Dieser Artikel strotzt nur so von Halbwahrheiten und falschen Vorstellungeng.Ich trainiere seit über 5 Jahren historisches Fechten in einer Interessengemeinschaft nach Vorbild der Fechtbücher des 15ten und 16ten Jahrhunderts. Und bevor sich über den Begriff jemand erregt: Fechten bezeichnet jegliche Form der körperlichen Auseinandersetzung, das Wort nur auf das heute recht bekannte Sportfechten zu beziehen ist eine weitere der schon erwähnten falschen Vorstellungen.
Die Techniken, die man in den Aufzeichnungen findet, zielen auf eine Schnittwirkung ab. Schon allein daraus kann man Ableiten, daß die Klingen zu der Zeit sehr wahrscheinlich scharf geschliffen gewesen sind. Der Unterschied in der Wirkung, zwischen einer stumpfen und einer geschärften Klinge ist enorm, das wird einem klar, wenn man einmal Schnitteste mit so einer Waffe gemacht hat. Die Haue und Hiebe, sind diffizil und präzise, davon zu Reden ein Schwert würde wie eine Wuchtwaffe geführt werden, ist weit ab jeglicher Realität.
Die Parade Schneide auf Schneide ist in der Tat eine erhebliche Belastung für eine Klinge. Alldings ist schon damals eine schonendere Möglichkeit beschrieben worden. Da das Parieren auf der Breitseite der Klinge nicht funktioniert, weil das Schwert dabei zu instabiel ist, nimmt man den Hau zwar auf der Breitseite auf, dreht die Klinge dann allerding auf die Schneide. Dies erfordert ein wenig Übung, ist aber ohne Weiteres machbar. Über die geringere Belastung der Klinge hinaus, hat diese Parade den Vorteil, daß man damit etwas offensiver parieren kann und mögliche Konter wie Stiche oder Schliffe erleichtert.
Geschichten und Legenden von 3, 5 oder sogar 7 Kilogramm schweren Schwertern gehören exakt dort hin: Ins Reich der Geschichten und Legenden. Ein Anderthalbhänder im 15hundert hat im Mittel 1,4Kilogramm gewogen, ein Bidenhänder zwischen 2,5 und 4 Kilogramm. Das schwerste, was ich jemals gesehen habe, war ein Wikingerschwert, daß ca. auf 900 nach Christus datiert wurde und für seine doch recht kurze Klinge ein Gewicht von knapp einem Kilogramm zustande brachte. Vorstellungen, daß man durch ein so hohes Gewicht, eine ganz besondere Schlagwirkung erreichen könnte, sind schlichtweg falsch (jemand wollte mir sogar einmal erzählen, man könne mit so einer Eisenbahnschwelle einen Hau führen, der dem Gegner bei einer normalen Parade, den Unterarm brechen könne). Ich muß die Energie einer Klinge, die auf mich zukommte, nicht zwingend komplett stoppen und zunichte machen, es gibt verschiedene Möglichkeiten einem derart wuchtigen Hieb zu endgehen und gleichzeitig einen Konter zu setzen (z.B. Durchgängige Paraden oder diverse Ausweichen-Techniken).
Stiche sind ein wichtiger Teil der historischen Fechttechniken. Daß sie bei Feldschlachten, die nach Codex Belli oder ähnlichen Systemen heute kaum angewendet werden, kommt aus der Not heraus, daß sich dort auf dem Feld unter umständen völlig Fremde Menschen begegnen, und sich daher alle im Vorfeld auf ein gewisses Sicherheitskonzept einigen müssen. Damit entfernen sich solche Systeme allerding ein Stück vom realen Kampf, eben weil Leute dort nach meinen Beinen hacken dürfen, ohne ihren Kopf schützen zu müssen, wild ihre Waffe von hinter dem Kopf herumschwingen können, ohne dafür einen Stich in die Brust zu bekommen oder mit 2 ganz kurzen, kleinen Schweinestechern in meine Reichweite laufen können ohne, an den Händen getroffen zu werden. Das ist ja auch alles vollkommen unproblematisch, nur darf man für eine Diskussion, wie Waffen historisch geführt/behandelt wurden, keine auf einem Codex Belli System basierenden Überlegungen mit einfließen lassen, sondern muß sich an historische Vorgaben halten.
Gruß
Lorgarn