht, wenn die SEELE eine frage stellt-.-
Der JOKER