Karin,
Ob ein guter Charakter dazu führt, dass ein Knabe zum
Mädchenschwarm wird, möchte ich dahingestellt sein lassen.
Du hast recht. Viele Mädchen fahren voll auf Feigheit, Brutalität, Geiz und Unehrlichkeit ab; auch Raffgier, Ichsucht und Heimtücke sind bei den Backfischen beliebt.
das mein Vater sich seinen Kindern gegenüber gestattet hat,
und ich habe es zum k***** gefunden.
Daß Dir das damals an Deinem Vater mißfallen hat, und Du offenbar bis heute kein Verständnis dafür aufbringen kannst, ist sehr bedauerlich, aber es ist doch nur eine schwache Begründung dafür, das verallgemeinerte Verbot, Stolz auf die Leistungen anderer zu empfinden, zu einer Frage des Weltbildes zu erheben und mit solcher Vehemenz zu verfechten.
Als emotionsarm bezeichne ich den heutzutage oft zu beobachtenden Erziehungsstil, bei dem die Eltern mit dem Kind ständig partnerschaftlich verhandeln wollen und niemals schimpfen, sondern lieber zu Sachstrafen greifen.
Aber Zärtlichkeit, Anerkennung des Kindes, gerade wenn es mal
keinen Erfolg hatte usw. war nicht angesagt. Das habe ich bei
meiner Tochter viel lieber eingesetzt.
Mit dem Mißerfolg, wie etwa einer schlechten Schulnote, wird bei uns betont sachlich umgegangen. Zärtlichkeit und gegenseitige Liebesbekundungen sind Selbstzweck.
Stolz sei Pflicht. Du hingegen klingst schon ein wenig nach:
„Ein Weltbild mit diesem Stolzverbot ist Pflicht“.
Die Pflicht bringst immer Du hinein, auch neulich schon bei
der Pflicht zum Abiturmachen.
Das ist albern. Du verbietest ein Gefühl, erhebst dieses Verbot zu einem wichtigen Teil Deines Weltbildes und erklärst jegliche andere Ansicht für unvorstellbar. Diese Pflicht zum Stolzverzicht verstehe ich nicht, weil Du sie zwar mit Absolutheitsanspruch postulierst, aber nur mit einer rein persönlichen Kindheitserfahrung begründest.
Die Pflicht, den höchstmöglichen allgemeinen Bildungsabschluß anzustreben, ist hingegen einleuchtend.
Und zwar im Tonfall als Absolutheitsanspruch.
Ja, ich bin unfehlbar in Glaubens- und Sittenfragen, wenn ich ex cathedra spreche - jedenfalls für meine Kinder.
Ich finde einfach, dass es reicht, sein Kind als den
Menschen zu akzeptieren, der es ist.
Richtig, Du hast die erzieherische Verantwortung nicht mehr, und da reicht das. Aber das war nicht unser Thema.
Erfolge können einen freuen. Aber Stolz ist
bei mir - sicher auch erziehungsbedingt - nur für
eigene Leistungen angesagt.
Bei Dir, ja (und bei mir ist es halt anders). Du argumentierst jetzt auf einmal individualistisch. Also was denn nun: „Weltbild Stolzverbot“ oder „anything goes“?
Wolfgang